Für Daphne, 2001
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Für Daphne, 2001

de Vries, Auke

Für Daphne © Saskia Hubert
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© Saskia Hubert

Zwischen den Allegorien der Zollbrücke und der Stahlskulptur des holländischen Bildhauers Auke de Vries, die 2001 am Nordbrückenzug über dem Ufer der Alten Elbe ihren Platz fand, liegt der "Jahrhundertschritt", in dessen Distanz unter anderem die menschliche Figur aus dem Zentrum künstlerischer Darstellung verschwand und nicht nur das Material für, sondern auch der Abfall aus industrieller Produktion als Mittel künstlerischer Gestaltung entdeckt worden ist.

Obwohl nun in Auke de Vries' Werk die Darstellung der menschlichen Figur keine Rolle mehr spielt, befasst es sich doch mit den Problemen, die die Bildhauer seit Jahrtausenden beschäftigt haben: das Stehen, Liegen, Sitzen, Hängen, die Ausbreitung des Figürlichen in Fläche und Raum und das immanente Problem von Spannung und Balance der addierten Formen. Dass er sich dabei industriell hergestellter Materialien und daraus resultierender Bearbeitungstechniken bedient, hat er mit vielen Künstlern der Modere und deren Folgebewegungen gemein. Spielerisch leichte Äquilibristik etwa begegnet uns erstmals in den Mobiles von Alexander Calder, nach dem Zweiten Weltkrieg - dann schon unter Verwendung industrieller Materialien - bei David Smith, später bei Anthony Caro. Auke de Vries steigert diese Ansätze eigenwillig in extreme, zuweilen geradezu ungestüme bildhauerische Formulierungen. Das Maschinen-Material, so könnte man meinen, organisiert sich unter seinen Händen zu einer Art von postindustriellen Lebewesen. Das ist schon Ende der 1980er Jahre so, verstärkt sich aber Anfang des folgenden Jahrzehnts, als diejenige Gruppe von Skulpturen zu entstehen beginnt, in die auch seine Magdeburger Arbeit gehört. Unter dem Titel "Living in trees" widmete man ihr im Yorkshire Sculpture Park 2000/01 eine eigene Ausstellung. Die Gestalt von Nest, Nistkasten und Baumhaus sich gleichsam einverwandelnd, erscheint erstmals die Natur selbst, Tier- und Pflanzengestalten, Gegenständliches und sogar die menschliche Gestalt in die Entwürfe von de Vries einbezogen. Wenn die menschliche Figur auch nicht in den schließlich ausgeführten Arbeiten auftaucht, in den eigentümlich zusammengestückten Gehäusen, die der Künstler in den Kronen dieser Gedanken-Bäume in gefährdeter Höhe postiert, bleibt sie virtuell anwesend.

Mit dem Titel Für Daphne weist Auke de Vries in seiner Magdeburger Arbeit zusätzlich auf diese Verbindung hin und hinterlegt ihr vermittels des antiken Mythos um Daphne einen Bedeutungsraum, der sich an der Magdeburger Elbe auch mit den heimischen Sagen um die so genannten Eichenmägde, das sind Baumelfen, verbindet. Der Daphne-Mythos erzählt eine tragische Fluchtgeschichte. Die Bergnymphe Daphne wird darin von dem durch einen Pfeil des Eros liebestoll gemachten Apollo verfolgt. Sie hingegen ist von Amor mit einem Pfeil getroffen worden, der genau das Gegenteil bewirkt. In ihrer Verzweiflung bittet sie ihren Vater, sie in eine Gestalt zu verwandeln, welche die Sinne Apolls nicht reizt und er lässt sie zu einem Lorbeerbaum werden. Für die Großskulptur über der Alten Elbe, die Auke de Vries der verfolgten Nymphe widmet, wäre eine moderne Geschichte aus den Ausweglosigkeiten unserer Zeit zu erfinden. Stadträumlich stellt sie ein spannungsvolles Pendant zu Nannuccis Neonlicht-Installation in Höhe des südlichen Altstadtendes dar, das Kühnheit und Gefährdung, Entrückt-Sein und Verwurzelung, Schwindel und Weit-Sicht zugleich Gestalt werden lässt.

Über den Künstler

Auke de Vries (* 27. Oktober 1937 in Burgum, Friesland) ist ein niederländischer Bildhauer und Grafiker.

LEBEN UND WERK

Auke de Vries begann seine Ausbildung an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste in Den Haag. Zu Beginn war er als Maler und Grafiker tätig. Seit den 1970er Jahren fertigt er Metallskulpturen. Seine Skulpturen sind luftige, abstrakte Konstruktionen aus geometrischen Formen wie Linien, Kegel, Würfel, Zylinder und Flächen, die er zum Schweben zu bringen scheint. Er reagiert mit seinen Skulpturen für den öffentlichen Raum und mit seiner Kunst am Bau auf die Architektur, die er vorfindet.

Von 1972 bis 1986 lehrte er an der Kgl. Akademie der Bildenden Künste in Den Haag, von 1986 bis 1996 an der Reichsakademie der Bildenden Künste in Amsterdam.

1997 erhielt er den nach dem Maler Piet Ouborg benannten Ouborgprijs, 2005 den Kulturpreis der Stadt Den Haag.

De Vries lebt und arbeitet in Den Haag.

WERKE (AUSWAHL)

Auke de Vries' Werke sind vor allem im öffentlichen Raum zu finden:

: 1970 Lelystad: Skulptur, Stadthaus (Stadskantoor)

: 1982 Rotterdam: Maasbeeld (Maas-Skulptur), 200 m lang

: 1983 Amsterdam: Hängende Skulptur, Meibergdreef

: 1984 Den Haag: ohne Titel, Außenministerium

: 1986 Den Haag: ohne Titel, Logistikzentrum der PTT

: 1992 Leeuwarden: ohne Titel, Rengerslaan

: 1992 Barcelona: ohne Titel

: 1992 Groningen: ohne Titel am Hoornsepad

: 1993 Ludwigsburg: Schlange über Kreuzung

: 1993 Amsterdam: ohne Titel, Kostverlorenvaart/Hugo de Grootgracht

: 1994 Rotterdam: Skulptur für das NAi am Nederlands Architectuurinstituut

: 1994 Den Haag: ohne Titel, Teil des Skulpturenwegs Sokkelplan

: 2001 Berlin: Landed bzw. Gelandet, Debis-Haus

: 2001 Magdeburg: Für Daphne, Brücke des Friedens

: 2002 Haarlemmermeer: Skulptur, Gelände der Gartenschau Floriade

(Quelle: de.Wikipedia.org)