Otto-von-Guericke-Stipendium feierlich vergeben
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Otto-von-Guericke-Stipendium feierlich vergeben

In einem Festakt am 8. Oktober hat Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper gemeinsam mit Prof. Dr. Anne Lequy, Rektorin der Hochschule Magdeburg-Stendal, und Prof. Dr. Helmut Weiß, Prorektor für Planung und Haushalt der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, das Otto-von-Guericke-Stipendium an 2 ausländische Studenten vergeben.

Im Rahmen des traditionellen Empfanges erhielten Akram Elsayed Abdellatif Elborashi von der Otto-von-Guericke-Universität und Haytham Alkadi von der Hochschule Magdeburg-Stendal ihre Urkunden. Das Stipendium ist mit jeweils 6.000 Euro dotiert, die aus dem städtischen Haushalt finanziert werden.

„Ich freue mich, dass wir das Otto-von-Guericke-Stipendium in diesem Jahr wieder mit einer offiziellen Veranstaltung übergeben und damit auch alle Studierenden wieder zum Studium vor Ort begrüßen können. Mit dem Stipendium werden herausragende Studienleistungen und das besondere gesellschaftliche Engagement ausländischer Studierender beider Magdeburger Hochschulen gewürdigt. Dieses Engagement war gerade in Zeiten der Corona-Pandemie besonders wichtig“, so Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper.

„Das Stipendium ist ein Symbol für die Weltoffenheit und Internationalität der Landeshauptstadt und trägt in seiner Außenwirkung zur Steigerung der Attraktivität des Universitäts- und Hochschulstandortes sowie des Wissenschaftsstandortes bei. Darüber hinaus ist es ein Anreiz für die internationalen Studierenden, sich auch über das Studium hinaus in ihrer neuen Heimat zu engagieren.“

Magdeburgs Oberbürgermeister Dr. Trümper der Vergabe der Guericke-Stipendien
Stipendiaten und Gäste in der Ratsdiele des Alten Rathaus Magdeburg
Die beiden Otto-von-Guericke-Stipendien
Maria Labeit an der Klarinette und Miriam Scholl am Klavier
Oberbürgermeister Dr. Trümper, Stipendiat Akram Elborashi, Prof. Dr. Weiß
Prof. Dr. Anne Lequy, Stipendiat Haytham Alkadi, Oberbürgermeister Dr. Trümper

Herausragende Leistungen und gesellschaftliches Engagement

Bereits seit 2003 vergeben Stadt und Universität das Stipendium an ausländische Studierende, die sehr gute Studienergebnisse vorweisen und sich darüber hinaus auch gesellschaftlich besonders engagieren. Seit 2017 wird dieses Stipendium auch gemeinsam von Stadt und Hochschule vergeben. Damit sollen diese herausragenden Studierenden beider Einrichtungen gezielt gefördert und deren Studienaufenthalt in Magdeburg erleichtert werden. Darüber hinaus sind die Stipendiaten symbolische Bindeglieder zwischen Stadt und den beiden Hochschulen.

„Herr Elborashi und Herr Alkadi erhalten die diesjährigen Guericke-Stipendien in Anerkennung und Würdigung ihrer herausragenden Studienleistungen und ihres großen gesellschaftlichen Engagements“, begründet Oberbürgermeister Dr. Trümper die von den Hochschulen und der Landeshauptstadt gemeinsam getroffene Auswahl.

Zudem gratuliert er auch nochmal den beiden Guericke-Stipendiatinnen des Jahres 2020, Frau Saijal Shahania von der Otto-von-Guericke-Universität und Frau Hiba Mahmood von der Hochschule Magdeburg-Stendal, die ebenfalls zur Feierstunde geladen waren. Der Festakt zur Verleihung der Stipendien musste im letzten Jahr aufgrund der Corona-Pandemie leider ausfallen.

Begründung der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Akram Elsayed A. E. Elborashi

Herr Elborashi stammt aus Ägypten und studiert zurzeit im 12. Semester Humanmedizin an der Otto-von--Guericke-Universität Magdeburg. Seine bisherigen Studienleistungen weisen einen Notendurchschnitt von 2,0 auf. Das stellt für Nichtmuttersprachler*innen eine herausragende Leistung dar. Nach Famulaturen in der Strahlentherapie und in einer Hausarztpraxis absolviert Herr Elborashi gegenwärtig eine Famulatur in der Augenheilkunde. Der Ausbildungsweg bis heute zeugt von Zielstrebigkeit und Ausdauer. So schloss Herr Elborashi die Sekundarschule mit einem Notendurchschnitt von 1,1 ab und absolvierte danach ein zweijähriges Medizinstudium an der Universität Mansoura, um die Zulassungsvoraussetzungen für ein Hochschulstudium in Deutschland zu erfüllen.

