Festakt anlässlich der Wiederbeisetzung der Gebeine der Königin Editha

Hilfsnavigation

Servicenavigation und Sprachauswahl

Twitter Facebook Youtube RSS

Hauptnavigation

BürgerService

Bürger Service kebox Ihre Behördenrufnummer 115

Veranstaltungen

Terminsuche

Schnellkontakt

Foren


FavoritenAktuelle Seite zu eigenen Favoriten hinzufügen
Imagefilm

Postkarte zum Imagefilm

Externer Link: einkaufen in Magdeburg

 

Externer Link: helpto

 

Inhalt

Festakt anlässlich der Wiederbeisetzung der Gebeine der Königin Editha


22. Oktober 2010, 13:00 Uhr, Dom

Es gilt das gesprochene Wort.

 

Sehr geehrter Gesandter des Vereinigten Königreiches Großbritannien und Nordirland,
Herr Noble
sehr geehrte Frau Kultusministerin Prof. Wolff,
sehr geehrter Bischof der Church of England, Herr Dr. Inge
sehr geehrte Bischöfe der evangelischen und katholischen Kirche
Frau Landesbischöfin Junkermann, Bischof Dr. Feige,
sehr geehrter Herr Direktor Schmuhl,
verehrte Vertreter aus Politik, Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft und Kirche,
liebe Magdeburgerinnen und Magdeburger,
liebe Festgemeinde,


jedes Jahr am 26. Januar und am 8. Juli beging man hier im Magdeburger Dom des Mittelalters das feierliche Gedenken an die Mitstifterin der ottonischen Kirche und ersten Gemahlin Kaiser Ottos des Großen, der Königin Editha.

Das erste Datum markiert ihren Todestag im Jahre 946, das zweite den Tag ihrer Umbettung vor den östlichsten Altar der Kirche, dem von ihr gestifteten St. Kilians-Altar.
Und es wird auch ihr Sterbetag gewesen sein, als im Jahre 1510 Erzbischof Ernst aus dem Hause der sächsischen Wettiner zusammen mit den Domherren in einem Festgottesdienst ihre sterblichen Überreste erneut beisetzte und das neue, spätgotische Hochgrab weihte.


Auf dem Grabmal ist die Königin in einer liegenden lebensgroßen Plastik dargestellt. Ihr kronenbedecktes Haupt ruht auf einem Kissen. Ihre Augen sind wie in einem Stadium zwischen Schlaf und Wachsein halb geschlossen und in der linken Hand hält sie einen Rosenkranz.
Das Grab ist an den Seiten mit acht heiligen Personen geschmückt, sieben Frauen und einem Mann: Maria, Anna, Mauritius, Katharina, Elisabeth, Hedwig, Adelheid und Kunigunde.

Die Zusammenstellung ist beileibe nicht zufällig. Es ist ein Gesamtbildnis, das den mittelalterlichen Menschen sofort verdeutlichte, dass hier eine besondere Königin liegen muss.
- Maria ist die Mutter Gottes, die Himmelskönigin.
- Anna ist deren weise Mutter.
- Mauritius oder Moritz ist Patron der Erzdiözese und seit 1209 – gemeinsam mit Katharina – auch Patron des Magdeburger Domes.
- Katharina war eine Königstochter aus Zypern.
- Elisabeth von Thüringen war eine Tochter des König Andreas von Ungarn.
- Ihre Tante Hedwig war mit Herzog Heinrich von Schlesien verheiratet und gilt als Nationalheilige Polens.
- Adelheid war eine burgundische Prinzessin und die zweite Frau Ottos des Großen.
Eine heilige Kaiserin so wie auch
- Kunigunde, die Gattin des letzten Kaisers aus sächsischem Haus, Heinrich II.

Alle diese heiligen Königinnen haben eines gemeinsam – sie verkörpern neben einem tiefen Glauben an Gott, die hohen Tugenden der Barmherzigkeit, der Sanftheit und des reinen Herzens. Ihr Leben war so angefüllt mit karitativem Wirken, dass manche von ihnen ihre privilegierte Stellung verließen, zumindest aber ihre gesellschaftliche Position weit über das Normalmaß hinaus für gute Werke ausnutzten.
Die von ihnen vermittelten Tugenden stellen somit eine wichtige Ergänzung zu den heiligen Männern im Hohen Chor dar. Die martialisch wirkenden, schwer gepanzerten Ritterheiligen um Mauritius ermahnen nämlich mehr an die Tugenden der Gerechtigkeit, der Glaubenskraft und vor allem der Tapferkeit.


Im Jahre 1510 also wurden die Gebeine Edithas in althergebrachte, kostbare Stoffe gehüllt und dann in einem relativ schlichten Bleisarg verschlossen.
Zur Erinnerung an den sechshundertsten Geburtstag der verehrten Königin erstellte man das prächtige Stiftergrab und setzte sie erneut an dieser prominenten Stelle im Dom bei.
Damit fand – wenige Jahre vor der Reformation – noch einmal die ganze Pracht und Fülle fürstbischöflicher Repräsentationsfrömmigkeit  und Repräsentationskunst des Mittelalters ihren Ausdruck.


In jüngster Vergangenheit haben Archäologie und Naturwissenschaft Hand in Hand glänzend bestätigt, was eine zeitlang als vergessen galt, aber doch auf dem steinernen Grabmal abgebildet und in lateinischer Versform darauf zu lesen ist – nämlich dass sich darin die Gebeine der Editha befinden.

Fünfhundert Jahre später schließen wir heute die sterblichen Überreste unserer Königin in dasselbe Grab ein.
Sie ruhen nun in einem nach unserem künstlerischen Empfinden gestalteten Sarg von schlichter Eleganz, der entsprechend unserer heutigen Zeit aus einem Metall der Moderne besteht – Titan. Ummantelt ist er mit Silber, demjenigen Edelmetall also, welches für den Mond und damit für das weibliche Prinzip steht.

