Mehr als 50 Interessierte beim Bürgerforum im Alten Rathaus
Der erste kommunale Wärmeplan für die Landeshauptstadt Magdeburg ist auf der Zielgeraden. In einem dritten Bürgerforum wurden die Ergebnisse und Zukunftsaussichten vorgestellt. Mehr als 50 interessierte Bürgerinnen und Bürger waren der Einladung der Stabsstelle Klima, die das Projekt verantwortet, gefolgt.
Die Erstellung des kommunalen Wärmeplans hatte die Landeshauptstadt im vergangenen Jahr ausgeschrieben, den Zuschlag hatte die Bietergemeinschaft der SWM Magdeburg und dem Ingenieurunternehmen Fichtner erhalten.
Im Foyer des Alten Rathauses stellte in der vergangenen Woche Projektleiter Christoph Schütt, Bereichsleiter Netzbetrieb bei den SWM Magdeburg, die zentralen Ergebnisse der kommunalen Wärmeplanung vor. Anhand des Wärmekatasters wurden die sogenannten Netzeignungsgebiete ermittelt. In diesen Stadtbereichen ist eine Erschließung über ein Wärmenetz wirtschaftlich sinnvoll. Dies betrifft verdichtete Stadtgebiete mit einem hohen Wärmebedarf.
„Perspektivisch werden diese mit Fernwärme aus dem Müllheizkraftwerk in Rothensee und dem Biomasseheizkraftwerk in Cracau versorgt“, erklärt Projektleiter Christoph Schütt. „Für Netzgebiete im Süden der Stadt wie Reform oder Salbke kommen alternative Energiequellen wie Biomasse, Flusswasser oder grüne Gase in Betracht. Die dezentrale Wärmeversorgung in Randgebieten und weniger dicht besiedelten Flächen wird strombasiert geschehen. Da sprechen wir dann über die Wärmepumpe.
In einem Podiumsgespräch diskutierten Sandra Wartmann, Vorständin der Magdeburger Wohnungsbaugenossenschaft von 1893, Jörg Rehbaum, Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bau und Verkehr, und Andreas Fedorczuk, technischer Geschäftsführer der SWM Magdeburg. Sie stellten sich den Fragen der Anwesenden und zuvor eingereichten Themen. Unter anderem wurde gefragt, warum für Magdeburg nur ein sehr geringes Sanierungsszenario angenommen wird.
Sandra Wartmann erklärte dazu: „Die große Sanierungswelle der 1990er Jahre hat bereits so viele Energieeinsparungen gebracht, dass der Wohnungsbestand bereits energetisch auf einem guten Stand ist. Am Beispiel der Fenster zeigt sich das. Natürlich gibt es inzwischen noch bessere Fensterdämmung. Aber warum soll ich gut dichtende Fenster herausreißen? Das kostet Millionen und bringt nur wenig. Für die nächsten Jahre komme es auf andere Fragen an. Wir haben Wohnungen mit Denkmalschutz. Hier müssen wir Lösungen finden, wie wir diese energieeffizient mit neuen Wärmekonzepten beheizen. Und das immer mit Blick auf bezahlbare Mieten.“
„Der Wärmeplan bringt Planungssicherheit für Gebäudeeigentümer“, betonte der Beigeordnete für Umwelt und Stadtentwicklung, Jörg Rehbaum. „Zugleich beginnt jetzt erst die Arbeit. Wir haben mit der Fernwärme in Magdeburg bereits gute Voraussetzungen. Alternative Energiequellen wie Solarthermie und Flusswasser aus der Elbe können dies ergänzen. Gerade die Flusswasserwärmepumpe hilft vielleicht auch bei der Problematik der zu warmen Gewässer.“
Mehrere Magdeburgerinnen und Magdeburger zeigten Interesse an einem Fernwärmeanschluss. Andreas Fedorczuk erläuterte: „Dort, wo wir das Netz ausbauen, gehen wir auf die Eigentümer zu. Allerdings ist die Fernwärme nicht für jeden Haustyp geeignet. Gerade bei Einfamilienhäusern ist ein Anschluss oft nicht wirtschaftlich darstellbar.“ Der technische Geschäftsführer der SWM Magdeburg machte darum deutlich: „Die Wärmewende ist auch eine Stromwende.“ Die Planungen der SWM für den Umbau der Strom- und Wärmeversorgung bis 2045 zeigen einen Investitionsbedarf von 1,5 Milliarden Euro in Magdeburg. „Das werden die SWM nicht allein stemmen können.“
Jörg Rehbaum nahm das zum Anlass auch auf die Verantwortung von Bund und Land gegenüber den Kommunen zu appellieren. „Die angekündigten Infrastrukturmittel müssen schnell und zielgerichtet fließen, um die Wärmewende gesellschaftlich zu vollziehen.“
Gerahmt wurde die Veranstaltung durch den Vortrag von Adrian Knirlberger vom Kompetenzzentrum Wärmewende in Halle. Er räumte mit den Mythen rund um die Wärmeplanung auf und erläuterte anschaulich, dass der kommunale Wärmeplan bei der Umsetzung helfen kann, es allerdings auf die Bereitschaft aller Akteure ankommt.
Weitere Informationen sind im Internet unter www.magdeburg.de/kwp verfügbar.