Stadtbibliothek zeigt Wanderausstellung über ein NS-Verbrechen
Die Ermordung von 20 jüdischen Kindern in der Hamburger Schule am Bullenhuser Damm im April 1945 gehört zu den erschütternden Verbrechen am Ende des Zweiten Weltkriegs. Zur Erinnerung zeigt die Stadtbibliothek die Wanderausstellung „Die Kinder vom Bullenhuser Damm – Morgen darf nicht gestern sein“. Anlässlich der Eröffnung am Samstag, 10. Januar, um 11 Uhr im Lesecafé Eselsohr der Zentralbibliothek im Breiten Weg 109 sind interessierte Bürgerinnen und Bürger herzlich eingeladen.
Nach einem Grußwort des Vorsitzenden der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Magdeburg Tobias Krull führt zur Eröffnung Nicole Mattern in die Wanderausstellung ein. Sie steht der „Vereinigung Kinder vom Bullenhuser Damm“ vor, die die Schau erstellt hat und eine Gedenkstätte am historischen Ort der Verbrechen unterhält. Ebenso wie die Erinnerung an die Ermordeten ist die Erinnerungskultur Thema der Ausstellung, die daher gegenwärtige Themen wie Fake News, Antisemitismus und Verschwörungstheorien aufgreift. Ein Online-Spiel und ein Quiz richten sich zudem insbesondere an junge Besucher.
Aus dem Konzentrationslager Auschwitz in das Konzentrationslager Neuengamme bei Hamburg deportiert, wurden an den jüdischen Kindern seit Herbst 1944 menschenverachtende medizinische Experimente durchgeführt, bevor sie wenige Tage vor der Befreiung ermordet wurden. Ihre Geschichte geriet fast in Vergessenheit, doch dank des Journalisten Günther Schwarberg konnten in den 1970er Jahren Angehörige der Kinder ausfindig gemacht werden.
Eine besondere Verbindung besteht zwischen den ermordeten Kindern, dem für die pseudowissenschaftlichen Experimente verantwortlichen Arzt Kurt Heißmeyer und Magdeburg: Nach dem Krieg führte der Lungenspezialist in der Elbestadt erfolgreich und unbehelligt eine der wenigen privaten Kliniken, ehe man ihm 1963 den Prozess machte.
Die Wanderausstellung „Die Kinder vom Bullenhuser Damm – Morgen darf nicht gestern sein“ ist bis zum 31. Januar im Lesecafé Eselsohr der Zentralbibliothek der Stadtbibliothek, Breiter Weg 109, zu den Öffnungszeiten wochentags von 10 Uhr bis 19 Uhr und samstags von 10 Uhr bis 15 Uhr zu sehen. Sie wird im Rahmen der diesjährigen Aktionswoche „Eine Stadt für alle“ gemeinsam mit dem Literaturhaus Magdeburg und zugleich als Beitrag in der Reihe „Gedenkjahr Magdeburg“ präsentiert. Kinder ab der 7. Klasse sowie interessierte Besucherinnen und Besucher sind nach Absprache zu Einführungen in die Ausstellung herzlich eingeladen: Kontakt telefonisch unter der Rufnummer 0391 4044995 oder per E-Mail an info@literaturhaus-magdeburg.de.