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„Buen Vivir – Das Recht auf ein gutes Leben”

Eine Begegnung mit Alberto Acosta und Grupo Sal gab es am 18. Juni im Moritzhof
Solidarisches Miteinander von Mensch und Natur, abseits von Wachstumszwängen
Welche Lebens- und Gesellschaftsmodelle können die Länder des Nordens gemeinsam mit den indigenen Gemeinschaften entwerfen?

Um die Diskussion über das „Buen Vivir“ auch im deutschsprachigen Raum anzuregen und zu befeuern, präsentierte die lateinamerikanische Musikgruppe Grupo Sal gemeinsam mit Alberto Acosta ein Programm, das einen informativen, aber auch künstlerischen Zugang zu der Frage nach einem guten Zusammenleben ermöglicht. Wie funktioniert „Buen Vivir“? Welche Perspektiven sind damit verbunden? Gibt es Möglichkeiten, dieses Konzept indigenen Ursprungs auch in unsere westliche Lebenswelt einzubinden? Ist es mehr als ein schöner Traum, dass das Erdöl im Boden bleibt?
Alberto Acosta trug seine Ideen und Visionen zu diesem Thema vor und berichtete über seine Erfahrungen bei der politischen Umsetzung. Im Dialog mit dem Journalisten Thomas Pampuch wurden Aussagen aus seinem Vortrag vertieft und auch das Publikum war dazu aufgefordert, Fragen zu stellen und sich an der Diskussion zu beteiligen.

 

"Buen Vivir"

Buen Vivir“, ist eine Lebensanschauung der indigenen Andenvölker, die in den letzten Jahren vermehrt internationale Aufmerksamkeit erregt. Der Grund dafür liegt in der Aufforderung lateinamerikanischer Politiker, zentrale Aspekte dieser Lebensweise auch in industrielle Gesellschaften zu integrieren. „Buen Vivir“ zielt nicht nur auf ein Leben im Einklang mit der Natur und allen Geschöpfen, es bedeutet auch konkret eine neue „Ethik der Entwicklung“. Es fordert ein soziales und solidarisches Wirtschaften und eine Abkehr von Entwicklungskonzepten auf der Grundlage eines stetigen Wirtschaftswachstums.

Alberto Acosta

Der Ökonom und ehemalige Energieminister Ecuadors Alberto Acosta hat sich zum Ziel gesetzt, dieses Konzept publik zu machen und weltweit für eine Veränderung des Lebensstils einzutreten. Als Präsident der verfassungsgebenden Versammlung war er maßgeblich daran beteiligt, dass die Grundsätze des „Buen Vivir“ als Staatsziel in die Verfassung Ecuadors aufgenommen wurden. Kurz danach folgte Bolivien diesem Vorbild. Er ist Mitbegründer der bekannten Yasuní-ITT–Initiative. Diese bot der internationalen Gemeinschaft an, einen Teil des Erdöls, das sich im ecuadorianischen Yasuní-Biosphärengebiet befindet, nicht zu fördern, wenn dafür ein finanzieller Ausgleich geschaffen wird. Die Initiative zum Schutz des Klimas, der Regenwälder und mehrerer indigener Völker wird heute weltweit diskutiert.

1948 in Quito geboren, hat Acosta fast zehn Jahre, von 1970 bis 1979, in Deutschland gelebt und studiert. An der FH Köln schloss er eine Ausbildung zum Diplombetriebswirt ab. An der Uni Köln studierte er Wirtschaftsgeografie und Volkswirtschaft und machte einen Abschluss als Diplomvolkswirt mit dem Schwerpunkt Energiewirtschaft.
Von 1970 bis 1979 war Acosta, auch als Vizekonsul, an der ecuadorianischen Botschaft in Bonn tätig und erhielt 1980 das Bundesverdienstkreuz. Nach seiner Rückkehr nach Ecuador arbeitete er für verschiedene Unternehmen und staatliche Organisationen des Landes. Daneben unterrichtete er an einer Reihe von Universitäten Ecuadors und veröffentlichte eine Vielzahl von Beiträgen für Bücher, Zeitschriften und Zeitungen, vor allem zu Fragen der Wirtschaft und der Energie- und Entwicklungspolitik, aber auch zum Problem der Auslandsschulden. In den letzten Jahren beschäftigte sich Acosta zunehmend mit den grundsätzlichen Fragen der „Entwicklung”, der „Unterentwicklung” und mit Alternativen zu den herkömmlichen Modellen. Als Politiker wirkte er in Ecuador 2007 als Energie- und Bergbauminister, bis 2008 als Präsident der Verfassungsgebenden Versammlung und war 2014 Präsidentschaftskandidat der Partei Pachakutik.

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