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Aufsteigender, 1966/1967

Cremer, Fritz

Aufsteigender © Saskia Hubert
© Saskia Hubert

Kaum hatte man Cremer im DDR-Kunstbetrieb einsortiert und ihn zum Leiter eines Meisterateliers der Ost-Berliner Akademie der Künste gemacht, erhielt er 1952 den bedeutendsten künstlerischen Auftrag, den der Staat in diesen Jahren zu vergeben hatte, das Buchenwald-Mahnmal. Obschon von der Jury ausgezeichnet, geriet Cremer mit dem ersten Entwurf, der sich an Rodins Bürger von Calais anlehnte, vor allem seitens der Parteizeitung Neues Deutschland, namentlich durch Wilhelm Girnus, unter heftige Kritik. Girnus warf ihm vor, nur "das Unwesentliche, die äußere Erscheinung, die Lumpenkleidung" usw. gesehen zu haben, nicht aber "den Kampf, den Sieg". Einen zweiten Entwurf, den Cremer selbst mit einem dummen Theaterstück verglich, verwarf der Künstler folgerichtig. Der dritte Entwurf ist das allgemein bekannte, wie ein Heiligenbild millionenfach in Abbildungen verbreitete Denkmal, mit dem sich Fritz Cremers Name in der Öffentlichkeit künftig vor allem verbinden sollte. In der Nummer 7 eines vom Verband Bildender Künstler Deutschlands herausgegebenen Mitteilungsblattes, versuchte er 1954, die Entwicklungsgeschichte des Denkmals und seine endgültige Gestaltung zu erklären. Obschon er sich an vielen Stellen gegen überzogene oder unqualifizierte Kritik zur Wehr setzte und sich geradezu emphatisch zu seinem großen Vorbild Rodin bekannte, mutet das Ganze doch wie ein Bußgang vor der sozialistischen Inquisition an, wie das Bekenntnis zu einem Werk, das auf Weisung der Ideologen und der politischen Überzeugung seines Autors selbst klüger zu sein hatte als sein Künstler. Dieser Widerspruch begleitete Fritz Cremer lebenslang.

In dem Text zum Buchenwald-Denkmal erklärte Cremer unter anderem, dass sein erster Entwurf und die sich darin manifestierende "allzu individualistische >Kunstanschauung< in einem gewissen Gegensatz zu einer positiven gesellschaftlichen Stufe unserer Gesellschaftsentwicklung" stehe, denn die strebe nach "oben". Den Aufsteigenden, den Fritz Cremer dezidiert "den um ihre Freiheit kämpfenden Völkern" gewidmet hat, kann man durchaus als fortgeführte, kritische Auseinandersetzung mit jener nach oben strebenden Gesellschaftsentwicklung begreifen. Der mit dem Bildhauer befreundete Liedermacher Wolf Biermann hat das bald nach der Fertigstellung der Bronze in einem längeren Gedicht getan und den als gesetzmäßig begriffenen Mythos einer in den Sozialismus aufsteigenden Gesellschaft grundsätzlich in Frage gestellt. Er fragte sich, ob er da nicht einen Stürzenden statt eines Aufsteigenden vor sich habe. Oder, am Ende, ein "Symbol der Gattung Mensch", die da "zur Freiheit, zu den Fleischtöpfen oder im Atompilz zu Gott ins Nichts aufsteige". Offenbar ermüdet hängt die Rechte in der Luft über dem zur Seite und nach vorn gesunkenem Haupt mit grobem, tiefgefurchten Antlitz. Die Faust eingekrümmt, liegt der linke Arm, scheinbar ebenso funktionslos, zusammengeknickt an der Schulter. Auch die Stellung der Beine ist nicht die eines Aufsteigenden, eher eines Herabrutschenden, der sich irgendwie abzufangen versucht. Im Grunde wie im Freiheitskämpfer gehen auch hier Titel und Figur im harten Kontergang.

