Große Strandfigur, 1988/1989
Hilfsnavigation

Große Strandfigur, 1988/1989

Henkel, Friedrich B.

Große Strandfigur © Saskia Hubert
© Saskia Hubert

Friedrich B. Henkel, der bei Theo Balden und Waldemar Grzimek studiert hat, seit Ende der 1950er Jahre einen Briefwechsel mit Gerhard Marcks pflegte und dann in den 60ern drei Jahre lang Meisterschüler bei Fritz Cremer gewesen ist, hat sich in seiner Arbeit bewusst und nachvollziehbar immer wieder auf bestimmte künstlerische Vorbilder berufen und auf verschiedene, für ihn besonders eindrückliche kulturelle, landschaftliche oder auch architektonische Erlebnisse reagiert. Die Große Strandfigur, die nördlich des Klosters wirkungsvoll auf dem Prämonstratenserberg postiert ist, gehört zu einer Gruppe stelenartiger Figurationen, die durch eine Reise ins Maramures-Gebiet im Norden Rumäniens im Jahr 1947 inspiriert worden ist. "Ungewohnt steil aufgerichtete Heuhaufen, die in ihrer silhouettenhaften Erscheinung schmalen menschlichen Figuren sehr ähneln", so berichtet der Kunsthistoriker Fritz Jacobi, gaben den Anstoß für die Werkgruppe. "Die Landschaft", so Henkel selbst, "stand für mich voller Figuren. Nie", so Henkel weiter, sei ihm "die Erkenntnis deutlicher als" da gewesen, "daß der Mensch nicht in seiner anatomischen Wirklichkeit, sondern in seinem Geistigen und Wesenhaften zu erfassen" sei.

Sucht man nach kunstgeschichtlichen Bezügen für die "rumänischen" Figuren Henkels, wird man Anknüpfungspunkte am ehesten in der kubistischen Bildhauerei eines Henri Laurens, Jaques Lipchitz oder Ossip Zadkine finden. Doch schwingt auch antikes und selbst vorgeschichtliches Erbe mit, wenn wir an die - gleichfalls oft grafisch markierten - Menhire der Steinzeit denken. Schon früh hatte Henkel für sich postuliert, dass "die Figur der Landschaft [zu] entstammen" habe. Anders als die analytischen Kubisten, die mit der konsequenten Zergliederung der Figur in geometrisch bestimmbare Körper experimentierten, interessiert Henkel erklärtermaßen vor allem Gestaltwandlung, so etwa der Übergang von technischen oder abstrakten tektonischen in anthropomorphe Formen innerhalb einer Figur, wie sie in der Großen Strandfigur in beide Richtungen stattfindet. Ähnlich wie in seinen Collagen, in denen er Plattenfragmente unterschiedlicher Gesteinsarten zueinander fügt, setzt Henkel auch die Strandfigur aus verschiedenen, vertikal aufgerichteten Elementen zusammen. Landschaft und Körper, so könnte man formulieren, kristallisieren in dieser Collage aus. Merkwürdig fremd, wie aufgesteckt und nicht zugehörig wirkt nur der Kopf der Figur. Seine zart und andeutend gezeichneten Züge scheinen in der Fläche seines Antlitzes und in der Tiefe dieses starren Körpers zu versinken und sich doch zugleich aus ihm empor heben zu wollen.

Über den Künstler

Henkel, Friedrich B. (Zella/Rhön 1936 ).

Nach einer Holzbildhauerlehre studierte Henkel 1953-1956 zunächst an der Fachschule für angewandte Kunst in Leipzig, das folgende, 1956 begonnene Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee bei Theo Balden und Waldemar Grzimek brach er auf Grund finanzieller Schwierigkeiten nach zwei Jahren ab und fand zunächst Mitarbeit im Atelier von Grzimek. Ab 1966-1969 folgte eine Zeit als Meisterschüler der Akademie der Künste der DDR bei Fritz Cremer, 1969-1970 eine Assistenz in der Abteilung Plastik an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, dann die Freiberuflichkeit als Künstler. Arbeiten im öffentlichen Raum vornehmlich in Berlin (Polytechnisches Wissen, Singerstraße; Große Metamorphe Landschaft, Volkspark Friedrichshain).