Kino im Moritzhof: "Der Russe ist einer, der Birken liebt"
Hilfsnavigation
115 Ihre Behördennummer

Kino im Moritzhof: "Der Russe ist einer, der Birken liebt"

Im Mittelpunkt des Spielfilms von Pola Beck nach dem gleichnamigen Bestseller-Roman von Olga Grjasnowa steht Mascha, eine junge Frau mit jüdisch-aserbaidschanischen Wurzeln. Sie ist wild und laut, kompromisslos und schlagfertig, doch im Grunde ihres Herzens orientierungslos. Die angehende Dolmetscherin ist Kosmopolitin, spricht fünf Sprachen fließend, nur über ihre eigene Geschichte, die Geflüchtete in ihr, spricht sie nie.

Filmplakat: Der Russe ist einer, der Birken liebt © Moritzhof Magdeburg (Filmplakat I Port au Prince Pictures)
©
© Moritzhof Magdeburg (Filmplakat I Port au Prince Pictures)

KINO IM MORITZHOF
Noch vom 07.11. bis 15.11.2022
Der Russe ist einer, der Birken liebt
Ein Spielfilm von Pola Beck nach dem gleichnamigen Bestseller-Roman von Olga Grjasnowa

SPIELFILM I LAND: Deutschland |  JAHR: 2022 |  REGISSEUR: Pola Beck |  DARSTELLER: Aylin Tezel, Slavko Popadic, Sohel Altan Gol, Heike Hanold-Lynch |  FSK: ab 12 |  DAUER: 105 Min.

Maschas Freundeskreis ist multikulturell, feiert ordentlich und kontert den allgegenwärtigen Alltagsrassismus mit böser Ironie. Mascha liebt ohne Rücksicht auf Verluste – ihre Sprachen, ihre Freunde und vor allem Elias.

Gerade erst ist Mascha mit ihrem Freund zusammengezogen, als dieser durch eine zunächst harmlose Sportverletzung zum Pflegefall wird. Immer mehr gerät Maschas Leben aus den Fugen.

Elias‘ unerwarteter Tod stürzt sie in eine Krise. Sie tritt die Flucht nach vorne an und setzt sich, mit nichts als ihrem Pass, in ein Flugzeug Richtung Israel. Dort tut sie das, was sie am besten kann: Sie stürzt sich mit voller Wucht in ein neues Leben, findet eine neue Liebe und muss schließlich erkennen, dass man nicht für immer vor sich davonrennen kann.

Eine Produktion von augenschein Filmproduktion in Koproduktion mit ZDF / Das kleine Fernsehspiel und in Zusammenarbeit mit ARTE.Unterstützt durch die Film- und Medienstiftung NRW, dem Medienboard Berlin-Brandenburg, den Deutschen Filmförderfonds und MEDIA – Creative Europe. Im Verleih der Port au Prince Pictures

Ein instinktives Plädoyer gegen Vorurteile

Der Titel stammt ganz offensichtlich aus einer anderen und wie man floskelhaft sagt: unschuldigeren Zeit. Als Olga Grjasnowa 2012 mit ihrem Debütroman Der Russe ist einer, der Birken liebt viele lobende Rezensionen einheimste, brauchte es noch keine einleitenden Hinweise darauf, dass es in ihrer autobiografisch geprägten Erzählung über eine deutsche Simultandolmetscherin mit jüdisch-aserbaidschanischen Wurzeln keinesfalls um Verallgemeinerungen wie "der Russe liebt Birken" geht. Im aktuellen Kontext des russischen Angriffskriegs stößt die poetische Einladung des Titelsatzes dazu, über solche Etikettierungen nachzudenken, wahrscheinlich auf noch verschlossenere Ohren als vor zehn Jahren schon. Und genau das wäre sehr, sehr schade. Denn Regisseurin Pola Beck ist mit ihrem Film eine wunderbar nuancierte, stimmungsvolle und bewegende Adaption gelungen, die – neben vielen anderen zutiefst menschlichen Dingen – auch ein instinktives Plädoyer gegen Vorurteile enthält.

Aylin Tezel, den meisten wohl als Teil des Dortmunder Tatort-Teams bekannt, spielt Mascha, eine junge Frau mit komplizierter Vergangenheit und nicht weniger komplexer Gegenwart.

Quelle: Zeit online, 04.11.2022, Rezension von Barbara Schweizerhof

Autor: Frau Riep, Kulturbüro/Gesellschaftshaus 
Quelle: Newsletter Moritzhof