Telemann blogt über Magdeburg - Beitrag vom 5. September 2017
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Telemann2017-Logo gewinnt German Design Award 2018

27. Oktober 2017 – Der Wirbel um Georg Philipp Telemann im Telemannjahr 2017 legt sich langsam. Da flattert ähnlich den buntgefärbten Blättern, die den Herbst längst eingeläutet haben und auf das Jahresende hinweisen, eine frohe Botschaft herein: Das Logo Telemann2017 hat den German Design Award 2018 in der Kategorie „Corporate Indentity“ gewonnen.

Jörg Stauvermann, Kreativdirektor von der Nordseeinsel Föhr, hat dieses Logo entworfen. Er liebt es, Erscheinungsbilder zu entwickeln, Ausstellungen und Räume zu gestalten und Pläne zu schmieden. Und genau damit beauftragten ihn im vergangenen Jahr das Kulturbüro Magdeburg und das Zentrum für Telemann-Pflege und -Forschung. Das Telemannstädte-Netzwerk, zu dem neben Magdeburg auch Clausthal-Zellerfeld, Hildesheim, Leipzig, Żary und Pszczyna (Polen), Eisenach, Frankfurt am Main, Hamburg und Paris (Frankreich) gehören, nutzt dieses Logo für Veranstaltungen des Telemannjahres 2017.

Doch was steckt hinter dem Telemann2017-Logo? Das Logo musste ästhetisch sein und zeitgemäß auf das Telemannjahr 2017 hinweisen. Vom Plakat über Fahnen bis hin zu Merchandising-Produkten – es musste in unterschiedlichen Umgebungen seine Wirkung entfalten können.

Stauvermann stand damit vor einer großen Herausforderung und entschied sich für ein Logo, das insbesondere durch seine Schlichtheit aussagekräftig ist und einen hohen Wiedererkennungswert hat. Es basiert auf den beiden Schriften Didot und Avenir. Die Didot wurde zu Lebzeiten Telemanns entworfen und gibt der „7“ und „2017“, die im Logo stehen, ihre Form. Die Schrift Avenir entstand 1988. In diesem Jahr wurde eine er wichtigen Sammlungen Telemanns – die „Musique de Table“ (Tafelmusik) – vom weltberühmten Concentus Musicus unter der Leitung Nikolaus Harnoncourts (gest. 2016), Telemann-Preisträgers 2004, eingespielt. In dieser Schrift ist das Wort „Telemann“ gestaltet.


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Telemann2017-Logo gewinnt German Design Award 2018

27. Oktober 2017 – Der Wirbel um Georg Philipp Telemann im Telemannjahr 2017 legt sich langsam. Da flattert ähnlich den buntgefärbten Blättern, die den Herbst längst eingeläutet haben und auf das Jahresende hinweisen, eine frohe Botschaft herein: Das Logo Telemann2017 hat den German Design Award 2018 in der Kategorie „Corporate Indentity“ gewonnen.

Jörg Stauvermann, Kreativdirektor von der Nordseeinsel Föhr, hat dieses Logo entworfen. Er liebt es, Erscheinungsbilder zu entwickeln, Ausstellungen und Räume zu gestalten und Pläne zu schmieden. Und genau damit beauftragten ihn im vergangenen Jahr das Kulturbüro Magdeburg und das Zentrum für Telemann-Pflege und -Forschung. Das Telemannstädte-Netzwerk, zu dem neben Magdeburg auch Clausthal-Zellerfeld, Hildesheim, Leipzig, Żary und Pszczyna (Polen), Eisenach, Frankfurt am Main, Hamburg und Paris (Frankreich) gehören, nutzt dieses Logo für Veranstaltungen des Telemannjahres 2017.

Doch was steckt hinter dem Telemann2017-Logo? Das Logo musste ästhetisch sein und zeitgemäß auf das Telemannjahr 2017 hinweisen. Vom Plakat über Fahnen bis hin zu Merchandising-Produkten – es musste in unterschiedlichen Umgebungen seine Wirkung entfalten können.

Stauvermann stand damit vor einer großen Herausforderung und entschied sich für ein Logo, das insbesondere durch seine Schlichtheit aussagekräftig ist und einen hohen Wiedererkennungswert hat. Es basiert auf den beiden Schriften Didot und Avenir. Die Didot wurde zu Lebzeiten Telemanns entworfen und gibt der „7“ und „2017“, die im Logo stehen, ihre Form. Die Schrift Avenir entstand 1988. In diesem Jahr wurde eine er wichtigen Sammlungen Telemanns – die „Musique de Table“ (Tafelmusik) – vom weltberühmten Concentus Musicus unter der Leitung Nikolaus Harnoncourts (gest. 2016), Telemann-Preisträgers 2004, eingespielt. In dieser Schrift ist das Wort „Telemann“ gestaltet.


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Telemann2017-Logo gewinnt German Design Award 2018

27. Oktober 2017 – Der Wirbel um Georg Philipp Telemann im Telemannjahr 2017 legt sich langsam. Da flattert ähnlich den buntgefärbten Blättern, die den Herbst längst eingeläutet haben und auf das Jahresende hinweisen, eine frohe Botschaft herein: Das Logo Telemann2017 hat den German Design Award 2018 in der Kategorie „Corporate Indentity“ gewonnen.

Jörg Stauvermann, Kreativdirektor von der Nordseeinsel Föhr, hat dieses Logo entworfen. Er liebt es, Erscheinungsbilder zu entwickeln, Ausstellungen und Räume zu gestalten und Pläne zu schmieden. Und genau damit beauftragten ihn im vergangenen Jahr das Kulturbüro Magdeburg und das Zentrum für Telemann-Pflege und -Forschung. Das Telemannstädte-Netzwerk, zu dem neben Magdeburg auch Clausthal-Zellerfeld, Hildesheim, Leipzig, Żary und Pszczyna (Polen), Eisenach, Frankfurt am Main, Hamburg und Paris (Frankreich) gehören, nutzt dieses Logo für Veranstaltungen des Telemannjahres 2017.

Doch was steckt hinter dem Telemann2017-Logo? Das Logo musste ästhetisch sein und zeitgemäß auf das Telemannjahr 2017 hinweisen. Vom Plakat über Fahnen bis hin zu Merchandising-Produkten – es musste in unterschiedlichen Umgebungen seine Wirkung entfalten können.

Stauvermann stand damit vor einer großen Herausforderung und entschied sich für ein Logo, das insbesondere durch seine Schlichtheit aussagekräftig ist und einen hohen Wiedererkennungswert hat. Es basiert auf den beiden Schriften Didot und Avenir. Die Didot wurde zu Lebzeiten Telemanns entworfen und gibt der „7“ und „2017“, die im Logo stehen, ihre Form. Die Schrift Avenir entstand 1988. In diesem Jahr wurde eine er wichtigen Sammlungen Telemanns – die „Musique de Table“ (Tafelmusik) – vom weltberühmten Concentus Musicus unter der Leitung Nikolaus Harnoncourts (gest. 2016), Telemann-Preisträgers 2004, eingespielt. In dieser Schrift ist das Wort „Telemann“ gestaltet.


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Telemann2017-Logo gewinnt German Design Award 2018

27. Oktober 2017 – Der Wirbel um Georg Philipp Telemann im Telemannjahr 2017 legt sich langsam. Da flattert ähnlich den buntgefärbten Blättern, die den Herbst längst eingeläutet haben und auf das Jahresende hinweisen, eine frohe Botschaft herein: Das Logo Telemann2017 hat den German Design Award 2018 in der Kategorie „Corporate Indentity“ gewonnen.

Jörg Stauvermann, Kreativdirektor von der Nordseeinsel Föhr, hat dieses Logo entworfen. Er liebt es, Erscheinungsbilder zu entwickeln, Ausstellungen und Räume zu gestalten und Pläne zu schmieden. Und genau damit beauftragten ihn im vergangenen Jahr das Kulturbüro Magdeburg und das Zentrum für Telemann-Pflege und -Forschung. Das Telemannstädte-Netzwerk, zu dem neben Magdeburg auch Clausthal-Zellerfeld, Hildesheim, Leipzig, Żary und Pszczyna (Polen), Eisenach, Frankfurt am Main, Hamburg und Paris (Frankreich) gehören, nutzt dieses Logo für Veranstaltungen des Telemannjahres 2017.

Doch was steckt hinter dem Telemann2017-Logo? Das Logo musste ästhetisch sein und zeitgemäß auf das Telemannjahr 2017 hinweisen. Vom Plakat über Fahnen bis hin zu Merchandising-Produkten – es musste in unterschiedlichen Umgebungen seine Wirkung entfalten können.

Stauvermann stand damit vor einer großen Herausforderung und entschied sich für ein Logo, das insbesondere durch seine Schlichtheit aussagekräftig ist und einen hohen Wiedererkennungswert hat. Es basiert auf den beiden Schriften Didot und Avenir. Die Didot wurde zu Lebzeiten Telemanns entworfen und gibt der „7“ und „2017“, die im Logo stehen, ihre Form. Die Schrift Avenir entstand 1988. In diesem Jahr wurde eine er wichtigen Sammlungen Telemanns – die „Musique de Table“ (Tafelmusik) – vom weltberühmten Concentus Musicus unter der Leitung Nikolaus Harnoncourts (gest. 2016), Telemann-Preisträgers 2004, eingespielt. In dieser Schrift ist das Wort „Telemann“ gestaltet.


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Telemann2017-Logo gewinnt German Design Award 2018

27. Oktober 2017 – Der Wirbel um Georg Philipp Telemann im Telemannjahr 2017 legt sich langsam. Da flattert ähnlich den buntgefärbten Blättern, die den Herbst längst eingeläutet haben und auf das Jahresende hinweisen, eine frohe Botschaft herein: Das Logo Telemann2017 hat den German Design Award 2018 in der Kategorie „Corporate Indentity“ gewonnen.

Jörg Stauvermann, Kreativdirektor von der Nordseeinsel Föhr, hat dieses Logo entworfen. Er liebt es, Erscheinungsbilder zu entwickeln, Ausstellungen und Räume zu gestalten und Pläne zu schmieden. Und genau damit beauftragten ihn im vergangenen Jahr das Kulturbüro Magdeburg und das Zentrum für Telemann-Pflege und -Forschung. Das Telemannstädte-Netzwerk, zu dem neben Magdeburg auch Clausthal-Zellerfeld, Hildesheim, Leipzig, Żary und Pszczyna (Polen), Eisenach, Frankfurt am Main, Hamburg und Paris (Frankreich) gehören, nutzt dieses Logo für Veranstaltungen des Telemannjahres 2017.

Doch was steckt hinter dem Telemann2017-Logo? Das Logo musste ästhetisch sein und zeitgemäß auf das Telemannjahr 2017 hinweisen. Vom Plakat über Fahnen bis hin zu Merchandising-Produkten – es musste in unterschiedlichen Umgebungen seine Wirkung entfalten können.

Stauvermann stand damit vor einer großen Herausforderung und entschied sich für ein Logo, das insbesondere durch seine Schlichtheit aussagekräftig ist und einen hohen Wiedererkennungswert hat. Es basiert auf den beiden Schriften Didot und Avenir. Die Didot wurde zu Lebzeiten Telemanns entworfen und gibt der „7“ und „2017“, die im Logo stehen, ihre Form. Die Schrift Avenir entstand 1988. In diesem Jahr wurde eine er wichtigen Sammlungen Telemanns – die „Musique de Table“ (Tafelmusik) – vom weltberühmten Concentus Musicus unter der Leitung Nikolaus Harnoncourts (gest. 2016), Telemann-Preisträgers 2004, eingespielt. In dieser Schrift ist das Wort „Telemann“ gestaltet.


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Telemann2017-Logo gewinnt German Design Award 2018

27. Oktober 2017 – Der Wirbel um Georg Philipp Telemann im Telemannjahr 2017 legt sich langsam. Da flattert ähnlich den buntgefärbten Blättern, die den Herbst längst eingeläutet haben und auf das Jahresende hinweisen, eine frohe Botschaft herein: Das Logo Telemann2017 hat den German Design Award 2018 in der Kategorie „Corporate Indentity“ gewonnen.

Jörg Stauvermann, Kreativdirektor von der Nordseeinsel Föhr, hat dieses Logo entworfen. Er liebt es, Erscheinungsbilder zu entwickeln, Ausstellungen und Räume zu gestalten und Pläne zu schmieden. Und genau damit beauftragten ihn im vergangenen Jahr das Kulturbüro Magdeburg und das Zentrum für Telemann-Pflege und -Forschung. Das Telemannstädte-Netzwerk, zu dem neben Magdeburg auch Clausthal-Zellerfeld, Hildesheim, Leipzig, Żary und Pszczyna (Polen), Eisenach, Frankfurt am Main, Hamburg und Paris (Frankreich) gehören, nutzt dieses Logo für Veranstaltungen des Telemannjahres 2017.

Doch was steckt hinter dem Telemann2017-Logo? Das Logo musste ästhetisch sein und zeitgemäß auf das Telemannjahr 2017 hinweisen. Vom Plakat über Fahnen bis hin zu Merchandising-Produkten – es musste in unterschiedlichen Umgebungen seine Wirkung entfalten können.

Stauvermann stand damit vor einer großen Herausforderung und entschied sich für ein Logo, das insbesondere durch seine Schlichtheit aussagekräftig ist und einen hohen Wiedererkennungswert hat. Es basiert auf den beiden Schriften Didot und Avenir. Die Didot wurde zu Lebzeiten Telemanns entworfen und gibt der „7“ und „2017“, die im Logo stehen, ihre Form. Die Schrift Avenir entstand 1988. In diesem Jahr wurde eine er wichtigen Sammlungen Telemanns – die „Musique de Table“ (Tafelmusik) – vom weltberühmten Concentus Musicus unter der Leitung Nikolaus Harnoncourts (gest. 2016), Telemann-Preisträgers 2004, eingespielt. In dieser Schrift ist das Wort „Telemann“ gestaltet.


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Telemann2017-Logo gewinnt German Design Award 2018

27. Oktober 2017 – Der Wirbel um Georg Philipp Telemann im Telemannjahr 2017 legt sich langsam. Da flattert ähnlich den buntgefärbten Blättern, die den Herbst längst eingeläutet haben und auf das Jahresende hinweisen, eine frohe Botschaft herein: Das Logo Telemann2017 hat den German Design Award 2018 in der Kategorie „Corporate Indentity“ gewonnen.

Jörg Stauvermann, Kreativdirektor von der Nordseeinsel Föhr, hat dieses Logo entworfen. Er liebt es, Erscheinungsbilder zu entwickeln, Ausstellungen und Räume zu gestalten und Pläne zu schmieden. Und genau damit beauftragten ihn im vergangenen Jahr das Kulturbüro Magdeburg und das Zentrum für Telemann-Pflege und -Forschung. Das Telemannstädte-Netzwerk, zu dem neben Magdeburg auch Clausthal-Zellerfeld, Hildesheim, Leipzig, Żary und Pszczyna (Polen), Eisenach, Frankfurt am Main, Hamburg und Paris (Frankreich) gehören, nutzt dieses Logo für Veranstaltungen des Telemannjahres 2017.

Doch was steckt hinter dem Telemann2017-Logo? Das Logo musste ästhetisch sein und zeitgemäß auf das Telemannjahr 2017 hinweisen. Vom Plakat über Fahnen bis hin zu Merchandising-Produkten – es musste in unterschiedlichen Umgebungen seine Wirkung entfalten können.

