Sommertheater in der Möllenvogtei: "Magdeburg, wir kommen!"
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Sommertheater in der Möllenvogtei: "Magdeburg, wir kommen!"

Adel verpflichtet –auch wenn es auf Pump ist. Seit der Venezianer Carlo Goldoni vor 250 Jahren in seiner Komödientrilogie die Sommerfrische der besseren Gesellschaft aufs Korn nahm, haben sich zwar die Kostüme verändert, die Parallelen zu unserem modernen Leben jedoch sind unverkennbar. Davon überzeugt das Theater Poetenpack ab 5. August beim Sommertheater 2021 im Möllenvogteigarten am Dom.

K&S Akt. Meld.: Ab in die Sommerfrische © Theater Poetenpack Potsdam (Plakat: Rayk Goetze)
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© Theater Poetenpack Potsdam (Plakat: Rayk Goetze)

Sommertheater 2021 des Theater Poetenpack Potsdam im Möllenvogteigarten am Magdeburger Dom

5. bis 8. August 2021
12. bis 15. August 2021
19. bis 22. August 2021
jeweils donnerstag bis sonntags ab 20.00 Uhr
(Ausnahme: Abschluss-Aufführung am 22. August um 17.00 Uhr)

"AB IN DIE SOMMERFRISCHE!"
Komödie nach Carlo Goldoni

Es spielen: Julia Borgmeier, André Kudella, Clara Schoeller, Stephan Schill, Georg Peetz, Gislén Engelmann / Andrea Seitz, Reiner Gabriel, Anatol Käbisch

Regie: Kai O. Schubert
Bühne: Janet Kirsten
Kostüm: Frauke Menzinger
Regieassistenz: Andrea Seitz

"Nach einem gelungenen Auftakt des Theatersommer Sanssouci im Potsdamer Heckentheater freuen wir uns bereits darauf, im August vor historischer Kulisse in Magdeburg spielen zu dürfen!
In diesem Jahr haben wir ein Programm für die ganze Familie im Gepäck. Die Komödie "Ab in die Sommerfrische!" nach Carlo Goldoni feiert im Garten der Möllenvogtei am 5. August 2021 um 20 Uhr Magdeburg-Premiere, gefolgt von elf weiteren Abendverantaltungen bis 22. August.
Ab dem 6. August um 15.00 Uhr bringen wir das neue Familienstück "An der Arche um Acht" auf die Bühne, das ebenfalls bis 22. August an acht weiteren Nachmittagen und drei Vormittagen zu sehen sein wird.Wir freuen uns auf unser Magdeburger Publikum!
Ihr Theater Poetenpack"

Verreisen als Statussymbol

Das Verreisen als Statussymbol beispielsweise ist uns auch heute nicht fremd. Zog man damals zur Zeit der Weinfeste auf's Land und suchte dort die nobelsten Herbergen auf, um damit unter Bekannten und Freunden zu prahlen, so sind heute dekadente Kurztripps oder Fernreisen zu exotischen Zielen ebenso geeignet, zur Schau zu stellen, dass man dazugehört.  

Im Stück treiben zwei alteingesessene Familien sich und ihren Anhang in hysterische Hektik und in den Bankrott – nur um standesgemäß ihren Urlaub antreten zu können. Am Luxusdomizil angekommen erwartet die Gesellschaft in sonniger Hitze die Tristesse jährlich wiederkehrender Rituale. Nur kein Stillstand. Spiel, Sex, Geld, Intrigen und hochdosiertes Wohlstandskalkül halten den dekadenten Mikrokosmos am Laufen –bis das letzte Herz vergeben, der letzte Ehevertrag unterzeichnet und der letzte Schuldschein unterschrieben ist. Dann heißt es: Ab nach Hause und auslöffeln, was man sich in der Sommerfrische eingebrockt hat!  

Im Gewand einer Komödie zeigt Goldoni eine Welt, die von Sehnsucht, Habgier und brutaler sozialer Kontrolle regiert wird. Auch 250 Jahre nach der Uraufführung hat die Stücke-Trilogie das Zeug dazu, unserer Gegenwart den Spiegel vorzuhalten. Denn: „Eine Gesellschaft, die auf Pump lebt, alle sind bankrott, alles kracht zusammen –das kommt mir alles sehr aktuell vor.“ (Claus Peymann)

Carlo Goldoni

Carlo Goldoni, 1707 in Venedig geboren, gilt als der große Reformator des italienischen Theaters. An die 200 Stücke in allen dramatischen Gattungen sind bekannt. Er suchte die Tradition der Commedia dell’arte zu überwinden und schrieb, von den Ideen der Aufklärung beeinflusst, Sitten- und Charakterkomödien. Das Lustspiel "Trilogia della villeggiatura" (Die Trilogie der Sommerfrische) entstand 1761. Goldoni starb 1793 in Paris.

