Ines Geipel mit ihrem neuen Buch in der Stadtbibliothek Magdeburg
Noch vor der Leipziger Buchmesse macht Ines Geipel am Dienstag, 17. März, um 19.30 Uhr mit ihrem aktuellen Buch „Landschaft ohne Zeugen“ Station in der Stadtbibliothek. Das gerade erscheinende Werk ist nominiert für den Sachbuchpreis der kommenden Bücher- und Verlagsschau.
Auch 80 Jahre nach der Befreiung von Buchenwald, diagnostiziert Ines Geipel, ist die Erinnerung an den Holocaust nicht in der demokratischen Mitte angekommen. Die Angriffe auf das, was im Land Gedächtniskultur heißt, kommen aber nicht mehr nur von rechts. Um den Ursachen für diese Befunde nachzugehen, taucht Ines Geipel noch einmal in die Vergangenheit ein, sucht nach den Quellen der Lagerwelt und befragt die Legenden und Formen politischer Instrumentalisierung nach 1945: von der vorbildlichen Aufarbeitung im Westen bis zum antifaschistischen Staatsmythos der DDR.
Geipel analysiert, wie die Erzählung vom heroischen kommunistischen Widerstand im Lager bald die Erinnerung dominierte und die Erfahrungen anderer Opfergruppen außer Acht ließ. Dabei scheute die DDR-Führung nicht davor zurück, historische Wahrheit zu unterdrücken, um die Gründungserzählung des sozialistischen Deutschlands zu untermauern. Weiterhin beschreibt sie die „Erinnerungskälte“ in beiden Teilen Deutschlands, die dazu führte, dass das Gedenken an den Holocaust nicht bis in den demokratischen Kern reichte. Wie stets verbindet Ines Geipel in ihrem neuen Buch wieder persönliche Erfahrungen mit gesellschaftlichen Traumata. Für die Gegenwart ist Geipels Neubesichtigung von großer Relevanz, denn in der verhärteten und instrumentalisierten Erinnerung sieht sie eine der wesentlichen Ursachen für die spürbare politische Polarisierung und Zerrüttung der politischen Kultur.
Ines Geipel, geboren 1960, floh 1989 nach ihrem Germanistik-Studium von Jena nach Darmstadt und studierte dort Philosophie und Soziologie. Das zentrale Thema ihrer Arbeit als Autorin und Herausgeberin ist die deutsche Gewaltgeschichte sowohl des Nationalsozialismus als auch der DDR-Diktatur. Von 2001 bis 2025 war Ines Geipel Professorin für Verskunst an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“.
Gemeinsam mit der Stadtbibliothek lädt die Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt am Dienstag, 17. März, um 19.30 Uhr alle interessierten Gäste zur Buchvorstellung und zum Gespräch mit der Autorin Ines Geipel anlässlich des Erscheinens von „Landschaft ohne Zeugen“ in die Zentralbibliothek der Stadtbibliothek, Breiter Weg 109, ein. Der Eintritt ist frei.