Als der Krieg zu Ende ging... Magdeburg im Frühling 1945" zum Gedenken an die Befreiung

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Als der Krieg zu Ende ging... Magdeburg im Frühling 1945"

Begrüßungs-/Gedenkansprache zur Veranstaltung „ Als der Krieg zu Ende ging... Magdeburg im Frühling 1945" zum Gedenken an die Befreiung der Stadt durch amerikanische Truppen am 18.4.1945

17. April 2005, 10.00 Uhr, Theater der Landeshauptstadt

 

Magdeburg. 17. April 1945.

„Die Sonne schien so heiß wie im Hochsommer auf die staubige Stadt nieder... Seit dem Morgen waren Bomben in die schon zerstörten Häuser gefallen... Beim Dom angekommen, sausten die Bomber so tief und dicht über uns weg... Geschossen wurde die ganze Zeit... Dann ...sah ich ein Schauspiel, dass mich verstummen ließ. Östlich der Ulrichstürme sausten aus den Bombern, die angeordnet in je 6 Flugzeugen flogen, die losgelösten Bomben schräg auf die Stadt hernieder. Eine, zwei, drei, vier und dann hörte ich auf mit Zählen. Über dem gräßlichen Erleben vergaß ich alle Angst. Das hast Du vor vier Jahren im Film gesehen, als uns die Zerstörung von Warschau gezeigt wurde."

Aufgeschrieben wurde dieses Erlebnis von der Magdeburgerin Marianne Gutsche auf dem Werder unmittelbar in den letzten Kriegstagen. Der Krieg war seit langem schon an seinen Ausgangsort zurückgekehrt.

Sehr geehrte Damen und Herren Stadträte, liebe Magdeburgerinnen und Magdeburger, liebe, sehr verehrte Gäste,

ich begrüße Sie sehr herzlich im Opernhaus des Theaters Magdeburg zu einer Reise in die jüngere Vergangenheit unserer Stadt. Das Jubiläumsjahr bietet ja zahlreiche dieser Zeitreisen an. Die heutige wird spannend, sehr authentisch und unter Umständen auch schmerzhaft sein.

Erinnerung braucht zuweilen Mut!

Nach Ablehnung der Übergabe der Stadt an die herangerückten amerikanischen Truppen am 16. April 1945 wird Magdeburg Frontgebiet und noch einmal, ein letztes Mal, Ziel eines Großangriffs.

360 amerikanische Flugzeuge belegen die Stadt mit einem Bombenteppich.

Auch 60 Jahre nach dem Kriegsende prägen damalige Ereignisse das kollektive Bewußtsein.

Militärische Operationen, das Denken der Mächtigen, das Leid der Zivilisten und Soldaten, die Schicksale Verfolgter, Deportierter, Gequälter und Ermordeter - all das wurde Gegenstand des historischen Interesses auf der einen und des Gedenkens und Erinnerns auf der anderen Seite.

Aus historischen Quellen und Zeitzeugenberichten entsteht ein faszinierendes und gleichzeitig auch bedrückendes Bild über den Krieg.

Zur Zeit verfolgen Sie vielleicht die Serien „Band of Brothers" oder „Kriegskinder in Mitteldeutschland" im Fernsehen. Die Einschaltquoten erreichen Spitzenwerte.

Es ist ein Glücksfall, den wir heute in Magdeburg erleben können.

Historische Filmaufnahmen der US-Army zur Befreiung und Besetzung Magdeburgs werden erstmals öffentlich zu sehen sein. Die letzten Tage des Krieges und der Neubeginn in Magdeburg sind in diesen Momentaufnahmen dokumentiert. Diese historischen Filmaufnahmen waren entsprechend den amerikanischen Gesetzen bisher gesperrt.

Ich freue mich ganz besonders über die Möglichkeit, im Jahr des Stadtjubiläums heute Zeitzeugen aus den Reihen der Befreier und der Befreiten zu erleben.

Ich begrüße ganz herzlich in Magdeburg unsere Ehrengäste aus den USA, aus Florida. Sie haben die weite Reise in ihrem hohen Alter noch unternommen, um diese Begegnung möglich zu machen. Eigentlich ist dieses Zusammentreffen eine kleine Sensation.

Ich begrüße in unserer Mitte Mister Towers mit seinem Schwiegersohn Mister Kuhn.

