Technikgeschichte hautnah erleben: Schiffshebewerk Rothensee öffnet zum Tag des offenen Denkmals
Kostenfreie Führungen am 13. September von 10.00 bis 15.00 Uhr
Zum bundesweiten Tag des offenen Denkmals an diesem Sonntag, 13. September, lädt das historische Schiffshebewerk Rothensee dazu ein, eines der bedeutendsten technischen Denkmale Magdeburgs aus nächster Nähe zu entdecken. Besucherinnen und Besucher können bei Führungen mehr über die außergewöhnliche Konstruktion, die Geschichte und die heutige Bedeutung des fast 90 Jahre alten Hebewerks erfahren.
In Zusammenarbeit mit dem Verein URANIA werden sechs kostenfreie Führungen um 10.00 Uhr, 11.00 Uhr, 12.00 Uhr, 13.00 Uhr, 14.00 Uhr und 15.00 Uhr angeboten. Die Führungen dauern jeweils etwa 45 Minuten. Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich. Bei großem Besucherinteresse können mehrere Führungen parallel stattfinden. Ein besonderes Erlebnis bietet sich zudem alle 30 Minuten: Dann wird der Trog des Schiffshebewerks in Bewegung gesetzt und die historische Technik kann unmittelbar erlebt werden. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Zugang zum Schiffshebewerk ist derzeit noch nicht durchgängig barrierefrei.
„Das Schiffshebewerk Rothensee ist mehr als ein technisches Denkmal – es verbindet Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Wasserstadt Magdeburg“, betont Sandra Yvonne Stieger, Beigeordnete für Wirtschaft, Tourismus und regionale Zusammenarbeit. „Wer einmal erlebt hat, wie hier Tausende Tonnen nahezu mühelos bewegt werden, bekommt einen ganz besonderen Eindruck von der Ingenieurkunst, die in diesem Bauwerk steckt. Der Tag des offenen Denkmals ist die perfekte Gelegenheit, dieses außergewöhnliche Stück Magdeburger Technikgeschichte aus nächster Nähe zu entdecken. Es bleibt ein lebendiger Ort mit Zukunft, den wir als Wirtschaftsdezernat aktiv betreuen und weiterentwickeln.“
Ein Denkmal der Ingenieurkunst
Das Schiffshebewerk Rothensee wurde 1938 in Betrieb genommen und galt schon damals als ingenieurtechnische Meisterleistung. Anders als bei einer Schleuse wird ein Schiff nicht durch das Heben oder Senken des Wasserspiegels bewegt. Stattdessen fährt der gesamte, mit Wasser gefüllte Trog mitsamt Schiff wie ein Fahrstuhl auf und ab. Bei normalen Wasserständen überwindet das Schiffshebewerk dabei einen Höhenunterschied von rund 16 Metern zwischen Mittellandkanal und Elbe. Je nach Wasserstand der Elbe kann dieser zwischen etwa 11 und 18 Metern variieren.
Der Trog ist 85 Meter lang und 12 Meter breit. Zusammen mit den Schwimmern und Traggerüsten wird dabei eine Gesamtmasse von rund 5.400 Tonnen bewegt. Das Schiffshebewerk ist heute das letzte noch betriebene Zweischwimmerhebewerk Deutschlands und damit ein außergewöhnliches Zeugnis der Technik- und Industriegeschichte.
Was die besondere Faszination des Schiffshebewerks ausmacht, erlebt Stefan Kutz, leitender technischer Ingenieur am Schiffshebewerk Rothensee, jeden Tag aufs Neue: „Die Begeisterung der Besucher und die Leidenschaft meiner Mitarbeiter für das technische Denkmal.“ Besonders beeindruckend sind dabei die Dimensionen der Anlage: „Die bewegte Masse von 5.400 Tonnen, das ist unvorstellbar viel!“
Gleichzeitig steckt für Kutz das Besondere im Detail: „Die Konstruktion ist so innovativ durchdacht, dass wenig Energie und Materialverschleiß zum Antrieb notwendig sind.“
Nachdem das Schiffshebewerk 2006 stillgelegt worden war, konnte es dank des Engagements vieler Bürgerinnen und Bürger sowie der Landeshauptstadt Magdeburg erhalten werden. Seit 2013 ist es wieder in Betrieb und heute nicht nur technisches Denkmal, sondern auch ein beliebtes Ausflugsziel und wichtiger Bestandteil der Magdeburger Wasserstraßen- und Industriekultur.
Tag des offenen Denkmals
Der Tag des offenen Denkmals findet bundesweit seit 1993 unter der Koordination der Deutschen Stiftung Denkmalschutz statt. Jedes Jahr öffnen zahlreiche historische Gebäude, technische Denkmale und andere Kulturstätten ihre Türen und ermöglichen besondere Einblicke in Geschichte, Architektur und Denkmalpflege.