Stauvermann stand damit vor einer großen Herausforderung und entschied sich für ein Logo, das insbesondere durch seine Schlichtheit aussagekräftig ist und einen hohen Wiedererkennungswert hat. Es basiert auf den beiden Schriften Didot und Avenir. Die Didot wurde zu Lebzeiten Telemanns entworfen und gibt der „7“ und „2017“, die im Logo stehen, ihre Form. Die Schrift Avenir entstand 1988. In diesem Jahr wurde eine er wichtigen Sammlungen Telemanns – die „Musique de Table“ (Tafelmusik) – vom weltberühmten Concentus Musicus unter der Leitung Nikolaus Harnoncourts (gest. 2016), Telemann-Preisträgers 2004, eingespielt. In dieser Schrift ist das Wort „Telemann“ gestaltet.


Telemann blogt über Magdeburg - Beitrag vom 5. September 2017

Telemann2017-Logo gewinnt German Design Award 2018

27. Oktober 2017 – Der Wirbel um Georg Philipp Telemann im Telemannjahr 2017 legt sich langsam. Da flattert ähnlich den buntgefärbten Blättern, die den Herbst längst eingeläutet haben und auf das Jahresende hinweisen, eine frohe Botschaft herein: Das Logo Telemann2017 hat den German Design Award 2018 in der Kategorie „Corporate Indentity“ gewonnen.

Jörg Stauvermann, Kreativdirektor von der Nordseeinsel Föhr, hat dieses Logo entworfen. Er liebt es, Erscheinungsbilder zu entwickeln, Ausstellungen und Räume zu gestalten und Pläne zu schmieden. Und genau damit beauftragten ihn im vergangenen Jahr das Kulturbüro Magdeburg und das Zentrum für Telemann-Pflege und -Forschung. Das Telemannstädte-Netzwerk, zu dem neben Magdeburg auch Clausthal-Zellerfeld, Hildesheim, Leipzig, Żary und Pszczyna (Polen), Eisenach, Frankfurt am Main, Hamburg und Paris (Frankreich) gehören, nutzt dieses Logo für Veranstaltungen des Telemannjahres 2017.

Doch was steckt hinter dem Telemann2017-Logo? Das Logo musste ästhetisch sein und zeitgemäß auf das Telemannjahr 2017 hinweisen. Vom Plakat über Fahnen bis hin zu Merchandising-Produkten – es musste in unterschiedlichen Umgebungen seine Wirkung entfalten können.

Stauvermann stand damit vor einer großen Herausforderung und entschied sich für ein Logo, das insbesondere durch seine Schlichtheit aussagekräftig ist und einen hohen Wiedererkennungswert hat. Es basiert auf den beiden Schriften Didot und Avenir. Die Didot wurde zu Lebzeiten Telemanns entworfen und gibt der „7“ und „2017“, die im Logo stehen, ihre Form. Die Schrift Avenir entstand 1988. In diesem Jahr wurde eine er wichtigen Sammlungen Telemanns – die „Musique de Table“ (Tafelmusik) – vom weltberühmten Concentus Musicus unter der Leitung Nikolaus Harnoncourts (gest. 2016), Telemann-Preisträgers 2004, eingespielt. In dieser Schrift ist das Wort „Telemann“ gestaltet.


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27. Oktober 2017 – Der Wirbel um Georg Philipp Telemann im Telemannjahr 2017 legt sich langsam. Da flattert ähnlich den buntgefärbten Blättern, die den Herbst längst eingeläutet haben und auf das Jahresende hinweisen, eine frohe Botschaft herein: Das Logo Telemann2017 hat den German Design Award 2018 in der Kategorie „Corporate Indentity“ gewonnen.

Jörg Stauvermann, Kreativdirektor von der Nordseeinsel Föhr, hat dieses Logo entworfen. Er liebt es, Erscheinungsbilder zu entwickeln, Ausstellungen und Räume zu gestalten und Pläne zu schmieden. Und genau damit beauftragten ihn im vergangenen Jahr das Kulturbüro Magdeburg und das Zentrum für Telemann-Pflege und -Forschung. Das Telemannstädte-Netzwerk, zu dem neben Magdeburg auch Clausthal-Zellerfeld, Hildesheim, Leipzig, Żary und Pszczyna (Polen), Eisenach, Frankfurt am Main, Hamburg und Paris (Frankreich) gehören, nutzt dieses Logo für Veranstaltungen des Telemannjahres 2017.

Doch was steckt hinter dem Telemann2017-Logo? Das Logo musste ästhetisch sein und zeitgemäß auf das Telemannjahr 2017 hinweisen. Vom Plakat über Fahnen bis hin zu Merchandising-Produkten – es musste in unterschiedlichen Umgebungen seine Wirkung entfalten können.

Stauvermann stand damit vor einer großen Herausforderung und entschied sich für ein Logo, das insbesondere durch seine Schlichtheit aussagekräftig ist und einen hohen Wiedererkennungswert hat. Es basiert auf den beiden Schriften Didot und Avenir. Die Didot wurde zu Lebzeiten Telemanns entworfen und gibt der „7“ und „2017“, die im Logo stehen, ihre Form. Die Schrift Avenir entstand 1988. In diesem Jahr wurde eine er wichtigen Sammlungen Telemanns – die „Musique de Table“ (Tafelmusik) – vom weltberühmten Concentus Musicus unter der Leitung Nikolaus Harnoncourts (gest. 2016), Telemann-Preisträgers 2004, eingespielt. In dieser Schrift ist das Wort „Telemann“ gestaltet.


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Telemann2017-Logo gewinnt German Design Award 2018

27. Oktober 2017 – Der Wirbel um Georg Philipp Telemann im Telemannjahr 2017 legt sich langsam. Da flattert ähnlich den buntgefärbten Blättern, die den Herbst längst eingeläutet haben und auf das Jahresende hinweisen, eine frohe Botschaft herein: Das Logo Telemann2017 hat den German Design Award 2018 in der Kategorie „Corporate Indentity“ gewonnen.

Jörg Stauvermann, Kreativdirektor von der Nordseeinsel Föhr, hat dieses Logo entworfen. Er liebt es, Erscheinungsbilder zu entwickeln, Ausstellungen und Räume zu gestalten und Pläne zu schmieden. Und genau damit beauftragten ihn im vergangenen Jahr das Kulturbüro Magdeburg und das Zentrum für Telemann-Pflege und -Forschung. Das Telemannstädte-Netzwerk, zu dem neben Magdeburg auch Clausthal-Zellerfeld, Hildesheim, Leipzig, Żary und Pszczyna (Polen), Eisenach, Frankfurt am Main, Hamburg und Paris (Frankreich) gehören, nutzt dieses Logo für Veranstaltungen des Telemannjahres 2017.

Doch was steckt hinter dem Telemann2017-Logo? Das Logo musste ästhetisch sein und zeitgemäß auf das Telemannjahr 2017 hinweisen. Vom Plakat über Fahnen bis hin zu Merchandising-Produkten – es musste in unterschiedlichen Umgebungen seine Wirkung entfalten können.

Stauvermann stand damit vor einer großen Herausforderung und entschied sich für ein Logo, das insbesondere durch seine Schlichtheit aussagekräftig ist und einen hohen Wiedererkennungswert hat. Es basiert auf den beiden Schriften Didot und Avenir. Die Didot wurde zu Lebzeiten Telemanns entworfen und gibt der „7“ und „2017“, die im Logo stehen, ihre Form. Die Schrift Avenir entstand 1988. In diesem Jahr wurde eine er wichtigen Sammlungen Telemanns – die „Musique de Table“ (Tafelmusik) – vom weltberühmten Concentus Musicus unter der Leitung Nikolaus Harnoncourts (gest. 2016), Telemann-Preisträgers 2004, eingespielt. In dieser Schrift ist das Wort „Telemann“ gestaltet.


Telemann blogt über Magdeburg - Beitrag vom 5. September 2017

Telemann2017-Logo gewinnt German Design Award 2018

27. Oktober 2017 – Der Wirbel um Georg Philipp Telemann im Telemannjahr 2017 legt sich langsam. Da flattert ähnlich den buntgefärbten Blättern, die den Herbst längst eingeläutet haben und auf das Jahresende hinweisen, eine frohe Botschaft herein: Das Logo Telemann2017 hat den German Design Award 2018 in der Kategorie „Corporate Indentity“ gewonnen.

Jörg Stauvermann, Kreativdirektor von der Nordseeinsel Föhr, hat dieses Logo entworfen. Er liebt es, Erscheinungsbilder zu entwickeln, Ausstellungen und Räume zu gestalten und Pläne zu schmieden. Und genau damit beauftragten ihn im vergangenen Jahr das Kulturbüro Magdeburg und das Zentrum für Telemann-Pflege und -Forschung. Das Telemannstädte-Netzwerk, zu dem neben Magdeburg auch Clausthal-Zellerfeld, Hildesheim, Leipzig, Żary und Pszczyna (Polen), Eisenach, Frankfurt am Main, Hamburg und Paris (Frankreich) gehören, nutzt dieses Logo für Veranstaltungen des Telemannjahres 2017.

Doch was steckt hinter dem Telemann2017-Logo? Das Logo musste ästhetisch sein und zeitgemäß auf das Telemannjahr 2017 hinweisen. Vom Plakat über Fahnen bis hin zu Merchandising-Produkten – es musste in unterschiedlichen Umgebungen seine Wirkung entfalten können.

Stauvermann stand damit vor einer großen Herausforderung und entschied sich für ein Logo, das insbesondere durch seine Schlichtheit aussagekräftig ist und einen hohen Wiedererkennungswert hat. Es basiert auf den beiden Schriften Didot und Avenir. Die Didot wurde zu Lebzeiten Telemanns entworfen und gibt der „7“ und „2017“, die im Logo stehen, ihre Form. Die Schrift Avenir entstand 1988. In diesem Jahr wurde eine er wichtigen Sammlungen Telemanns – die „Musique de Table“ (Tafelmusik) – vom weltberühmten Concentus Musicus unter der Leitung Nikolaus Harnoncourts (gest. 2016), Telemann-Preisträgers 2004, eingespielt. In dieser Schrift ist das Wort „Telemann“ gestaltet.


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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 16. August 2017

16. August 2017 – Telemann und die vier Temperamente, Telemann und die Muse und der Fährmann – diese Erinnerungsorte an den berühmten Kosmopoliten haben wir im Juni unserer virtuellen Reise besucht. Inspiriert vom Fährmann lassen wir unsere Gedanken wie das Wasser eines Flusses fließen. Wir gehen am Schleinufer an der Elbe entlang Richtung Süden und denken an Georg Philipp Telemann. Wir denken an seine Musik, sein Werk, sein Leben und fragen uns: Wie war wohl das Leben zu seiner Zeit?

Genau das könnt ihr bei der Langen TelemannNACHT herausfinden, denn diese verspricht jede Menge barockes Lebensgefühl. Wegen der Folgen eines Unwetters abgesagt, kann sie am 1. September 2017 nachgeholt werden.

Wir laufen am Schleinufer entlang und sind beinah auf Höhe des Doms. Kurzerhand lassen wir uns in die Richtung des ersten gotischen Dom auf deutschem Boden treiben und laufen über eine Brücke hinauf zum Fürstenwall. Genau hier werden in wenigen Tagen Gaukler, barocke Spiele und Metallskulpturen in eine andere, in eine telemannsche Welt entführen. Als Teil des Festes zu Ehren eines weiteren großen Sohnes unserer Stadt – Kaiser Otto – eröffnen sich hier zur Langen TelemannNACHT ab 17.00 Uhr neue Perspektiven. Entlang des Hauses der Romanik, des Remtergangs, der Bastion Cleve bis hin zur Schweizer Milchkuranstalt am Fürstenwall wird es musikalisch, spielerisch und auch kulinarisch erlebnisreich.

Lange TelemannNACHT

Lange TelemannNACHT

Magdeburg ist im Telemannfieber! Am 1. September 2017 lädt die Landeshauptstadt im Rahmen des Kaiser-Otto-Festes dazu ein, den Komponisten Georg Philipp Telemann mit allen Sinnen kennenzulernen. Die Lange TelemannNACHT vereint barockes Lebensgefühl, Spiellust und Lebensfreude rund um Telemann und entführt die Gäste von der Bastion Cleve, über den Remtergang und das Haus der Romanik bis hin zum Fürstenwall in eine neue Welt.

Programm Lange TelemannNACHT

Die ehemalige Intendantin des Magdeburger Puppentheaters, Elke Schneider, konnte für die TelemannNACHT 200 Mitwirkende begeistern. Mit dabei sind der Magdeburger Telemann-Chor, das Magdeburger Blechbläserensemble, das Rossini-Quartett, die Ballettschule Semenchukov, Schülerinnen und Schüler des Konservatoriums, das Ensemble des Telemann-Musicals „Telemann in Pop“ und viele mehr.

Gaukler zeigen ihre Künste, barocke Spiele, Tänze und Musik laden zum Mitmachen ein. Die Gäste können sich unter anderem von Musiktherapie, Papiertheater, Puppentheater, barocken Karussellpferden und Barockkutschen in die Welt Telemanns entführen lassen.

Sogar kulinarisch geht es in die Zeit des Barocks: Die Speisen nehmen Bezug auf die regionale Küche, die Georg Philipp Telemann an den unterschiedlichen Orten, an denen er lebte, kennenlernte, und stellen somit eine weitere Verbindung zum 18. Jahrhundert her. Das gesamte Programm Lange TelemannNACHT [PDF: 2,6 MB] finden Sie hier.

Die Lange TelemannNACHT sollte ursprünglich am 24. Juni 2017 stattfinden, musste aber wegen der Sturmschäden im Klosterbergegarten abgesagt werden. Karten, die für die ursprüngliche TelemannNACHT gekauft wurden, sind am 1. September für die Lange TelemannNACHT und das Kaiser-Otto-Fest gültig.

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Angetrieben von der Vorfreude auf die Lange TelemannNACHT haben wir heute noch eine Station zu dem berühmten Künstler vor uns. Vom Fürstenwall aus laufen wir weiter durch eine der schönsten Straßen Magdeburgs, durch die Hegelstraße. Die mit Fassadenschmuck verzierten Häuser entstanden lange nach Telemann in der Gründerzeit von 1880 bis 1920. Von dort aus gelangen wir über die Steubenallee zu den Gruson-Gewächshäusern. Auch diese Tropenhäuser entstanden während der Gründerzeit.

120 Jahre Gruson-Gewächshäuser - Eingang um 1900
nr_gruson1
Apropros Tropen und exotische Pflanzen – die gefielen auch Georg Philipp Telemann. Über seine „Bluhmen-Liebe“ haben wir schon einmal berichtet, denn er hatte nicht nur eine Leidenschaft für Kunst und Musik, sondern ebenso für die Pflanzenwelt. So bekannte er in einem Brief an seinen Frankfurter Freund Johann Friedrich Armand von Uffenbach aus dem Jahre 1742:

Ob diese [die Musik] zwar mein Acker und Pflug ist, und mir zum Hauptergetzen dienet, so habe ich ihr doch seither ein Par Jahren eine Gefehrtinn zugesellet, nemlich die Bluhmen-Liebe, welche beyde wechselsweis mich ihrer Annehmlichkeiten theilhaft machen.“

In seinem eigenen Garten trug er damals in Hamburg zahlreiche botanische Raritäten zusammen und ging seiner „Bluhmen-Liebe“ nach. Er listete seinen „Garten-Vorraht“ sogar auf und erstellte damit ein Pflanzenverzeichnis. Tulpen, chinesische Astern, Aloen, Säulenkakteen, Hyazinthen, Narzissen, Pfingstrosen, Kornblumen und viele mehr zierten dieses Verzeichnis und seinen Garten. Doch damit nicht genug. Telemann begab sich auf die Suche nach weiteren exotischen Pflanzen für seine Sammlung.

