Mechthild, 2007/2008
Hilfsnavigation
D115 Ihre Behördennummer

Mechthild, 2007/2008

Turcot, Susan

Mechthild © Saskia Hubert
©
© Saskia Hubert

Sowohl die Arbeit der kanadischen Zeichnerin Susan Turcot als auch die Ian Hamilton Finlays entstanden im Zusammenhang des vom Kunstmuseum veranstalteten internationalen Kunstprojektes "DIE ELBE [in] between - Wasser, Ströme, Zeiten".

Mechthild von Magdeburg gilt als bedeutendste deutsche Mystikerin des Mittelalters. Man nimmt an, dass sie um 1208 in einer Adelsfamilie in der Nähe Magdeburgs zur Welt kam und seit 1230 in einem so genannten Beginenhof in der Stadt lebte. Beginen bzw. Begarden standen als religiöse Laiengemeinschaften außerhalb der offiziellen Kirche und vielfach in Opposition zu ihr. Immer wieder wurde der Verdacht der Häresie gegen sie erhoben und manche landeten in den Fängen der Inquisition. Auch Mechthild hat wohl auf Grund wachsender Anfeindungen von Seiten des Magdeburger Klerus schließlich im Alter von 60 Jahren die Stadt verlassen müssen. Den Rest ihres Lebens verbrachte sie im Zisterzienserinnenkloster Helfta. "Ich bin mir nach dem, was mir bisher geschehen ist, gewiss", so hatte sie, noch in Magdeburg, in das wachsende Konvolut ihrer Werkes "Das fließende Licht der Gottheit" diktiert, "dass ich noch viele Becher mit Galle austrinken muss, denn leider hat der Teufel unter den Menschen geistlichen Standes noch sehr viele Schenken, die so voller Giftes sind, dass sie es nicht allein trinken können: Sie müssen es Gottes Kindern voller Bitterkeit ausschenken."

Indem Susan Turcot ihre Mechthild-Figur auf hoher Säule über den Fluss blicken lässt, bezieht sie sich auf die wohl zentrale Metapher in Mechthilds Werk, das Fließende, das hier in Gestalt der Elbe Teil der Inszenierung wird. Turcot will das Wasser vor allem als "Element der Verwandlung" verstanden wissen. "Diese Dynamik der Bewegung", so die Romanistin Rosmarie Tscheer in Bezug auf Mechthilds Schriften, "das Fließende, Strömende von Licht, Feuer, Wasser als Ausdruckskraft der göttlichen Liebesgaben ist fortwährend spürbar, sowohl in der mit unseren Sinnen wahrnehmbaren Welt als im Denken und in der allein dem suchenden Geist zugänglichen, übersinnlichen Welt."

Der ursprüngliche Plan der Künstlerin sah vor, zwei Abgüsse des Denkmals einander gegenüber zu beiden Seiten des Flusses aufzustellen, den einen aus durchsichtigem Material, die geistig-religiösen Aspekte ihrer Existenz repräsentierend, sein Gegenüber aus rostbildendem, dem Irdischen und Zeitlichen entsprechendem, Eisen. So sollten beide, gleichsam auf Augenhöhe, über den Fluss hinweg symbolisch aufeinander zutreten. Die jetzt realisierte Komprimierung dieser Idee in einem Objekt legt nun im Grunde die idealistische Vorstellung des Aufstiegs aus dem Irdischen in eine vom "fließenden Licht der Gottheit" durchleuchtete geistige Existenz nahe und die Figur selbst hebt sie nicht auf.

Über den Künstler

(geb. 1966 in Montreal, Kanada)

: 1984 - 1986 Studium am Ontario College of Art

: 1986 - 1991 Studium der Bildenden Kunst und Philosophie an der Middlesex University in London

: 1991 - 2000 lebt und arbeitet in Berlin

: 2000 - 2002 Postgarduierten-Stipendium Jan van Eyck Academie, Maastricht

: 2003 lebt und arbeitet in London und Quebec

: 2004 Gastprofessur an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg

: 2006 Teilnahme an der Biennale São Paulo

: 2007 Teilnahme an der 5. Biennale Montreal

: seit 2003 lebt und arbeitet in Quebec und London

(Quelle: www.freizeitfreunde.de /veranstaltung/einweihung-der-mechthild-skulptur)

Seit 1995 ist sie regelmäßig in Gruppen- und Einzelausstellungen bei ARNDT, Berlin vertreten.

WEITERE EINZELAUSSTELLUNGEN (AUSWAHL)

: 1997 Strangely Familiar, Arnd & Partner, Berlin

: 1998 Hotel Magdeburg. Lady Love, Arndt & Partner, Berlin Lady Love, Kloster Unser Lieben Frauen, Magdeburg

: 2000 Mountain # 1, Gallery Helga de Alvear, Madrid Lady Love. Unser Community?, Arndt & Partner, Berlin

: 2002 Blind Transmission, Escale, Düsseldorf

: 2003 Landing, Southern Alberta Art Gallery, Lethbridge, Alberta, Canada

: 2004 Self-Service?, Ursula Walbröl, Düsseldorf

: 2005 Roesler Hotel, Susan Turcot, drawings, Galeria Nara Roesler, Sao Paulo, Brasilien

: 2007 Galerie Ursula Walbröl, Düsseldorf Galeria Luisa Strina, São Paulo, Brasilien

: 2007/08 Drawings + Digital Animations in der Illingworth Kerr Gallery | ACAD Calagary.

2008 wurde ihre Arbeit in der Gruppenausstellung Ad Absurdum Energien des Absurden von der Klassischen Moderne zur Gegenwart, MARTa Herford Museum für zeitgenössische Kunst und Design, Herford gezeigt.

2011 wird sie in einer Gruppenausstellung in der Sammlung Falkenberg / Phönix Kulturstiftung vertreten sein.

Quelle:

- www.arndtberlin.com/website/artist-1946

- Complicity and the daily draw: drawings 2003 2005 / Susan Turcot, Hrsg. Arndt & Partner Berlin, Verl. für Moderne Kunst, 2006