Im März 2015 kam er nach Deutschland. Bereits acht Monate nach der Einreise konnte er den studienvorbereitenden Deutschkurs mit einem ausgezeichneten Ergebnis abschließen. Die Zeit zwischen Deutschkurs und Studienbeginn in Magdeburg überbrückte er mit einem Krankenpflegepraktikum im Marienhospital Stuttgart und einer Tätigkeit bei einer Qualitätsprüfungsfirma der Autoindustrie.

Neben dem Studium – Tudor

Seit Studienbeginn im Oktober 2017 wird Herr Elborashi als ein sehr interessierter, zielstrebiger und ehrgeiziger Studierender beschrieben, was sich in seinen guten Studienergebnissen niederschlägt. Neben dem sehr fordernden Studium der Humanmedizin findet er noch Zeit für weitere studienfördernde Tätigkeiten. So arbeitet er seit 2019 als Tutor für die internationalen Erstsemestermedizinstudenten. Mit ihnen bespricht er wöchentlich den Lernstoff und klärt Fragen zur Organisation des Studiums. Dabei entwickelte er ein neues Konzept, die „Prüfungssimulation", bei der sich der Tutor mit den „Erstis“ einen Tag vor jedem mündlichen Test trifft, sie in Gruppen unterteilt, eine Prüfung simuliert und diese dann auswertet. Diese Unterstützung hilft den internationalen Erstsemestern sehr, die Prüfungen erfolgreich zu bestehen.

Zudem arbeitet er seit 2018 als Wohnheimtutor. In dieser Funktion steht er als Ansprechpartner in allen die Studierenden-Wohnheime betreffenden Fragen zur Verfügung und vermittelt bei Problemen zwischen Studentenwerk und Mieterschaft. Durch Informationsveranstaltungen und Events können sich die Wohnheimbewohner*innen besser in die Studierendenschaft integrieren und es entstehen interkulturelle Freundschaften. Gerade währen der Corona-Zeit hatten die Wohnheimtutor*innen eine besondere Bedeutung. Ohne Angst um die eigene Person organisierten sie die Schlüsselübergabe für die Studierenden in den Quarantänezimmern und stemmten deren Versorgung mit Lebensmitteln.

Auch neben dem Studium zeigt er großes ehrenamtliches Engagement. So wirkte er unter anderem während der Flüchtlingskrise 2015 und 2016 als Sozialbetreuer und Dolmetscher in einer Notunterkunft für Flüchtlinge. Seit 2020 setzt er diese Tätigkeit in der Islamischen Gemeinde Magdeburg bzw. im Verein Mawaddah fort. Ebenso fungierte er während seines Studiums mehrfach als Dolmetscher in Notfällen am Universitätsklinikum. Von Ende Dezember 2020 bis März 2021 engagierte er sich als ehrenamtlicher Corona-Tester im Universitätsmedizin-Testzentrum auf dem Alten Markt und in der Neuen Neustadt.

Empathisch, leistungsstark und außergewöhnlich sozial engagiert

Alle Aufgaben, die Herr Elborashi übernimmt, erledigt er mit viel Initiative, Freude, Sorgfalt und großen Engagement, das weit über das festgelegte Zeitmaß hinausgeht. Darüber hinaus ist das hohe Maß seiner Integration innerhalb weniger Jahre und sein Umgang und Verständnis für die deutsche Sprache und Kultur bemerkenswert. Damit dient er ohne Zweifel sehr vielen Studierenden und Personen außerhalb der Universität als Vorbild. Neben Studium, Ehrenämtern und mehreren Arbeitsstellen lebt er für seine Familie, die im April 2021 durch eine kleine Tochter erweitert wurde. Die Otto-von-Guericke-Universität schätzt ihn als einen überaus leistungsstarken und empathischen Studierenden mit einem außergewöhnlichen sozialen Engagement weit über das Studium hinaus.

