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Gedenktafel für Rabbiner Dr. Ludwig Philippson eingeweiht

Anlässlich des 210. Geburtstags Dr. Ludwig Philippsons im Dezember ist am 28. November eine Gedenktafel am Gebäude der Stadtverwaltung in der Julius-Bremer-Straße eingeweiht worden. Der Rabbiner, Publizist und Lehrer wirkte von 1834 bis 1862 in Magdeburg und ist eine der herausragenden Persönlichkeiten des Reform-Judentums im 19. Jahrhundert.

Die Gedenktafel am städtischen Gebäude Julius-Bremer-Straße 10 ist in etwa dort, wo bis 1945 das Wohnhaus des Rabbiners Dr. Ludwig Philippson in der damaligen Apfelstraße stand. Kaum 200 Meter entfernt weihte er am 14. September 1851 die Synagoge, die später am 9. November 1938 vollständig zerstört wurde.

Gegenüber der Gedenktafel befindet sich der Bauplatz für die neue Synagoge.

Der Magdeburger Designer Ernst Albrecht Fiedler, bekannt für seine Stolpersteine, fertigte die Gedenktafel. Finanziert wurde die gravierte Aluminiumtafel aus Spendengeldern des Fördervereins „Neue Synagoge Magdeburg e.V.“

Die Veranstaltung war zugleich Abschluss des Jubiläumsjahres 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland. Seit dem Sonnenuntergang am 28. November begeht die jüdische Gemeinschaft in aller Welt ihr achttägiges Lichterfest „Chanukka“.

Die Gedenktafel für Dr. Ludwig Philippson ist am Gebäude der Stadtverwaltung Julius-Bremer-Straße 8-10 angebracht. Früher war hier die Apfelstraße mit dem Wohnhaus des Rabbiners.

Über Dr. phil. Ludwig Philippson

Der am 28. Dezember 1811 in Dessau geborene Ludwig Phillipson studierte nach seiner Gymnasium-Schulzeit in Halle ab 1829 an den Universitäten Halle und Berlin, promovierte in Jena und erlangte den Titel Doktor der Philosophie.

Die jüdische Gemeinde Magdeburg berief ihn 1833 als Lehrer und Prediger, ehe er sie ihn 1839 zu ihrem Rabbiner ernannten. 1862 legte er, aufgrund eines Augenleidens, das Gemeindeamt nieder und verbrachte seinen Lebensabend in Bonn, wo er am 29. Dezember 1889 im Alter von 78 Jahren verstarb.

Religionslehrer, Rabbiner, Schriftsteller und Publizist

Dr. phil. Ludwig Phillipson setzte sich für eine gemäßigte Reform religiöser Institutionen ein und gehörte zu einer neuen, akademisch gebildeten Rabbinergeneration. Sein Engagement für die Interessen der konfessionellen Gemeinschaft reichte weit über seinen eigentlichen Wirkungsbereich hinaus. Mit seinem organisatorischen und publizistischen Geschick bahnte er der überregionalen Modernisierung des Judentums den Weg. Selbst konservative Kritiker erkannten ihm sein politisches Engagement an, mit dem er sich sowohl in Preußen als auch im Ausland für die Emanzipation der Juden einsetzte.

Dr. phil. Ludwig Philippson war als Vielschreiber bekannt. Neben seinen Werken jüdischer Theologie, Religionsgeschichte und Liturgie war er auch als Poet, Schauspieldichter und Romanschriftsteller aktiv. So gab er beispielsweise mehrere Zeitschriften heraus. Darunter die damals einflussreiche deutsch-jüdische „Allgemeine Zeitung des Judentums“. Hier kam insbesondere die Einheit der Israeliten in ihrem Kampf für bürgerliche und gesellschaftliche Gleichstellung zum Ausdruck. 1854 initiierte er das „Institut zur Förderung der israelitischen Literatur“, das fast 20 Jahre lang zahlreiche wissenschaftliche und belletristische Werke publizierte.

Philippson trat aber auch als Übersetzer und Kommentator der Bibel hervor. 1862 rief er die „Israelitische Bibelanstalt“ ins Leben. Deren preiswerte Ausgaben der Heiligen Schrift fanden unter den deutschen Juden weite Verbreitung.

29.11.2021