Einweihung: Mahnmale zur Teilung und deren Opfer
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Mahnmale zur Teilung Europas und Opfer des Eisernen Vorhangs

Am 11. September sind 2 neue Gedenk-Orte für Ereignisse der jüngeren deutsch-deutschen Geschichte im Beisein von Oberbürgermeisterin Simone Borris eingeweiht worden. Der „Zeitstrahl“ und die Erinnerungstafel auf der Lothar-Kreyssig-Straße wurden in Magdeburger Schulprojekten erarbeitet und durch Fachfirmen verlegt bzw. aufgestellt.

Freiheitswille zwischen Mauerbau und Mauerfall

Der Eiserne Vorhang, Symbol der Teilung Europas in Ost und West, prägte die persönlichen Schicksale von Menschen aus Magdeburg. Der Stadtrat hatte 2019 und 2021 beschlossen, dazu mit zwei partizipativen Erinnerungsprojekten im Herzen der Stadt ein Denkmal zu setzen. In aufwändigen Schulprojekten wurden die geschichtlichen Wegstationen von 1961 bis 1989 erkundet und künstlerische Gestaltungsvorschläge erarbeitet. So wurden die Biografien von 15 Menschen aus unserer Stadt aufgearbeitet, die infolge des Eisernen Vorhangs ihr Leben verloren.

„Zeitstrahl“ – Geschichte im Gehweg

Der „Zeitstrahl“, eingearbeitet zwischen dem Fragment der Berliner Mauer und dem Bürgerdenkmal, erinnert historische Wegstationen. Stationen einer Epoche, die mit dem Mauerbau 1961 begann und der Friedlichen Revolution 1989 endete. Die großpolitische Entwicklung wird um zwei Magdeburger Ereignisse ergänzt: den Anfängen der internationalen „Aktion Sühnezeichen“ und dem ersten großen Friedensgebet im Herbst 1989. Sie schlagen die Brücke zum Namensgeber der Straße, Lothar Kreyssig, und den Ereignissen vor dem Dom. So wird Magdeburg als Teil der europäischen Geschichte erfahrbar.

Bereits 2011 erarbeitete eine 11. Klasse der IGS „Willy Brandt“ in einem Schulprojekt zum „Zeitstrahl“ verschiedene Gestaltungsvarianten. Die Ideen reichten von einem „Fluss der Zeit“, einem beleuchteten Brunnen mit Informationstafeln, über Gläserne Wände bis hin zu einem begehbaren Zeitstrahl aus Sicherheitsglas – „Roter Faden“.

Der geplante Ort inmitten der Innenstadt erforderte eine denkmalverträgliche Umsetzung. Die Entscheidung fiel deshalb zugunsten einer zurückhaltenden Variante, die sich in die bestehende Stadtlandschaft einfügt. Der Zeitstrahl verläuft nun auf Natursteinplatten entlang des Gehwegs, der parallel vom Mauerfragment zum Bürgerdenkmal der Friedlichen Revolution führt. Auf dieser Zeitachse sind die Ereignisse zwischen 1961 und 1989 als Fließtext im Stil eines Telegramms aufgebracht.

Für die Erarbeitung der Gestaltungsvorgaben konnte das Stadtplanungsamt die Restauratorin Claudia Böttcher gewinnen. Die Umsetzung des Entwurfs lag in der Hand der Firmen Paul Schuster und Carsten Kassebaum.

Gedenken an die Mauer-Opfer aus Magdeburg

Oberbürgermeisterin Simone Borris mit einer Gedenk-Rede zum Thema Mauer-Opfer
Staatssekretär für Inneres und Sport Land Sachsen-Anhalt, Klaus Zimmermann
Dr. Christoph Volkmar am Mauer-Gedenkmal in Magdeburg
Gäste der Einweihung des Magdeburger Zeitstrahls neben dem Dommuseum Ottonianum
Eik Ruddat, Schulleiter dewr IGS Willy Brandt Magdeburg
Marie Dolores Badtke und Sarah Maria Roslansky zu den Mauer-Opfern aus Magdeburg
Einweihung des Gedenk-Ortes "Zeitstrahl" in Magdeburg
Birgit Neumann-Becker, Beauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Landtagsabgeordneter Tobias Krull zur Niederlegung und Gedenken an Mauer-Opfer

Für den zweiten Baustein des Gedenk-Ortes, die Mahntafel für die Opfer des Eisernen Vorhangs, initiierte das Stadtarchiv eine Kooperation mit dem Geschwister-Scholl-Gymnasium. In einem Projekt der Klasse 10/4 wurden die Schicksale von 15 Menschen aus Magdeburg aufgearbeitet, die zwischen 1949 und 1989 infolge des Eisernen Vorhangs ihr Leben verloren.

In einer emotionalen Gedenkfeier am 20. Juli 2021 liehen die Schüler*innen den Opfern ihre Stimme und gaben Einblicke in die Lebensgeschichten aus der Ich-Perspektive – bis hin zum tragischen Ende. Die Opfer-Namen auf der Gedenktafel sind gestalterisch an eine Grabplatte angelehnt und wurden in das bereits vorhandene Segment der Berliner Mauer integriert. An der offiziellen Einweihung, die zu Ehren der Opfer durch eine Schweigeminute endete, nahmen zahlreiche Gäste beteiligter Schulen, Politik und Verwaltung teil.

Die Inschrift des Zeitstrahls

  • 13. August 1961
    Bau der Berliner Mauer

  • 1965/66
    Magdeburger leisten für „Aktion Sühnezeichen“ Versöhnungsarbeit in Polen

  • 21. August 1968
    Niederschlagung des Prager Frühlings

  • 21. Dezember 1972
    Deutsch-deutscher Grundlagenvertrag

  • 1. August 1975
    KSZE-Schlussakte von Helsinki

  • 17. September 1980
    Gründung der unabhängigen Gewerkschaft Solidarnosc

  • 1980
    „Schwerter zu Pflugscharen“ wird zum Symbol der Friedensbewegung

  • 1985/86
    Glasnost und Perestroika in der Sowjetunion

  • 11. September 1989
    Öffnung des Eisernen Vorhangs in Ungarn

  • 9. Oktober 1989
    4.000 Menschen versammeln sich zum Friedensgebet im Magdeburger Dom

  • 9. November 1989
    Fall der Berliner Mauer
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Zur geschichtlichen Einordnung

Am 11. September 1989 stieß die Öffnung des Eisernen Vorhangs in Ungarn ein Fenster in die Freiheit auf. Viele in der DDR lebende Menschen nahmen die Chance wahr und mahnten zugleich gesellschaftliche Veränderungen in ihrer Heimat an. Vor 33 Jahren wurde so die Trennung zwischen Ost und West überwunden, die Europa seit dem Zweiten Weltkrieg teilte.

Die sozialistische Großstadt Magdeburg wurde schon aufgrund ihrer exponierten Lage von den weltpolitischen Ereignissen besonders berührt. Die neuen Denkmäler fokussieren dabei aber weniger das strategische Gesamtbild – es geht um die Menschen Magdeburgs. Darum, die Menschenwürde zu achten und Begegnungen zu fördern. Begegnung zwischen einst hier Lebenden, und jenen, die heute hier Zukunft gestalten.