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Herr Krzysztof Blau wurde von den Mitgliedern des Beirates für Integration und Migration der Stadt zu ihrem Vorsitzenden gewählt und ist somit gleichzeitig als ehrenamtlicher Integrationsbeauftragter der Landeshauptstadt Magdeburg bestellt.


Gespräch mit dem ehrenamtlichen Integrationsbeauftragten Herrn Krzysztof Blau

Als Vorsitzender des Beirates für Migration und Integration sind Sie auch gleichzeitig der neue Integrationsbeauftragte der LH MD. Was motiviert Sie, um sich in der Landeshauptstadt Magdeburg ehrenamtlich zu engagieren?

Ich bin vor nahezu 40 Jahren im Rahmen der Familienzusammenführung aus Polen nach Magdeburg zugewandert. Als schulpflichtiger Jugendlicher, mit überschaubaren Grundkennt-nissen der deutschen Sprache, durfte ich sofort nach meiner Ankunft in Magdeburg eine Oberschule besuchen.
Es gab damals keine Integrations- und Sprachkurse, aber ich hatte von Anfang an das Gefühl des Willkommensseins in Magdeburg und eine Vielzahl von Freunden und Menschen, die es „gut meinten“ mit mir.
Dieses Gefühl der Aufnahme und Zugehörigkeit habe ich bis heute und ich weiß, wie wichtig diese Wahrnehmung für alle Menschen ist, die aus unterschiedlichen Gründen aus dem Aus-land zu uns kommen und nun unterschiedlich lange in Magdeburg zu Hause sind.
Magdeburg ist zu meiner Heimatstadt geworden und das wünsche ich allen Neu-Magdeburgern auch. Dafür werde ich mich in meinem Ehrenamt einsetzen und einen kleinen Beitrag des mir entgegen gebrachten Vertrauens an die Magdeburger zurückgeben.

Die Aufgaben des Beirates als ein Gremium der Landeshauptstadt Magdeburg sind in der Beiratssatzung definiert. Er nimmt unabhängig, parteipolitisch neutral und konfes-sionell ungebunden die Interessen aller in der Landeshauptstadt Magdeburg lebenden Migrantinnen und Migranten wahr und wirkt auf die chancengleiche Partizipation aller Bevölkerungsgruppen am Gemeinwesen hin.

Worin sehen Sie Ihre besondere Rolle als Integrationsbeauftragter?  Wie lässt sich das Ehrenamt des Integrationsbeauftragten mit der beruflichen Tätigkeit vereinbaren?

Als ehrenamtlicher Integrationsbeauftragter der Stadt Magdeburg arbeite ich auf der Grundlage einer Dienstanweisung des Oberbürgermeisters, in der die Aufgaben und Zuständigkeiten geregelt sind.
Ich verstehe mich als Bindeglied zwischen den Migrant*innen und ihren Selbstorganisationen einerseits sowie dem Stadtrat und der Stadtverwaltung anderseits.
Mein Ehrenamt lässt sich sehr gut mit meiner beruflichen Tätigkeit vereinbaren. Ich bin hauptamtlich Geschäftsführer der Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt e.V.  Sie ist Trägerin des einewelt haus Magdeburg und vieles, was ich in dem Haus und bei den dort organisierten interkulturellen Vereinen oder bilateralen Freundschaftsgesellschaften mitbekomme und an Erfahrung und Erkenntnis gewinne, prägt mich auch als Integrationsbeauftragter. Wieso auch nicht? In diesem Haus, in dem durch migrantische Vereine Familien und Einzelpersonen neuerer Zuwanderungsgenerationen Schritt für Schritt beim Ankommen in der neuen Gesellschaft unterstützt werden, sieht man teilweise wie unter einem Brennglas, was gerade gut läuft und was nicht.
Meine Wahrnehmung speist sich aus so vielem mehr, z.B. aus meiner persönlichen Migrationserfahrung, meiner langjährigen beruflichen Tätigkeit in der IHK Magdeburg und den Kontakten zu Magdeburger Unternehmen sowie meinen zahlreichen weiteren Ehrenämtern. Entscheidend ist, die Funktionen klar zu trennen, um einen Interessenkonflikt zu vermeiden.

