Filmvorführung und Gespräch | Im Rampenlicht. Zur Weinertrezeption in den 1970er Jahren
Dieser Film hätte bei seinem Entstehen, kurz nach der Ausbürgerung Wolf Biermanns, ein „Hohelied“ auf einen proletarisch-revolutionären Dichter wie Erich Weinert werden können, dessen Gedichte „John Scheer und Genossen“ und „Igels machen sonntags früh“ zum Lehrstoff in den Schulen gehörten. Entstanden war aber eine kritische Bestandsaufnahme der Weinert-Rezeption vor dem Hintergrund veralteter Arbeitsbedingungen und verfallender Wohnsubstanz.
Drehorte des Films waren vor allem das Arbeiterviertel in Berlin-Prenzlauer Berg, aber auch der alte Friedrichstadtpalast vor seiner Schließung 1980. Auf die Bühne des Friedrichstadtpalastes brachten die Filmemacher den fast unbekannten und verkannten Satiriker Weinert mit seinen in den 1920er Jahren entstandenen Gedichten, u.a. „Der Fortschrittsdeutsche“ und der „Akademokrat“, vorgetragen von Eberhard Esche – vor leeren Sitzreihen, ohne Publikum, symptomatisch für die einseitige Weinert-Rezeption in der DDR.
Erst nach der Wende, im Frühjahr 1990, wurde der Film dann als einer der in der DDR verbotenen Filme im DFF1 ausgestrahlt. Bemerkenswert ist, dass die Organisatoren der 71. Internationen Kurzfilmtagen im Mai 2025 in Oberhausen diesen Film in das Programm aufnahmen und ihm so eine späte Würdigung zuteilwerden ließen.
Der Fotograf Lutz Körner war an dem Experimentalfilm als Rechercheur, Kameramann und Schnittmeister beteiligt und spricht mit der ehemaligen Leiterin des Literaturhauses Ute Berger über seine Arbeit an dem Film. Dazu werden Bilder gezeigt, die bei den Dreharbeiten entstanden sind.
Eintritt frei!