Reintegration ins Berufsleben: Psychosoziales Coaching
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Psychosoziales Coaching erfolgreich begonnen

Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen haben es oft schwer, aus eigener Kraft in das Erwerbsleben zurückzukehren. Das Projekt „Psychosoziales Coaching“ soll diese Personen erreichen, unterstützen und beraten. Die Bürgermeisterin und Sozialbeigeordnete, Simone Borris, und die Geschäftsführerin des Jobcenters Magdeburg, Heike Jauch, stellten dieses Angebot am 11. Oktober vor.

Das Projekt ist eine Kooperation zwischen der Stadtverwaltung, dem Jobcenter, dem Klinikum Magdeburg sowie der Deutschen Depressionshilfe. Zur Projektvorstellung am 11. Oktober berichtete die zuständige Psychologin Katharina Kniep über ihre bisherigen Erfahrungen.

Kommunen sind verpflichtet (SGB II) psychosoziale Beratung für Kund*innen des Jobcenters anzubieten. Diese Menschen sollen bei Notwendigkeit in eine Behandlung vermittelt werden. Sollte keine therapeutische Behandlung oder Vermittlung in das Versorgungssystem erforderlich sein, werden sie über das Coaching in den Beratungsgesprächen stabilisiert.

Integrationsfachkräfte und Fallmanager des Jobcenters bieten Betroffenen ein Erstgespräch vor Ort im Jobcenter an. Dieses findet mit der ausgebildeten Psychologin Katharina Kniep statt, die im Psychosozialen Coaching tätig ist. Die Teilnahme an dem niedrigschwelligen Angebot ist freiwillig und zählt nicht als Maßnahme.

„Ich freue mich, dass wir seit Beginn des Projekts bereits mehr als 40 Betroffene unterstützen können“, so Bürgermeisterin Simone Borris. „Viele glauben, dass Langzeitarbeitslose durch die Arbeitslosigkeit psychisch erkranken. Häufig besteht eher ein umgekehrter Zusammenhang: Depressionen aber auch andere psychische Erkrankungen führen zu Arbeitslosigkeit und erschweren den Weg zurück in die Arbeit. Dabei bleiben die Erkrankungen – insbesondere Depressionen – häufig unentdeckt und die Betroffenen erhalten keine adäquate Behandlung. Hier setzt das Psychosoziale Coaching an: Es soll dazu beitragen, dass psychische Erkrankungen erkannt werden und eine adäquate Behandlung erfolgt. Damit wird die psychische Gesundheit der Jobcenter-Kunden verbessert und die Chancen für den Wiedereinstieg ins Arbeitsleben steigen.“

Jobcenter-Geschäftsführerin Heike Jauch ergänzt:

„Das Angebot des Psychosozialen Coachings hier im Jobcenter Landeshauptstadt Magdeburg ist sehr gut gestartet. Die Termine sind weit im Voraus ausgebucht. Durch die räumliche Anbindung können wir direkt im Jobcenter mit den Betroffenen durch das entwickelte Vertrauen eventuelle psychische Beeinträchtigungen ansprechen. In diesem vertrauten Raum können wir unseren Kund*innen das Angebot unterbreiten und sie persönlich Frau Kniep vorstellen.“

Heike Jauch (Jobcenter) und Magdeburgs Bürgermeisterin Simone Borris
Heike Jauch, Katharina Kniep sowie Magdeburgs Bürgermeisterin Simone Borris
Das Jobcenter Magdeburg in der Otto-von-Guericke-Straße 12a
Pressekonferenz: Heike Jauch, Katharina Kniep und Bürgermeisterin Simone Borris

Auftakt des Projektes im Juli

Aufgrund der Kontaktbeschränkungen der Corona-Pandemie konnte das Projekt im Jobcenter Landeshauptstadt Magdeburg erst zum 1. Juli 2021 beginnen, da die notwendige persönliche Kontaktaufnahme vorher nicht möglich war. Seitdem können Menschen aus dem Rechtskreis des SGB II mit psychischen Belastungen und in Lebenskrisen bei der Bewältigung dieser Problemlagen durch Psychologin Katharina Kniep unterstützt werden. Hier wird auf das Fall- Management zurückgegriffen, um mit Hilfe einer Lotsenfunktion die Betroffenen in weiterführende Hilfen überzuleiten. Bis Ende September konnten bereits 66 Erst- und 17 Folgegespräche geführt werden. 44 Personen sind in die psychosoziale Betreuung und Beratung eingemündet und werden fortwährend unterstützt.

Neben der gezielten psychologischen Arbeit werden die Mitarbeitenden des Jobcenters durch Schulungen der Deutschen Depressionshilfe weitergebildet und sensibilisiert, um mögliche Hilfebedarfe zu erkennen.

Bereits im Februar 2021 unterzeichnete die Landeshauptstadt Magdeburg mit dem Klinikum Magdeburg eine Kooperationsvereinbarung „Psychosoziale Beratung nach § 16a SGB II“, um das Angebot betroffenen Menschen im Jobcenter Landeshauptstadt Magdeburg zur Verfügung zu stellen. Das Projekt wird gemeinsam mit der Deutschen Depressionshilfe umgesetzt. Diese stellt die notwendigen Materialien, Schulungen, Konzepte und Vorlagen sowie Gesprächsleitfäden zur Verfügung.

Gesetzliche Grundlage

Die psychosoziale Betreuung ist eine Leistung gemäß Paragraf 16a des SGB II. Eine (Wieder-)Eingliederung in den allgemeinen Arbeitsmarkt bedarf oft langfristiger Unterstützungsleistungen. Dies beinhaltet auch, die Weiterleitung an Fachstellen für Menschen, deren psychische Strukturen die Teilhabe am Arbeitsleben erschweren oder verhindern.

Eine Wechselbeziehung zwischen Arbeitslosigkeit und psychischen Erkrankungen ist unbestritten. Der Ansatz des psychosozialen Coachings stellt einen Meilenstein im Beratungsprozess dar und hilft, entsprechende Hilfestrukturen und Angebote aufzubauen. Bei den Betroffenen handelt es sich um Personen, die gerne eine Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nachgehen würden, hinsichtlich ihrer Erkrankung jedoch immer wieder an Ängsten, Zweifeln, Erschöpfung, Resignation oder psychosomatischen Beschwerden scheitern. Diese Menschen benötigen vor Ort ein Angebot der psychologischen Erstberatung. Das Angebot ermöglicht auf professioneller Basis eine Einschätzung, inwieweit die Einschaltung weiterer Hilfen notwendig ist.