"Der gestrandete Zug von Farsleben"
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Ausstellung im Kreismuseum Wolmirstedt: "Der gestrandete Zug von Farsleben"

Im April 1945 sollten von der SS sogenannte "Austauschhäftlinge" des KZ Bergen-Belsen vor den heranrückenden Truppen der Alliierten evakuiert werden. Einer der drei Züge kam zwischen Zielitz und Farsleben in einem Wäldchen zum Stehen. Die US-Amerikaner befreiten die ausgemergelten Menschen.

Der gestrandete Zug von Farsleben © Museum Wolmirstedt
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© Museum Wolmirstedt

Foto: Major Clarance C. Benjamin, leitender Offizier des 743. Tank Bataillon, fotografierte den Moment der Befreiung am 13. April 1945 an den Bahngleisen bei Farsleben. Für die Ausstellung mit freundlicher Genehmigung United States Holocaust Memorial Museum Washington

Zum Gedenken der Befreiung von 2.500 jüdischen Häftlingen am 13. April 1945 in Farsleben

International ist dieses Thema durch Selbstzeugnisse, Bücher, Malerei und Forschung gut aufgearbeitet und bekannt, nur hier, in unserer Region und deutschlandweit, nahezu vergessen.

Kreismuseum Wolmirstedt an der Schloßdomäne
Ausstellung "Der gestrandete Zug von Farsleben"

Geänderte Öffnungszeiten der Aussstellung
Dienstag bis Donnerstag, 9.00 bis 12.00 und 13.00 bis 17.00 Uhr
Freitag, 9.00 bis 12.00 Uhr
Sonntag, 13.00 bis 17.00 Uhr

Die Museumsleiterin Anette Pilz  lädt zu Führungen durch die Ausstellung ein. Eingangs wird der kurze und sehenswerte Silhouettenfilm "Gestrandet" von Robert Hirschmann gezeigt.

Voranmeldungen bitte unter Tel. 039201/21363 oder per E-Mail: museumwolmirstedt@boerdekreis.de

Austauschhäftlinge aus dem KZ Bergen-Belsen

Die Geschichte des Gestrandeten Zuges begann im Konzentrationslager (KZ) Bergen-Belsen.

Hier hatte die Schutzstaffel (SS) ab Juli 1943 zusätzlich ein sogenanntes „Austauschlager” eingerichtet, dessen mindestens 14.600 jüdische Häftlinge mit ausländischen Staatsbürgerschaften zunächst von der Vernichtung ausgenommen waren: Sie sollten gegen internierte Deutsche im westlichen Ausland ausgetauscht oder gegen Devisen „verkauft” werden.

Gestrandet und befreit in Farsleben

Im April 1945 sollten etwa 6.700 sogenannte "Austauschhäftlinge" des KZ Bergen-Belsen vor den heranrückenden Truppen der Alliierten evakuiert werden. Insgesamt verließen drei Züge das KZ Bergen-Belsen mit dem Ziel Theresienstadt. Ohne ausreichende Verpflegung und medizinische Versorgung starben viele Menschen bereits in den völlig überfüllten Waggons.

Am 12. April 1945 kam einer der drei Züge zwischen Zielitz und Farsleben in einem Wäldchen zum Stehen, die geplante Weiterfahrt nach Magdeburg war aufgrund von Fliegerangriffen nicht möglich. Die Bewaldung, in der der Zug stoppte, diente als eine letzte natürliche Deckung gegen den Beschuss.

Gegen Mittag des 13. April 1945 erreichten zwei US-amerikanische Aufklärungspanzer der 743. Infanterie-Division der 9. US-Armee Farsleben. Die US-Amerikaner evakuierten die ausgemergelten Menschen und brachten sie in Farsleben und in Hillersleben zur ersten Versorgung unter. Unter den 2.500 Überlebenden befanden sich mehr als 500 Kinder und junge Menschen. Daher gibt es noch viele überlebende Zeitzeugen.

Gliederung der Ausstellung

  • Austauschlager Bergen-Belsen
  • Räumung des Lagers
  • Befreiung in Farsleben
  • 12. April 1945
  • 13. April 1945
  • Ankunft der US-Truppen
  • Situation in Farsleben
  • DP Camp Hillersleben
  • Repatriierung / Auswanderung
  • Gedenken
  • Farsleben
  • Hillersleben
  • Gedenken im Ausland

Erfahrungen der DIG Magdeburg

Die Arbeitsgemeinschaft Magdeburg der Deutsch-israelische Gesellschaft e.V. lud am 25. Oktober 2021 im Rahmen der Tage der jüdischen Kultur und Geschichte 2021//5782 in das Kreismuseum Wolmirstedt ein. Ca. 30 Besucherinnen und Besucher aus Magdeburg nahmen das Angebot einer Führung durch die Ausstellung "Der gestrandete Zug von Farsleben" durch die Museumsleiterin Anette Pilz an.

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft und das Kulturbüro Magdeburg können den Silhouettenfilm "Gestrandet", die Ausstellung sowie die kenntnisreiche und anschauliche Führung durch die Museumsleiterin interessierten Jugendlichen und Erwachsenen sehr empfehlen.


Autor: Frau Riep, Kulturbüro/Gesellschaftshaus, 04.02.2022 
Quelle: Kreismuseum Wolmirstedt und Begleitbroschüre zur Handyapp