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Ausstellung: Das geteilte Jetzt

Was heißt es, heute im Hier und Jetzt zu leben – und zeitgleich unterschiedliche Gegenwarten zu erfahren? In einer Zeit beschleunigter Informationen, ständiger gesellschaftlicher Umbrüche und individueller Positionierungen tritt das Verhältnis von persönlicher Erfahrung und kollektiver Wirklichkeit auch in den Werken der Künstler*innen sichtbarer als je zuvor in den Fokus. Vor dem Hintergrund multipler Krisen – ökologisch, politisch, sozial – wird das ständige Neuverhandeln zwischen Kunst und Leben mehr und mehr zum Thema der Kunst.

Kunst überschreitet Grenzen

Wie nehmen Künstler*innen heute die Gegenwart wahr, verhandeln und interpretieren sie ihre alltäglichen Erfahrungen? Demokratien verwandeln sich in autoritäre Regime, die jeden Widerstand effektiv bekämpfen, die Weltordnung ist ins Wanken geraten und die Beschleunigung unseres Lebenstempos führt zu einer verzerrten Beziehung zwischen dem Selbst und der Welt. Der Mensch erlebt eine zunehmende Entfremdung von sich selbst, die sich nicht nur auf individueller Ebene, sondern auch in seinem Verhältnis zu sozialen Strukturen und der Umwelt manifestiert. Diese Entfremdung ist vielschichtig: Sie betrifft die soziale Dimension, aber ebenso die Beziehung zu Raum, Zeit, Dingen und den eigenen Handlungen.

Kunst überschreitet Grenzen, verbindet Räume und Zeiten und vermischt Realität mit Fiktion. Künstler*innen hinterfragen unsere Gegenwart, setzen sich immer wieder intensiv mit den physischen, emotionalen und ästhetischen Grenzen auseinander, die das individuelle und gesellschaftliche Leben prägen. Indem sie diese Grenzen ausloten und überschreiten, richten sie ihren Blick gezielt auf die Mechanismen und Logiken politischen und individuellen Handelns.

Malerei, Video, Skulptur und Fotografie

In den künstlerischen Beispielen der Ausstellung geht es um die Fragilität von Freiheit und Menschlichkeit, um persönliches Engagement, um Verantwortung. Angesichts der Klimakrise, von Kriegen und wachsender sozialer Ungleichheit werden auch in der Kunst tiefgreifende Erfahrungen beschrieben. Wie Sisyphos kämpft der Fallschirmspringer im Video von Christiane Möbus gegen den Wind, der als Sinnbild realer und unmittelbarer Bedrohung der menschlichen Freiheit und der Gesellschaft steht.

Auch andere ausgewählte Positionen, ob  Malerei, Video oder Skulptur und Fotografie, zeigen, dass Gewissheiten nicht neutral sind, sondern aus subjektiven Blickwinkeln entstehen. Das „Jetzt“ erscheint dabei nicht als stabiler Zustand, sondern als fragiler, geteilter Moment – geprägt von individuellen Stimmen, Haltungen und Wahrnehmungen. Das geteilte Jetzt lädt dazu ein, Gegenwart als etwas Vielstimmiges zu begreifen und die eigene Position darin neu zu reflektieren.

Künstler*innen

Emma Adler, Vasil Berela, Judith Blum Reddy, Kurt Buchwald, Göran Gnaudschun, Susie Hamilton, Mathilde Tijen Hansen, Susann Maria Hempel, Anna Jermolaewa, Sven Johne, Roman Khimei & Yarema Malashchuk, Christiane Möbus, Marcel Odenbach, Ulf Puder, Baldur Schönfelder, Igor Simić

28.04.2026