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Pressemeldung des Zentrums für Telemann-Pflege und -Forschung

Die Internationale Telemann-Gesellschaft e. V. vergibt gemeinsam mit der Melante-Stiftung Magdeburg und dem Zentrum für Telemann-Pflege und -Forschung Magdeburg erstmals einen Telemann-Forschungspreis. Preisträgerin ist die junge Musikwissenschaftlerin Sophie Maria Weber aus Halle (Saale), die für ihre hervorragende Masterarbeit „Studien zu Georg Michael Telemanns Bearbeitungen und Aufführungen von Georg Philipp Telemanns Matthäuspassion TVWV 5:43“ ausgezeichnet wird.

 

In ihrer Arbeit widmet sich Weber der Frage, wie der langjährige Rigaer Kantor Georg Michael Telemann – Enkel Georg Philipp Telemanns – die Matthäuspassion 1758 seines Großvaters für Rigaer Gegebenheiten bearbeitete und sie dort aufführte. Mit großer analytischer Sorgfalt untersucht sie Bearbeitungsprinzipien und Aufführungspraxis und rekonstruiert die dadurch entstandenen Werkgestalten eines musikalisch wie quellenmäßig äußerst komplexen Repertoires. Die Arbeit macht eindrücklich deutlich, wie grundlegend musikalische Werke unter dem Einfluss lokaler Gepflogenheiten, aber vor allem auch sich wandelnder geistesgeschichtlicher Parameter verändert werden konnten. Sie leistet einen substanziellen Beitrag zum Verständnis des Wirkens Georg Michael Telemanns und zu seiner Bearbeitungspraxis, widmet sich seinem Persönlichkeitsprofil und ist zugleich ein Beitrag zur Erforschung der Musikgeschichte Rigas sowie zur Rezeption der Werke Georg Philipp Telemanns bis weit ins 19. Jahrhundert hinein.

 

„Die Jury würdigte die Arbeit als fundiert recherchiert, stringent argumentiert und sprachlich überzeugend formuliert“, so Dr. Carsten Lange, Direktor des Telemann-Zentrums Magdeburg. „Hervorgehoben wurden insbesondere Webers souveräner Umgang mit einer komplexen Quellenlage, ihre präzise Differenzierung von Befund, Hypothese und nicht ganz eindeutig zu interpretierenden Sachverhalten sowie ihre Fähigkeit, aus kleinsten textlichen und musikalischen Details überzeugende größere musikhistorische Zusammenhänge abzuleiten.“

 

Der Preis ist mit 3.000 Euro dotiert und soll zukünftig regelmäßig an Nachwuchswissenschaftlerinnen, -wissenschaftler oder Forschungsgruppen für eine abgeschlossene wissenschaftliche Arbeit vergeben werden. Das Preisgeld wird von der Internationalen Telemann-Gesellschaft und der Melante-Stiftung zur Verfügung gestellt. Die Preisverleihung wird den Auftakt zur diesjährigen Internationalen Wissenschaftlichen Konferenz „Telemann als interdisziplinärer Forschungsgegenstand“ bilden, die am 16. und 17. März Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Belgien, Japan, Kroatien, den Niederlanden, Russland, der Schweiz, den USA und Deutschland im Gesellschaftshaus Magdeburg, dem Sitz des Telemann-Zentrums, zusammenführt.

 

Sophie Weber wurde in Lübeck geboren, legte ihr Abitur in Jena ab und studierte Kirchenmusik an der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik Halle an der Saale (Thema der Bachelor-Arbeit „Die Verbindung von Altem und Neuem Testament in G. Ph. Telemanns Lukaspassion 1728, TVWV 5:13). Ihr anschließendes Masterstudium Musikwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg schloss die Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes 2025 mit Auszeichnung ab. Seit 2024 ist sie im Projekt „Forschungsportal BACH“ an der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig in Kooperation mit dem Bach-Archiv Leipzig beschäftigt. Sie wirkt zudem am Digitalisierungsprojekt des Telemann-Briefwechsels mit, einem vom Land Sachsen-Anhalt geförderten Kooperationsvorhaben zwischen Telemann-Zentrum und Centre for Digital Music Documentation (CDMD) der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz.

05.03.2026