Eine kaum bekannte Seite staatlicher Repression in der DDR
Als „asozial“ oder „herumtreibend“ zu gelten, hatte in der DDR mitunter schwerwiegende Folgen: Unter dem Deckmantel des Gesundheitsschutzes wurden junge Frauen zwangsweise in geschlossene Anstalten eingewiesen – im Volksmund herabwürdigend „Tripperburgen“ genannt. Die Betroffenen saßen ohne richterlichen Beschluss unter oft demütigenden Bedingungen ein. Ihrem Schicksal widmet sich die Wanderausstellung „Einweisungsgrund: Herumtreiberei. Disziplinierung in Venerologischen Stationen und Spezialheimen der DDR“, die jetzt in der Stadtbibliothek Magdeburg gezeigt wird. Zur Eröffnung am Dienstag, 7. April, um 17 Uhr spricht die Historikerin Katharina Eger.
Die von der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau und dem Leipziger Verein „Initiative Riebeckstraße 63“ erstellte Wanderausstellung dokumentiert eine wenig bekannte Seite staatlicher Repression gegen Mädchen und Frauen in der DDR. Im Blickpunkt steht die Umerziehung in den sogenannten Geschlossenen Venerologischen Stationen, in denen systematisch sexualisierte Gewalt ausgeübt wurde. Betroffen waren vor allem Mädchen und Frauen, deren Verhalten von den sozialistischen Idealen der Arbeitsdisziplin, des partnerschaftlichen Zusammenlebens oder der Staatstreue abwich. Die Ausstellung will den Erfahrungen der betroffenen Frauen zu mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung verhelfen. Deshalb stehen ihre Stimmen im Mittelpunkt. Darüber hinaus werden Fotos und Dokumente gezeigt, die das Zusammenwirken der verschiedenen Umerziehungsinstitutionen der DDR verdeutlichen.
Zur Ausstellungseröffnung nimmt die Hallenser Historikerin Katharina Eger eine zeitgeschichtliche Einordnung der staatlichen Zwangsmaßnahmen vor und in die Schau selbst führt als einer der Ausstellungsmacher Hannes Schneider ein, Projektmitarbeiter der Torgauer Gedenkstätte.
Alle interessierten Gäste sind herzlich zur Vernissage der von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur geförderte Wanderausstellung „Einweisungsgrund: Herumtreiberei. Disziplinierung in Venerologischen Stationen und Spezialheimen der DDR“ am Dienstag, 7. April, um 17 Uhr in der Zentralbibliothek der Stadtbibliothek Magdeburg, Breiter Weg 109, willkommen. Die Ausstellung in der Stadtbibliothek sowie die Vernissage gehen auf eine Zusammenarbeit zwischen dem Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt, der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen-Anhalt, der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau, dem Verein „Initiative Riebeckstraße 63“ sowie dem Landesbeauftragten für die Aufarbeitung der SED-Diktatur in Sachsen-Anhalt zurück. Die Ausstellung ist im April wochentags von 10 Uhr bis 19 Uhr und samstags von 10 Uhr bis 15 Uhr im Lesecafé Eselsohr in der Zentralbibliothek zu sehen. Der Eintritt ist frei.