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Ausradiert? Wie die Literatur der DDR verschwand

Autorenlesung mit Carsten Gansel in der Stadtbibliothek Magdeburg

Viele DDR-Schriftsteller sind aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden, sagt der Literaturwissenschaftler Carsten Gansel. Am Montag, 2. November, stellt der Autor um 19.30 Uhr in der Stadtbibliothek sein aktuelles Buch „Ausradiert? Wie die Literatur in der DDR verschwand“ vor.

Gansel schildert die tiefgreifende Demontage des ostdeutschen Literaturbetriebs nach dem Untergang der DDR. Millionen Bücher wurden vernichtet, Verlage und Betriebe für wenige D-Mark veräußert, Bibliotheken geschlossen. Für Gansel erfolgte die Bewertung des schriftstellerischen Schaffens und der literarischen Werke damals nicht nach ästhetischen, sondern vor allem nach ideologischen Maßstäben erfolgte. Autorinnen und Autoren wurden pauschal als „staatsnah" oder „-fern" eingeteilt und aus dem kollektiven Gedächtnis verbannt. Der Autor unterstreicht die traumatischen Folgen dieses Vorgehens und plädiert für eine differenzierte Rehabilitierung der DDR-Literatur. An Schriftstellerinnen und Schriftstellern wie Brigitte Reimann, Christa Wolf oder Ulrich Plenzdorf zeigt er, warum der Westen im Osten bis heute oft als dominant empfunden wird.

Carsten Gansel wurde 1955 in Güstrow geboren und wuchs in der DDR auf, wo er Germanistik und Slawistik studierte. Nach der Wende war er über Jahrzehnte hinweg der einzige Ostdeutsche auf einem Lehrstuhl für Deutsche Literatur an einer westdeutschen Universität. Heute gilt er als „Hüter der Erinnerung“ an das kulturelle Erbe der DDR und gehört zu den profiliertesten deutschen Experten für ostdeutsche Kulturgeschichte.

Als Moderator führt Literaturwissenschaftler und Kulturmanager Paul Werner Wagner durch den in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen-Anhalt organisierten Abend. Alle interessierten Gäste sind dazu am Montag, 2. November, um 19.30 Uhr herzlich in der Zentralbibliothek der Stadtbibliothek Magdeburg im Breiten Weg 109, willkommen. Der Eintritt ist frei.