Über den Künstler

Fritz Cremer (geboren 22. Oktober 1906 in Arnsberg im Sauerland; gestorben 1. September 1993 in Berlin) war ein deutscher Bildhauer, Grafiker und Zeichner, später Vizepräsident der Akademie der Künste der DDR.

FAMILIE

Cremer wurde 1906 als Sohn des Polsterers und Dekorateurs Albert Cremer geboren. Ein Jahr nach dem Tod des Vaters zog die Mutter Christine Cremer mit den Kindern Fritz und Emmy 1908 nach Rellinghausen. 1911 zog die Mutter nach Essen, wo die Mutter in zweiter Ehe einen Lehrer heiratete. Als 1922 seine Mutter verstarb, lebte Cremer in einer Bergarbeiterfamilie.

Um 1930 wurde die österreichische Ausdruckstänzerin Hanna Berger Lebensgefährtin von Fritz Cremer. 1942 wurde Berger als Mitkämpferin der Gruppe von Kurt Schumacher/Rote Kapelle von der Gestapo verhaftet. 1944 konnte sie aus der Haft fliehen. Sie lebte bis zum Kriegsende illegal in der Steiermark.

1950 heiratete Cremer in Berlin die kurz zuvor geschiedene Malerin und Keramikerin Christa von Carnap (* 16. August 1921 in Görlitz, Niederschlesien), die Tochter des Alfred von Carnap (1894-1965), Kaufmann in Berlin-Wilmersdorf, und dessen erster Ehefrau Susanne Schindler. Christa von Carnap hatte zuvor in erster Ehe am 17. September 1941 in Berlin-Schöneberg den Bildhauer Waldemar Grzimek (* 5. Dezember 1918 in Rastenburg, Ostpreußen; gestorben 26. Mai 1984 in Berlin) geheiratet.

LEBEN

Cremer absolvierte nach dem Gymnasium 1921 bis 1925 eine Ausbildung zum Steinbildhauer in Essen. Während seiner anschließenden Tätigkeit als Steinmetzgeselle führte er einige Skulpturen nach Modellen von Will Lammert aus und besuchte in dieser Zeit Plastikkurse der Folkwang-Schule in Essen. 1929 trat er der KPD bei und nahm ein Studium an den Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst in Berlin-Charlottenburg bei Wilhelm Gerstel (1879-1963) auf, dessen Meisterschüler er von 1934 bis 1938 wurde. In dieser Zeit teilt er sich ein Atelier mit Kurt Schumacher (Bildhauer). Es entstehen erste sozialkritische Radierungen. 1934 reist er nach Paris. Während einer Reise nach London trifft er dort Bertolt Brecht und Helene Weigel, die ihm raten, in Deutschland weiter zu arbeiten. Nach dem Studium an der Deutschen Akademie in Rom 1937/38 hatte er ein Meisteratelier an der Preußischen Akademie der Künste. Er stand in engem Kontakt zur Widerstandsgruppe der Roten Kapelle um den Bildhauer Kurt Schumacher und Walter Küchenmeister.

1940 bis 1944 war er als Soldat der Wehrmacht als Flaksoldat in Eleusis und auf der Insel Kreta im Einsatz, danach in jugoslawischer Kriegsgefangenschaft.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland trat Cremer 1946 der SED bei und wurde Professor und Leiter der Bildhauerabteilung der Akademie für angewandte Kunst in Wien. 1950 siedelte er in die DDR über und übernahm eine Meisterklasse an der Akademie der Künste, deren Vizepräsident er 1974 bis 1983 war. In der Folgezeit Studienreisen in die Sowjetunion, China und Ägypten.

Cremer unterzeichnete 1976 den Protestbrief gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns aus der DDR, zog seine Unterschrift aber nach wenigen Tagen zurück.

1956 nahm Fritz Cremer zusammen mit seinem Schüler Gerhard Thieme die Totenmaske von Bertolt Brecht ab. In dessen Folge entstanden zahlreiche Zeichnungen, Lithografien und Büsten. 1988 wurde vor dem Berliner Ensemble das Brecht-Denkmal von Fritz Cremer eingeweiht.

