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2. Stadtgeschichtlicher Sommerabend am 2. Juni um 19.00 Uhr

Das Stadtarchiv lädt zum zweiten Stadtgeschichtlichen Sommerabend in diesem Jahr wieder in das Alte Rathaus ein. Im Kaiserin-Adelheid-Foyer stellt am 2. Juni um 19.00 Uhr der Historiker Dr. Hartmut Kühne das kaum bekannte Phänomen der lutherischen Wunderbrunnen in einem Überblick vor und erläutert dies exemplarisch am Beispiel des Diesdorfer Wunderbrunnens, der am 9. Juni 1726 – also fast genau vor 300 Jahren – entdeckt wurde. Alle Interessierten sind willkommen, der Eintritt ist frei.

 

Auch Protestanten glaubten an göttliche Wunder und erhofften sich körperliche Heilungen durch die Gnade Gottes – zumindest bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts. Dies ist das überraschende Ergebnis eines umfangreichen Buches, das der Historiker Hartmut Kühne gerade veröffentlichte. Bei diesen Heilungswundern spielten Wasserquellen eine wichtige Rolle, die als „Gnaden- und Wunderbrunnen“ galten und kirchlich betreut wurden. Dieses Phänomen, das in allen lutherischen Territorien verbreitet war, hatte einen Schwerpunkt zwischen Magdeburg und Halberstadt, wo 1646 der Wunderbrunnen von Hornhausen europaweit Beachtung fand und den kirchlichen Umgang für Jahrzehnte bestimmte. Im regionalen Umfeld Magdeburgs gab es in den folgenden Jahrzehnten zahlreiche Entdeckungen solcher Wunderbrunnen. Im Juni 1726 wurde eine solche Heilquelle in Diesdorf vor den Toren Magdeburgs entdeckt.

 

Der Vortrag wird das bisher fast unbekannte Phänomen der lutherischen Wunderbrunnen in einem kurzen Überblick vorstellen und sich exemplarisch mit dem in Diesdorf am 9. Juni 1726 - also fast auf den Tag genau vor 300 Jahren - entdeckten Wunderbrunnen befassen. Aus den erhaltenen Akten lässt sich der Besuch des Wunderbrunnens aus ganz Mitteldeutschland und die Betreuung der Patienten durch den Ortspfarrer gut erkennen. Ebenso vermitteln diese Akten aber auch einen Eindruck von der aufkeimenden Skepsis akademischer Ärzte und der staatlichen Gesundheitsverwaltung gegen solche religiösen Heilwasser-Therapien, was schließlich zum Ende der kirchlich betreuten Wunderbrunnen führte.

 

Privatdozent Dr. Hartmut Kühne reichte 2022 seine Untersuchung über die lutherischen Wunderbrunnen an der Universität Leipzig ein, und wurde hier als Landeshistoriker habilitiert. Seine Forschungen beschäftigen sich mit der Frömmigkeit- und Alltagskultur des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit. 2014/2015 kuratierte er in Magdeburg die Ausstellung „Am Vorabend der Reformation. Alltag und Frömmigkeit in Mitteldeutschland“ im Kulturhistorischen Museum Magdeburg.

 

Das Programm der Veranstaltungsreihe gibt es als Flyer oder online auf www.magdeburg.de/stadtarchiv.

28.05.2026