Mister Towers war damals Verbindungsoffizier der GI‘s zwischen den kämpfenden Truppen in Magdeburg und dem Hauptquartier der US-Army. Wir werden sicher sehr viele interessante Aspekte zum Thema von Ihnen hören. Herzlich willkommen im friedlichen Magdeburg!

Zu den dunklen Ereignissen unserer Stadtgeschichte im 20. Jahrhundert gehören nicht nur die Zerstörung Magdeburgs und das Leid der Magdeburger Bevölkerung.

Es gab Konzentrationslager in dieser Stadt, es gab Täter und Opfer, Unbeteiligte, die hier großes Leid erlitten. Es ist gut, wenn wir uns auch daran am heutigen Tag erinnern.

Auch dazu haben wir einen Ehrengast eingeladen.

Ich begrüße sehr herzlich und freue mich, dass Sie erneut nach Magdeburg gekommen sind: Mister und Misses Kan. Ernest Kan überlebte die nationalsozialistische Hölle verschiedener Konzentrationslager. Am 17. April 1945 wurde er auf dem Gelände der Polte Werke aus dem dortigen Konzentrations-Außenlager von Buchenwald durch amerikanische Soldaten befreit.

Ich danken Ihnen, Mister Kan ganz herzlichen, dass Sie über ihre Erlebnisse mit jungen Menschen in den USA und in Deutschland sprechen. Schön, dass Sie beide heute unsere Gäste sind.

Wir hatten noch einen dritten Zeitzeugen aus Amerika nach Magdeburg gebeten: den Kriegsfotografen Tony Vaccaro. Er hat die US-Army bei ihrem Marsch durch Europa begleitet und unter anderem Fotos am Brückenkopf in Barby gemacht. Leider ist Mister Vaccaro erkrankt.

Wir grüßen ihn von dieser Stelle aus sehr herzlich, wünschen ihm eine baldige Genesung und freuen uns, dass er Grüße nach Magdeburg gesandt hat, die nachher verlesen werden.

Sehr geehrte Gäste,

die Frontberichte aus der damaligen Zeit lesen sich heute noch wie ein Krimi. Das Vorrücken amerikanischer Truppen von Westen und der Roten Armee von Osten sowie die Kämpfe zu beiden Ufern der Elbe finden sich in den Fronttagebüchern aber auch in den Erinnerungen der Magdeburger.

Wie überall – so war auch das Kriegsende in Magdeburg, war der Einmarsch der amerikanischen Truppen die Geburtsstunde der Hoffnung. Am 18. April erreichen amerikanische Panzer den Dom. Staunen und Ehrfurcht erfaßt die Befreier.

„Viele doppeltürmige Kirchen künden stolz vom Wohlstand früherer Jahrhunderte – allen voran der mächtige, alle anderen Gebäude hoch überragende Dom, der erste gotische Sakralbau auf deutschem Boden" hieß es Jahrhunderte über Magdeburgs Stadtkrone. Bis zu diesem Kriegsende.

In die letzten Kriegshandlungen in der Elbestadt fällt auch die Rettung des Magdeburger Domes durch den Domprediger Ernst Martin. Am 16. April kletterten Soldaten auf den Domturm und hißten die Hakenkreuzfahne.

Amerikanische Geschütze waren auf den Dom gerichtet. Seine komplette Zerstörung stand unmittelbar bevor. In letzter Minute verhinderte der Domprediger nicht nur den Beschuß des Domes durch die amerikanischen Truppen, sondern auch seine sinnlose Sprengung durch Hitlerjungen, die mit Sprengstoff in den Dom eindrangen, nachdem die Fahne wieder eingeholt worden war.

Der Dom, schwer beschädigt aber gerettet. Die Stadt eine Trümmerwüste!  7 Magdeburger Altstadtkirchen und die Synagoge fielen dem Krieg und der Nachkriegszeit zum Opfer. Unsere Erinnerungen haben wir nicht verloren und den wachen Verstand auch nicht.

Die heutige Veranstaltung ist ein ganz herausragendes Beispiel dafür, wie intensiv sich die Magdeburger mit Ihrer Stadtgeschichte auseinandersetzen.

Viele Vereine, Institutionen und Organisatoren haben sich Gedanken, darüber gemacht, welche wichtigen Ereignisse einen großen öffentlichen Rahmen im Stadtjubiläum benötigen.

