50 Jahre Pogrom, 1988
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50 Jahre Pogrom, 1988

Bzdok, Josef

50 Jahre Pogrom © Saskia Hubert
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© Saskia Hubert

Wer heute von der Johanniskirche den kleinen Umweg über die Julius-Bremer-Straße zum Hauptbahnhof geht, wird sich durch das an die Pogromnacht des 9. November 1938 und die Verfolgung und Vernichtung der Magdeburger Juden gemahnende Denkmal vielleicht auch daran erinnern, dass der Antisemit Luther eine der geistesgeschichtlichen Berufungsinstanzen für die nationalsozialistischen Ideologen gewesen ist. So erschien seine 1542 verfasste Schrift "Von den Jüden und ihren Lügen" zum Beispiel 1937 als so genannte Volksausgabe. Arbeitspflicht, Lehrverbot, Vertreibung und, wenn es sein musste, massenhafter Totschlag nach dem Vorbild Moses, das war es, was Luther von den christlichen Fürsten darin forderte, im Artikel 299 das Anzünden der Synagogen.

Ebenso wie etwa in Westberlin dauerte es auch in Magdeburg fünf Jahrzehnte, ehe die Stadt ein öffentliches Erinnern an die stadtgeschichtliche Dimension der Verbrechen an den Juden in Gestalt eines repräsentativen Denkmals wagte. Es war das Jahr, in dem Heinz Galinski, damals Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, auf der zentralen Gedenkveranstaltung im Bundestag nicht sprechen durfte, weil er zuvor in der Volkskammer der DDR aufgetreten war. Die Rede des Bundestagspräsidenten Philipp Jenninger daselbst sorgte dann für einen Skandal, weil sie in vielen Ohren wie eine Entschuldigung der Täter klang.

Das durch Krieg und Nationalsozialismus unterminierte Selbstverständnis der Deutschen, das sich in der DDR unter anderem mit der Diskrepanz zwischen der antifaschistischen Staatsdoktrin und den familiär begründeten, historischen Verstrickungen auseinanderzusetzen hatte, ist ungerufen Mitschöpfer auch des Magdeburger Denkmals.

In seiner bildlichen Symbolik nimmt es konkreten Bezug auf die 1938 zerstörte Synagoge, die hier in unmittelbarer Nähe neben der jüdischen Schule und dem Kantorhaus stand. Unter die zerbrochenen Türbalken sind übergroße Gebetstafeln eingestellt. Hinweise auf die Täter findet man in den Texten, die darauf zu lesen sind, nicht. Es ist nur ganz allgemein von Naziterror die Rede, wobei bezüglich der Opfer irritierend die Unschuld der Kinder hervorgehoben wird. Auch der rückseitige Text belegt mangelnde Reflexion, wenn er davon spricht, dass sie, die Juden, "aus der menschlichen Gesellschaft gejagt" wurden. Es war ja gerade die ausfallende Menschlichkeit dieser Gesellschaft gegenüber ihren Nachbarn, die einen ihrer offensichtlichen Defekte darstellte.

Über den Künstler

Josef Bzdok wurde als vierter Sohn und neuntes Kind einer im oberschlesischen Dorf Hitlersee ansässigen Familie geboren. Nach der Flucht nach Deutschland im Jahre 1944 schlug sich die Familie nur mühsam durch. Schließlich begann Josef Bzdok eine Lehre als Schlosser und Schmied, machte 1963 seinen Meister als Schlosser und 1964 als Schweißer und erwarb 1966 die Kunstschmiede Robert Jahn. Obwohl er beruflich sehr eingespannt war, begann er ein Studium an der Hochschule für Industrielle Formgestaltung Halle/Saale Burg Giebichenstein, an der er außerdem einen Lehrauftrag erhielt. 1977 wurde ihm der Titel Anerkannter Kunsthandwerker verliehen. Neben seinem Engagement in Fachgruppen bekleidete er auch viele gesellschaftliche Funktionen.

Das vielseitige Können von Josef Bzdok fand und findet seinen Ausdruck in zahlreichen Veröffentlichungen in Fachzeitschriften, in der Teilnahme an nationalen und internationalen Ausstellungen sowie in der Gestaltung eigener Präsentationen. Josef Bzdok lebt und arbeitet in Magdeburg.

Josef Bzdok avancierte mit Entschlossenheit und außergewöhnlichem Talent zu einem bedeutenden Metallgestalter. Auch heute noch beeinflusst er die Metallgestaltungsszene in Deutschland und ist Wegbereiter für die junge Generation.

(Quelle: buchhandel.de)