Und woher nahm Telemann, der rund um die Uhr zu arbeiten schien, die Zeit für seinen exotischen Garten? Er war nämlich zu der Zeit städtischer Musikdirektor in Hamburg, leitete seinen eigenen Verlag und nebenbei noch die Oper am Gänsemarkt. Seine zweite Frau Maria Catharina, von der er zu diesem Zeitpunkt beinah 15 Jahre lang getrennt lebte, weil sie ihn betrogen hatte, ging zurück nach Frankfurt am Main. Das war für Telemann der Anlass, um seinen Verlag, den er nicht nur wegen künstlerischer Ambitionen, sondern auch aus finanzieller Not heraus gegründet hatte, aufzulösen und Gärtner zu werden.

Doch nicht nur die Zeit, sondern auch seine vielen Kontakte trugen dazu bei, dass Telemanns Garten immer größer und exotischer wurde. Besonders hilfreich waren dabei seine Kontakte aus der Musikwelt. So wendete er sich zum Beispiel an Albrecht von Haller, den Begründer des Botanischen Gartens in Göttingen. Von ihm erhielt er zahlreiche seltene Sämereien. Der Garten des großen Blumenliebhabers wurde über die Jahre so bekannt, dass Christlob Mylius, ein Vetter Lessings, berichtete, dass in Telemanns Garten „viel fremde und schöne Pflanzen“ seien. Noch 1843 wurde er zu den bedeutendsten Hamburger Gärten des vergangenen Jahrhunderts gezählt. 

Über 50 Jahre später wurden auch in Magdeburg Gärten oder vielmehr Häuser gegründet, die bis heute exotische Pflanzen beherbergen – die Gruson-Gewächshäuser. Dort lädt der Innenhof mit einem Telemann-Garten zum Verweilen ein. Viele Pflanzen aus Telemanns ehemaligem Garten wurden in seiner Geburtsstadt Magdeburg gepflanzt und laden hier zum Erkunden ein. Eröffnet wurde der Garten am 3. Juni 2012. In diesem Jahr könnt ihr ihn bis Mitte Oktober besuchen und Telemanns „Bluhmen-Liebe“ entdecken.

Telemanns Garten
Telemanngarten
Gruson-Gewächshäuser
Hermann August Jacques Gruson

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 22. Juni 2017

22. Juni 2017 – Zur Erinnerung an Georg Philipp Telemann
In genau drei Tagen, nämlich am 25. Juni, jährt sich der Todestag des berühmten Magdeburger Komponisten zum 250. Mal. Seit Beginn des Jahres zeigen ihm zu Ehren zahlreiche und in ihrer Form ganz unterschiedliche Veranstaltungen, wer Telemann war und was ihn auch heute noch so bedeutend macht. Doch wir feiern den berühmten Komponisten nicht nur bei uns in Magdeburg, sondern auch in anderen Orten, die wichtige Stationen in seinem Leben waren.

Das so entstandene Netzwerk aus insgesamt zehn Städten – neben Magdeburg gehören Clausthal-Zellerfeld, Hildesheim, Leipzig, Żary, Pszczyna, Eisenach, Frankfurt am Main sowie Hamburg und Paris dazu – wäre ganz im Sinne Telemanns gewesen. Er selbst hatte sich Zeit seines Lebens ein großes Beziehungsnetzwerk in ganz Europa aufgebaut und damit den so wichtigen Austausch befördert. Telemann – ein musikalischer Kosmopolit mit Strahlkraft weit über unsere Stadtgrenzen hinaus.

Um eben diesen modernen Europäer gebührend zu würdigen, gibt es in unserer Stadt verschiedene Erinnerungsstätten. Und diese sind ebenso verstreut und vielseitig, wie einst das Netzwerk seiner Kontakte. Hat sich in unserem letzten Beitrag noch alles um den jungen Georg Philipp Telemann gedreht, machen wir auf unserer heutigen Reise ein paar Sprünge durch die Zeit seines Erwachsenenlebens – die Zeit, in der sich seine Strahlkraft schon voll entfaltet hatte. In Gedenken an seinen Todestag besuchen wir heute drei Erinnerungsorte:

Wir befinden uns am Magdeburger Dom und laufen über den Platz wieder zurück auf der Regierungsstraße, doch diesmal nicht bis zum Ende. Denn vorher biegen wir in die Große Klosterstraße ein und sehen schon von Weitem unsere erste Station.

Telemann und die vier Temperamente

Telemann und die vier Temperamente von Eberhard Roßdeutscher
Telemann und die vier Temperamente von Eberhard Roßdeutscher

Auf großen schlanken Säulen, die an Orgelpfeifen erinnern, sind Telemann und vier Frauen zu sehen. Wir gehen näher heran und entdecken, dass der Komponist einen Dirigentenstab in der Hand hält und die Damen um ihn herum auf ganz unterschiedliche Weise zu dirigieren scheint.

Die Figurengruppe „Telemann und die vier Temperamente“ steht seit 1981 an diesem Platz, direkt gegenüber dem Kloster Unser Lieben Frauen. Der Bildhauer Eberhard Roßdeutscher hatte das Kunstwerk anlässlich des 300. Geburtstages Telemanns gestaltet.

Die Lehre von den vier Temperamenten stammt bereits aus der Antike und nicht nur Telemann hatte sich mit ihr beschäftigt, sondern auch andere Komponisten wie Johannes Brahms oder Carl Nielsen. Auch in der Literatur ist dies ein viel bearbeiteter Stoff und sogar die moderne Persönlichkeitspsychologie orientiert sich an ihr. Die antike Lehre teilt nämlich die Menschen nach ihrer Grundwesensart in vier Temperamente ein: die Sanguiniker, die Choleriker, die Melancholiker und die Phlegmatiker. Um es euch zu verdeutlichen, dient das Gleichnis mit dem Stein.

Stellt euch vor, ein großer Stein versperrt euch den Weg. Lasst ihr euch davon nicht beirren und springt oder klettert über ihn hinweg, gehört ihr zu der Gruppe der Sanguiniker. Geratet ihr jedoch in Rage und versucht womöglich, den Stein mit eigener Kraft aus dem Weg zu räumen, seid ihr wohl Choleriker. Die Phlegmatiker unter euch versuchen, dem Problem aus dem Weg zu gehen – wortwörtlich machen sie einen großen Bogen um den Stein herum. Die Melancholiker hingegen werden beim Anblick des Steins ihren Weg in Frage stellen und sich traurig auf den Stein setzen, um nachzudenken und ihr Vorhaben zu reflektieren.

Ebenso unterschiedlich wie die menschlichen Gemüter präsentieren sich auch die vier Frauen um Telemann herum. Zwei von ihnen stehen, die anderen beiden liegen und jede von ihnen nimmt eine andere Haltung ein. Geht doch mal vorbei und rätselt mit, welche der Damen welches Temperament verkörpert.

Telemann dirigiert umgeben von vier Frauenfiguren
Telemann dirigiert umgeben von vier Frauenfiguren
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Wir laufen weiter und nehmen die Abkürzung durch den kleinen Park am Prämonstratenserberg. Unser nächstes Ziel ist nämlich das Alte Rathaus. Wir überqueren die Ernst-Reuter-Allee und gehen auf der Hartstraße direkt darauf zu. Diesmal müssen wir jedoch etwas näher heran, um Telemann zu entdecken.

Telemann und die Muse

Auf der historischen Rathaustür, die heute nicht mehr als Eingang genutzt wird, hat der Künstler Heinrich Apel die Geschichte Magdeburgs auf insgesamt 14 verschiedenen Bronzeplatten verewigt. Und wer darf da natürlich nicht fehlen? Richtig, Georg Philipp Telemann. Wir stehen direkt vor der großen und eindrucksvollen Tür und finden den Komponisten auf eine der unteren Platten auf der linken Seite.

„Telemann und die Muse“ wird dieser Teil der Tür genannt. Zu sehen ist der Musiker vor einem Dirigentenpult und die Muse, die als Engel vom Himmel kommt, reicht ihm ein Instrument – wahrscheinlich eine Viola oder Violine. So von der Muse geküsst, komponierte Telemann viele seiner berühmten Stücke. Seit 1970 wird an dieser präsenten und wichtigen Stelle der Stadt an den Magdeburger Komponisten erinnert.

Bronzene Rathaustür gestaltet von Heinrich Apel
Telemann und die Muse
Die Rathaustür besteht aus 14 Bronzeplatten, die die Geschichte Magdeburgs zeigen.

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Vier Jahre später kam ein weiteres Kunstwerk hinzu. Dafür müssen wir nun zur Elbuferpromenade, am besten über die Johannisbergstraße und über das Schleinufer hinweg. Wir laufen links am Fahnenmonument vorbei und auf die Promenade.

Der Fährmann

Der Fährmann von Eberhard Roßdeutscher
Der Fährmann von Eberhard Roßdeutscher

Direkt vor uns liegt nun eine weitere Plastik von Eberhard Roßdeutscher: „Der Fährmann“ befindet sich auf einer hohen Steinsäule, bestimmt drei bis vier Meter über unseren Köpfen. Wir müssen das Kunstwerk, zu dem auch noch fünf kleinere Steinplastiken gehören, erst einmal von Weitem erfassen.

Dann gehen wir näher heran und entdecken auf den kleineren Steinsockeln verschiedene Motive. Das Kunstwerk zeigt nämlich Szenen aus dem Opernintermezzo „Pimpinone“. Das musikalische Lustspiel von Georg Philipp Telemann wurde 1725 am Theater des Hamburger Gänsemarktes uraufgeführt. Das Werk war Telemanns größter Bühnenerfolg und erzählt die Geschichte von einem alten reichen Mann, der von einer jungen Frau umgarnt und an der Nase herumgeführt wird.

Im 19. Jahrhundert verschwand das Werk von den Bühnen und geriet in Vergessenheit. Im Zuge der Telemann-Renaissance im 20. Jahrhundert wurde es wiederentdeckt und entsprechend gewürdigt. Gemunkelt wird, dass Telemann den Stoff aufgrund eigener schlechter Erfahrungen mit seiner zweiten Frau aufgriff. 1714 hatte der damals über 30-Jährige die gerade mal 16 Jahre alte Maria Catharina Textor geheiratet. Nach 20 Ehejahren und neun gemeinsamen Kindern, ließ sich das Paar scheiden. Als Gründe werden Ehebruch oder Glücksspiel vermutet – Maria Catharina soll dabei eine große Summe Geld verloren haben. Wer sehen möchte, wie Eberhard Roßdeutscher diese Betrugsthematik umgesetzt hat, sollte sich das Kunstwerk einmal anschauen.

Das junge raffinierte Mädchen und der alte reiche Mann
Das junge raffinierte Mädchen und der alte reiche Mann
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Und weil die Zahl drei sich heute durch unseren Beitrag zieht, möchten wir euch gern noch auf drei Highlights im Veranstaltungskalender der Telemania 2017 hinweisen, die ihr nicht verpassen solltet.
  • Morgen Abend könnt ihr nämlich Till Brönner & Orchestra erleben. Das Konzert beginnt um 20.00 Uhr im Stadtpark, sollte es regnen, wird es in die Stadthalle verlegt. Karten sind noch an der Abendkasse für 51,85 Euro erhältlich. Achtung!! Die Veranstaltung wurde aufgrund der enormen Unwetterschäden im Stadtpark abgesagt.
  • Am Samstag heißt es dann „Lange TelemannNacht“ im Klosterbergegarten. Ab 18.00 Uhr beginnt das Spektakel, das uns ins 18. Jahrhundert und mit allen Sinnen zurück in die Telemannzeit bringt. Ab 18.00 Uhr geht es los. Und auch dafür sind noch Karten für 10 Euro an der Abendkasse erhältlich. Der Eintritt für Kinder bis sechs Jahren ist frei. Achtung!! Die Veranstaltung wurde aufgrund der enormen Unwetterschäden im Klosterbergegarten abgesagt.
  • Zum Gedenken an seinen Todestag vor 250 Jahren werden die Magdeburger Blechbläser am Sonntag um 15.00 Uhr an der Telemann-Stele ein Ständchen bringen. Dazu sind alle Interessierten herzlich willkommen.
Till Brönner, Foto: Matthias Piekacz
Lange TelemannNacht Serkowitzer Volksoper, Foto: Robert Jentzsch
Ein Geburtstagsständchen am 14. März 2017
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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 1. Juni 2017

1. Juni 2017 – Unser vorheriger Beitrag hat uns mit der Telemann-Straßenbahn quer durch die Stadt geführt. Am Opernhaus sind wir wieder ausgestiegen und laufen nun in Richtung Süden den Breiten Weg entlang, vorbei am Allee-Center, an Telemanns Gedenkstele, durch die Fußgängerzone der Regierungsstraße und noch darüber hinaus. Denn unser heutiges Ziel ist die zweite Bildungsstätte des jungen Georg Philipp Telemanns.

Magdeburger Dom
Magdeburger Dom

Nach seiner Ausbildung am Altstädtischen Gymnasium besuchte er nämlich die Domschule, die sich im südlichen Teil des Kreuzganges im Magdeburger Dom befand. Als einst älteste Schule der Stadt bekam sie im 16. Jahrhundert im Zuge der Reformation starke Konkurrenz durch das Altstädtische Gymnasium. Wie wir euch bereits erzählt haben, war das Gymnasium eine der ersten evangelischen Stadtschulen Deutschlands. Da die Domschule katholisch blieb und sich der neuen Lehre verschloss, musste der Schulbetrieb 1530 sogar eingestellt werden.

1567 wurde dann im Magdeburger Dom die erste evangelische Predigt abgehalten. Jedoch waren die Überlegungen, dort eine evangelische Schule einzurichten, angesichts des gutlaufenden Altstädtischen Gymnasiums überflüssig. Erst 100 Jahre später wurden die Pläne zur Schulgründung wieder konkret. Am ersten Adventssonntag wurde von der Domkanzel verkündet, „daß nun mehr eine ganz freie Schule beim Dom angerichtet sei“. Gegründet als reine Elementarschule mit nur einer Klasse entwickelte sich die Schule schnell zu einer höheren Schule, die ihre Schüler in mehreren Klassen auf das Studium an einer Universität vorbereitete.

An eben dieser Domschule kam der junge Telemann erstmals in Berührung mit der deutschen Dichtung. Eine besondere Rolle spielte dabei der damalige Rektor Christian Müller, der ihm wie Telemann selbst in seiner Biografie schrieb „die erste Liebe zur Dichtkunst einpflanzte“. Schon in unserem letzten Beitrag haben wir euch von der poetischen Ader des Komponisten berichtet. Der Grundstein dafür wurde eben an dieser Schule gelegt.

Gedicht "Musik - der edelste Zeitvertreib"

Den schönsten Zeitvertreib in unserem ganzen Leben
weiß doch Musik allein zu geben.
Denn alles, was wir sonst nur von der Wollust wissen
- es sei ein guter Wein, ein leckerhafter Bissen,
die Schlittenfahrt,
das Spiel, die Jagd und was noch mehr von solcher Art -,
sind im Beschluß,
nach vorgebrauchtem Überfluß,
wo nicht mit Schaden, Schmerz, Verdruß,
doch wenigstens mit Ungemach gepaart.

Allein Musik kennt nichts als lauter Güte:
Der Anfang ist bequem,
das Mittel angenehm,
das Ende wirkt ein ruhiges Gemüte.

Allen Kummer, alles Leid
kann die Harmonie begraben.
Wie das Meer bei sanfter Stille
seine Flut als wiegend regt,
also wird des Menschen Wille
durch der Töne Kraft bewegt,
daß ihn, frei vom Sorgen-Streit,
sanfte Ruh und Stille laben.

