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Rede zur Einweihung des ersten Stolpersteines

am 18. März 2007, 11:00 Uhr, an der Ostseite des Alten RathausesEs gilt das gesprochene Wort!

 

"Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart."Sehr geehrte Magdeburgerinnen und Magdeburger,

 

mit diesen Worten des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker darf ich Sie ganz herzlich hier am Alten Rathaus begrüßen. Zunächst möchte ich mich dafür bedanken, dass Sie dem Aufruf der Stadt zur Teilnahme am Gedenken gefolgt sind.

Magdeburg verschließt nicht die Augen vor der Vergangenheit. Mit der Einweihung der ersten Stolpersteine halten wir die Erinnerung an unsere Mitbürger wach und geben Magdeburger Opfern des Nationalsozialismus einen Namen. Wir erinnern an das individuelle Schicksal von 13 jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die während der NS-Zeit deportiert und ermordet wurden. Und wir setzen mit den Stolpersteinen ein weiteres Zeichen gegen das Vergessen der Nazidiktatur in unserer Stadt.

Die Aktion „Stolpersteine" rief der Kölner Künstler Gunter Demnig ins Leben. Seit 1997 hat er in ganz Deutschland mehr als 9.000 dieser Steine eigenhändig in den Boden eingelassen. Heute verlegt er 13 Steine hier in unserer Stadt, hier in Magdeburg. Herr Demnig, ich begrüße Sie in der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts.

Sich der Möglichkeit des Erinnerns und Gedenkens durch Stolpersteine anzuschließen, hat der Magdeburger Stadtrat 2005 auf Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen einstimmig beschlossen. Damit wurden die Voraussetzungen für die Magdeburger Stolpersteine geschaffen. Ich begrüße ganz herzlich die hier anwesenden Stadträtinnen und Stadträte.

Jeder Stolperstein, den wir heute und künftig in Magdeburg verlegen, erzählt ein Stück Stadtgeschichte. Wir halten die Erinnerung an das Leid und das individuelle Schicksal dieser Menschen wach. Denn hinter jedem Stein steht ein Mensch, der in unserer Stadt zum Opfer wurde.

Die Lebens- und Leidenswege dieser jüdischen Mitbürger wurden von einer Arbeitsgruppe ausführlich recherchiert. Ich begrüße ganz herzlich die Mitstreiter dieser Arbeitsgruppe:

Stadtrat Alfred Westphal von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

Waltraut Zachhuber vom Förderverein "Neue Synagoge Magdeburg"

Pascal Begrich vom Verein "Miteinander"

sowie Lehrer des Ökumenischen Domgymnasiums

Sie haben Namen und Daten zusammengetragen, überprüft und die Möglichkeiten der Mitwirkung von Magdeburgerinnen und Magdeburger erwogen. Dafür möchte ich Ihnen meinen Dank aussprechen.

Das heutige Gedenken untermauert einmal mehr eindrucksvoll, dass es in Magdeburg viele Menschen gibt, die sich mit der Geschichte unserer Stadt intensiv auseinandersetzen. Und die mit einer Spende die Verlegung der Stolpersteine erst möglich gemacht haben.

Ich danke den Stadtratsfraktionen Linke/PDS und Bündnis 90/Die Grünen, dem Bündnis gegen Rechts, dem Förderverein "Neue Synagoge Magdeburg" dem Ehepaar Zachhuber sowie den Einzelspendern Helga Mathieu und Dieter Haas. Mit Ihrer finanziellen Unterstützung haben Sie dazu beigetragen, dass wir heute diesen Opfern etwa zurückgeben. Etwas, was ihnen damals genommen wurde – die menschliche Würde.

Mit den Stolpersteinen setzen wir in Magdeburg ein weiteres Zeichen gegen Gleichgültigkeit. Die Inschriften erinnern nicht nur an das, was Mitbürgern unserer Stadt angetan wurde, sie halten auch das Gedenken wach. Sie fordern uns auf, Ausgrenzung, Diskriminierung und Verfolgung nie wieder zuzulassen.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

der erste Stolperstein in Magdeburg ist Dr. Herbert Goldschmidt gewidmet. Hier, an dieser Stelle, wurde der sozialdemokratische Bürgermeister 1933 von den Nationalsozialisten aus dem Rathaus abgeführt.

Herbert Goldschmidt arbeitete zwischen 1919 und 1933 im Magistrat der Stadt Magdeburg. 1931 war er zum Bürgermeister gewählt worden. Gleichzeitig trat Ernst Reuter sein Amt als Oberbürgermeister an. Beide arbeiteten nicht nur dienstlich eng zusammen, sie waren auch privat gute Freunde.

Der promovierte Jurist Goldschmidt hat in Magdeburg viele Spuren hinterlassen. Er begann mit dem Aufbau und der Organisation des jetzigen Gesundheitsamtes und widmete sich intensiv der Weiterentwicklung der Krankenhäuser. Energisch und mit Erfolg hat sich Herbert Goldschmidt für den Bau des Wasserwerkes in der Colbitz-Letzlinger-Heide eingesetzt, um die Trinkwasserversorgung in Magdeburg wesentlich zu verbessern.

Am Tag seiner Verhaftung sperrt die SA mit etwa 50 Personen sämtliche Zugänge zum Rathaus ab. Ein SA-Trupp platzt in eine Sitzung des Personalausschusses, nimmt den Bürgermeister in die Mitte und führt ihn die Treppe herunter. Während Oberbürgermeister Ernst Reuter noch Hut und Mantel anlegen kann, muss Herbert Goldschmidt mit einer Nazi-Fahne in der Hand durch die Innenstadt zum "Braunen Haus" am Kloster marschieren, wo er inhaftiert wird.

Wie lange Herbert Goldschmidt noch in Magdeburg blieb, ist nicht bekannt. Vor seiner Deportierung nach Riga wohnt er als Untermieter in Berlin-Charlottenburg. Fest steht, dass seine geschiedene Frau und Ernst Reuter aus dem Ausland versucht haben, ihm zu helfen. Doch alle Mühen sind vergebens. Herbert Goldschmidt wird 1943 im Konzentrationslager ermordet.

Wir gedenken heute Herbert Goldschmidts und 12 weiterer jüdischer Mitbürger, die in unserer Stadt lebten und arbeiten. Dazu gehören

die fünfköpfige Familie Natowitz,

die dreiköpfig Familie Sender,

das Ehepaar Lerner

und das Ehepaar Lecker.

Mit den Stolpersteinen halten wir ihre persönlichen Spuren und ihre Schicksale fest. Denn was geschah, darf niemals vergessen werden.

Hier in Magdeburg werden weitere Steine folgen. Je mehr Menschen dieses Projekt mit einer Spende u nterstützen, umso mehr Stolpersteine können verlegt werden.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

lassen Sie uns heute gemeinsam unserer Mitbürger gedenken. Zunächst hier am Alten Rathaus und im Anschluss bei der Verlegung der Stolpersteine am Alten Markt, wo Sie ebenfalls herzlich willkommen sind.

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