Virtuelles Stadtarchiv: Studenten finden Magdeburger Spuren
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Virtuelles Stadtarchiv: Studenten finden Magdeburger Spuren

Als die Elbmetropole Magdeburg im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde, verbrannte mit dem Ratsarchiv auch das Gedächtnis der Stadt. Dieser Verlust beeinträchtigt Forschung und Erinnerungskultur bis heute. Mit dem Forschungsprojekt „Magdeburger Spuren“ will das Stadtarchiv die Lücken in der Überlieferung vor 1631 schließen und setzt dabei auf breite Beteiligung.

Studierende der Universität Leipzig und der Fachhochschule Potsdam besuchten bereits im September 2019 einen Workshop im Stadtarchiv Magdeburg. Nun sind erste Arbeiten für das Projekt zum Abschluss gekommen und werden auf der Internetseite Magdeburger Spuren als sogenannte Schaufensterdokumente präsentiert.

Raubritter und Belagerungen im 16. Jahrhundert

Die Potsdamer Studierenden erforschten in zwei Seminaren mit Prof. Dr. Michael Scholz Quellen aus dem Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin-Dahlem. Sie kamen dabei unter anderem dem gesuchten Raubritter Nikolaus von Minckwitz und dessen Aufenthalt 1528 in Magdeburg auf die Spur.

An der Universität Leipzig haben angehende Historiker bei Stadtarchivar PD Dr. Christoph Volkmar Seminare zur Stadtgeschichte gestaltet. Sie rekonstruierten Magdeburgs Kontakte in die lettische Hauptstadt Riga oder erkundeten, wie sich die Belagerung der Jahre 1550 und 1551 auf das Leben der einfachen Bürger auswirkte.

„Die Studierenden schätzen die praktische Arbeit mit den digitalisierten Quellen und haben gern die Chance ergriffen, ihre Ergebnisse gleich online im Portal zu veröffentlichen.“ freut sich Christoph Volkmar, und ergänzt: „Magdeburg hat vielerorts in Europa Spuren hinterlassen, denn die Stadt war über Jahrhunderte die bedeutendste Metropole im Osten Deutschlands“.

Das 1631 zerstörte Stadtarchiv wird Stück für Stück rekonstruiert

Die bis zum Herbst 2020 verlängerte Pilotphase des Projekts hat gezeigt, wie sich der digitale Wandel nutzen lässt, um aus dem kollektiven Gedächtnis Europas die facettenreiche Erinnerung an Magdeburg wieder zu entdecken. Stück für Stück entsteht eine virtuelle Rekonstruktion des 1631 zerstörten Stadtarchivs. Inzwischen sind mehr als 700 neu entdeckte Dokumente mit etwa 2900 hochauflösenden Digitalaufnahmen im Portal zugänglich. Zuletzt kamen Funde aus den Archiven in Wien und Dresden neu hinzu.

Mehr über das Projekt berichtet der öffentliche Abendvortrag von Dr. Jens Kunze am 17. November 2020 im Alten Rathaus in der Reihe „Vorträge zur Stadtgeschichte“.