Das Erfreuliche für mich ist, dass bürgerschaftlich Engagierte die Stadt dabei auch als Partner wahrnehmen und in das eigene Boot holen.

So auch heute. Aus einer kleinen Idee um eine historische Filmrolle wurde eine Woche interessanter Veranstaltungen mit Zeitzeugen aus Amerika.

Ich darf mal salopp sagen, wir haben keine Kosten und Mühen gescheut, um an diesen 18. April und an das Kriegsende in Magdeburg würdig und vielfältig zu erinnern. Ich danke allen hieran Beteiligten für Ihr Engagement.

Im Besonderen danke ich

dem Offenen Kanal Magdeburg

dem Geschichtsverein für Magdeburg und Umland e.V.

dem Verein Artist

dem Mitteldeutschen Rundfunk

und dem Theater Magdeburg.

An Ihrem großen Interesse, liebe Magdeburger, kann ich sehen, dass wir hier ein wichtiges Thema hochspannend besetzt haben.

Liebe Gäste,

60 Jahre sind seit den Ereignissen im April ’45 vergangen. Für amerikanische Frontberichterstatter und deutsche Kriegskinder nehmen die Erinnerungen an fanatisierte Kinder und Jugendliche immer wieder einen ambivalenten Platz ein. Etwa 800 Hitlerjungen verteidigten verbissen Stellungen, waren gerade in Magdeburg an Brückensprengungen beteiligt, aber völlig unzureichend bewaffnet. Es war sinnlos und aussichtslos gegen die militärische Präsenz der vorrückenden Alliierten Truppen.

Ein Magdeburger der damals 16-jährig „ohne irgendwelche Furcht und Zweifel in den Kampf" ging, schrieb mir dazu. „Für viele junge Menschen endete die Verteidigung Magdeburgs tödlich... Heute fragt man sich, wieso man das alles noch durchzuhalten versuchte."

Der Mißbrauch von Kindern für Kriegshandlungen in den letzten Tagen sowie die Hinrichtung derer, die sich Verweigerten, gehören mit zu den abscheulichsten Verbrechen des NS-Regimes.Dazu hören wir heute auch Magdeburger Zeitzeugen.

Ich begrüße im Podium sehr herzlich Herrn Rasenberger und Herrn Gerrmann.

Ich darf Sie auch im Saal einladen, im Anschluss an den Film, das Gespräch auf der Bühne mit Ihren Erinnerungen oder Fragen zu begleiten, auch wenn der Rahmen hier etwas größer ist.

Die Wunden des Krieges haben tiefe Narben in unserer Stadt hinterlassen. Alle können wir nicht heilen. Treten wir noch einmal gedanklich in den Schatten der Domtürme. Der Dom St. Mauritius und Katharina zu Magdeburg ist ein Symbol für die Magdeburger. Der Dom ist das Wahrzeichen der Stadt. Er ist nicht nur die meist besuchte touristische Sehenswürdigkeit. Der Dom steht für Magdeburgs Geistesgeschichte. Hier wurde und wird zur Gewaltlosigkeit angestiftet, wenn es Not tut. 
Das Denkmal von Ernst Barlach im Dom, von 1929, mahnte. Dennoch ging ein zweites Mal Krieg von deutschem Boden aus. Viele Kerzen werden seit dem Kriegsende nach der Rückkehr des Barlach-Denkmals 1956 in den Dom, dort entzündet.

Der Dom steht für Menschlichkeit, für Wandel und Kontinuität und für den Willen zum friedlichen Miteinander in der Stadt Magdeburg.

Ich begrüße nun sehr herzlich Herrn Prof. Dr. Tullner vom Institut für Geschichte der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Herr Prof. Tullner wird eine historische Einordnung zum Kriegsende in Magdeburg vornehmen.

17. April 1945.

Es waren Frühlingstage wie heute. Menschliches Elend, Barbarei und das Hoffen auf ein Ende, auf eine Befreiung und die Angst vor dem „Was dann?" lagen dicht beieinander.
Die Erinnerung daran darf nicht abreißen. Die historische Betrachtung muß sachlich und wahrhaftig bleiben. Wir sind es den 60 Millionen Opfern dieses Krieges und den nachfolgenden Generationen schuldig.

Es bleibt am Schluss dennoch für die Gegenwart die bittere Erkenntnis, dass der Krieg noch lange nicht aus der Welt ist.

Ich danke Ihnen, dass Sie heute hierher gekommen sind.

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