Ehrenbürger der Stadt: Otto Duvigneau

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Johann Joseph Otto Duvigneau

geb. 07. Juli 1828 in Magdeburg
gest. 07. September 1899 in Magdeburg

Kaufmann, Fabrikant

D. war ein Nachfahr evangelisch-reformierter Einwanderer aus Südfrankreich. Einer der Vorfahren kam im 18. Jahrhundert aus Neuhaldensleben nach Magdeburg und wurde hier Bürger der Pfälzer Kolonie. D.s Vater Johann Christian (1793-1860) war Kaufmann und Ofenfabrikant. Seine Mutter Johanne Euphrosyne geb. Prévot (1793-1845) entstammte ebenfalls einer reformierten Familie, sie war eine Tochter des letzten Bürgermeisters der Pfälzer Kolonie zu Magdeburg. 1830 zog die Familie D. nach Genthin, wo der Vater vorübergehend ein berufliches Betätigungsfeld fand. Sechs Jahre später kehrte die Familie nach Magdeburg zurück; der Vater erwarb hier eine Ofenfabrik.

Nach dem Besuch der Handelsschule absolvierte D. eine Lehre im Magdeburger Produktengeschäft  Burchardt & Schultze und blieb auch danach dort als Kommis (Handlungsgehilfe) tätig. Im April 1848 wurde er Mitbegründer des Magdeburger Kaufmännischen Vereins. Dann absolvierte er als „Einjähriger“ den Militärdienst, den er 1849 als Reserveoffizier beendete. Ab 1849 reiste er einige Jahre als Vertreter einer Bremer Drogenfirma, bis er 1853 in die väterliche Ofen- und Tonwarenfabrik „Duvigneau und Wellenberg“ eintrat. Bald wurde er alleiniger Inhaber der in der Großen Marktstraße 16 gelegenen Firma, die spätestens ab 1856 unter dem Namen „O. Duvigneau und Co.“ firmierte. D. führte in der Firma die Fabrikation der Schmelzkacheln ein. Ihm gelang es, die Technologie des Schmelzgusses für Ofenkacheln zu verbessern und den „Duvigneauschen Ofen“, einen Gitterofen, zu entwickeln. Produkte waren v. a. Zimmeröfen, Kamine, Kochherde, glasierte Steingutröhren und als Spezialität farbige Renaissance- und Majolikaöfen. Letztere erlebten besonders in den 1870er/80er Jahren ihre Blütezeit. Der einstige „Duvigneau-Raum“ mit Majolikaöfen und Baukeramik im ehemaligen Kaiser-Friedrich-Museum ging 1945 verloren.

Schon 1865 ließ D. eine zweite Fabrik in der Alten Neustadt bauen,

Während 1881 infolge der Regulierung der Fluchtlinie der Jakobstraße die Fabrik in der Großen Marktstraße niedergelegt werden musste. 1873 verkaufte der damals lebensgefährlich erkrankte D. seine Firma an die Bau- und Kredit-Bank, blieb aber Leiter des Geschäfts. Sein Sohn Johann August (1854-1940) wurde später Generaldirektor der Bau- und Kreditbank.

Die Ofen- und Tonwarenfabrik erzielte auf internationalen Ausstellungen und Messen zahlreiche Medaillen, u. a. 1865 in Stettin, 1869 und 1883 in Amsterdam, 1873 in Wien die Große goldene Fortschrittsmedaille, 1881 in Halle/ Saale, 1885 in Antwerpen und London, 1888 in Melbourne. 1878 erhielt die Firma in Kassel die Goldene Staatsmedaille. Der vielseitig gebildete D., der fließend französisch und englisch sprach, war aufgrund seines Fachwissens auf der Weltausstellung in Chicago 1893 und vielen anderen Ausstellungen als Preisrichter für Keramik tätig.