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Angeregt von der Beschäftigung sowohl mit der Musik als auch der Literatur begann Telemann schon in Magdeburg zu komponieren. Eben diese ersten Anfänge seines künstlerischen Schaffens stellt das Stück „Das Glück des Gauklers“, das am 2. Juni im Gesellschaftshaus Premiere feiert, in den Fokus.

Denn als der gerade mal 12-jährige Telemann in Magdeburg seine erste Oper aufführte, in der er selbst die Titelpartie sang, wähnte ihn seine entsetzte Familie auf dem direkten Weg in sein persönliches Unglück und sah ihn als Spielmann oder Gaukler über die Jahrmärkte ziehen. Dass sie sich damit gewaltig täuschten, zeigt das Stück über das beeindruckende Leben des Komponisten. Neben der Premiere am 2. Juni um 19.00 Uhr im Schinkelsaal des Gesellschaftshauses könnt Ihr auch die Vorstellungen am 3., 23. oder 24. Juni besuchen.

Das Glück des Gauklers, Quelle: Kathrin Singer, Telemann-Zentrum
Das Glück des Gauklers, Quelle: Kathrin Singer, Telemann-Zentrum

Und noch ein heißer Tipp für die nächste Juniwoche: In „Telemann ist bigger than …“ könnt Ihr am 9. Juni im AMO-Kulturhaus die spannende Zusammensetzung aus alt und neu erleben. Das junge Künstlerkollektiv „Migges mit Attitude“ zeigt in Kooperation mit „Telemania2017“ die Kombination aus Barockmusik und Hip Hop. Dafür verschmelzen die Klänge des Jugendsinfonieorchesters des Georg-Philipp-Telemann-Konservatoriums mit Rap, DJ‘ing, Graffiti und Breakdance zu einer mitreißenden Bühnenshow.

Damit sind wir für heute schon wieder am Ende unserer Reise. Schaut doch vielleicht mal am oder im Magdeburger Dom vorbei und lasst die Geschichten dieses historischen Gebäudes auf euch wirken. Es gibt auch noch einiges zu entdecken – auch was Telemann betrifft. In der nordwestlichen Ecke des Kreuzgangs zum Beispiel befindet sich der Grabstein des Taufpaten und Namensgebers Telemanns, des damaligen Domherren Georg Philipp von Veltheim.

Grabstein Georg Philipp von Veltheims
Grabstein Georg Philipp von Veltheims
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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 18. April 2017

18. April 2017 –  Telemann bewegt! – Und damit meinen wir nicht nur uns und unsere virtuelle Reise durch Magdeburg entlang der wichtigsten Lebensstationen des Komponisten. Nein, denn bereits seit einem Jahr bewegt er etwa 100 Mädchen und Jungen, Jugendliche und junge Erwachsene verschiedener Schulen in unserer Stadt.

Telemann bewegt
"Telemann bewegt"

Unter dem Motto „Telemann bewegt“ sind sie ebenfalls auf der Spurensuche durch Magdeburg und erkunden Orte, die in Verbindung mit dem Komponisten stehen. Immer an ihrer Seite: Magdeburger Künstler und Theaterpädagogen. Sie unterstützen die Schüler im Alter von 12 bis 20 Jahren dabei, ihre Inspiration in szenische Aktionen umzusetzen. Mit Hilfe theaterpädagogischer Methoden drücken die jungen Menschen in verschiedenen Gruppen ihre Erlebnisse mit Telemann durch Gesang, Musik, Bewegung und szenische Gestaltung aus.

So lernten unter anderem Schüler der Gemeinschaftsschule Wilhelm Weitling aus Olventstedt, inspiriert von der Musik Telemanns und unter Anleitung des Ballettlehrers Alexander Semenchukov, barocke Tänze, wie sie im 17. Jahrhundert üblich waren. In zwei langen Reihen, dem Tanzpartner jeweils gegenüber angeordnet, zeigten die Jungen und Mädchen bereits in der Pressekonferenz am 23. März in den Gruson-Gewächshäusern, wie sich feine Damen und edle Herren zu Telemann’schen Kompositionen bewegten.

Dank des Theaters Magdeburg, das die Aktion im Rahmen des Telemann-Jahres 2017 ins Leben gerufen hat, wird für die Jugendlichen ein Zugang zu dem seit 250 Jahren verstorbenen Komponisten geschaffen. Telemann wird damit für sie erlebbar.

Wer nicht verpassen möchte, was die jungen Künstler bewegt und was sie gelernt haben, der sollte sich den 21. April dick im Kalender anstreichen. Dann nämlich präsentieren die Schüler an vier verschiedenen Stationen im Rahmen einer moderierten und inszenierten Stadtrundfahrt das Einstudierte. Dadurch wird Telemanns Wirken im öffentlichen Raum – also in den Gruson-Gewächshäusern, im Gesellschaftshaus, im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen und im Modehaus Papenbreer – sichtbar.

In welcher Verbindung diese vier Stationen mit dem Magdeburger Komponisten stehen, erfahrt ihr während der Stadtrundfahrten. Diese beginnen um 14.00, 16.00 und 18.00 Uhr – Treffpunkt sind die Gruson-Gewächshäuser. Die Karten gibt es für 5 Euro/3 Euro (ermäßigt) an der Theaterkasse im Opernhaus, telefonisch unter 0391 40 490 490 oder online unter www.theater-magdeburg.de.

Alle interessierten Magdeburgerinnen und Magdeburger sowie Gäste der Stadt sind herzlich eingeladen die Telemannstadt Magdeburg durch die Präsentation der Schülerinnen und Schüler auf völlig neue Weise zu erleben.

Schüler machen Telemann erlebbar
Dr. Ludwig Martin, wissenschaftlicher Leiter der Gruson-Gewächshäuser
Jugendprojekt
Barocke Tänze der Schüler
Theaterpädagoge Matthias Brandt und Tom Wolter, Vorstandsvorsitzender des Landeszentrums Spiel & Theater Sachsen-Anhalt
Schüler der Gemeinschaftsschule

Und apropos Schule – natürlich hat auch der junge Telemann eine Magdeburger Schule besucht. Unsere heutige Station führt uns etwas weiter in den Norden der Stadt. Von der Goldschmiedebrücke aus gehen wir entlang des Breiten Weges, vorbei am Alten Markt und biegen nach Westen in die Julius-Bremer-Straße ein. An der Ecke zur Max-Otten-Straße – dort, wo sich heute ein Zoofachgeschäft befindet – stand einst das Altstädtische Gymnasium, das Telemann ab dem Alter von ungefähr zehn Jahren besuchte. Auch dieses Gebäude ist leider im Zweiten Weltkrieg zu großen Teilen zerstört worden. Im Jahr 1959 wurde die geschichtsträchtige Ruine  dann endgültig abgetragen.


Altstädtisches Gymnasium, Quelle: Stadtarchiv Magdeburg
Altstädtisches Gymnasium, Quelle: Stadtarchiv Magdeburg

Bevor nämlich das Altstädtische Gymnasium ab 1524 in das Gebäude einzog, waren dort die Mönche des Franziskanerordens ansässig. Sie hatten im 13. Jahrhundert den Grundstein für das einstige Kloster gelegt. Als drei Jahrhunderte später die Reformation Magdeburg erreichte, versuchten die Ordensleute durch Predigten gegen die neuen Glaubenssätze anzukämpfen – wenig erfolgreich. Ab Mitte des 16. Jahrhunderts ging die Nutzung an die evangelische Stadtschule über. Das Altstädtische Gymnasium war im Zuge der Reformation als eine der ersten städtischen Lateinschulen Deutschlands eröffnet worden.

Nicht einmal zehn Minuten brauchte der junge Georg Philipp, um von seinem Elternhaus zur Schule zu gelangen. Dort, wo wichtige Kantoren und Musikdirektoren wirkten, konnte er sich in etwas vertiefen, wofür er sich schon vor dem Schulbesuch interessiert hatte – in die Musik. Autodidaktisch hatte er sich mit dem Violinen-, Flöten- und Citherspiel beschäftigt, und erfreute damit nicht nur seine Familie, sondern auch die Nachbarn.

Schon mit diesem Selbststudium wurde deutlich, dass Telemann außerhalb der gängigen Konventionen dachte. Den vermutlich einzigen Instrumentalunterricht bei einem unbekannten Magdeburger Organisten brach er mit der Begründung ab, dass dieser „mit der deutschen Tabulatur erschreckte, die er eben so steiff spielte, wie vieleicht sein Grosvater gethan, von dem er sie geerbet hatte" (Autobiographie 1740).

Überhaupt nicht steif und weit ab von üblichen Konventionen geht es auch im Programm des Telemann-Jahrs weiter. Nicht unweit der heutigen Station erwartet uns demnächst eine musikalische Überraschung. Geht doch mal vorbei an der Stelle, an der ehemals die Altstädtische Schule stand und dann lauscht, ob ihr vielleicht schon aus der Ferne ein paar Telemannklänge vernehmt, die immer näher und näher und näher kommen…

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 17. Mai 2017

17. Mai 2017 – Das Telemannjahr nimmt richtig Fahrt auf!
Wo immer wir stehen und gehen, begegnet uns Georg Philipp Telemann. In Gedanken sind wir noch am letzten Ort unserer virtuellen Reise – dort, wo Telemann einst lernte, am Altstädtischen Gymnasium. Wir setzen unseren Spaziergang entlang des Breiten Weges in Richtung Norden fort. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, die Menschen strahlen und genießen den Tag.

Telemann lädt zur Fahrt in Kulturstraßenbahn ein, Quelle: Georg Bandarau, Pro M
"Telemann" lädt zur Fahrt in Kulturstraßenbahn ein, Quelle: Georg Bandarau, Pro M

Doch was ist das? Wir werden von einer Männerstimme aus den Gedanken gerissen. „Heute werde ich mit Ihnen eine ganz besondere Fahrt unternehmen, eine Fahrt, bei der ich Ihnen viel über mein Leben in dieser schönen Stadt erzählen möchte.“ Ein Mann mit blond gelocktem Haar und einem barocken Gehrock in purpurrot spricht nur wenige Meter von uns entfernt in ein Mikrofon. Er erinnert uns stark an Telemann und siehe da: Es ist Michael Schenk, der die Rolle Telemanns nicht nur spielt, sondern regelrecht lebt. Wann immer es in diesem Jahr um den berühmten Komponisten geht, ist Michael Schenk nicht weit.

Telemann-Straßenbahn
Telemann-Straßenbahn

Doch von welcher Fahrt spricht er? Das wollen wir genauer wissen. Neugierig nähern wir uns der Menschengruppe, die ihm ebenso gespannt zuhört. Wir erfahren, dass uns in einer Kulturstraßenbahn in den kommenden 90 Minuten ein spannendes Programm erwartet. In einer Kulturstraßenbahn? Die Bahn fährt an der Haltestelle am Opernhaus vor und schon wieder sehen wir Telemann – sein Konterfei blickt uns von dieser entgegen. Die Türen öffnen sich. Wir sind gespannt und steigen ein, ebenso wie „Telemann“ und viele andere Interessierte.

Telemann in der Kulturstraßenbahn
"Telemann" in der Kulturstraßenbahn

Die Straßenbahn fährt los. „Telemann“ beginnt Geschichten aus seinem Leben zu erzählen. Und schon bald vernehmen wir schöne Töne. Musikalisch eingestimmt werden wir von dem Musiker Martin Müller, der ein Stück Telemanns auf dem Akkordeon spielt und die perfekte Harmonie zwischen der Barockkomposition und dem Jazz findet.

Ihm folgt der ehemalige Domprediger Giselher Quast. Und er offenbart uns ein weiteres Talent Telemanns. Denn dieser verstand es auch, mit Worten umzugehen. Telemann schrieb Gedichte. Unter denen, die Giselher Quast vorträgt, findet sich eines, indem Telemann in Worte fasste, was ihn nach dem Tod seiner ersten Frau, Amalie Luise Juliane, bewegte. Sie starb bei der Geburt ihrer ersten Tochter am Kindbettfieber. Die beiden waren zu dem Zeitpunkt nicht einmal zwei Jahre verheiratet. Der Verlust muss für den Komponisten sehr groß gewesen sein. Kennengelernt hatten sich die beiden vermutlich über den bekannten Komponisten Daniel Eberlin, den Vater der ersten Frau Telemanns …

Wer noch mehr über das Leben Georg Philipp Telemanns erfahren möchte, sollte die nächsten Fahrten der Kulturstraßenbahn nicht verpassen. Die Bahnen starten jeweils um 18.00 Uhr an der Haltestelle am Opernhaus und enden auch dort: am 24. Mai sowie am 7., 14. und 19. Juni.

Eine weitere schöne Möglichkeit, die Lebensgeschichte Telemanns zu entdecken, erwartet uns schon am kommenden Samstag. „Telemann in Pop“ heißt das Musical, mit dem die 19-jährige Karolina Grunwald vor allem junge Leute erreichen und begeistern will.

Die Premiere des Jugendprojektes ist am Samstag, den 20. Mai 2017, um 19.00 Uhr im Gesellschaftshaus. Die Karten gibt es für 5,00 Euro/ermäßigt 3,00 Euro zzgl. VVK-Gebühren unter der Telefonnummer 0391 540 6777.

Telemann in Pop, Quelle: Kathrin Singer, Telemannzentrum
Telemann in Pop, Quelle: Kathrin Singer, Telemannzentrum

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 20. März 2017

20. März 2017. Heute ist es ganz offiziell: Der Frühling beginnt – endlich. Ein angenehm lauwarmer Wind weht durch die Straßen und Gassen Magdeburgs. In der Innenstadt herrscht geschäftiges Treiben. Begonnen haben wir unsere Reise in der vergangenen Woche auf den Wogen des Ständchens zu Telemanns 336. Geburtstag an seiner Gedenkstele in der Goldschmiedebrücke. Nicht weit davon entfernt, etwas weiter östlich, und noch im Blickfeld Telemanns, findet sich ein Bronzemodell einer Kirche – der Heilig-Geist-Kirche.
Bronzemodell der Heilig-Geist-Kirche in der Goldschmiedebrücke
Bronzemodell der Heilig-Geist-Kirche in der Goldschmiedebrücke

Nur drei Tage nach seiner Geburt im Jahr 1681 wurde Georg Philipp Telemann in eben dieser Kirche getauft. Sein Vater, Heinrich Telemann, war dort seit 1676 zweiter Pfarrer. Das einst prächtige historische Gebäude ist, wie so viele andere Kirchen Magdeburgs, während des Zweiten Weltkriegs stark zerstört worden. Die Substanz blieb jedoch erhalten. Und noch 1948 begann man damit, sie wieder aufzubauen. Zwei Jahre später konnte der erste Gottesdienst abgehalten werden. Doch die Kirche passte nicht in das Konzept zum Aufbau einer sozialistischen Großstadt. 1959 wurde sie gesprengt. Heute erinnert nur noch ein Bronzemodell im Maßstab von 1:20 an die Kirche, in der Telemann und vermutlich auch seine Geschwister getauft wurden.

Modell der Taufkirche Georg Philipp Telemanns mit der Gedenkstele im Hintergrund
Modell der Taufkirche Georg Philipp Telemanns mit der Gedenkstele im Hintergrund

Was wir bereits aus dieser und auch aus der ersten Station unserer Reise auf den Spuren Georg Philipp Telemanns lernen, ist: Um die Verbindung zwischen Magdeburg und dem großen Komponisten zu verstehen, brauchen wir an vielen Stellen unsere Vorstellungskraft. Fantasie und Visionen sind sicher auch das, was Telemann belebte und seine Kunst voranbrachte.

