Landeshauptstadt bewirbt sich nicht um das Zukunftszentrum
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Landeshauptstadt bewirbt sich nicht um das Zukunftszentrum

Die Landeshauptstadt Magdeburg sieht von einer weiteren Bewerbung um das Zukunftszentrum Deutsche Einheit und europäischen Transformation ab. Das entschied die Arbeitsgruppe aus Verwaltung, Universität und Hochschule, nachdem die Landesregierung beschlossen hatte, die Bewerbung der Stadt Halle/ Saale finanziell zu unterstützen. Die Arbeitsgruppe bedankt sich bei allen an der Bewerbung Beteiligten für ihren großen Elan und Fleiß.

Der Bund hatte am 1. Juli den Standortwettbewerb für das Zukunftszentrum Deutsche Einheit und Europäische Transformation ausgerufen. Bis 30. September können sich ostdeutsche Kommunen um die Investition in Höhe von 200 Millionen Euro bewerben. Das Zukunftszentrum soll als eine Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Kultur und bürgerschaftlichem Engagement agieren und für die künftig bis zu 200 Beschäftigten einen wissenschaftlichen Bereich, einen Kulturbereich sowie einen Dialog- und Begegnungsbereich vereinen. In Magdeburg hatten Verwaltung und Stadtrat bereits im Juli 2021 entschieden, sich um die Ansiedlung zu bewerben. Spätestens Anfang 2023 will die Bundesregierung bekanntgeben, welche Stadt künftig Sitz des Zukunftszentrums sein wird.

Oberbürgermeisterin Simone Borris sagt zum Ausstieg aus dem Bewerbungsrennen:

„So enttäuschend es ist, aber diese – eher politisch motivierte – Entscheidung ist nun einmal nicht für uns gefallen. Da die Landesregierung eine andere Kommune Sachsen-Anhalts öffentlich unterstützt, sind die Hürden nun zu hoch geworden. Ohne den notwendigen Rückenwind der Regierung ist eine Bewerbung aus unserer Sicht nicht mehr erfolgsversprechend.“

Die Begründung der Landesregierung hat die Arbeitsgruppe erstaunt und überrascht. Die geäußerte Argumentation sei nicht nachvollziehbar, so Bürgermeisterin Regina-Dolores Stieler-Hinz, die die Magdeburger Arbeitsgruppe zur Bewerbung leitete:

„Wir haben die Transformation in der DNA unserer Stadt. Transformationsprozesse sind hier viel stärker sichtbar – vom Mittelalter in die Gegenwart bis in die Zukunft. Dazu kommt die breite Verankerung der Wissenschaft und Forschung – die vom akademischen Nachwuchs in Universität, Hochschule und allen wichtigen Instituten bis hin zur breiten Bevölkerung via Volkshochschule, Bibliotheken, soziokulturelle Zentren und vielen Ankerpunkten mehr alle Magdeburger*innen und Gäste der Stadt erreichen kann. Wir hoffen, dass sich der Blick des Landes mittelfristig vom Süden löst und auch wieder auf die Errungenschaften in der Mitte und im Norden Sachsen-Anhalts lenkt.“

„Die politische Entscheidung, wer für das Land Sachsen-Anhalt als Standort für das Forschungszentrum ins Rennen geht, ist gefallen“, so der Rektor der Otto-von-Guericke-Universität (OVGU) Prof. Dr. Jens Strackeljan. „Und auch, wenn man als Magdeburger der Begründung in vielen Punkten nicht folgen möchte, so sollte uns allen doch klar sein: Es geht hierbei um die Sichtbarkeit des gesamten Landes, einer gesamten Region und weniger um den Erfolg einer Stadt. Magdeburg und die OVGU werden Transformationen mit Elan weiter anschieben, fördern und als Auftrag einer Universität auch beforschen. Dies alles ist authentisch, sichtbar und wird Gäste, Wissenschaftler und Studierende in die Stadt ziehen."

„Die politische Entscheidung des Landes, die in den Spirit und die Dynamik eines Ideen-Wettbewerbs eingreift, sollte mit Blick auf andere Maßnahmen betrachtet werden,“ so die Rektorin der Hochschule Magdeburg-Stendal, Prof. Dr. Manuela Schwartz. „Die Hochschule versteht sich daher mehr denn ja als etablierte Mittlerin einer Transformationsachse zwischen zwei Standorten, die die akademische Entwicklung dieser Region nachhaltig vorantreibt, auch ohne Zukunftszentrum.“

Magdeburg - eine Stadt der Transformation

Zu den Stärken der Landeshauptstadt zählt, dass sie sich immer wieder neu erfunden hat. In Magdeburg ist Transformationsgeschichte täglich lebendig erlebbar. Wiederholte Zerstörung und die Kraft des Wiederaufbaus haben den Stadtcharakter geprägt. Entstanden ist ein Stadtbild epochaler Architektur mit Brüchen und eine engagierte, stolze Stadtgesellschaft, die gern und leidenschaftlich aus ihren persönlichen Transformationserlebnissen berichtet. Das vorerst letzte: der Niedergang der Schwermaschinenindustrie nach der friedlichen Wende von 1989. Mehr als 40.000 Arbeitsplätze gingen allein in diesem Bereich verloren. Trotzdem erholte sich die Stadt an der Elbe davon und zeigt sich heute in einer ungeahnten farbenfrohen Blüte.

Magdeburg bietet in einem gepflegten Stadtbild mit breiten Straßen, großen Plätzen und weitläufigen grünen Erholungsinseln eine hervorragende Infrastruktur für eine mehrtägige Städtereise. Die Hotellandschaft ist vielfältig und zentrumsnah, das Angebot an Gastronomie und Freizeitaktivitäten ist reichhaltig. Der öffentliche Nahverkehr bietet beste Verbindungen für die Wege durch die Landeshauptstadt. Magdeburg hat eine hervorragende Anbindung an das deutsche Verkehrsnetz. Die noch bestehenden Defizite im Fernverkehr der Bahn sollen in den kommenden Jahren abgebaut werden.

„Die aktuelle und kurzfristige Erholung der Besucherzahlen nach der Corona-Pandemie sowohl bei Übernachtungs- als auch bei Tagesgästen ist ein Beweis für die Attraktivität Magdeburgs als Städtereisenziel und für die Resilienz des Tourismus der Landeshauptstadt“, so Hardy Puls, Geschäftsführer des städtischen Magdeburg Marketing.