Knochenfund auf der Tunnelbaustelle
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Knochenfund auf der Tunnelbaustelle

Auf der Magdeburger Großbaustelle „Eisenbahnüberführung Ernst-Reuter-Allee“ haben Archäologen in den vergangenen Wochen menschliche Überreste freigelegt. Diese waren bei Aushubarbeiten auf der Innenstadtseite kurz vor der Kreuzung zur Otto-von-Guericke-Straße entdeckt worden. In einem Pressetermin am 19. März informierten Dr. Götz Alper vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt sowie Grabungsleiterin Juliane Huthmann vor Ort über den Fund.

So handelt es sich dabei um einen Bestattungsplatz, der sich außerhalb der mittelalterlichen Altstadt von Magdeburg befand, unmittelbar vor dem Alten Ulrichstor. Nach derzeitigem Kenntnisstand zeigt sich eine reguläre Grablege mit Holzsärgen, möglicherweise die Begräbnisstätte einer Familie, da neben Skeletten von Männern und Frauen auch die eines Kindes gefunden worden sind. Der Anthropologe, der zu genaueren Datierung hinzugezogen wurde, schätzt das Alter des Kindes auf drei oder vier Jahre. Der Verwitterungszustand ist so stark, dass lediglich der Schädel, der Rücken sowie Beine und Arme noch erhalten sind. Warum die Familie jedoch außerhalb der damaligen Stadtmauer begraben wurde, kann nach jetzigem Wissen noch nicht geklärt werden. Ebenso ungewiss ist, ob unterhalb dieser Grablege in tieferen Bodenschichten womöglich noch weitere gefunden werden. Auch sind in der unmittelbaren Umgebung durchaus weitere Funde möglich. Nachdem das Archäologieteam um Juliane Huthmann an dieser Stelle mit seiner Arbeit fertig ist, werden weitere Stellen untersucht.

Zunächst war die Archäologin bei dem Knochenfund auf der Magdeburger Großbaustelle lediglich von Überresten Kriegsversehrter, vermutlich aus dem 30-jährigen Krieg, ausgegangen, da die Schädel deutliche Hiebverletzungen aufweisen. Auch ein kleines Tongefäß, das bei den Ausgrabungen gefunden wurde, deutet auf eine Datierung auf das 16. oder 17. Jahrhundert hin. Die Toten waren damals über den Särgen des Familien-Bestattungsplatzes abgelegt worden und lagen mehr oder minder ungeordnet im Boden. Erst beim weiteren Freilegen stießen die Archäologen auf die Holzplatte der Särge. Die Umrandungen der Gräber sind trotz fortgeschrittener Verwitterung noch gut zu erkennen.

Genauere Aussagen zur Datierung des äußerst spannenden Befundkomplexes sowie zu den Verletzungsspuren werden erst nach Abschluss verschiedener naturwissenschaftlicher Untersuchungen möglich sein.

Die Überreste werden von einem Expertenteam untersucht.
Die Grabungsleiterin Juliane Huthmann zeigt einen gefundenen Schädel.
Die Überreste auf der Baustelle
Ein Team aus den Bereichen Archäologie und Anthropologie untersucht die Überreste.
Die Überreste auf der Baustelle.
Die Grabungsleiterin Juliane Huthmann erklärt die Liege-Position eines Skelettes.
Darstellung zu den Überresten
Es wurden gut erhaltene Gefäße gefunden.

Hintergrund

Der Knochenfund ist nicht die erste archäologische Besonderheit auf der Großbaustelle. So waren erst im vergangenen Herbst am Damaschkeplatz Überreste des Neuen Ulrichstores entdeckt worden. Das Tor hatte Ende des 19. Jahrhundert kurze Zeit an der Stelle gestanden, musste aber bald dem wachsenden Verkehrsaufkommen weichen. Auch weitere Überreste der alten Festungsanlage, die im Bereich des heutigen Hauptbahnhofes verlief, wurden im Verlauf der Bauarbeiten freigelegt und archäologisch dokumentiert. Insbesondere bei den Arbeiten auf dem Gelände der Deutschen Bahn sind immer wieder alte Festungsmauern gefunden worden.

2015 waren zudem bei den Arbeiten zur Herstellung der Ersatzhaltestelle Weinarkade im Bereich des südlichen Gehweges der Ernst-Reuter-Allee Knochen gefunden worden. Dabei handelte es sich Überreste des Friedhofes der Ulrichskirche, die sich bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg an dieser Stelle befand.