Dass diese Kunst auch 250 Jahre nach seinem Tod noch lebendig ist, hat uns am Wochenende das spannende Finale des 9. Internationalen Telemann-Wettbewerbs eindrucksvoll bewiesen. In diesem Jahr war der Wettbewerb erstmals für Gesang ausgeschrieben. Sängerinnen und Sänger aller Nationen, die nach dem 10. März 1982 und vor dem 10. März 1999 geboren sind, waren dazu aufgerufen, Telemann mit ihrer Musik wieder aufleben zu lassen.

Das Leipziger Barockorchester übernahm mit Freude die musikalische Begleitung im Finale und im Abschlusskonzert. Insgesamt mussten die Sängerinnen und Sänger in drei Runden bestehen, bis am Samstag die Preisträger bekanntgegeben werden konnten. In diesem Jahr traten im vielversprechenden Finale das erste Mal nur Frauen gegeneinander an, die die Gäste und auch die Jury mit ihren Stimmen verzauberten und sie mit auf eine musikalische Reise nahmen. „In Magdeburg herrscht eine phantastische Atmosphäre. Die Seelen waren frei, die Ohren aufmerksam, die Laune gut“, beschreibt Jurymitglied Marek Rzepka die Stimmung im Gesellschaftshaus. Über den 1. Preis, den Preis der Mitteldeutschen Barockmusik, konnte sich Geneviève Tschumi freuen. Wer die 28 Jahre alte Mezzosopranistin aus der Schweiz verpasst hat, kann sich auf die nächsten Telemannfesttage im kommenden Jahr freuen, denn dann wird Geneviève Tschumi wieder eindrucksvoll beweisen, wie lebendig die Kunst Telemanns auch heute noch ist.

Geneviève Tschumi, Gewinnerin des 9. Internationalen Telemann-Wettbewerbs
Geneviève Tschumi, Gewinnerin des 9. Internationalen Telemann-Wettbewerbs. Foto:Viktoria Kühne

Neben der Musik hatte Telemann noch eine weitere Passion, von der bisher sicher nur die wahren Kenner des Komponisten wussten. Auch Blumen zogen ihn in ihren Bann. Ihre Kraft entfaltet sich ebenso wie die der Musik auf besondere Weise. Telemann suchte die Welt mit allen Sinnen zu entdecken. Deswegen unser Tipp für euch zum Frühlingsanfang: Ein Vortrag über diese „Blumenliebe“ des Komponisten am 22. März 2017. Berichten wird darüber der Telemannforscher Ralph-Jürgen Reipsch in der Stadtbibliothek. Dazu wird Telemanns Musik erklingen und euch eine andere Seite, nämlich seine Blumenliebe, näherbringen.

Telemanns Blumenliebe
Telemanns "Blumenliebe"

Für heute sind wir mit unserer Reise schon wieder am Ende. Seid gespannt und freut euch auf die nächsten Stationen. Und vielleicht habt ihr ja Lust und Zeit, und geht auf dem Weg zu einer unserer vielfältigen Veranstaltungen an den zwei bisherigen Berührungspunkten vorbei. Lauft dort, wo einst der junge Telemann lief. Lasst euch inspirieren, dort wo einst der junge Telemann inspiriert wurde und erlebt die Kultur Magdeburgs. Auf den Spuren Telemanns zu wandeln, macht ihn auch 250 Jahre nach seinem Tod in Magdeburg noch immer real.

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 14. März 2017

14. März 2017. Kalt und grau waren der Januar und der Februar. Endlich ist März und die ersten Sonnenstrahlen locken uns nach draußen. Wir haben gewartet auf die Märzsonne. Wir haben gewartet auf den Frühling und wir haben gewartet auf Telemann. Auf Telemann? Fragt sich jetzt sicher der ein oder andere.

Ja! Denn in diesem Jahr feiern wir den großen Magdeburger Komponisten. Damit ehren wir nicht nur ihn und sein Werk. Wir wollen Kulturhauptstadt werden. Und Telemann wird uns dabei unterstützen.

Um uns darauf einzustimmen und auch fragende Blicke in Interesse umzuwandeln, nehmen wir die Magdeburgerinnen und Magdeburger mit auf eine virtuelle Reise – eine Reise durch unsere Stadt, durch die Geschichte, vorbei an den Berührungspunkten mit Telemann und seinem wichtigen Erbe für uns.

Lasst euch anstecken von der Begeisterung, seid ein bisschen Telemania. Und vielleicht zieht euch nicht nur der Frühling nach draußen, sondern auch Telemann in seinen Bann und ihr habt Lust auf all die spannenden Veranstaltungen, die uns in diesem Jahr erwarten.

Der Startpunkt unserer Reise liegt zwischen dem Allee-Center und der Regierungsstraße. Läuft man nämlich südlich des Centers entlang der Goldschmiedebrücke in Richtung Westen, stößt man unweigerlich an der Querung zur Fußgängerzone der Regierungsstraße auf eine große dunkelgraue Granittafel. Darauf zu sehen ist Telemann – zumindest sein Kopf. Aus einer etwas erhöhten Position hat er einen guten Blick auf das Geschehen vor dem Allee-Center. Und womöglich blickte er vor über 300 Jahren, noch in den Anfängen seines Lebens, auf dieselbe Stelle – natürlich mit einer anderen Aussicht.

Denn sein Geburtshaus wird eben dort vermutet. Zerstört vom Krieg und überbaut von modernen Gebäuden ist davon heute nichts mehr zu sehen – nur Telemanns wachsamer Blick, der bleibt. Seit 2011 steht die Gedenkstele nun schon an diesem Ort. Und neben seinen Lebensdaten und einem Ausschnitt aus der Ouvertüre zu Telemanns berühmter Oper Der geduldige Socrates – die humorvolle Oper war Telemanns Einstieg in die Hamburger Musikszene – entdecken aufmerksame Magdeburger sowie Gäste unserer Stadt einen Ausspruch des berühmten Komponisten:

„Wer vielen nutzen kann, tut besser, als wer nur für wenige was schreibet.“

Eine wichtige Aussage, die einiges über die Persönlichkeit Telemanns verrät. Er dachte nicht in Kleinem, schrieb nicht für sich oder die Kunst, sondern für alle. Er war das, was man heute einen Kosmopoliten nennt. Kein anderer prägte die Barockmusik des 18. Jahrhunderts so sehr wie Telemann. Er vermochte es, Einflüsse aus ganz Europa in seine Musik zu bringen und aus dieser Vielfalt eine Einheit zu schaffen.

Doch noch nicht zu viel vorweg, wir stehen ja noch ganz am Anfang. Am 14. März 1681 – also auf den Tag genau vor 336 Jahren – wurde Georg Philipp Telemann in Magdeburg geboren. Vermutlich in einem Pfarrhaus in der heute überbauten Heilig-Geist-Straße, vermutlich an der besagten Stelle.

Um seinen Geburtstag gebührend zu feiern, haben sich heute Vormittag Telemannfreunde eben dort  – an seiner Gedenkstele – versammelt. Angezogen von den musikalischen Beiträgen des Magdeburger Blechbläser Ensembles sind auch einige Interessierte stehen geblieben und lauschten andachtsvoll. Und so stand eine Menschentraube in einem Halbkreis um Telemann herum – der hatte heute also noch mehr zu gucken als sonst – und erinnerte an die Geburt des großen Magdeburger Komponisten.

„Ich bin in Magdeburg geboren“ hieß das Ständchen, das um 10.00 Uhr die Fußgängerzone der Goldschmiedebrücke mit Wohlklängen erfüllte und auch so manchen Telemannneuling anlockte. Neben den Geburtstagsliedern und den vielen Gratulanten durfte sich Telemann übrigens auch über Blumen freuen.

Wer das Ständchen verpasst hat, kann sich von den Klängen in unserem Video mit auf unsere Reise nehmen lassen und sich auf den nächsten Blogbeitrag freuen, wenn es wieder heißt: „Magdeburg blogt über Telemann“.

Bilder vom Geburtstagsständchen

»Ich bin in Magdeburg geboren« vom Magdeburger Blechbläser Ensemble
Magdeburger Blechbläser Ensemble
Ein Geburtstagsständchen am 14. März 2017
Ein Geburtstagsständchen für Telemann an der Gedenkstele
Siegfried Pank, Wettbewerbspräsident Georg-Philipp-Telemann-Wettbewerb
Magdeburger Blechbläser Ensemble im Einsatz
Magdeburger Blechbläser Ensemble gemeinsam mit
Telemann-Gedenkstele
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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 16. August 2017

16. August 2017 – Telemann und die vier Temperamente, Telemann und die Muse und der Fährmann – diese Erinnerungsorte an den berühmten Kosmopoliten haben wir im Juni unserer virtuellen Reise besucht. Inspiriert vom Fährmann lassen wir unsere Gedanken wie das Wasser eines Flusses fließen. Wir gehen am Schleinufer an der Elbe entlang Richtung Süden und denken an Georg Philipp Telemann. Wir denken an seine Musik, sein Werk, sein Leben und fragen uns: Wie war wohl das Leben zu seiner Zeit?

Genau das könnt ihr bei der Langen TelemannNACHT herausfinden, denn diese verspricht jede Menge barockes Lebensgefühl. Wegen der Folgen eines Unwetters abgesagt, kann sie am 1. September 2017 nachgeholt werden.

Wir laufen am Schleinufer entlang und sind beinah auf Höhe des Doms. Kurzerhand lassen wir uns in die Richtung des ersten gotischen Dom auf deutschem Boden treiben und laufen über eine Brücke hinauf zum Fürstenwall. Genau hier werden in wenigen Tagen Gaukler, barocke Spiele und Metallskulpturen in eine andere, in eine telemannsche Welt entführen. Als Teil des Festes zu Ehren eines weiteren großen Sohnes unserer Stadt – Kaiser Otto – eröffnen sich hier zur Langen TelemannNACHT ab 17.00 Uhr neue Perspektiven. Entlang des Hauses der Romanik, des Remtergangs, der Bastion Cleve bis hin zur Schweizer Milchkuranstalt am Fürstenwall wird es musikalisch, spielerisch und auch kulinarisch erlebnisreich.

Lange TelemannNACHT

Lange TelemannNACHT

Magdeburg ist im Telemannfieber! Am 1. September 2017 lädt die Landeshauptstadt im Rahmen des Kaiser-Otto-Festes dazu ein, den Komponisten Georg Philipp Telemann mit allen Sinnen kennenzulernen. Die Lange TelemannNACHT vereint barockes Lebensgefühl, Spiellust und Lebensfreude rund um Telemann und entführt die Gäste von der Bastion Cleve, über den Remtergang und das Haus der Romanik bis hin zum Fürstenwall in eine neue Welt.

Programm Lange TelemannNACHT

Die ehemalige Intendantin des Magdeburger Puppentheaters, Elke Schneider, konnte für die TelemannNACHT 200 Mitwirkende begeistern. Mit dabei sind der Magdeburger Telemann-Chor, das Magdeburger Blechbläserensemble, das Rossini-Quartett, die Ballettschule Semenchukov, Schülerinnen und Schüler des Konservatoriums, das Ensemble des Telemann-Musicals „Telemann in Pop“ und viele mehr.

Gaukler zeigen ihre Künste, barocke Spiele, Tänze und Musik laden zum Mitmachen ein. Die Gäste können sich unter anderem von Musiktherapie, Papiertheater, Puppentheater, barocken Karussellpferden und Barockkutschen in die Welt Telemanns entführen lassen.

Sogar kulinarisch geht es in die Zeit des Barocks: Die Speisen nehmen Bezug auf die regionale Küche, die Georg Philipp Telemann an den unterschiedlichen Orten, an denen er lebte, kennenlernte, und stellen somit eine weitere Verbindung zum 18. Jahrhundert her. Das gesamte Programm Lange TelemannNACHT [PDF: 2,6 MB] finden Sie hier.

Die Lange TelemannNACHT sollte ursprünglich am 24. Juni 2017 stattfinden, musste aber wegen der Sturmschäden im Klosterbergegarten abgesagt werden. Karten, die für die ursprüngliche TelemannNACHT gekauft wurden, sind am 1. September für die Lange TelemannNACHT und das Kaiser-Otto-Fest gültig.

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Angetrieben von der Vorfreude auf die Lange TelemannNACHT haben wir heute noch eine Station zu dem berühmten Künstler vor uns. Vom Fürstenwall aus laufen wir weiter durch eine der schönsten Straßen Magdeburgs, durch die Hegelstraße. Die mit Fassadenschmuck verzierten Häuser entstanden lange nach Telemann in der Gründerzeit von 1880 bis 1920. Von dort aus gelangen wir über die Steubenallee zu den Gruson-Gewächshäusern. Auch diese Tropenhäuser entstanden während der Gründerzeit.

120 Jahre Gruson-Gewächshäuser - Eingang um 1900
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Apropros Tropen und exotische Pflanzen – die gefielen auch Georg Philipp Telemann. Über seine „Bluhmen-Liebe“ haben wir schon einmal berichtet, denn er hatte nicht nur eine Leidenschaft für Kunst und Musik, sondern ebenso für die Pflanzenwelt. So bekannte er in einem Brief an seinen Frankfurter Freund Johann Friedrich Armand von Uffenbach aus dem Jahre 1742:

Ob diese [die Musik] zwar mein Acker und Pflug ist, und mir zum Hauptergetzen dienet, so habe ich ihr doch seither ein Par Jahren eine Gefehrtinn zugesellet, nemlich die Bluhmen-Liebe, welche beyde wechselsweis mich ihrer Annehmlichkeiten theilhaft machen.“

In seinem eigenen Garten trug er damals in Hamburg zahlreiche botanische Raritäten zusammen und ging seiner „Bluhmen-Liebe“ nach. Er listete seinen „Garten-Vorraht“ sogar auf und erstellte damit ein Pflanzenverzeichnis. Tulpen, chinesische Astern, Aloen, Säulenkakteen, Hyazinthen, Narzissen, Pfingstrosen, Kornblumen und viele mehr zierten dieses Verzeichnis und seinen Garten. Doch damit nicht genug. Telemann begab sich auf die Suche nach weiteren exotischen Pflanzen für seine Sammlung.

Und woher nahm Telemann, der rund um die Uhr zu arbeiten schien, die Zeit für seinen exotischen Garten? Er war nämlich zu der Zeit städtischer Musikdirektor in Hamburg, leitete seinen eigenen Verlag und nebenbei noch die Oper am Gänsemarkt. Seine zweite Frau Maria Catharina, von der er zu diesem Zeitpunkt beinah 15 Jahre lang getrennt lebte, weil sie ihn betrogen hatte, ging zurück nach Frankfurt am Main. Das war für Telemann der Anlass, um seinen Verlag, den er nicht nur wegen künstlerischer Ambitionen, sondern auch aus finanzieller Not heraus gegründet hatte, aufzulösen und Gärtner zu werden.

Doch nicht nur die Zeit, sondern auch seine vielen Kontakte trugen dazu bei, dass Telemanns Garten immer größer und exotischer wurde. Besonders hilfreich waren dabei seine Kontakte aus der Musikwelt. So wendete er sich zum Beispiel an Albrecht von Haller, den Begründer des Botanischen Gartens in Göttingen. Von ihm erhielt er zahlreiche seltene Sämereien. Der Garten des großen Blumenliebhabers wurde über die Jahre so bekannt, dass Christlob Mylius, ein Vetter Lessings, berichtete, dass in Telemanns Garten „viel fremde und schöne Pflanzen“ seien. Noch 1843 wurde er zu den bedeutendsten Hamburger Gärten des vergangenen Jahrhunderts gezählt. 

