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Internationales Figurentheater-Festival blickwechsel 2026:

… und dann und wann ein weißer Elefant

Eine sieben Meter hohe Weltkugel, die den Globus im Wanken zeigt; ein Schnitzel of Love, das über Liebeskummer hinweghilft und autonome Puppen, die uns an die Zukunft erinnern: Das kommende 14. blickwechsel-Festival feiert mit seinem Programm das Unerwartete.

Der weiße Elefant im Titel – entliehen aus Rainer Maria Rilkes Gedicht „Karussell“ – steht für das Außergewöhnliche im Gewöhnlichen. Er zieht Aufmerksamkeit auf sich und wird zum Bild für ein Theater, das Gängiges unterbricht.

Das 14. Internationale Figurentheater-Festival blickwechsel vom 29. Mai bis 5. Juni 2026 möchte genau dieses Unerwartete feiern und Perspektiven wechseln. Über 25 Gastspielproduktionen aus über zehn Ländern, darunter eine Uraufführung und sechs deutsche Erstaufführungen, stehen auf dem Programm. Gerahmt werden die Vorstellungen (inklusive Straßentheater umsonst und im Freien) durch Workshops, Offene Proben, Gesprächs-Panels, Talks und Partys.

Erstes blickwechsel unter neuem Leitungstrio

Es ist zugleich die erste Ausgabe, die Ania Michaelis verantwortet. Seit dem 1. April ist sie Künstle-rische Referentin der Intendantin am Puppentheater Magdeburg. Gemeinsam mit den Dramatur-ginnen Sofie Neu und Miriam Locker kuratiert die Regisseurin das Festival blickwechsel.

Das Eröffnungsfest la notte läutet am 29. Mai im Klosterbergegarten das Festival ein. Der Höhe-punkt in dieser Nacht: eine sieben Meter hohe, in alle Richtungen bewegliche Metallkugel, die zur ins Wanken geratenen Weltbühne wird (Upside Down, Theater Titanick). Die 360-Grad-Perfor-mance verknüpft Physical Theatre, Vertikaltanz, Kinetic Art und Videokunst.

Zu den Hauptattraktionen des regulären Festivals gehören die Eröffnungsstücke Bande Originale (dt. Erstaufführung) der visuellen Theaterkompagnie Old Masters aus der Schweiz sowie die One Man Show (dt. Erstaufführung, VOX Muziektheater), die sich in einer Mischung aus Objekttheater, Barockgesang und elektronischer Musik dem Thema Männlichkeit nähert.

Mit Atlas of Sounds / Waldstille hat der polnische Objekt- und Soundkünstler Ludomir Franczak eine eigene Arbeit für das Puppentheater entwickelt, das beim Festival seine Uraufführung feiert: Hier tauchen Puppen aus der Figurensammlung des Puppentheaters in den Gruson-Gewächshäu-sern auf und stellen Fragen zum kolonialen Sammlungsdrang.

Ungewöhnliche (und bekannte) Spielorte

Ohnehin kapert das blickwechsel auch in dieser Ausgabe ungewöhnliche Spielorte: Neben den Gewächshäusern sind das Carl-Miller-Bad (Das tapfere Schneiderlein, Märchenfänger), der Salbker Wasserturm (Boîte crânienne, ein besonderes Puppen- und Maskenspiel der belgischen Compagnie La Corneille bleue), die Datsche (Schnitzel of Love, eine abgedrehte Figurentheater-performance über Liebeskummer von Stefanie Oberhoff) sowie das Technikmuseum (Silicon Dreams, OutOfTheBox) vertreten.

Letzteres spielt in Titel und Performance auf die oft vergessene, lange Geschichte der Mikroelekt-ronik Ostdeutschlands an. Und: Mit Die Dinge und wir – Parcours der Miniaturen (Epp/Rüss/Vet-ter, Akira Schroth, Golden Delicious) ist das Puppentheater mit drei verschiedenen Objekttheater-stücken erstmalig zu Gast im Insel Theater.

Junge Elefanten im Schreibkarussell

Daneben setzt das Festival einen Fokus auf Nachwuchs und Vernetzung – und zwar international: Die Masterclass Junge Elefanten versammelt Puppenspielstudierende aus Polen, der Ukraine und Frankreich. Mit dem Schreibkarussell, der Schreibwerkstatt für neue Dramatik im Figurentheater, lädt das Haus drei Dramatiker*innen ein, Textskizzen fürs Puppen-, Figuren oder Objekttheater zu entwickeln. Und in der Elefantenrunde treffen sich die Leitungen der Ensemblepuppenthea-ter Deutschlands zum Austausch.

Das blickwechsel-Leitungstrio legt ebenso einen Schwerpunkt auf Theaterangebote für Kinder: So erforschen bereits die Allerjüngsten (2+) gemeinsam mit dem französischen Künstler Benoît Sicat den Klang des Regens (Pluie ?) – zugleich eine deutsche Erstaufführung. Insgesamt umfasst das Programm des Festivals 2026 neun Vorstellungen für ein junges Publikum.

Infos und Karten zu allen Veranstaltungen gibt es auf puppentheater-magdeburg.de.

09.04.2026