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Begründung der Hochschule Magdeburg-Stendal

Haytham Alkadi

Herr Alkadi kommt ursprünglich aus der Syrischen Arabischen Republik und studiert derzeit im deutschsprachigen Bachelor-Ingenieur-Studiengang Mechatronische Systemtechnik. Mit seinem aktuellen Notendurchschnitt von 2,1 liegt er über dem Durchschnitt der Abschlussnoten seines Studiengangs und fällt zudem durch seine überdurchschnittliche Bereitschaft auf, sich neben seinem Studium in der Gesellschaft und an der Hochschule einzubringen.

An der Universität in Damaskus absolvierte er bereits ein Studium der Fachrichtung Elektronik und Steuerung und erhielt 2014 den Abschluss Lizensierter Assistent in Elektronik. Dieser wurde in Deutschland dem Referenzberuf Elektroniker für Betriebstechnik gleichwertig gesetzt. In Syrien engagierte er sich für benachteiligte Menschen und half bei der Versorgung mit Lebensmitteln und einem Dach über dem Kopf. Aufgrund des Krieges flüchtete er ohne seine Familie in die Türkei und arbeitete dort als Elektrotechniker. Da das Leben dort für ihn zu gefährlich war, begab er sich 2015 auf Flucht über die Westbalkanroute nach Deutschland und kam nach Erstaufnahme in Halberstadt nach Wolmirstedt.

Um nicht so allein in einem fremden Land zu sein und besser Deutsch zu lernen, meldete er sich beim Tischtennisverein Wolmirstedt an. Dort wurde er sehr gut aufgenommen, spielte aktiv und half wo er konnte. Außerdem wurde er Mitglied im Integrationsbündnis Wolmirstedt und half bei Veranstaltungen. 2016 begann er ein Praktikum beim Unternehmen Mewes Wägetechnik GmbH in Haldensleben und bekam das Angebot, dort zu arbeiten. Er absolvierte zunächst einen Deutschkurs und war im Anschluss von 2017 bis 2019 bei Mewes Wägetechnik als Servicetechniker beschäftigt. Das Unternehmen bescheinigte ihm ein umfassendes Fachwissen, große Zielstrebigkeit und das stetige Finden von praktikablen Lösungen.

Zielstrebig, mit hoher Auffassungsgabe und sozialem Engagement

Da er sich weiterentwickeln und ein Studium beginnen wollte, besuchte er das Studienkolleg in Magdeburg und schloss die Feststellungsprüfung nach neun Monaten erfolgreich ab. Im Wintersemester 2020/21 konnte er sein Ingenieurstudium der Mechatronischen Systemtechnik an der Hochschule Magdeburg-Stendal beginnen. Obwohl das Studium im Zuge der Corona-Pandemie bisher hauptsächlich online stattfinden konnte, fiel er im Unterricht schnell positiv auf, da er einer der wenigen Studierenden war, der sich nicht scheute, die Kamera in Zoom-Meetings einzuschalten und sich stets aktiv ins Unterrichtsgeschehen einzubringen. Sein Professor bescheinigt ihm eine sehr zielstrebige Arbeitsweise, eine gute Auffassungsgabe, ein hohes soziales Engagement und eine freundliche und zuvorkommende Art.

Beim Tag für Studium und Lehre der Hochschule nahm Herr Alkadi als einer von sehr wenigen Studierenden teil und brachte sich sehr aktiv und mit konstruktiver Kritik zum Diskurs zwischen Lehrenden und Studierenden zur Analyse von Problemen im Studium ein. Zudem meldete er sich freiwillig für die Teilnahme am Campus Day der Hochschule, der jährlich für Studieninteressierte angeboten wird. Beim Studierendentalk für internationale Studieninteressierte des International Office war er ein sehr engagierter und kompetenter Teilnehmer. Aktuell wurde er in den Studierendenrat (STURA) gewählt. Seine Amtszeit begann am 1. Oktober 2021.

Beeindruckender Ehrgeiz

Nach seinem Umzug nach Magdeburg fand Herr Alkadi überdies zum Offenen Kanal Magdeburg und arbeitete an unterschiedlichen Produktionen mit, unter anderem an den Serien „Flucht nach vorne“ und „Moritzplatz“. Durch sein sehr gutes Deutsch ist er ein hervorragender Übersetzer und hat viele Kontakte in die syrische Community. Seit 2019 engagierte er sich im Projekt „Syrisch-Deutscher Kulturverein“, der im Rahmen der Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2025 gegründet wurde. Seit der Gründung ist durch Corona leider wenig passiert, was sich aber ändern soll. Die Hochschule Magdeburg-Stendal ist beeindruckt von so viel Ehrgeiz und Engagement über so schwierige Lebensumstände hinweg.

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