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Hort Agga Knack: Kinder kämpfen für ihre Rechte

Während unserer Jahresplanung wurde entschieden, das ab dem 2. Halbjahr die Annahme der 3. Klassen aus organisatorischen und pädagogischen Gründen in unserer "Welt der Spiele" erfolgt. Beide Gruppen haben seit der ersten Klasse die Zeit von der Übernahme bis zum offenen Hort zusammen verbracht und gemeinsame Gruppenzeit in ihren nebeneinanderliegenden Klassenräumen gehabt. In dieser Zeit werden Regeln, Probleme und Anliegen besprochen, Ausflüge geplant, gemeinsam mit Spielen gespielt und vorallem sind beide Klassen zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen. 

" Wieso unternehmen wir Kinder eigentlich nichts? Wir haben Rechte!"

Die Gruppenzeit in dieser Form sollte nun ab dem 2. Halbjahr nicht mehr sein und Frau König und Frau Koeppe haben diese Entscheidung ihren Gruppen im Dezember mitgeteilt. Die Kids haben entsetzt, traurig und wütend reagiert. Nun war im Dezember aber auch viel los, sodass die Gruppenzeit genossen wurde und der Gedanke, diese bald nicht mehr zu haben, in den Hintergrund gerückt ist. Im Januar kam er dann wieder auf und Fragen wurden laut: Wieso dürfen wir keine Gruppenzeit mehr haben? Wann sollen wir dann mit unseren tollen Gruppenspielsachen spielen? Werden wir dann überhaupt noch als Klassenstufe Zeit gemeinsam verbringen? Der Raum unten ist viel zu klein für 4 Klassen, wird das nicht zu laut? Wieso nimmt man uns die Zeit weg? Wer entscheidet das eigentlich? Wann sollen wir dann in Ruhe mit Frau König und Frau Koeppe reden, wenn wir Probleme haben?. So ging es mehrere Tage und auch die Klassenlehrerinnen haben den Unmut der Kinder mitbekommen und sind ebenfalls ins Gespräch mit den beiden pädagogischen Fachkräften und den Kindern gegangen.

Nach der Zeit der Fragen kam dann die Zeit der Reaktion und es wurde lauter in Klassenstufe 3. Ein Kind meinte während der Gruppenzeit: Wieso unternehmen wir Kinder eigentlich nichts? Wir haben Rechte! Und ab da kam Schwung in die ganze Sache. Die Kinder der Klassenstufe 3 haben sich zusammengesetzt und überlegt was sie machen könnten. Ideen wie Protestieren vorm Büro von Frau Stempel und Herrn Schankow, über Basteln von Schildern, Sammeln von Unterschriften, Streiken wurden gesammelt und dann haben sich die Kids dafür entschieden, einen Brief zu schreiben. Gesagt getan! Damit jedes Kind gehört wird und weil mehr Papier vielleicht auch mehr ausmacht, haben sowohl Klasse 3a als auch Klasse 3c in der Gruppenzeit jeweils einen Brief verfasst. Jedes Kind hat aufgeschrieben, wieso es die Gruppenzeit braucht. Die Klasse 3a ist dann sogar noch einen Schritt weitergegangen, nachdem sie erfahren haben, dass das Hortteam in einer Dienstberatung über diese Thematik und den Wunsch/ Antrag der Kinder (Wir möchten unsere Gruppenzeit behalten!) berät. Im Deutschunterricht haben sie mit Unterstützung der Klassenlehrerin Frau Opitz noch einen Brief verfasst und sogar Unterschriften im Lehrerkollegium gesammelt. Am Tag der Teamberatung klopfte es dann an der Tür des Erzieherzimmers und davor stand die Vertreterin der Klasse 3a. Sie übergab Frau Stempel den Brief.

Frau Stempel hat den Brief angenommen, für sich gelesen und ihn kurz zur Seite gelegt. Als der Tagespunkt dann an der Reihe war und alle Briefe vorgetragen und besprochen wurden, kam es zu einer Abstimmung im Team. Diese war eindeutig! Soviel Engagement und Einsatz sollte belohnt werden. Die Klassenstufe 3 hat von ihrem Mitspracherecht Gebrauch gemacht, sich für ihre Wünsche eingesetzt und stark gemacht. So hat Frau Stempel eine schriftliche Antwort verfasst. Bei der Übernahme waren alle Kinder schon ganz aufgeregt. Die komplette Klassenstufe 3 hat sich in einem Raum versammelt und Fragen wie: Waren unsere Briefe gut? Habt ihr lange darüber gesprochen? Dürfen wir unsere Gruppenzeit behalten? wurden geäußert. Gleichzeitig haben die Kids aber auch schon diskutiert, was sie jetzt unternehmen möchten, wenn der Antrag auf Erhalt der Gruppenzeit abgelehnt wird. Dies wurde so rege diskutiert und besprochen, dass sowohl Frau König als auch Frau Koeppe sich erstmal zurückgehalten und die Situation beobachtet haben. Es wurde gleich die Idee geäußert, am Freitag Schilder zu basteln und am Montag dann wirklich vor dem Büro zu demonstrieren. Als es darum ging, was auf den Schildern stehen könnte, wer Pappe mitbringt und ob denn auch nur weinende Gesichter gemalt werden dürfen, haben Frau König und Frau Koeppe den Antwortbrief von Frau Stempel hochgehalten und es wurde sofort still. Nachdem der Brief vorgelesen wurde, brach ein ohrenbetäubender Jubel aus und die Kinder lagen sich in den Armen! Sie hatten es geschafft! Sie wurden gehört, sind für ihre Rechte eingestanden und haben für ihre geliebte Gruppenzeit gekämpft und gewonnen! Alle waren glücklich.

Aus der Sicht einer pädagogischen Fachkraft war es sehr schön, den gesamten Prozess zu beobachten. Auch für Frau König und Frau Koeppe war es ein Wechselbad der Gefühle. Gleichzeitig hat es beide mit Stolz erfüllt, zu sehen, zu was für einer Gemeinschaft beide Klassen zusammengewachsen sind. Eine Klassenstufe, der gemeinsame Zeit sehr wichtig ist, die Aussagen oder Anweisungen von Erwachsenen nicht einfach akzeptiert und hinnimmt, sondern kritisch hinterfragt, gemeinsam diskutiert und nach Lösungen sucht, die sich ihrer Kinderrechte bewusst ist und für diese kämpft. Klar sind nicht alle Kinder eng miteinander befreundet, aber sie respektieren und schätzen einander und letztlich ist es das, worauf es ankommt.

18.03.2026