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Adèle Yon liest »Mein wahrer Name ist Elisabeth«

Preisgekröntes französisches Debüt wird in der Stadtbibliothek Magdeburg vorgestellt

Ein altes Familiengeheimnis und die Frage, wie Erinnerung weitergegeben wird: In ihrem international viel beachteten Debüt „Mein wahrer Name ist Elisabeth“ spürt Adèle Yon dem tragischen Schicksal ihrer Urgroßmutter nach, die psychiatrisiert und aus dem Familiengedächtnis verdrängt wurde. Am Mittwoch, 23. September, ist die französische Autorin um 19.30 Uhr zur Buchvorstellung und zum Gespräch in der Stadtbibliothek zu Gast.

Die autobiografisch inspirierte Geschichte führt zurück in eine Zeit, als in der Psychiatrie Methoden angewendet wurden, die heute geächtet sind. Ein Passfoto, aufbewahrt in einem Karton mit Familienpapieren, viel mehr scheint von Élisabeth, auch Betsy genannt, nicht geblieben zu sein. Ihre Geschichte war eine Quelle von Scham und Schmerz, ein Gerücht, das nur hinter vorgehaltener Hand weitergegeben wurde: psychiatrisiert, weggesperrt, lobotomiert – und schließlich beinahe aus der familiären Erinnerung verschwunden.

Adèle Yon sammelt Briefe und medizinische Diagnosen, führt Gespräche und recherchiert in Archiven. Aus den verstreuten Dokumenten, fragmentarischen Erinnerungen und dem Schweigen rekonstruiert sie das Leben einer Frau, deren eigene Stimme lange nicht gehört wurde. So entsteht eine eindringliche literarische Auseinandersetzung mit Familiengeschichte, psychischer Erkrankung und gesellschaftlichen Zwängen. Zugleich erzählt das Buch davon, wie Schweigen über Generationen hinweg weiterwirkt, wie sich die Verletzungen eines einzelnen Menschen in das Gedächtnis einer Familie einschreiben.

Zur Autorenbegegnung, die vor Ort ins Deutsche übersetzt wird, laden das Institut français Sachsen-Anhalt und das Literaturhaus Magdeburg im Rahmen der aktuellen Literaturwochen mit der Stadtbibliothek gemeinsam ein. Die Lesung eröffnet außerdem einen weiteren Blick auf Adèle Yons Arbeit, denn neben dem Schreiben ist sie auch als Chefköchin tätig. So wird zugleich eine Brücke zum Finale der Reihe „Worte, Würze, Welten“ am folgenden Tag geschlagen, die mit einem französischen Kochabend im einewelt haus Magdeburg endet und vom Institut français Sachsen-Anhalt zusammen mit der Deutsch-französischen Gesellschaft Magdeburg und der Stadtbibliothek ausgerichtet wird.

Alle interessierten Gäste sind zur Vorstellung des Buches „Mein wahrer Name ist Elisabeth“ und zum Autorengespräch mit Adèle Yon am Mittwoch, 23. September, um 19.30 Uhr in der Zentralbibliothek der Stadtbibliothek Magdeburg herzlich eingeladen. Die Veranstaltung wird von der Staatskanzlei und Ministerium für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt und dem Fachbüro für Buch- und Verlagswesen des Institut français Deutschland unterstützt. Der Eintritt ist frei.

Über die Autorin: Die 1994 in Paris geborene Adèle Yon forscht, schreibt und kocht. Für die Absolventin der École Normale Supérieure und Filmwissenschaftlerin ist ihre Doktorarbeit beim kreativen Forschungslabor SACRe der Anlass, mit dem Schreiben ihres Debüts zu beginnen. Außerdem arbeitet sie in Paris und im Departement Sarthe als Küchenchefin.

Adèle Yon wurde 1994 in Paris geboren. Sie wuchs in einem Umfeld auf, das von Film, Politik und Gastronomie geprägt war: Ihr Vater ist im internationalen Vertrieb unabhängiger Filme tätig, ihre Mutter arbeitete zunächst in Ministerialbüros der Regierung Jospin und wechselte später in die Gastronomie. Auch Adèle Yon selbst steht gelegentlich als Chefköchin in der Küche.
Nach ihrer Schulzeit am Lycée Louis-le-Grand und am Lycée Henri-IV wurde sie 2014 an der École normale supérieure aufgenommen. Sie studierte zeitgenössische Philosophie an der EHESS und Filmwissenschaften an der Université Sorbonne Nouvelle.
2019 begann sie ihre Promotion. Ihr Buch „Mon vrai nom est Élisabeth“ entstand aus ihrer Doktorarbeit im Bereich Forschung und künstlerische Praxis an der Université PSL. Darin verbindet sie wissenschaftliche Recherche mit literarischem Erzählen. Die Dissertation wurde von Antoine de Baecque und Antonio Somaini betreut und im Dezember 2024 verteidigt.
Der Roman „Mein wahrer Name ist Elisabeth“ (Im Original: Mon vrai nom est Elisabeth) hat im vergangenen Jahr mehrere wichtige Literaturpreise in Frankreich gewonnen, darunter den Prix littéraire du Nouvel Obs und den Prix France Télévisions. Jüngst wurde die deutsche Übersetzung für den „Prix Premiere“ nominiert, der auf der kommenden Leipziger Buchmesse vergeben wird.