Über 50 Jahre später wurden auch in Magdeburg Gärten oder vielmehr Häuser gegründet, die bis heute exotische Pflanzen beherbergen – die Gruson-Gewächshäuser. Dort lädt der Innenhof mit einem Telemann-Garten zum Verweilen ein. Viele Pflanzen aus Telemanns ehemaligem Garten wurden in seiner Geburtsstadt Magdeburg gepflanzt und laden hier zum Erkunden ein. Eröffnet wurde der Garten am 3. Juni 2012. In diesem Jahr könnt ihr ihn bis Mitte Oktober besuchen und Telemanns „Bluhmen-Liebe“ entdecken.

Telemanns Garten
Telemanngarten
Gruson-Gewächshäuser
Hermann August Jacques Gruson

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 22. Juni 2017

22. Juni 2017 – Zur Erinnerung an Georg Philipp Telemann
In genau drei Tagen, nämlich am 25. Juni, jährt sich der Todestag des berühmten Magdeburger Komponisten zum 250. Mal. Seit Beginn des Jahres zeigen ihm zu Ehren zahlreiche und in ihrer Form ganz unterschiedliche Veranstaltungen, wer Telemann war und was ihn auch heute noch so bedeutend macht. Doch wir feiern den berühmten Komponisten nicht nur bei uns in Magdeburg, sondern auch in anderen Orten, die wichtige Stationen in seinem Leben waren.

Das so entstandene Netzwerk aus insgesamt zehn Städten – neben Magdeburg gehören Clausthal-Zellerfeld, Hildesheim, Leipzig, Żary, Pszczyna, Eisenach, Frankfurt am Main sowie Hamburg und Paris dazu – wäre ganz im Sinne Telemanns gewesen. Er selbst hatte sich Zeit seines Lebens ein großes Beziehungsnetzwerk in ganz Europa aufgebaut und damit den so wichtigen Austausch befördert. Telemann – ein musikalischer Kosmopolit mit Strahlkraft weit über unsere Stadtgrenzen hinaus.

Um eben diesen modernen Europäer gebührend zu würdigen, gibt es in unserer Stadt verschiedene Erinnerungsstätten. Und diese sind ebenso verstreut und vielseitig, wie einst das Netzwerk seiner Kontakte. Hat sich in unserem letzten Beitrag noch alles um den jungen Georg Philipp Telemann gedreht, machen wir auf unserer heutigen Reise ein paar Sprünge durch die Zeit seines Erwachsenenlebens – die Zeit, in der sich seine Strahlkraft schon voll entfaltet hatte. In Gedenken an seinen Todestag besuchen wir heute drei Erinnerungsorte:

Wir befinden uns am Magdeburger Dom und laufen über den Platz wieder zurück auf der Regierungsstraße, doch diesmal nicht bis zum Ende. Denn vorher biegen wir in die Große Klosterstraße ein und sehen schon von Weitem unsere erste Station.

Telemann und die vier Temperamente

Telemann und die vier Temperamente von Eberhard Roßdeutscher
Telemann und die vier Temperamente von Eberhard Roßdeutscher

Auf großen schlanken Säulen, die an Orgelpfeifen erinnern, sind Telemann und vier Frauen zu sehen. Wir gehen näher heran und entdecken, dass der Komponist einen Dirigentenstab in der Hand hält und die Damen um ihn herum auf ganz unterschiedliche Weise zu dirigieren scheint.

Die Figurengruppe „Telemann und die vier Temperamente“ steht seit 1981 an diesem Platz, direkt gegenüber dem Kloster Unser Lieben Frauen. Der Bildhauer Eberhard Roßdeutscher hatte das Kunstwerk anlässlich des 300. Geburtstages Telemanns gestaltet.

Die Lehre von den vier Temperamenten stammt bereits aus der Antike und nicht nur Telemann hatte sich mit ihr beschäftigt, sondern auch andere Komponisten wie Johannes Brahms oder Carl Nielsen. Auch in der Literatur ist dies ein viel bearbeiteter Stoff und sogar die moderne Persönlichkeitspsychologie orientiert sich an ihr. Die antike Lehre teilt nämlich die Menschen nach ihrer Grundwesensart in vier Temperamente ein: die Sanguiniker, die Choleriker, die Melancholiker und die Phlegmatiker. Um es euch zu verdeutlichen, dient das Gleichnis mit dem Stein.

Stellt euch vor, ein großer Stein versperrt euch den Weg. Lasst ihr euch davon nicht beirren und springt oder klettert über ihn hinweg, gehört ihr zu der Gruppe der Sanguiniker. Geratet ihr jedoch in Rage und versucht womöglich, den Stein mit eigener Kraft aus dem Weg zu räumen, seid ihr wohl Choleriker. Die Phlegmatiker unter euch versuchen, dem Problem aus dem Weg zu gehen – wortwörtlich machen sie einen großen Bogen um den Stein herum. Die Melancholiker hingegen werden beim Anblick des Steins ihren Weg in Frage stellen und sich traurig auf den Stein setzen, um nachzudenken und ihr Vorhaben zu reflektieren.

Ebenso unterschiedlich wie die menschlichen Gemüter präsentieren sich auch die vier Frauen um Telemann herum. Zwei von ihnen stehen, die anderen beiden liegen und jede von ihnen nimmt eine andere Haltung ein. Geht doch mal vorbei und rätselt mit, welche der Damen welches Temperament verkörpert.

Telemann dirigiert umgeben von vier Frauenfiguren
Telemann dirigiert umgeben von vier Frauenfiguren
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Wir laufen weiter und nehmen die Abkürzung durch den kleinen Park am Prämonstratenserberg. Unser nächstes Ziel ist nämlich das Alte Rathaus. Wir überqueren die Ernst-Reuter-Allee und gehen auf der Hartstraße direkt darauf zu. Diesmal müssen wir jedoch etwas näher heran, um Telemann zu entdecken.

Telemann und die Muse

Auf der historischen Rathaustür, die heute nicht mehr als Eingang genutzt wird, hat der Künstler Heinrich Apel die Geschichte Magdeburgs auf insgesamt 14 verschiedenen Bronzeplatten verewigt. Und wer darf da natürlich nicht fehlen? Richtig, Georg Philipp Telemann. Wir stehen direkt vor der großen und eindrucksvollen Tür und finden den Komponisten auf eine der unteren Platten auf der linken Seite.

„Telemann und die Muse“ wird dieser Teil der Tür genannt. Zu sehen ist der Musiker vor einem Dirigentenpult und die Muse, die als Engel vom Himmel kommt, reicht ihm ein Instrument – wahrscheinlich eine Viola oder Violine. So von der Muse geküsst, komponierte Telemann viele seiner berühmten Stücke. Seit 1970 wird an dieser präsenten und wichtigen Stelle der Stadt an den Magdeburger Komponisten erinnert.

Bronzene Rathaustür gestaltet von Heinrich Apel
Telemann und die Muse
Die Rathaustür besteht aus 14 Bronzeplatten, die die Geschichte Magdeburgs zeigen.

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Vier Jahre später kam ein weiteres Kunstwerk hinzu. Dafür müssen wir nun zur Elbuferpromenade, am besten über die Johannisbergstraße und über das Schleinufer hinweg. Wir laufen links am Fahnenmonument vorbei und auf die Promenade.

Der Fährmann

Der Fährmann von Eberhard Roßdeutscher
Der Fährmann von Eberhard Roßdeutscher

Direkt vor uns liegt nun eine weitere Plastik von Eberhard Roßdeutscher: „Der Fährmann“ befindet sich auf einer hohen Steinsäule, bestimmt drei bis vier Meter über unseren Köpfen. Wir müssen das Kunstwerk, zu dem auch noch fünf kleinere Steinplastiken gehören, erst einmal von Weitem erfassen.

Dann gehen wir näher heran und entdecken auf den kleineren Steinsockeln verschiedene Motive. Das Kunstwerk zeigt nämlich Szenen aus dem Opernintermezzo „Pimpinone“. Das musikalische Lustspiel von Georg Philipp Telemann wurde 1725 am Theater des Hamburger Gänsemarktes uraufgeführt. Das Werk war Telemanns größter Bühnenerfolg und erzählt die Geschichte von einem alten reichen Mann, der von einer jungen Frau umgarnt und an der Nase herumgeführt wird.

Im 19. Jahrhundert verschwand das Werk von den Bühnen und geriet in Vergessenheit. Im Zuge der Telemann-Renaissance im 20. Jahrhundert wurde es wiederentdeckt und entsprechend gewürdigt. Gemunkelt wird, dass Telemann den Stoff aufgrund eigener schlechter Erfahrungen mit seiner zweiten Frau aufgriff. 1714 hatte der damals über 30-Jährige die gerade mal 16 Jahre alte Maria Catharina Textor geheiratet. Nach 20 Ehejahren und neun gemeinsamen Kindern, ließ sich das Paar scheiden. Als Gründe werden Ehebruch oder Glücksspiel vermutet – Maria Catharina soll dabei eine große Summe Geld verloren haben. Wer sehen möchte, wie Eberhard Roßdeutscher diese Betrugsthematik umgesetzt hat, sollte sich das Kunstwerk einmal anschauen.

Das junge raffinierte Mädchen und der alte reiche Mann
Das junge raffinierte Mädchen und der alte reiche Mann
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Und weil die Zahl drei sich heute durch unseren Beitrag zieht, möchten wir euch gern noch auf drei Highlights im Veranstaltungskalender der Telemania 2017 hinweisen, die ihr nicht verpassen solltet.
  • Morgen Abend könnt ihr nämlich Till Brönner & Orchestra erleben. Das Konzert beginnt um 20.00 Uhr im Stadtpark, sollte es regnen, wird es in die Stadthalle verlegt. Karten sind noch an der Abendkasse für 51,85 Euro erhältlich. Achtung!! Die Veranstaltung wurde aufgrund der enormen Unwetterschäden im Stadtpark abgesagt.
  • Am Samstag heißt es dann „Lange TelemannNacht“ im Klosterbergegarten. Ab 18.00 Uhr beginnt das Spektakel, das uns ins 18. Jahrhundert und mit allen Sinnen zurück in die Telemannzeit bringt. Ab 18.00 Uhr geht es los. Und auch dafür sind noch Karten für 10 Euro an der Abendkasse erhältlich. Der Eintritt für Kinder bis sechs Jahren ist frei. Achtung!! Die Veranstaltung wurde aufgrund der enormen Unwetterschäden im Klosterbergegarten abgesagt.
  • Zum Gedenken an seinen Todestag vor 250 Jahren werden die Magdeburger Blechbläser am Sonntag um 15.00 Uhr an der Telemann-Stele ein Ständchen bringen. Dazu sind alle Interessierten herzlich willkommen.
Till Brönner, Foto: Matthias Piekacz
Lange TelemannNacht Serkowitzer Volksoper, Foto: Robert Jentzsch
Ein Geburtstagsständchen am 14. März 2017
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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 1. Juni 2017

1. Juni 2017 – Unser vorheriger Beitrag hat uns mit der Telemann-Straßenbahn quer durch die Stadt geführt. Am Opernhaus sind wir wieder ausgestiegen und laufen nun in Richtung Süden den Breiten Weg entlang, vorbei am Allee-Center, an Telemanns Gedenkstele, durch die Fußgängerzone der Regierungsstraße und noch darüber hinaus. Denn unser heutiges Ziel ist die zweite Bildungsstätte des jungen Georg Philipp Telemanns.

Magdeburger Dom
Magdeburger Dom

Nach seiner Ausbildung am Altstädtischen Gymnasium besuchte er nämlich die Domschule, die sich im südlichen Teil des Kreuzganges im Magdeburger Dom befand. Als einst älteste Schule der Stadt bekam sie im 16. Jahrhundert im Zuge der Reformation starke Konkurrenz durch das Altstädtische Gymnasium. Wie wir euch bereits erzählt haben, war das Gymnasium eine der ersten evangelischen Stadtschulen Deutschlands. Da die Domschule katholisch blieb und sich der neuen Lehre verschloss, musste der Schulbetrieb 1530 sogar eingestellt werden.

1567 wurde dann im Magdeburger Dom die erste evangelische Predigt abgehalten. Jedoch waren die Überlegungen, dort eine evangelische Schule einzurichten, angesichts des gutlaufenden Altstädtischen Gymnasiums überflüssig. Erst 100 Jahre später wurden die Pläne zur Schulgründung wieder konkret. Am ersten Adventssonntag wurde von der Domkanzel verkündet, „daß nun mehr eine ganz freie Schule beim Dom angerichtet sei“. Gegründet als reine Elementarschule mit nur einer Klasse entwickelte sich die Schule schnell zu einer höheren Schule, die ihre Schüler in mehreren Klassen auf das Studium an einer Universität vorbereitete.

An eben dieser Domschule kam der junge Telemann erstmals in Berührung mit der deutschen Dichtung. Eine besondere Rolle spielte dabei der damalige Rektor Christian Müller, der ihm wie Telemann selbst in seiner Biografie schrieb „die erste Liebe zur Dichtkunst einpflanzte“. Schon in unserem letzten Beitrag haben wir euch von der poetischen Ader des Komponisten berichtet. Der Grundstein dafür wurde eben an dieser Schule gelegt.

Gedicht "Musik - der edelste Zeitvertreib"

Den schönsten Zeitvertreib in unserem ganzen Leben
weiß doch Musik allein zu geben.
Denn alles, was wir sonst nur von der Wollust wissen
- es sei ein guter Wein, ein leckerhafter Bissen,
die Schlittenfahrt,
das Spiel, die Jagd und was noch mehr von solcher Art -,
sind im Beschluß,
nach vorgebrauchtem Überfluß,
wo nicht mit Schaden, Schmerz, Verdruß,
doch wenigstens mit Ungemach gepaart.

Allein Musik kennt nichts als lauter Güte:
Der Anfang ist bequem,
das Mittel angenehm,
das Ende wirkt ein ruhiges Gemüte.

Allen Kummer, alles Leid
kann die Harmonie begraben.
Wie das Meer bei sanfter Stille
seine Flut als wiegend regt,
also wird des Menschen Wille
durch der Töne Kraft bewegt,
daß ihn, frei vom Sorgen-Streit,
sanfte Ruh und Stille laben.

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Angeregt von der Beschäftigung sowohl mit der Musik als auch der Literatur begann Telemann schon in Magdeburg zu komponieren. Eben diese ersten Anfänge seines künstlerischen Schaffens stellt das Stück „Das Glück des Gauklers“, das am 2. Juni im Gesellschaftshaus Premiere feiert, in den Fokus.

Denn als der gerade mal 12-jährige Telemann in Magdeburg seine erste Oper aufführte, in der er selbst die Titelpartie sang, wähnte ihn seine entsetzte Familie auf dem direkten Weg in sein persönliches Unglück und sah ihn als Spielmann oder Gaukler über die Jahrmärkte ziehen. Dass sie sich damit gewaltig täuschten, zeigt das Stück über das beeindruckende Leben des Komponisten. Neben der Premiere am 2. Juni um 19.00 Uhr im Schinkelsaal des Gesellschaftshauses könnt Ihr auch die Vorstellungen am 3., 23. oder 24. Juni besuchen.

Das Glück des Gauklers, Quelle: Kathrin Singer, Telemann-Zentrum
Das Glück des Gauklers, Quelle: Kathrin Singer, Telemann-Zentrum

Und noch ein heißer Tipp für die nächste Juniwoche: In „Telemann ist bigger than …“ könnt Ihr am 9. Juni im AMO-Kulturhaus die spannende Zusammensetzung aus alt und neu erleben. Das junge Künstlerkollektiv „Migges mit Attitude“ zeigt in Kooperation mit „Telemania2017“ die Kombination aus Barockmusik und Hip Hop. Dafür verschmelzen die Klänge des Jugendsinfonieorchesters des Georg-Philipp-Telemann-Konservatoriums mit Rap, DJ‘ing, Graffiti und Breakdance zu einer mitreißenden Bühnenshow.