Während die Bildhauer des spätmittelalterlichen Grabmals nicht namentlich bekannt sind, so können wir heute der Künstlerin Kornelia Thümmel für ihre Arbeit danken, die im Auftrag der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt verwirklicht werden konnte.

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
Editha, die gebildete und schöne englische Prinzessin kam als erwachsene junge Frau an die Elbe. Gemeinsam mit ihrem Mann, Otto dem Großen, schuf sie die Grundlagen zum Aufstieg Magdeburgs zu einer bedeutenden Stadt und einer Metropole des Mittelalters.

Zur Hochzeit bekam Editha den Hauptort Magdeburg zusammen mit 32 Dörfern geschenkt und ohne ihre Einwilligung wäre die Gründung des Reichsklosters St. Mauritius im Jahre 936 nicht möglich gewesen. Diese geistliche Einrichtung wertete – den gewiss damals schon vorhandenen – Handelscharakter der Elbestadt deutlich auf und bildete gleichsam die Keimzelle für die Errichtung des Erzbistums Magdeburg 32 Jahre später.
Und in diesem, ihrem Lieblingsort Magdeburg verstarb sie auch im Alter von nur 36 Jahren am 26. Januar 946.

Ebenfalls von dem Geschichtsschreiber Thietmar von Merseburg wissen wir, dass Otto der Große seine Editha sehr geliebt und lange um sie getrauert hat. Dass der Chronist dies niederschrieb, ist ein seltener und bemerkenswerter Einblick in die Gefühlswelt eines Herrschers im 10. Jahrhundert. Widukind von Corvey berichtet davon, dass Edithas Tod Klagen und Tränen im mittelalterlichen Sachsenlande auslöste.

Editha wurde hier in Magdeburg beigesetzt und Otto wünschte, nach seinem Tod neben ihr in der neu erbauten Domkirche zu ruhen. Magdeburg ist seitdem einer von nur sieben Orten im heutigen Deutschland, an denen mittelalterliche Königspaare zusammen bestattet sind: Quedlinburg, Königslutter, Speyer, Bamberg, Heidelberg, München und eben – Magdeburg.


Gemeinsam mit Adelheid und Theophanu gehört Editha zu den ottonischen Mitherrscherinnen von Rang. Da ihr gemeinsamer Sohn früh verstarb, setzte sich das Königshaus der Ottonen zwar über den Sohn Ottos mit seiner zweiten Ehefrau Adelheid fort. Doch Ottos und Edithas Tochter Liutgard heirate Herzog Konrad den Roten und wurde damit zur Stammmutter der späteren Königsfamilie der Salier, die auf die Ottonen als römisch-deutsche Könige und Kaiser folgten.

Königin Edithas bedeutende Rolle wurde in der Vergangenheit in zahlreichen wissenschaftlichen und populären Veröffentlichungen gewürdigt. So war Editha ein Teil der Europarats- und Landesausstellung „Otto der Große, Magdeburg und Europa“ im Jahre 2001 und bildete ein Zentrum der Feierlichkeiten zum achthundertsten Domjubiläum im vergangenen Jahr.

Die Wiederauffindung ihrer Gebeine hat zu einer erneuerten Popularität der Königin weit über die Grenzen unserer Stadt und unseres Bundeslandes hinaus geführt.
Große Tageszeitungen berichteten von ihr als frühe „Königin der Herzen“. Jahrhunderte vor den eigentlichen Trägerinnen dieses Beinamens – Katharina von Aragon, Elisabeth Stuart, Königin Luise von Preußen und Lady Diana.


In der Landesausstellung Sachsen-Anhalt „Otto der Große und das Römische Reich. Kaisertum von der Antike bis zum Mittelalter“, die unser Kulturhistorisches Museum zum elfhundertsten Geburtstag Ottos des Großen für das Jahr 2012 vorbereitet, wird auch unserer Königin Editha wieder in besonderer Weise gedacht werden – bei der Darstellung von Frauen innerhalb des abendländischen Kaisertums.

Damit wird deutlich, dass diese herausragende Frauenpersönlichkeit unserer Geschichte bis heute nichts von ihrer Faszination verloren hat und dass die Erinnerung an sie und die mit ihr verbundene Blütezeit Magdeburgs noch heute ein großes Potential für die Bekanntheit und das Image unserer Stadt darstellt.

Kaiser Otto der Große und seine Zeit sind – neben Otto von Guericke – daher auch ein wesentlicher Grundpfeiler der neuen Image-Kampagne der Landeshauptstadt Magdeburg als „Ottostadt“. Sie orientiert sich ganz bewusst an Persönlichkeiten unserer Geschichte – an Menschen, nicht an Dingen oder Sachverhalten.

Königin Editha steht darin ganz souverän da, denn sie war nicht bloß „die Frau an Ottos Seite“, sondern eine eigenständige und selbstbewusste Persönlichkeit der Magdeburgischen und Europäischen Geschichte mit Eigenschaften, die allen Menschen als Vorbild dienen können.

In diesem Sinne begeleite ich voller Dankbarkeit, Erfurcht und Respekt im Namen aller Magdeburgerinnen und Magdeburger die Wiederbeisetzung unserer großen Königin.

- Partner -
Stadtsparkasse Magdeburg
Stadtwerke Magdeburg
WOBAU - Wohnen in Magdeburg
Schünemann Heizung-Sanitär
- Anzeigen -
Arbeitsvermittlung Magdeburg
Magdeburger Verkehrsbetriebe
Spreewald Therme und Spreewald Thermen Hotel