Fritz Cremer starb 1993 in Berlin. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Pankow III in Berlin-Pankow.

WERKE

Skulpturen und Büsten

: 1937: Büste Selbstbildnis als sterbender Soldat

: 1947: Denkmal auf dem Zentralfriedhof in Wien

: 1949: Mahnmal im KZ Ebensee

: 1952-1958: Buchenwalddenkmal

: 1959-1960: Denkmal für das KZ Mauthausen O Deutschland, bleiche Mutter

: 1961: Bronzeskulptur Der Handschuh

: 1962: Bronzeskulptur Rauchendes Mädchen

: 1964: Bronzebüste Hanns Eisler

: 1966-1968: Denkmal für deutsche Spanienkämpfer in Berlin-Friedrichshain

: 1966-1967: Aufsteigender; Park des UNO-Hauptquartiers, New York (weitere Güsse dieser Plastik stehen vor der Kunsthalle Rostock und im Skulpturenpark Magdeburg)

: 1968: Karl-Marx-Denkmal (Frankfurt/Oder)

: 1969-1972: Und sie bewegt sich doch; Cremers Galilei in der Stadthalle Chemnitz

: 1972: Großes Liebespaar

: 1979: Die Schwimmerin

: 1991: Karl-Marx

ZEICHNUNGEN UND LITHOGRAFIEN

: 1956: Nie wieder

: 1956: Mappe ?Walpurgisnacht (36 Blätter)

: 1962: Selbstbildnis

: 1963: Kreidekreis

: 1966: Fragen eines lesenden Arbeiters? (zu Brechts Gedicht)

: 1979: Genug gekreuzigt!

: 1986: Mappe Mutter Coppi und die Anderen, Alle!

: 1988: Fritz Cremer Lithographien 1955-88

ILLUSTRIERTE BÜCHER

: Fritz Cremer: Buchenwald. Studien von Fritz Cremer. Verlag der Nation, Berlin 1959

: Fritz Cremer: Für Mutter Coppi und die Anderen, Alle graphische Folge. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1986

AUSSTELLUNGEN

: 1951: Berlin, Kollektivausstellung in der Akademie der Künste

: 1956: Berlin, Kollektivausstellung zum 50. Geburtstag in der Nationalgalerie

: 1959: Kairo und Alexandria, Kollektivausstellungen

: 1960: Schwerin, Greifswald, Stralsund, Demmin, Eisenach, Magdeburg

: 1966: Budapest, Halle und Berlin

: 1967: Kopenhagen, Erfurt und Rostock

: 1968: Berlin

: 1970: Oslo, Kopenhagen und Bonn

: 1973: Budapest

: 1976: Warschau

: 1976: Berlin, Altes Museum

: 1977: Sofia und Moskau

: 1980: Duisburg, Wilhelm Lehmbruck Museum

: 1982: Bremen

: 1984: Berlin, Pergamonmuseum

: 1987: Stockholm

: 1991: Arnsberg, Sauerland-Museum

: 1996: Arnsberg

: 2000: Schloß Oberhausen

: 2007: Arnsberg

: 2009: Frankfurt am Main und Leipzig, Galerie Schwind

AUSZEICHNUNGEN

: 1952: Nationalpreis II. Klasse für die Büste des Bergmanns und Nationalpreisträgers Franz Franik

: 1958: Nationalpreis I. Klasse für das Buchenwald-Denkmal

: 1961: Kunstpreis des FDGB für die Portraitbüste Bert Brecht

: 1965: Vaterländischer Verdienstorden

: 1967: Ehrenmitglied der Akademie der Künste der UdSSR

: 1972: Goethepreis der Stadt Berlin

: 1972: Nationalpreis I. Klasse für das Gesamtwerk

: 1974: Karl-Marx-Orden

: 1976: Held der Arbeit

: 1978: Fahnenorden der Ungarischen Volksrepublik

: 1981: Bremer Bildhauerpreis

(Quelle: de.Wikipedia.org)

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