SYRIAN PERSPECTIVES Vernissage der Fotografieausstellung am 16. Juli 2026 um 19.30 Uhr
Mit der Ausstellung SYRIAN PERSPECTIVES präsentiert das Forum Gestaltung erstmals in Kooperation mit dem Haus der syrischen Kunst Bremen eine Doppelschau mit Fotografien der syrischen Künstler Aiham Dib und Samer Kozah. Beide porträtieren ihr Land aus einer sehr persönlichen Perspektive und eröffnen Einblicke in ein Syrien jenseits der vertrauten Nachrichtenbilder. Zwei unterschiedliche fotografische Handschriften und künstlerische Positionen begegnen sich in einer Ausstellung, die den Begriff der Perspektive in mehrfacher Hinsicht aufgreift: als Blick auf die Wirklichkeit ebenso wie als Ausdruck von Zukunft und Hoffnung.
Die Fotografien erzählen von Menschen, Orten und Momenten des Alltags – liebevoll beobachtet, kritisch reflektiert und von großer künstlerischer Eigenständigkeit geprägt. Sie zeigen ein Land zwischen Erinnerung und Aufbruch und laden dazu ein, Syrien in seiner Vielschichtigkeit neu zu entdecken.
Die Themen der Arbeiten
Der international anerkannte Künstler, Fotograf und Filmemacher Aiham Dib erweitert aus einer kinematografischen Sicht auf die Welt die Grenzen dessen, was Kunst sein kann und wie sie unsere Wahrnehmung verändert. In der Auseinandersetzung mit medientheoretischen Ansätzen erklärt er:
„Kunst hilft Gesellschaften, sich weiterzuentwickeln, indem sie immer rebellisch und dennoch konstruktiv ist.“
Im Zentrum seiner jüngsten fotografischen Serie steht das Bild Flying Papers, das am frühen Morgen des 8. Dezember 2024 entstand – jenem Tag, an dem sich die Nachricht von Assads Flucht in Syrien verbreitete. Zwei Jungen werfen vor dem römischen Amphitheater in Jableeh Papierblätter in die Luft, während das Morgenlicht mit Licht und Schatten spielt. Es entsteht ein nahezu ikonisches Bild, das wie kaum ein anderes für den historischen Umbruch steht und die Frage nach Hoffnung und Zukunft aufwirft.
Gezeigt werden Fotografien aus der Zeit vor dem 8. Dezember 2024 ebenso wie Arbeiten aus der Zeit danach – Blicke auf Menschen und auf den sozialen sowie kulturellen Kontext, der sie umgibt. Dib arbeitet bewusst gegen überlieferte Regeln der Fotografie, versucht sie zu verändern und entwickelt dabei seine eigenen Gesetze des Sehens. Für ihn ist das Bild ein eigenständiges Kunstwerk. Mal richtet er den Fokus auf Nähe, mal auf die Distanz, aus der wir auf Syrien blicken. Großformatige Fotografien wechseln sich mit kleinformatigen Arbeiten ab.
Die Fotografen
Aiham Dib wurde 1974 in Damaskus geboren. Er studierte Bildende Kunst und Bildgestaltung an der Armenischen Staatlichen Pädagogischen Universität in Eriwan und nahm an zahlreichen Workshops von MAGNUM Photos teil. Heute lebt und arbeitet er bei Jableeh und hält international Vorträge. In seinen Fotografien konzentriert er sich auf intime Porträts von Menschen und Orten. Seine Arbeiten wurden unter anderem im Musée du quai Branly in Paris, im Dänischen Zentrum für Kultur und Entwicklung in Kopenhagen, im Centre d’art contemporain Le Creux de l’Enfer in Thiers (Frankreich) sowie im Centre des arts actuels Skol in Montreal gezeigt.
Samer Kozah wurde 1957 in Damaskus geboren, wo er bis heute als Fotograf und Galerist lebt und arbeitet. Nach einer Ausbildung zum Goldschmied in der väterlichen Familienwerkstatt ging er nach Aleppo, studierte dort und schloss sein Studium als Ingenieur für Mechanik ab. Bereits früh interessierte er sich für Kunst und begann 1982 damit, seine Heimatstadt Damaskus fotografisch festzuhalten. Seit 1983 nahm er an kollektiven Fotoausstellungen syrischer Fotoklubs für Kunstfotografie im In- und Ausland teil, darunter 1989 und 1991 an der V. und VI. Internationalen Fotokunstausstellung in Beijing (China), 2010 an einer Gruppenausstellung syrischer Fotografen und Künstler am Institut du Monde Arabe (IMA) in Paris sowie 2021 an der Kunstausstellung Ashens in Damaskus. 1994 gründete er die Galerie Kozah für zeitgenössische Kunst und Design.