Stilles Gedenken und Kranzniederlegung auf dem Westfriedhof
In der Landeshauptstadt ist gestern an den in Magdeburg geborenen Ehrenbürger Heinz Gerling erinnert worden, der vor 25 Jahren gestorben ist. Als ehrenamtlicher Beauftragter für Denkmalpflege und Geschäftsführer der Magdeburger Gesellschaft von 1990 e. V. beeinflusste und gestaltete er die Landeshauptstadt maßgeblich mit. 1997 wurde Oberingenieur Gerling mit der Ehrenbürgerschaft ausgezeichnet. Oberbürgermeisterin Simone Borris legte gestern in stillem Gedenken einen Kranz am Ehrenbürgergrab auf dem Westfriedhof nieder.
Die Berufung von Oberingenieur Heinz Gerling war es „das Erhaltene zu pflegen, an das Verlorene zu erinnern und Schutzwürdiges vor dem Verfall zu bewahren“. Gerling widmete sich mit Courage und Bürgerengagement der Denkmalpflege. Über 40 Jahre erfasste, dokumentierte und erhielt er Denkmäler in Magdeburg. Sein Engagement führte in Sachsen-Anhalt zu einem der wirkungsvollsten Denkmalpflegegesetze in der gesamten Bundesrepublik.
Heinz Gerling hatte maßgeblich Anteil an der Sanierung des Gründerzeitviertels, der Lukasklause, dem Kloster Unser Lieben Frauen und vieler weiteren Bauwerke in Magdeburg. 1969 leitete Gerling den Bau der Hyparschale im Rotehornpark, die noch heute als Beispiel besonderer Ingenieurbaukunst gilt, selbst zum Denkmal wurde und 2024 nach einer Grundsanierung wiedereröffnet wurde. Mit der Firma „Gerling & Rausch“ errichtete er das Fahnenmonument an der Elbuferpromenade und den Märchenbrunnen im Norden der Stadt.
Er gehörte nach 1990 auch zu den Mitinitiatoren der Sanierungsbemühungen „Wohnen im Denkmal“ von Wohnungsbaugenossenschaften und Privatinvestor*innen. Energisch setzte er sich für die Rettung des Kettendampfers „Gustav Zeuner“ ein, deren Restaurierung er nicht mehr erlebte. Außerdem war er Mitglied in der Dombaukommission, im Kuratorium für den Wiederaufbau der Johanniskirche, im Baukunstbeirat der Landeshauptstadt Magdeburg, im Forum Innenstadtentwicklung, im Kuratorium „1.200 Jahre Magdeburg“ sowie im Förderverein „Bundesgartenschau Magdeburg 1999“.
Entscheidung für die Denkmalpflege
Die schwere Zerstörung Magdeburgs während des Zweiten Weltkrieges, der Abriss von Kirchen in der Altstadt in den 1950er und 1960er Jahren sowie der Verfall zahlreicher Bauwerke veranlasste Heinz Gerling, sich aktiv für die Bewahrung des baulichen Erbes einzusetzen. 1964 war er Mitbegründer der Interessengemeinschaft (IG) Denkmalpflege im Kulturbund und übernahm 1977 deren Vorsitz. Bald drauf folgte die Berufung zum „Ehrenamtlichen staatlichen Beauftragten für Denkmalpflege der Stadt Magdeburg“.
1995 erhielt Heinz Gerling die „Silberne Halbkugel“, der deutsche Preis für Denkmalschutz. Anlässlich seines 75. Geburtstages wurde Gerling 1997 das Ehrenbürgerrecht der Landeshauptstadt verliehen. Das Ehrenbürgerrecht ist die bedeutendste Auszeichnung Magdeburgs. Der Oberbürgermeister verleiht es nach der Beschlussfassung durch den Stadtrat an Persönlichkeiten, die sich in hervorragender Weise um die Stadt verdient gemacht haben.
Über die Grenzen Magdeburgs bekannt
Gerlings Wirken für den Denkmalschutz begrenzte sich keineswegs nur auf Magdeburg. Seit 1970 engagierte er sich für den Ausbau des stillgelegten Bergwerks Büchenberg bei Elbingerode zum Schaubergwerk. Weiterhin half er der Kirchengemeinde Pretzien, indem er vom VEB Industrieofen- und Feuerungsbau 1977 den Dachstuhl für den Anbau an die romanische Dorfkirche bauen ließ. 1991 wurde er in die Expertengruppe des Landes Sachsen-Anhalt zur Etablierung der „Straße der Romanik“ berufen, in die er seine Ideen erfolgreich einbringen konnte.
Glockenspiel als Passion
Eine weitere Passion Gerlings war das Glockenspiel. Er initiierte die Installierung des Glockenspiels im Magdeburger Rathausturm 1974 sowie der Glocken in der Marienkirche des Klosters Unser Lieben Frauen. Unter seiner Leitung wurde 1975 der Arbeitskreis „Glockenspiel“ in der Stadt Magdeburg ins Leben gerufen. Gerling leitete bereits unter anderem den Arbeitskreis „Glockenspiel“ der DDR und war später Vorstandsmitglied der Deutschen Glockenspielvereinigung e.V. in Hannover.
Kurzvita von Heinz Gerling
Gerling wurde am 8. Oktober 1922 in Magdeburg geboren. In seiner Heimatstadt besuchte er von 1928 bis 1932 die erste Wilhelmstädter Volksschule und später bis 1941 das Wilhelm-Raabe-Gymnasium. Der Sohn eines Architekten (Hermann Gerling, 1886 bis 1942) wurde nach dem Abitur zum Wehrdienst eingezogen und konnte erst nach dem Zweiten Weltkrieg eine berufliche Ausbildung beginnen. 1949 schloss Gerling das Studium als Ingenieur für Bauwesen ab. 1951 heiratete er Inge Müller (geb. 1927) aus Langenweddingen. Er arbeitete unter anderem als Hochbauingenieur in der väterlichen Firma „Gerling & Bosch OHG“, bei dem Industrieofenbau VULKAN in Berlin, eröffnete hierzu ein Zweigbüro in Magdeburg, gründete einen eigenen Handwerksbetrieb und übernahm später die Firma „Gerling & Rausch“. Am 19. Mai 2001 verstarb Heinz Gerling im Alter von 79 Jahren in Magdeburg.