Wo sehen Sie die Schwerpunkte bei der Ausübung der Funktion?

Die Grundaufgabenstellung des Integrationsbeauftragten ist es, sich an der Entwicklung von Konzepten und Strategien zu beteiligen, um Probleme zu mildern oder zu verhindern, die im Zusammenhang mit der besonderen Situation der zu vertretenden Personengruppen stehen.
Meine Zielstellung ist die volle gleichberechtigte Integration und Akzeptanz aller Gruppen der Bevölkerung im städtischen Gemeinwesen. Meinen Schwerpunkt sehe ich darin, im Kontakt mit den Bürgern konkrete Anliegen und Anregungen aufzunehmen und gemeinsam mit dem Beirat für Integration und Migration nach Lösungen zu suchen. Klare Beschlusslagen sind wichtig aber nicht jedes Problem ist damit automatisch gelöst. Die Präsenz in den Gremien der Integrationsarbeit und die regelmäßige Kommunikation mit den politisch und verwaltungsseitig Verantwortlichen ist mir ebenfalls sehr wichtig.

Welchen Aufgaben wollen Sie sich zuerst widmen?

Als erstes werde ich mich den Gremien und Netzwerken persönlich vorstellen und ihre Bedarfe und Hinweise abfragen. Ich werde eine regelmäßige Sprechstunde im Rathaus einrichten, um Beratung und Hilfe für Menschen, die aus dem Ausland zu uns kamen und kommen, anzubieten. Und nicht zuletzt wird meine Unterstützung in der Umsetzung des Integrationskonzeptes der Landeshauptstadt Magdeburg einen Aufgabenschwerpunkt bilden.

Was erwarten Sie von der Stadtverwaltung und den Vertretern der Politik, um ihrer Funktion gerecht werden zu können? Welche Partner sind darüber hinaus wichtig für Sie?

Für mich ist es wichtig, dass wir alle eine Grundverständigung darüber haben, dass es nicht mehr um die Frage geht, ob wir Zuwanderung brauchen, sondern wie gestalten wir den Integrationsprozess als eine Querschnittsaufgabe
aller verantwortlichen Akteure.
Eine gelungene Integration wirkt sich direkt auf die Lebensqualität aller in Magdeburg lebenden Menschen und die Entwicklungsperspektiven unserer Stadt aus. Dies sollte der Ansporn sein für alle Partner, denen ein weltoffenes und friedliches Magdeburg nicht nur unter Imagegesichtspunkten etwas bedeutet.

Worin sehen Sie die Herausforderungen, vor denen die Landeshauptstadt Magdeburg kurz- und mittelfristig auf dem Gebiet der Integrationsarbeit steht?

Die Stadt Magdeburg hat im vergangenen Jahr gemeinsam mit allen integrationsrelevanten Stellen in der Stadtverwaltung und freien Trägern die Integrationspolitischen Leitlinien entwickelt und das 1. Integrationskonzept der Stadt auf den Weg gebracht. Der Stadtrat wird in diesem Jahr darüber abstimmen. Das Konzept löst die Rahmenrichtlinien für Integration aus dem Jahr 2006 ab. Diese waren für die damalige Zeit absolut innovativ. Jedoch haben sich die Zeiten geändert, die gesellschaftlichen Herausforderungen und auch die Zuwanderungsgründe. Der Migrationsanteil inkl. der anerkannten Flüchtlinge lag bei 3,5%, heute bei knapp 10%. Es gab damals noch keine EU-weite Arbeitnehmerfreizügigkeit, wir waren auch noch nicht im Bereich der Hochschulen, der Wissenschaft und Wirtschaft so international aufgestellt wie heute.
Die Herausforderungen liegen m.E. in der stärkeren Förderung von Mehrsprachigkeit im öffentlichen Leben und der interkulturellen Öffnung in zentralen Bereichen. Dazu gehören ebenso Bildungsangebote, die Internationalisierung in Kunst, Kultur und im Alltag sowie auf die jeweiligen Zielgruppen besser zugeschnittene Informationen und Wegweiser durch unser Magdeburger Stadt- und Behördenleben.