»Das unerschrockene Wort« für 3 weißrussische Aktivistinnen
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„Das unerschrockene Wort“ für 3 weißrussische Aktivistinnen

Der Bund der 16 Lutherstädte in Deutschland vergibt den Lutherpreis „Das unerschrockene Wort“ 2021 an die drei weißrussischen Bürgerrechtlerinnen Weronika Zepkalo, Swetlana Tichanowskaja und Maria Kolesnikowa. Coronabednigt fiel die Entscheidung der Jury am 7. November 2020 in einer onlinedurchgeführten Konferenz. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird anlässlich der sich zum 500. Mal jährenden Widerrufsverweigerung Martin Luthers am 24. April 2021 in Worms verliehen.

„Diese drei Frauen stehen stellvertretend für tausende von friedlich demonstrierenden Menschen, die derzeit für politische Veränderungen in Weißrussland kämpfen. Sie stehen für eine friedliche Revolution, für Neuwahlen und für eine demokratische Zukunft ihres Landes. Wie die Nachrichten zeigen, riskieren sie dafür Verfolgung, Haft, Folter und Abschiebung. Auch wenn die drei Frauen in Detailfragen zur Zukunft von Belarus nicht immer die gleichen Positionen vertreten, stehen sie untrennbar zusammen, denn die letztendlichen Entscheidungen für eine Zeit nach der Herrschaft von Alexander Lukaschenko soll nach demokratischen Wahlen das Volk treffen“, so die Jury in ihrer Begründung.

Mit dem Preis Das unerschrockene Wort honorieren die Lutherstädte die Entschlossenheit, das mutige Auftreten und den friedlichen Widerstand gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung.

Widerstand gegen politisches Unrecht

In den Wochen vor den Präsidentschaftswahlen in Belarus formierte sich eine landesweite Opposition, die von drei Frauen angeführt wird: Weronika Zepkalo, Swetlana Tichanowskaja und Maria Kolesnikowa entfachten eine Protestwelle gegen den amtierenden – und schließlich unter höchst zweifelhaften Umständen wiedergewählten – Präsidenten Alexander Lukaschenko und den von ihm geschaffenen Unrechtsstaat.

Inzwischen musste Weronika Zepkalo nach Polen fliehen, Swetlana Tichanowskaja befindet sich im Exil in Litauen und Maria Kolesnikowa wurde inhaftiert. Die Proteste halten nach wie vor an und immer wieder sind es Frauen, die mutig ihre Stimme für Menschenrechte, freie Meinungsäußerung und freie Wahlen erheben.

„Es ist mir eine große Ehre, zusammen mit meinen liebsten Freundinnen Maria Kolesnikowa und Weronika Zepkalo den Lutherpreis Das Unerschrockene Wort zu erhalten. Ich betrachte diesen Preis als eine Leistung des gesamten belarussischen Volkes, das seit mehr als 100 Tagen friedlich für Demokratie und Bürgerrechte kämpft, trotz des unnachgiebigen Terrors der autoritären Regierung. So wie deutsche Städte in der Vergangenheit ein Umfeld pflegten, das dem bürgerlichen Fortschritt und der intellektuellen Leistung förderlich war, dienen große Städte in Belarus als Motoren für das Streben Weißrusslands nach Veränderung“, so Svetlana Tichanowskaja, eine der Preisträgerinnen.

Im Bund der Lutherstädte sind 16 Orte in Deutschland zusammengeschlossen, an denen Luther gelebt oder gewirkt hat. Sie würdigen mit der Auszeichnung Personen, die Zivilcourage zeigen und sich in einer besonderen Situation, aber auch beispielhaft über einen längeren Zeitraum hinweg, mit Wort, Tat und Mut gegen Widerstände für die Gesellschaft einsetzen.

Hintergrund zum Preis „Das unerschrockene Wort“

Im Andenken an das Wirken Martin Luthers wird Das unerschrockene Wort seit 1996 alle zwei Jahre in einer der Lutherstädte vergeben. Der Preis 2019 ging an die Rechtsanwältin, Autorin und Frauenrechtlerin Seyran Ateş. Die 55-jährige Berlinerin mit türkisch-kurdischen Wurzeln kämpft für die Rechte muslimischer Frauen, für einen liberalen Islam und gegen politisch-religiösen Extremismus in Deutschland und Europa. Der Preis erinnert an den Mut und die Standhaftigkeit des Reformators, als dieser sich auf dem Reichstag zu Worms 1521 weigerte, seine Ansichten zu widerrufen und daraufhin geächtet wurde.

Jede der 16 Lutherstädte kann einen Kandidaten oder eine Kandidatin aus dem In- oder Ausland für den Preis nominieren. Aus diesen ermittelt die Jury – bestehend aus den Vertreterinnen und Vertretern der Städte und weiteren Personen des öffentlichen Lebens – die gemeinsame Preisträgerin bzw. den Preisträger.

Der Preis wird alle zwei Jahre im Rahmen eines Festaktes in einer der Stifterstädte verliehen. Über die Preisvergabe entscheidet eine Jury. Die Jury besteht aus den Oberbürgermeister*innen der Stifterstädte sowie sechs Vertreter*innen des öffentlichen Lebens. Vorschläge für die Preisvergabe können auch die Bürger*innen der stiftenden Lutherstädte unterbreiten.

Stifter des mit 10.000 Euro dotierten Preises sind die 16 Lutherstädte

  • Augsburg
  • Coburg
  • Eisenach
  • Eisleben
  • Erfurt
  • Halle
  • Heidelberg
  • Magdeburg
  • Marburg
  • Nordhausen
  • Schmalkalden
  • Speyer
  • Torgau
  • Wittenberg
  • Worms
  • Zeitz
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Weitere bisherige Preisträger*innen

  • der Philosoph und Theologe Prof. Dr. Richard Schröder
  • der Theologe Prof. Dr. Hans Küng
  • die Polizeipräsidentin von Eberswalde, Ute Leichsenring
  • die Theologin Gertraud Knoll aus Österreich
  • der Liedermacher Stephan Krawczyk
  • die türkischstämmige Muslimin Emel Abidin-Algan
  • die Politologin und Journalistin Andrea Röpke
  • der russische Journalist Dmitrij Muratow und die gesamte Redaktion seiner Tageszeitung „Nowaja Gaseta“
  • die Regensburger Initiative „Keine Bedienung für Nazis“
  • der syrische Rechtsanwalt Mazen Darwish und das Syrische Zentrum für Medien und Meinungsfreiheit
  • die Ehepaare Horst und Birgit Lohmeyer aus Jamel (Mecklenburg-Vorpommern)
  • Markus und Susanna Nierth aus Tröglitz (Sachsen-Anhalt)
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