Damit sind wir für heute schon wieder am Ende unserer Reise. Schaut doch vielleicht mal am oder im Magdeburger Dom vorbei und lasst die Geschichten dieses historischen Gebäudes auf euch wirken. Es gibt auch noch einiges zu entdecken – auch was Telemann betrifft. In der nordwestlichen Ecke des Kreuzgangs zum Beispiel befindet sich der Grabstein des Taufpaten und Namensgebers Telemanns, des damaligen Domherren Georg Philipp von Veltheim.

Grabstein Georg Philipp von Veltheims
Grabstein Georg Philipp von Veltheims
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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 18. April 2017

18. April 2017 –  Telemann bewegt! – Und damit meinen wir nicht nur uns und unsere virtuelle Reise durch Magdeburg entlang der wichtigsten Lebensstationen des Komponisten. Nein, denn bereits seit einem Jahr bewegt er etwa 100 Mädchen und Jungen, Jugendliche und junge Erwachsene verschiedener Schulen in unserer Stadt.

Telemann bewegt
"Telemann bewegt"

Unter dem Motto „Telemann bewegt“ sind sie ebenfalls auf der Spurensuche durch Magdeburg und erkunden Orte, die in Verbindung mit dem Komponisten stehen. Immer an ihrer Seite: Magdeburger Künstler und Theaterpädagogen. Sie unterstützen die Schüler im Alter von 12 bis 20 Jahren dabei, ihre Inspiration in szenische Aktionen umzusetzen. Mit Hilfe theaterpädagogischer Methoden drücken die jungen Menschen in verschiedenen Gruppen ihre Erlebnisse mit Telemann durch Gesang, Musik, Bewegung und szenische Gestaltung aus.

So lernten unter anderem Schüler der Gemeinschaftsschule Wilhelm Weitling aus Olventstedt, inspiriert von der Musik Telemanns und unter Anleitung des Ballettlehrers Alexander Semenchukov, barocke Tänze, wie sie im 17. Jahrhundert üblich waren. In zwei langen Reihen, dem Tanzpartner jeweils gegenüber angeordnet, zeigten die Jungen und Mädchen bereits in der Pressekonferenz am 23. März in den Gruson-Gewächshäusern, wie sich feine Damen und edle Herren zu Telemann’schen Kompositionen bewegten.

Dank des Theaters Magdeburg, das die Aktion im Rahmen des Telemann-Jahres 2017 ins Leben gerufen hat, wird für die Jugendlichen ein Zugang zu dem seit 250 Jahren verstorbenen Komponisten geschaffen. Telemann wird damit für sie erlebbar.

Wer nicht verpassen möchte, was die jungen Künstler bewegt und was sie gelernt haben, der sollte sich den 21. April dick im Kalender anstreichen. Dann nämlich präsentieren die Schüler an vier verschiedenen Stationen im Rahmen einer moderierten und inszenierten Stadtrundfahrt das Einstudierte. Dadurch wird Telemanns Wirken im öffentlichen Raum – also in den Gruson-Gewächshäusern, im Gesellschaftshaus, im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen und im Modehaus Papenbreer – sichtbar.

In welcher Verbindung diese vier Stationen mit dem Magdeburger Komponisten stehen, erfahrt ihr während der Stadtrundfahrten. Diese beginnen um 14.00, 16.00 und 18.00 Uhr – Treffpunkt sind die Gruson-Gewächshäuser. Die Karten gibt es für 5 Euro/3 Euro (ermäßigt) an der Theaterkasse im Opernhaus, telefonisch unter 0391 40 490 490 oder online unter www.theater-magdeburg.de.

Alle interessierten Magdeburgerinnen und Magdeburger sowie Gäste der Stadt sind herzlich eingeladen die Telemannstadt Magdeburg durch die Präsentation der Schülerinnen und Schüler auf völlig neue Weise zu erleben.

Schüler machen Telemann erlebbar
Dr. Ludwig Martin, wissenschaftlicher Leiter der Gruson-Gewächshäuser
Jugendprojekt
Barocke Tänze der Schüler
Theaterpädagoge Matthias Brandt und Tom Wolter, Vorstandsvorsitzender des Landeszentrums Spiel & Theater Sachsen-Anhalt
Schüler der Gemeinschaftsschule

Und apropos Schule – natürlich hat auch der junge Telemann eine Magdeburger Schule besucht. Unsere heutige Station führt uns etwas weiter in den Norden der Stadt. Von der Goldschmiedebrücke aus gehen wir entlang des Breiten Weges, vorbei am Alten Markt und biegen nach Westen in die Julius-Bremer-Straße ein. An der Ecke zur Max-Otten-Straße – dort, wo sich heute ein Zoofachgeschäft befindet – stand einst das Altstädtische Gymnasium, das Telemann ab dem Alter von ungefähr zehn Jahren besuchte. Auch dieses Gebäude ist leider im Zweiten Weltkrieg zu großen Teilen zerstört worden. Im Jahr 1959 wurde die geschichtsträchtige Ruine  dann endgültig abgetragen.


Altstädtisches Gymnasium, Quelle: Stadtarchiv Magdeburg
Altstädtisches Gymnasium, Quelle: Stadtarchiv Magdeburg

Bevor nämlich das Altstädtische Gymnasium ab 1524 in das Gebäude einzog, waren dort die Mönche des Franziskanerordens ansässig. Sie hatten im 13. Jahrhundert den Grundstein für das einstige Kloster gelegt. Als drei Jahrhunderte später die Reformation Magdeburg erreichte, versuchten die Ordensleute durch Predigten gegen die neuen Glaubenssätze anzukämpfen – wenig erfolgreich. Ab Mitte des 16. Jahrhunderts ging die Nutzung an die evangelische Stadtschule über. Das Altstädtische Gymnasium war im Zuge der Reformation als eine der ersten städtischen Lateinschulen Deutschlands eröffnet worden.

Nicht einmal zehn Minuten brauchte der junge Georg Philipp, um von seinem Elternhaus zur Schule zu gelangen. Dort, wo wichtige Kantoren und Musikdirektoren wirkten, konnte er sich in etwas vertiefen, wofür er sich schon vor dem Schulbesuch interessiert hatte – in die Musik. Autodidaktisch hatte er sich mit dem Violinen-, Flöten- und Citherspiel beschäftigt, und erfreute damit nicht nur seine Familie, sondern auch die Nachbarn.

Schon mit diesem Selbststudium wurde deutlich, dass Telemann außerhalb der gängigen Konventionen dachte. Den vermutlich einzigen Instrumentalunterricht bei einem unbekannten Magdeburger Organisten brach er mit der Begründung ab, dass dieser „mit der deutschen Tabulatur erschreckte, die er eben so steiff spielte, wie vieleicht sein Grosvater gethan, von dem er sie geerbet hatte" (Autobiographie 1740).

Überhaupt nicht steif und weit ab von üblichen Konventionen geht es auch im Programm des Telemann-Jahrs weiter. Nicht unweit der heutigen Station erwartet uns demnächst eine musikalische Überraschung. Geht doch mal vorbei an der Stelle, an der ehemals die Altstädtische Schule stand und dann lauscht, ob ihr vielleicht schon aus der Ferne ein paar Telemannklänge vernehmt, die immer näher und näher und näher kommen…

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 17. Mai 2017

17. Mai 2017 – Das Telemannjahr nimmt richtig Fahrt auf!
Wo immer wir stehen und gehen, begegnet uns Georg Philipp Telemann. In Gedanken sind wir noch am letzten Ort unserer virtuellen Reise – dort, wo Telemann einst lernte, am Altstädtischen Gymnasium. Wir setzen unseren Spaziergang entlang des Breiten Weges in Richtung Norden fort. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, die Menschen strahlen und genießen den Tag.

Telemann lädt zur Fahrt in Kulturstraßenbahn ein, Quelle: Georg Bandarau, Pro M
"Telemann" lädt zur Fahrt in Kulturstraßenbahn ein, Quelle: Georg Bandarau, Pro M

Doch was ist das? Wir werden von einer Männerstimme aus den Gedanken gerissen. „Heute werde ich mit Ihnen eine ganz besondere Fahrt unternehmen, eine Fahrt, bei der ich Ihnen viel über mein Leben in dieser schönen Stadt erzählen möchte.“ Ein Mann mit blond gelocktem Haar und einem barocken Gehrock in purpurrot spricht nur wenige Meter von uns entfernt in ein Mikrofon. Er erinnert uns stark an Telemann und siehe da: Es ist Michael Schenk, der die Rolle Telemanns nicht nur spielt, sondern regelrecht lebt. Wann immer es in diesem Jahr um den berühmten Komponisten geht, ist Michael Schenk nicht weit.

Telemann-Straßenbahn
Telemann-Straßenbahn

Doch von welcher Fahrt spricht er? Das wollen wir genauer wissen. Neugierig nähern wir uns der Menschengruppe, die ihm ebenso gespannt zuhört. Wir erfahren, dass uns in einer Kulturstraßenbahn in den kommenden 90 Minuten ein spannendes Programm erwartet. In einer Kulturstraßenbahn? Die Bahn fährt an der Haltestelle am Opernhaus vor und schon wieder sehen wir Telemann – sein Konterfei blickt uns von dieser entgegen. Die Türen öffnen sich. Wir sind gespannt und steigen ein, ebenso wie „Telemann“ und viele andere Interessierte.

Telemann in der Kulturstraßenbahn
"Telemann" in der Kulturstraßenbahn

Die Straßenbahn fährt los. „Telemann“ beginnt Geschichten aus seinem Leben zu erzählen. Und schon bald vernehmen wir schöne Töne. Musikalisch eingestimmt werden wir von dem Musiker Martin Müller, der ein Stück Telemanns auf dem Akkordeon spielt und die perfekte Harmonie zwischen der Barockkomposition und dem Jazz findet.

Ihm folgt der ehemalige Domprediger Giselher Quast. Und er offenbart uns ein weiteres Talent Telemanns. Denn dieser verstand es auch, mit Worten umzugehen. Telemann schrieb Gedichte. Unter denen, die Giselher Quast vorträgt, findet sich eines, indem Telemann in Worte fasste, was ihn nach dem Tod seiner ersten Frau, Amalie Luise Juliane, bewegte. Sie starb bei der Geburt ihrer ersten Tochter am Kindbettfieber. Die beiden waren zu dem Zeitpunkt nicht einmal zwei Jahre verheiratet. Der Verlust muss für den Komponisten sehr groß gewesen sein. Kennengelernt hatten sich die beiden vermutlich über den bekannten Komponisten Daniel Eberlin, den Vater der ersten Frau Telemanns …

Wer noch mehr über das Leben Georg Philipp Telemanns erfahren möchte, sollte die nächsten Fahrten der Kulturstraßenbahn nicht verpassen. Die Bahnen starten jeweils um 18.00 Uhr an der Haltestelle am Opernhaus und enden auch dort: am 24. Mai sowie am 7., 14. und 19. Juni.

Eine weitere schöne Möglichkeit, die Lebensgeschichte Telemanns zu entdecken, erwartet uns schon am kommenden Samstag. „Telemann in Pop“ heißt das Musical, mit dem die 19-jährige Karolina Grunwald vor allem junge Leute erreichen und begeistern will.

Die Premiere des Jugendprojektes ist am Samstag, den 20. Mai 2017, um 19.00 Uhr im Gesellschaftshaus. Die Karten gibt es für 5,00 Euro/ermäßigt 3,00 Euro zzgl. VVK-Gebühren unter der Telefonnummer 0391 540 6777.

Telemann in Pop, Quelle: Kathrin Singer, Telemannzentrum
Telemann in Pop, Quelle: Kathrin Singer, Telemannzentrum

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 20. März 2017

20. März 2017. Heute ist es ganz offiziell: Der Frühling beginnt – endlich. Ein angenehm lauwarmer Wind weht durch die Straßen und Gassen Magdeburgs. In der Innenstadt herrscht geschäftiges Treiben. Begonnen haben wir unsere Reise in der vergangenen Woche auf den Wogen des Ständchens zu Telemanns 336. Geburtstag an seiner Gedenkstele in der Goldschmiedebrücke. Nicht weit davon entfernt, etwas weiter östlich, und noch im Blickfeld Telemanns, findet sich ein Bronzemodell einer Kirche – der Heilig-Geist-Kirche.
Bronzemodell der Heilig-Geist-Kirche in der Goldschmiedebrücke
Bronzemodell der Heilig-Geist-Kirche in der Goldschmiedebrücke

Nur drei Tage nach seiner Geburt im Jahr 1681 wurde Georg Philipp Telemann in eben dieser Kirche getauft. Sein Vater, Heinrich Telemann, war dort seit 1676 zweiter Pfarrer. Das einst prächtige historische Gebäude ist, wie so viele andere Kirchen Magdeburgs, während des Zweiten Weltkriegs stark zerstört worden. Die Substanz blieb jedoch erhalten. Und noch 1948 begann man damit, sie wieder aufzubauen. Zwei Jahre später konnte der erste Gottesdienst abgehalten werden. Doch die Kirche passte nicht in das Konzept zum Aufbau einer sozialistischen Großstadt. 1959 wurde sie gesprengt. Heute erinnert nur noch ein Bronzemodell im Maßstab von 1:20 an die Kirche, in der Telemann und vermutlich auch seine Geschwister getauft wurden.

Modell der Taufkirche Georg Philipp Telemanns mit der Gedenkstele im Hintergrund
Modell der Taufkirche Georg Philipp Telemanns mit der Gedenkstele im Hintergrund

Was wir bereits aus dieser und auch aus der ersten Station unserer Reise auf den Spuren Georg Philipp Telemanns lernen, ist: Um die Verbindung zwischen Magdeburg und dem großen Komponisten zu verstehen, brauchen wir an vielen Stellen unsere Vorstellungskraft. Fantasie und Visionen sind sicher auch das, was Telemann belebte und seine Kunst voranbrachte.

Dass diese Kunst auch 250 Jahre nach seinem Tod noch lebendig ist, hat uns am Wochenende das spannende Finale des 9. Internationalen Telemann-Wettbewerbs eindrucksvoll bewiesen. In diesem Jahr war der Wettbewerb erstmals für Gesang ausgeschrieben. Sängerinnen und Sänger aller Nationen, die nach dem 10. März 1982 und vor dem 10. März 1999 geboren sind, waren dazu aufgerufen, Telemann mit ihrer Musik wieder aufleben zu lassen.

Das Leipziger Barockorchester übernahm mit Freude die musikalische Begleitung im Finale und im Abschlusskonzert. Insgesamt mussten die Sängerinnen und Sänger in drei Runden bestehen, bis am Samstag die Preisträger bekanntgegeben werden konnten. In diesem Jahr traten im vielversprechenden Finale das erste Mal nur Frauen gegeneinander an, die die Gäste und auch die Jury mit ihren Stimmen verzauberten und sie mit auf eine musikalische Reise nahmen. „In Magdeburg herrscht eine phantastische Atmosphäre. Die Seelen waren frei, die Ohren aufmerksam, die Laune gut“, beschreibt Jurymitglied Marek Rzepka die Stimmung im Gesellschaftshaus. Über den 1. Preis, den Preis der Mitteldeutschen Barockmusik, konnte sich Geneviève Tschumi freuen. Wer die 28 Jahre alte Mezzosopranistin aus der Schweiz verpasst hat, kann sich auf die nächsten Telemannfesttage im kommenden Jahr freuen, denn dann wird Geneviève Tschumi wieder eindrucksvoll beweisen, wie lebendig die Kunst Telemanns auch heute noch ist.

