Bronzetür Idyllen und Katastrophen, 1966-1968
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Bronzetür Idyllen und Katastrophen, 1966-1968

Stötzer, Werner

Das Gebäude des ehemaligen Prämonstratenser-Klosters Unser Lieben Frauen einschließlich der seit 1977 als Konzerthalle genutzten romanischen Kirche besitzt insgesamt fünf neuzeitliche Tür-Reliefs. Neben den hier näher beschriebenen ist das das von Heinrich Apel für den nördlichen Haupteingang des Kunstmuseums gestaltete aus dem Jahr 1973 und das Relief von Wieland Förster, das sich seit 1989 an der dafür bestimmten kleinen einflügligen Tür befindet, die aus dem Kreuzgang in die Hochsäulige Kapelle führt.

Die Idee, das mittelalterliche Gebäude mit Tür-Reliefs zeitgenössischer Künstler auszustatten, entstand vermutlich Ende der 1950er Jahre im Zusammenhang mit einer von Sigrid Hinz initiierten Ausstellung Waldemar Grzimeks im Kulturhistorischen Museum (Renate Hagedorn, 1989). Naheliegende Inspiration für Grzimek dürfte vor allem die weltberühmte, ursprünglich für Plock bestimmte und 250 Jahre auch dort beheimatete, Bronzetür von Nowgorod gewesen sein, die Mitte des 12. Jahrhunderts in Magdeburg gegossen worden war.

Vermutlich vor allem weil er 1961 die DDR verließ, kam nicht der zunächst auch von Magdeburger Seite präferierte Grzimek zum Zug, sondern der von ihm empfohlene Werner Stötzer, den er selbst in diesem Zusammenhang als seinen "heimlichen Meisterschüler" bezeichnet hatte. Es dauerte dann allerdings über 40 Jahre, ehe die 1967 von Stötzer fertig gestellte Tür 2008 den ursprünglich auch geplanten Platz in der Außenmauer des Westflügels erhielt. Wegen eines anfänglichen Vermessungsfehlers und späteren Planänderungen war sie zuvor an zwei anderen Positionen eingefügt worden.

In der schon mehrfach erwähnten Darstellung der Bildhauerkunst Magdeburgs aus dem Jahr 1969 hatte die Kustodin Sigrid Hinz Stötzers Bronzetür als bisherigen Höhepunkt in seinem Schaffen gewürdigt. Grundidee der Arbeit ist das lapidare und gerade dadurch sich gegenseitig verstärkende Nebeneinander von Idyll und Katastrophe, das Brecht 1938 in einem Aufsatz zu Brueghel und besonders eindrücklich am Beispiel von dessen Gemälde Sturz des Ikarus als so genannten Verfremdungseffekt beschrieben hatte.

Über den Künstler

Werner Stötzer (geboren 2. April 1931 in Sonneberg; gestorben 22. Juli 2010 in Altlangsow) war ein deutscher Bildhauer und Zeichner. Er lebte und arbeitete in Altlangsow (Gemeinde Seelow) im Oderbruch.

LEBEN

Nach einer Ausbildung zum Keramikmodelleur an der Industriefachschule in Sonneberg studierte Werner Stötzer von 1949 bis 1951 an der Hochschule für Baukunst und Bildende Künste in Weimar bei Heinrich Domke, Hans van Breek und Siegfried Tschiersky. Aufgrund der Neuausrichtung der Hochschule setzte er sein Studium von 1951 bis 1953 in Dresden an der Hochschule für Bildende Künste bei Eugen Hoffmann und Walter Arnold fort. Von 1954 bis 1958 war er Meisterschüler bei Gustav Seitz an der Akademie der Künste in Berlin. Zu den Meisterschülern dieser Zeit gehörten u. a. Manfred Böttcher und Harald Metzkes, mit denen ihn eine lebenslange Freundschaft verband, aber auch der Maler Ernst Schroeder. Nach dem Ende der Meisterschülerzeit war Stötzer vor allem freischaffender Künstler.

1974 arbeitete er an der Umsetzung des Films ?Der nackte Mann auf dem Sportplatz? von Konrad Wolf mit.

