Faunenbrunnen, 1986
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Faunenbrunnen, 1986

Apel, Heinrich

Faunenbrunnen © Saskia Hubert
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© Saskia Hubert

Die zum Zeitpunkt der Fertigstellung womöglich provokative Dissonanz zwischen gebauter Umgebung und bildhauerischem Werk ist im Falle des Faunbrunnen quasi programmatisch. Demonstrativ wurde hier von Heinrich Apel das Runde ins Eckige einer bemüht wirkenden Geschäftsarchitektur sozialistisch-planwirtschaftlicher Provenienz platziert. Die Aufhübschungsversuche der letzten beiden Dezennien allerdings wirken wie billiger Modeschmuck, der inzwischen schon wieder die Sehnsucht nach dem spröden Busen der ostdeutschen Bauarbeiterschönheit wecken mag.

Apels raumgreifender Brunnen, so noch immer der bestimmende Eindruck, wollte darin nicht mehr aber auch nicht weniger sein als eine im Wortsinn übersprudelnde, erzählfreudige, quicklebendige Burleske um die sinnliche Liebe.

Dass die Arbeit im Volksmund auch als Teufelsbrunnen firmiert, hat nicht nur mit den gehörnten Knaben zu tun, die der Künstler dort auf und nieder turnen lässt, sondern vor allem mit dem Riesengefäß selbst, dass man als Betrachter nicht eigentlich als Brunnen, sondern vielmehr als Kessel identifiziert. Einen solchen Gefäßtypus wiederum verbindet man zumal im nördlichen Europa weniger mit antiken Faunen oder Satyrn als mit heimischen Teufeln und Hexen. Zum Bild, dass man von Letzteren hat, passt schließlich auch die prächtig gehörnte Schönheit, die über den Kesselrand teilnahmslos ins zivilisierte Leben schaut, dass sich da unter ihr abspielt.

Da balgen sich zwei Jungs und ein Hund hebt ohne Respekt sein Bein, um am Kesselfuß sein Geschäft zu verrichten. Die eigentliche Geschichte, weswegen dieser ganze Aufwand getrieben wird, aber scheint sich lautlos zwischen den Beiden abzuspielen, die da links und rechts von ihr sitzen. Linkerhand hat sich ein junger Mann auf den Stufen niedergelassen, mit betont zur Seite gewandtem Kopf und Armen, die seinen Körper geradezu verriegeln wollen. Die junge Frau auf der anderen Seite hat sich auf einem dreibeinigen Hocker zusammengekauert, schaut nach unten und doch gleichsam um die Ecke zu ihm. Der sprichwörtliche Hexenkessel der Gefühle, in dem sie sich jetzt wähnen, steht sichtbar hinter ihnen. Wie bei dem Relief für die Johanniskirche, wo Apel über das desaströse weltliche Geschehnis als mythologisches Hoffnungszeichen das gastfreie Greisenpaar Philemon und Baucis gesetzt hat, sieht man hier auf der Säule inmitten des Kessels, hoch über dem Tohuwabohu der verwirrten Sinne, ein sich schnäbelndes Taubenpaar.

Über den Künstler

Heinrich Apel (* 5. Mai 1935 in Schwaneberg (Börde), Sachsen-Anhalt) ist ein in Magdeburg lebender Künstler und Bildhauer.

Von 1953 bis 1959 studierte er an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein bei Gustav Weidanz.

Seit 1959 ist er in Magdeburg tätig, unter anderem mit baugebundenen Arbeiten wie Bronzetüren, Brunnen, Standbilder, mit Collagen, Textilien, Medaillen, Kleinplastiken und Bildern sowie Restaurierungsarbeiten an den Domen Magdeburg, Halberstadt, Stendal, an der Stiftskirche Quedlinburg und beim Wiederaufbau des Magdeburger Reiters.

WERKE

­­: Dom zu Magdeburg, Türklinkengestaltungen 1962-64:Urteil des Paris/Eule/Vögel am Nest

: Faunbrunnen (oder Teufelsbrunnen) in der Leiterstraße in Magdeburg

: Eingangstüren des Klosters unser Lieben Frauen in Magdeburg

: Eingangsportal der Johanniskirche in Magdeburg

: Bronzeplatten am Rathaus Magdeburg

: Eulenspiegelbrunnen in Magdeburg

: Lenné-Büste im Klosterbergegarten in Magdeburg

: Eingangstüren vom Kreuzgang zum Vorraum des Domschatzgewölbes und zum Domschatzgewölbe im Naumburger Dom

: Handläufe der Franziskustreppe und der Paradiestreppe im Naumburger Dom

: Taufbecken in der St.-Thomas-Kirche in Pretzien

: Plastik des Hofnarren Fröhlich in Dresden am Neustädter Markt

: Plastik für den Eike-von-Repgow-Preis der Stadt Magdeburg

: Nietzsche-Denkmal auf dem Holzmarkt in Naumburg

: Salzwedel Lorenzkirche: Türklinke Martyrium des Hl. Laurentius auf dem Feuerrost

: Die Rettungstat des Hauptmann Igor Belikow in Magdeburg

Weitere Werke stehen in Berlin, Dresden, Halle, Frankfurt (Oder), Bernburg, Salzwedel, Egeln, Worms und Klostermannsfeld.

(Quelle: de.Wikipedia.org)