Das Theater Poetenpack

K&S Akt.Meld.: Logo Theater Poetenpack Potsdam © Theater Poetenpack Potsdam
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© Theater Poetenpack Potsdam

Theater Poetenpack ist ein freies professionelles Theater, das für seine vielfältigen Eigenproduktionen über ein Ensemble ausgewählter freischaffender Künstler verfügt. Im Zentrum des facettenreichen Repertoires stehen Klassiker-Inszenierungen, die durch moderne Kammerspiele und musikalisch-literarische Programme ergänzt werden. Der Theatersommer Sanssouci im historischen Heckentheater am Neuen Palais in Potsdam und das Sommertheater an der Möllenvogtei in Magdeburg haben sich zu festen Größen etabliert.

Besondere Wertschätzung erhält das Theater Poetenpack für seine exzellente Sprachkultur. Seit 2006 gastiert es kontinuierlich im gesamten deutschsprachigen Raum.

2015 hat das Theater mit dem Projekt „Nathan der Weise – Ein lebendiges Zeichen für eine tolerante Stadt“ den neuen Arbeitsbereich „Theater als Erfahrungsraum“ ins Leben gerufen. Zum ersten Mal konnten in Potsdam Geflüchtete und professionelle SchauspielerInnen gemeinsam an einer Theaterproduktion beteiligt werden. Dieses Modell wurde seitdem mehrfach in anderen deutschen Städten wiederholt. Das Theater leistet damit als Bot-schafter des Landes Brandenburg aktive Integrationsarbeit vor Ort deutschlandweit.

Brandenburger Erklärung der Vielen

Mit dieser Erklärung möchten wir, die Unterzeichnenden aus Brandenburgs Kunst und Kultur, ein Zeichen für Haltung, Toleranz, Vielfalt und Respekt setzen.

Als Kulturschaffende in Deutschland stehen wir fest und konsequent auf dem Boden des Grundgesetzes. Wir respektieren, fördern und pflegen Erinnerungskultur als wesentliches Merkmal unserer Identität und verwehren uns deutlich gegen jede Relativierung und jeden Versuch völkischer, populistischer oder nationalistischer Vereinnahmung.

Wir begreifen Kunst und ihre Einrichtungen, die Museen, Theater, Ateliers, Clubs, die urbanen, ländlichen und alle weiteren Orte der Kultur, als offene Räume, die Vielen gehören. Unsere Gesellschaft ist eine plurale Versammlung. Viele unterschiedliche Interessen treffen aufeinander und finden sich oft im Dazwischen. Demokratie muss täglich neu verhandelt werden – aber immer unter einer Voraussetzung: Es geht um Alle, um jede*n Einzelne*n!

Der rechte Populismus, der die Kultureinrichtungen als Akteur*innen dieser gesellschaftlichen Vision angreift, steht der Kunst der Vielen feindselig gegenüber. Rechtspopulistische Gruppierungen und Parteien stören Veranstaltungen, wollen in Spielpläne und ins Programm eingreifen, polemisieren gegen die Freiheit der Kunst und arbeiten an einer Renationalisierung der Kultur. Ihr verächtlicher Umgang mit Menschen auf der Flucht, mit engagierten Kulturschaffenden, mit Andersdenkenden verrät, wie sie mit der Gesellschaft umgehen werden, sollten sich die Machtverhältnisse zu ihren Gunsten verändern.
 
Wir formulieren mit dieser Erklärung eine klare Haltung:
 
• Die unterzeichnenden Akteur*innen aus Kunst und Kultur führen den offenen und kritischen Dialog über Strategien, die demokratische Grundwerte untergraben. Sie gestalten diesen Dialog mit Mitwirkenden und dem Publikum in der Überzeugung, dass die beteiligten Akteur*innen den Auftrag haben, unsere demokratische Gesellschaft fortzuentwickeln.
 
• Alle Unterzeichnenden fördern die demokratische Debatte, bieten aber kein Forum für jegliche Art von Hetze.
 
• Die Unterzeichnenden wehren die Versuche der Rechtspopulist*innen ab, Kulturveranstaltungen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.

Wir solidarisieren uns mit Menschen und Institutionen, die durch eine rechtspopulistische Politik an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden!

Es geht um uns Alle. Daher: Die Kunst bleibt frei!

Die Vielen

Quelle: Homepage Theater Poetenpack Potsdam