Wie beeinflusst die Intel-Ansiedlung den Immobilienmarkt?
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Wie beeinflusst die Intel-Ansiedlung den Immobilienmarkt?

Diese Fragestellung war Thema beim Magdeburger Immobilienforum am 8. und 9. September, das vom Wirtschaftsdezernat der Landeshauptstadt umgesetzt wurde. Rund 100 Gäste aus der Immobilienbranche informierten sich aus erster Hand zu den neuesten Entwicklungen und Prognosen. Die Veranstaltung bot einen Mix aus Standorttour zu freien Gewerbeobjekten, Fachvorträgen zur städtischen Entwicklung, Diskussionen und Netzwerkaustausch.

"Die geplante Intel-Ansiedlung wird eine neue Dynamik in den Immobilienmarkt bringen", so die Wirtschaftsbeigeordnete Sandra Y. Stieger. "Durch den Zuzug, den der Chiphersteller Intel, dessen Zulieferer und andere Unternehmen innerhalb des Wertschöpfungsprozesses mit sich bringt, entstehen neue Bedarfe auf dem Wohnungsmarkt, die es zu erfüllen gilt."

Aber wie viele Wohnungen und vor allem welche Wohnungen werden wann zusätzlich nachgefragt? Damit beschäftigt sich das von der Landeshauptstadt beauftragte Büro Timourou aus Leipzig, das eine vorläufige Prognose für den Wohnraumbedarf in Zusammenhang mit der Intel-Ansiedlung vorstellte. So wird für die erste Phase mit 3.000 Beschäftigten die Spanne auf 1.600 bis 2.100 Wohnungen geschätzt. Hinzu kommen die Bauarbeiter, die vorrangig Unterkünfte wie Hotels, Pensionen und private Unterkünfte annehmen. In der Region dürften entsprechende Kapazitäten vorhanden sein und die Nachfrage zu einer höheren Auslastung beitragen.

Für den Gesamtzeitraum bis 2035 kann mit einer zusätzlichen Wohnungsnachfrage aus der Intel-Ansiedlung in Magdeburg von 6.500 bis 8.500 Wohnungen gerechnet werden, wobei ein Teil dieser Nachfrage durch Aktivierung von Leerständen befriedigt werden kann. Welche Art von Wohnungen die nach Magdeburg zuziehenden Arbeitskräfte nachfragen, ist abhängig von der Arbeitskräftestruktur der Intel-Fabrik. Je nach Einkommen, Alter, Haushaltsgröße und Bleibeperspektive sehen die Wohnvorstellungen der Nachfrager unterschiedlich aus.

Hinter dieser Nachfrage verbergen sich gemäß Timourou unterschiedliche Wohnungsangebote und Marktsegmente, die wie folgt geschätzt werden. Nötig sind bis 2035:

  • 2.000 bis 2.500 preiswerte Wohnungen im Geschoßwohnungsbau, vor allem in den Großwohnsiedlungen, die derzeit vorhanden sind oder aus dem Leerstand aktiviert werden können;
  • 4.000 Wohnungen im mittleren Marktsegment – hier ist ein steigender Nachfragedruck zu erwarten, wenn nicht rechtzeitig das Angebot durch Modernisierung und Aufwertung geschaffen wird;
  • 750 bis 1.000 Wohnungen im oberen Marktsegment, die überwiegend durch Neubau zu schaffen wären;
  • 500 bis 2.000 Einheiten als Sonderwohnformen, insbesondere temporäres Wohnen, wofür es derzeit in Magdeburg kaum ein Angebot gibt, welches sich aber durch Bestandsmaßnahmen und/oder Neubau schaffen lässt;
  • 300 bis 400 zusätzliche Wohnungen der Bauform Ein- und Zweifamilienhäuser.

Grundsätzlich wird die durch Intel ausgelöste zusätzliche Nachfrage die Leerstandsgefährdung reduzieren und den Markt stabilisieren. Die Potenziale für Neubau und Bestandsaufwertung sind gegeben, so dass sich der Magdeburger Wohnungsmarkt mit Augenmaß weiterentwickeln kann.

Alle Fachvorträge stehen ab 15.9.22 auf der Internetseite des Immobilienforums unter dem Menüpunkt "Referate" zur Verfügung.