Seit den 60er Jahren betätigte sich D. politisch aktiv, zunächst kommunalpolitisch. Vom 1. Januar 1863 bis zum 19. Juni 1884 gehörte er der Stadtverordnetenversammlung an. Von 1884 bis zu seinem Tod war er unbesoldeter Stadtrat. Er setzte sich besonders für die Förderung des Kunstgewerbes und der Kunst in Magdeburg ein, engagierte sich für gemeinnützige Einrichtungen und war viele Jahre lang außerdem Vorstandsmitglied der Töpferei-Berufsgenossenschaft. Er gründete 1869 den Magdeburger Kunstgewerbeverein mit, dessen erster Vorsitzender er von 1878 bis 1894 war. Hauptsächlich ihm ist es zu verdanken, dass die Sammlung wertvoller kunstgewerblicher Gegenstände in Magdeburg immens anwuchs. Er trat für den Bau eines städtischen Museums und für die Gründung der Magdeburger Urania (Dezember 1894) ein, die sich der Verbreitung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse verschrieben hat. 1880 bemühte er sich erfolgreich um das Zustandekommen der landwirtschaftlichen Ausstellung in Magdeburg, später um die Denkmäler für Kaiser Wilhelm I. (1797-1888) und für Otto von Bismarck (1815-1898). Als Mitglied des Vorstandes der Bade- und Waschanstalt hatte er Anteil an der Errichtung einer neuen Schwimmhalle. Die Verbesserung der hygienischen Verhältnisse in Magdeburg war ihm wichtig, er selbst verlor 1873 während der Cholera-Epidemie eine Tochter im Alter von knapp 12 Jahren. Noch vorhanden ist die beeindruckende marmorne Grabskulptur des Bildhauers Otto Büchting für sie auf dem Südfriedhof.

D.s politische Tätigkeit ging mit seinem sozialen Engagement einher. Während des Krieges von 1866 errichtete D. an einem Haltepunkt der Wittenberger Eisenbahn hinter seinem Fabrikgrundstück in der alten Neustadt eine Verpflegungsstation für durchreisende Truppen. 1870 reiste er mehrfach an die Front, um den Soldaten Sachspenden aus Magdeburg zu überbringen.

1866 gründete D. den National-Liberalen Verein zu Magdeburg mit. Von 1887 bis 1890 gehörte er als Mitglied der Nationalliberalen Partei für Magdeburg dem Deutschen Reichstag an und befürwortete dort u. a. die Durchsetzung der gesetzlichen Alters- und Invaliditätsversicherung. Er selbst hatte in seiner Firma bereits 1872 aus eigenen Mitteln eine Invaliden- und Altersversorgungskasse für Betriebsangehörige gegründet. Während dieser Zeit war er auch Vorsitzender des Provinzialausschusses der Nationalliberalen Partei in der Provinz Sachsen und Mitglied des Zentralvorstandes der Partei auf Reichsebene. Seine Partei in Magdeburg ernannte ihn 1890 zum Ehrenvorsitzenden.

Seit 1860 war D. Presbyter (Kirchenältester) der wallonisch-reformierten Gemeinde zu Magdeburg, seit 1874 deren Patronatsvertreter. Er gehörte zudem seit seinem 29. Lebensjahr der Freimaurerloge „Ferdinand zur Glückseligkeit“ an, wurde 1898 Meister vom Stuhl. Seinen 70. Geburtstag 1898 nahm die Stadt zum Anlass, D. aufgrund seiner Tätigkeit zur Förderung des öffentlichen Lebens, der Kunst, des Kunstgewerbes, der Wissenschaft, des Handwerks sowie aufgrund seines Einsatzes für ein städtisches Museum, für die Urania, für Badeanstalten etc. das Ehrenbürgerrecht zu verleihen. Zum Wohle der Stadt betätigte er sich auch schon als junger Mann als Leutnant der freiwilligen Feuerwehr.

D. war seit 1853 mit der Magdeburger Kaufmannstochter Johanne Susanne Auguste Meischner (1830-1907) verheiratet. Sohn Johann (1854-1940) wurde ein bekannter Architekt und Stadtrat in Magdeburg, Tochter Elisabeth (1859-1940) ehelichte 1878 den Fabrikbesitzer Johann Hauswaldt (1851-1909).

 
Dem Andenken von Otto Duvigneau. Stadtrat und Ehrenbürger der Stadt Magdeburg. Geboren am 7. Juli 1828. Gestorben am 7. September 1899, Magdeburg o. J. (1899); Mitteilung von Hans Jörg Duvigneau, Berlin, an das Stadtarchiv Magdeburg v. 23.04.2012; Koerner, Bernhard (Hg.): Magdeburger Geschlechterbuch, Bd. 1, Görlitz 1923 (= Deutsches Geschlechterbuch, Bd. 39); Hammerschmidt, Günter: Magdeburger Familien in Handel, Gewerbe, Industrie, Wissenschaft und Verwaltung. Ein historischer Streifzug in Wort und Bild, Magdeburg 2008; Ehrenbürger der Stadt Magdeburg, bearb. vom Stadtarchiv Magdeburg, Magdeburg 1994; Heinrich, Guido/Schandera, Gunter (Hg.): Magdeburger Biographisches Lexikon 19. und 20. Jahrhundert, Magdeburg 2002; Adressbücher der Stadt Magdeburg; Stadtarchiv Magdeburg, Rep. A II B 27 spec. 5 Bd. 2.


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