Werner Stötzer war auch lehrend tätig. So 1975 bis 1978 als Gastdozent an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Von 1987 bis 1990 hatte er eine Professur mit künstlerischer Lehrtätigkeit an der Akademie der Künste der DDR inne. Ab 1978 war er ordentliches Mitglied und von 1990 bis 1993 Vizepräsident der Akademie der Künste. Dort wurde er selbst zum Mentor zahlreicher Künstler. Zu seinen Meisterschülern an der Akademie der Künste gehörten u. a. die Bildhauer Horst Engelhardt, Berndt Wilde und Joachim Böttcher, von 1989 - 1992 der Maler und Bühnenbildner Mark Lammert.

Nach Wohnungen und Ateliers in Berlin und Vilmnitz (Gemeinde Putbus) auf Rügen bewohnte er von 1980 bis zu seinem Tod zusammen mit seiner Frau, der Bildhauerin Sylvia Hagen, ein ehemaliges Pfarrhaus in Altlangsow am Randes Oderbruchs.

Studienreisen führten ihn unter anderem nach China (1957), die Sowjetunion (1958), die Tschechoslowakei (1955), Ungarn, Österreich (1957), Polen und in die Schweiz.

AUSZEICHNUNGEN

: 1962 Will-Lammert-Preis der Deutschen Akademie der Künste in Berlin (Ost).

: 1975 Käthe-Kollwitz-Preis der Deutschen Akademie der Künste in Berlin (Ost).

: 1977 und 1986 Nationalpreis der DDR

: 1994 Ernst-Rietschel-Kunstpreis für Bildhauerei

: 2008 Brandenburgischer Kunstpreis

: 2009 Ehrenbürgerwürde der Stadt Seelow

AUSSTELLUNGEN (AUSWAHL)

: 1960 Berlin, Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie

: 1963 Magdeburg, Kulturhistorisches Museum (zusammen mit Gerhard Kettner)

: 1964 Altenburg, Greifswald, Stralsund, Erfurt

: 1965 Wien, Galerie "ZB" (zusammen mit Gerhard Kettner)

: 1970 Potsdam

: 1972 Leipzig, Dresden

: 1979 Rostock, Galerie am Boulevard

: 1982 Ravensburg

: 1986 Bremen, Gerhard-Marcks-Haus

: 1995 Zürich, World Trade Center

: 1996 Lago Maggiore, Via Gambarone

: 1998 Frankfurt am Main, Galerie Schwind

: 1999 Duisburg, Wilhelm Lehmbruck Museum

: 2000 Düsseldorf, Galerie Beethovenstraße

: 2001 Berlin, Galerie Leo Coppi

: 2003 Frankfurt am Main, Galerie Schwind

: 2004 Bremen, Sich dem Stein stellen, Gerhard-Marcks-Haus

: 2005 Dresden, Galerie Beyer

: 2005 Leipzig, Galerie Schwind

: 2006 Berlin, Akademie der Künste (Berlin), Märkische Steine

: 2006 Berlin, Galerie LEO.COPPI

: 2009 Frankfurt am Main, Galerie Schwind

WERKE (AUSWAHL)

: 1956 Sitzender Junge, Bronze

: 1959/60 Fragen eines lesenden Arbeiters und Lesender Arbeiter im Hof des Staatsbibliothek zu Berlin, Unter den Linden, Bronzerelief

: 1963 Porträt Gerhard Kettner, Bronzebüste

: 1965 Trauernde Frauen, Marmor-Relief

: 1966-1968 Bronzetür für das Kloster Unser Lieben Frauen, Magdeburg

: 1967 Babi Jar, Relief und Lithografie

: 1970 Entwurf Bronzetür für die Thomaskirche in Erfurt

: 1972 Auschwitzgruppe, Marmor

: 1980 Bühnenbild und Masken zu Electra am Deutschen Theater Berlin

: 1981 Große Sitzende

: 1982-84 Saale und Werra

: 1985-86 Marmor-Reliefwand Alte Welt für das Marx-Engels-Forum in Berlin-Mitte

: 1986?87 Mutter und Kind

: 1988 Zigeunerin von Marzahn

: 1995 Torso (für Eberhard Roters)

: 1996 Fliehende

: 1996 Undine

: 2002 Liegende

(Quelle: de.Wikipedia.org)