Geneviève Tschumi, Gewinnerin des 9. Internationalen Telemann-Wettbewerbs
Geneviève Tschumi, Gewinnerin des 9. Internationalen Telemann-Wettbewerbs. Foto:Viktoria Kühne

Neben der Musik hatte Telemann noch eine weitere Passion, von der bisher sicher nur die wahren Kenner des Komponisten wussten. Auch Blumen zogen ihn in ihren Bann. Ihre Kraft entfaltet sich ebenso wie die der Musik auf besondere Weise. Telemann suchte die Welt mit allen Sinnen zu entdecken. Deswegen unser Tipp für euch zum Frühlingsanfang: Ein Vortrag über diese „Blumenliebe“ des Komponisten am 22. März 2017. Berichten wird darüber der Telemannforscher Ralph-Jürgen Reipsch in der Stadtbibliothek. Dazu wird Telemanns Musik erklingen und euch eine andere Seite, nämlich seine Blumenliebe, näherbringen.

Telemanns Blumenliebe
Telemanns "Blumenliebe"

Für heute sind wir mit unserer Reise schon wieder am Ende. Seid gespannt und freut euch auf die nächsten Stationen. Und vielleicht habt ihr ja Lust und Zeit, und geht auf dem Weg zu einer unserer vielfältigen Veranstaltungen an den zwei bisherigen Berührungspunkten vorbei. Lauft dort, wo einst der junge Telemann lief. Lasst euch inspirieren, dort wo einst der junge Telemann inspiriert wurde und erlebt die Kultur Magdeburgs. Auf den Spuren Telemanns zu wandeln, macht ihn auch 250 Jahre nach seinem Tod in Magdeburg noch immer real.

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 14. März 2017

14. März 2017. Kalt und grau waren der Januar und der Februar. Endlich ist März und die ersten Sonnenstrahlen locken uns nach draußen. Wir haben gewartet auf die Märzsonne. Wir haben gewartet auf den Frühling und wir haben gewartet auf Telemann. Auf Telemann? Fragt sich jetzt sicher der ein oder andere.

Ja! Denn in diesem Jahr feiern wir den großen Magdeburger Komponisten. Damit ehren wir nicht nur ihn und sein Werk. Wir wollen Kulturhauptstadt werden. Und Telemann wird uns dabei unterstützen.

Um uns darauf einzustimmen und auch fragende Blicke in Interesse umzuwandeln, nehmen wir die Magdeburgerinnen und Magdeburger mit auf eine virtuelle Reise – eine Reise durch unsere Stadt, durch die Geschichte, vorbei an den Berührungspunkten mit Telemann und seinem wichtigen Erbe für uns.

Lasst euch anstecken von der Begeisterung, seid ein bisschen Telemania. Und vielleicht zieht euch nicht nur der Frühling nach draußen, sondern auch Telemann in seinen Bann und ihr habt Lust auf all die spannenden Veranstaltungen, die uns in diesem Jahr erwarten.

Der Startpunkt unserer Reise liegt zwischen dem Allee-Center und der Regierungsstraße. Läuft man nämlich südlich des Centers entlang der Goldschmiedebrücke in Richtung Westen, stößt man unweigerlich an der Querung zur Fußgängerzone der Regierungsstraße auf eine große dunkelgraue Granittafel. Darauf zu sehen ist Telemann – zumindest sein Kopf. Aus einer etwas erhöhten Position hat er einen guten Blick auf das Geschehen vor dem Allee-Center. Und womöglich blickte er vor über 300 Jahren, noch in den Anfängen seines Lebens, auf dieselbe Stelle – natürlich mit einer anderen Aussicht.

Denn sein Geburtshaus wird eben dort vermutet. Zerstört vom Krieg und überbaut von modernen Gebäuden ist davon heute nichts mehr zu sehen – nur Telemanns wachsamer Blick, der bleibt. Seit 2011 steht die Gedenkstele nun schon an diesem Ort. Und neben seinen Lebensdaten und einem Ausschnitt aus der Ouvertüre zu Telemanns berühmter Oper Der geduldige Socrates – die humorvolle Oper war Telemanns Einstieg in die Hamburger Musikszene – entdecken aufmerksame Magdeburger sowie Gäste unserer Stadt einen Ausspruch des berühmten Komponisten:

„Wer vielen nutzen kann, tut besser, als wer nur für wenige was schreibet.“

Eine wichtige Aussage, die einiges über die Persönlichkeit Telemanns verrät. Er dachte nicht in Kleinem, schrieb nicht für sich oder die Kunst, sondern für alle. Er war das, was man heute einen Kosmopoliten nennt. Kein anderer prägte die Barockmusik des 18. Jahrhunderts so sehr wie Telemann. Er vermochte es, Einflüsse aus ganz Europa in seine Musik zu bringen und aus dieser Vielfalt eine Einheit zu schaffen.

Doch noch nicht zu viel vorweg, wir stehen ja noch ganz am Anfang. Am 14. März 1681 – also auf den Tag genau vor 336 Jahren – wurde Georg Philipp Telemann in Magdeburg geboren. Vermutlich in einem Pfarrhaus in der heute überbauten Heilig-Geist-Straße, vermutlich an der besagten Stelle.

Um seinen Geburtstag gebührend zu feiern, haben sich heute Vormittag Telemannfreunde eben dort  – an seiner Gedenkstele – versammelt. Angezogen von den musikalischen Beiträgen des Magdeburger Blechbläser Ensembles sind auch einige Interessierte stehen geblieben und lauschten andachtsvoll. Und so stand eine Menschentraube in einem Halbkreis um Telemann herum – der hatte heute also noch mehr zu gucken als sonst – und erinnerte an die Geburt des großen Magdeburger Komponisten.

„Ich bin in Magdeburg geboren“ hieß das Ständchen, das um 10.00 Uhr die Fußgängerzone der Goldschmiedebrücke mit Wohlklängen erfüllte und auch so manchen Telemannneuling anlockte. Neben den Geburtstagsliedern und den vielen Gratulanten durfte sich Telemann übrigens auch über Blumen freuen.

Wer das Ständchen verpasst hat, kann sich von den Klängen in unserem Video mit auf unsere Reise nehmen lassen und sich auf den nächsten Blogbeitrag freuen, wenn es wieder heißt: „Magdeburg blogt über Telemann“.

Bilder vom Geburtstagsständchen

»Ich bin in Magdeburg geboren« vom Magdeburger Blechbläser Ensemble
Magdeburger Blechbläser Ensemble
Ein Geburtstagsständchen am 14. März 2017
Ein Geburtstagsständchen für Telemann an der Gedenkstele
Siegfried Pank, Wettbewerbspräsident Georg-Philipp-Telemann-Wettbewerb
Magdeburger Blechbläser Ensemble im Einsatz
Magdeburger Blechbläser Ensemble gemeinsam mit
Telemann-Gedenkstele
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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 16. August 2017

16. August 2017 – Telemann und die vier Temperamente, Telemann und die Muse und der Fährmann – diese Erinnerungsorte an den berühmten Kosmopoliten haben wir im Juni unserer virtuellen Reise besucht. Inspiriert vom Fährmann lassen wir unsere Gedanken wie das Wasser eines Flusses fließen. Wir gehen am Schleinufer an der Elbe entlang Richtung Süden und denken an Georg Philipp Telemann. Wir denken an seine Musik, sein Werk, sein Leben und fragen uns: Wie war wohl das Leben zu seiner Zeit?

Genau das könnt ihr bei der Langen TelemannNACHT herausfinden, denn diese verspricht jede Menge barockes Lebensgefühl. Wegen der Folgen eines Unwetters abgesagt, kann sie am 1. September 2017 nachgeholt werden.

Wir laufen am Schleinufer entlang und sind beinah auf Höhe des Doms. Kurzerhand lassen wir uns in die Richtung des ersten gotischen Dom auf deutschem Boden treiben und laufen über eine Brücke hinauf zum Fürstenwall. Genau hier werden in wenigen Tagen Gaukler, barocke Spiele und Metallskulpturen in eine andere, in eine telemannsche Welt entführen. Als Teil des Festes zu Ehren eines weiteren großen Sohnes unserer Stadt – Kaiser Otto – eröffnen sich hier zur Langen TelemannNACHT ab 17.00 Uhr neue Perspektiven. Entlang des Hauses der Romanik, des Remtergangs, der Bastion Cleve bis hin zur Schweizer Milchkuranstalt am Fürstenwall wird es musikalisch, spielerisch und auch kulinarisch erlebnisreich.

Lange TelemannNACHT

Lange TelemannNACHT

Magdeburg ist im Telemannfieber! Am 1. September 2017 lädt die Landeshauptstadt im Rahmen des Kaiser-Otto-Festes dazu ein, den Komponisten Georg Philipp Telemann mit allen Sinnen kennenzulernen. Die Lange TelemannNACHT vereint barockes Lebensgefühl, Spiellust und Lebensfreude rund um Telemann und entführt die Gäste von der Bastion Cleve, über den Remtergang und das Haus der Romanik bis hin zum Fürstenwall in eine neue Welt.

Programm Lange TelemannNACHT

Die ehemalige Intendantin des Magdeburger Puppentheaters, Elke Schneider, konnte für die TelemannNACHT 200 Mitwirkende begeistern. Mit dabei sind der Magdeburger Telemann-Chor, das Magdeburger Blechbläserensemble, das Rossini-Quartett, die Ballettschule Semenchukov, Schülerinnen und Schüler des Konservatoriums, das Ensemble des Telemann-Musicals „Telemann in Pop“ und viele mehr.

Gaukler zeigen ihre Künste, barocke Spiele, Tänze und Musik laden zum Mitmachen ein. Die Gäste können sich unter anderem von Musiktherapie, Papiertheater, Puppentheater, barocken Karussellpferden und Barockkutschen in die Welt Telemanns entführen lassen.

Sogar kulinarisch geht es in die Zeit des Barocks: Die Speisen nehmen Bezug auf die regionale Küche, die Georg Philipp Telemann an den unterschiedlichen Orten, an denen er lebte, kennenlernte, und stellen somit eine weitere Verbindung zum 18. Jahrhundert her. Das gesamte Programm Lange TelemannNACHT [PDF: 2,6 MB] finden Sie hier.

Die Lange TelemannNACHT sollte ursprünglich am 24. Juni 2017 stattfinden, musste aber wegen der Sturmschäden im Klosterbergegarten abgesagt werden. Karten, die für die ursprüngliche TelemannNACHT gekauft wurden, sind am 1. September für die Lange TelemannNACHT und das Kaiser-Otto-Fest gültig.

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Angetrieben von der Vorfreude auf die Lange TelemannNACHT haben wir heute noch eine Station zu dem berühmten Künstler vor uns. Vom Fürstenwall aus laufen wir weiter durch eine der schönsten Straßen Magdeburgs, durch die Hegelstraße. Die mit Fassadenschmuck verzierten Häuser entstanden lange nach Telemann in der Gründerzeit von 1880 bis 1920. Von dort aus gelangen wir über die Steubenallee zu den Gruson-Gewächshäusern. Auch diese Tropenhäuser entstanden während der Gründerzeit.

120 Jahre Gruson-Gewächshäuser - Eingang um 1900
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Apropros Tropen und exotische Pflanzen – die gefielen auch Georg Philipp Telemann. Über seine „Bluhmen-Liebe“ haben wir schon einmal berichtet, denn er hatte nicht nur eine Leidenschaft für Kunst und Musik, sondern ebenso für die Pflanzenwelt. So bekannte er in einem Brief an seinen Frankfurter Freund Johann Friedrich Armand von Uffenbach aus dem Jahre 1742:

Ob diese [die Musik] zwar mein Acker und Pflug ist, und mir zum Hauptergetzen dienet, so habe ich ihr doch seither ein Par Jahren eine Gefehrtinn zugesellet, nemlich die Bluhmen-Liebe, welche beyde wechselsweis mich ihrer Annehmlichkeiten theilhaft machen.“

In seinem eigenen Garten trug er damals in Hamburg zahlreiche botanische Raritäten zusammen und ging seiner „Bluhmen-Liebe“ nach. Er listete seinen „Garten-Vorraht“ sogar auf und erstellte damit ein Pflanzenverzeichnis. Tulpen, chinesische Astern, Aloen, Säulenkakteen, Hyazinthen, Narzissen, Pfingstrosen, Kornblumen und viele mehr zierten dieses Verzeichnis und seinen Garten. Doch damit nicht genug. Telemann begab sich auf die Suche nach weiteren exotischen Pflanzen für seine Sammlung.

Und woher nahm Telemann, der rund um die Uhr zu arbeiten schien, die Zeit für seinen exotischen Garten? Er war nämlich zu der Zeit städtischer Musikdirektor in Hamburg, leitete seinen eigenen Verlag und nebenbei noch die Oper am Gänsemarkt. Seine zweite Frau Maria Catharina, von der er zu diesem Zeitpunkt beinah 15 Jahre lang getrennt lebte, weil sie ihn betrogen hatte, ging zurück nach Frankfurt am Main. Das war für Telemann der Anlass, um seinen Verlag, den er nicht nur wegen künstlerischer Ambitionen, sondern auch aus finanzieller Not heraus gegründet hatte, aufzulösen und Gärtner zu werden.

Doch nicht nur die Zeit, sondern auch seine vielen Kontakte trugen dazu bei, dass Telemanns Garten immer größer und exotischer wurde. Besonders hilfreich waren dabei seine Kontakte aus der Musikwelt. So wendete er sich zum Beispiel an Albrecht von Haller, den Begründer des Botanischen Gartens in Göttingen. Von ihm erhielt er zahlreiche seltene Sämereien. Der Garten des großen Blumenliebhabers wurde über die Jahre so bekannt, dass Christlob Mylius, ein Vetter Lessings, berichtete, dass in Telemanns Garten „viel fremde und schöne Pflanzen“ seien. Noch 1843 wurde er zu den bedeutendsten Hamburger Gärten des vergangenen Jahrhunderts gezählt. 

Über 50 Jahre später wurden auch in Magdeburg Gärten oder vielmehr Häuser gegründet, die bis heute exotische Pflanzen beherbergen – die Gruson-Gewächshäuser. Dort lädt der Innenhof mit einem Telemann-Garten zum Verweilen ein. Viele Pflanzen aus Telemanns ehemaligem Garten wurden in seiner Geburtsstadt Magdeburg gepflanzt und laden hier zum Erkunden ein. Eröffnet wurde der Garten am 3. Juni 2012. In diesem Jahr könnt ihr ihn bis Mitte Oktober besuchen und Telemanns „Bluhmen-Liebe“ entdecken.

Telemanns Garten
Telemanngarten
Gruson-Gewächshäuser
Hermann August Jacques Gruson

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 22. Juni 2017

22. Juni 2017 – Zur Erinnerung an Georg Philipp Telemann
In genau drei Tagen, nämlich am 25. Juni, jährt sich der Todestag des berühmten Magdeburger Komponisten zum 250. Mal. Seit Beginn des Jahres zeigen ihm zu Ehren zahlreiche und in ihrer Form ganz unterschiedliche Veranstaltungen, wer Telemann war und was ihn auch heute noch so bedeutend macht. Doch wir feiern den berühmten Komponisten nicht nur bei uns in Magdeburg, sondern auch in anderen Orten, die wichtige Stationen in seinem Leben waren.

Das so entstandene Netzwerk aus insgesamt zehn Städten – neben Magdeburg gehören Clausthal-Zellerfeld, Hildesheim, Leipzig, Żary, Pszczyna, Eisenach, Frankfurt am Main sowie Hamburg und Paris dazu – wäre ganz im Sinne Telemanns gewesen. Er selbst hatte sich Zeit seines Lebens ein großes Beziehungsnetzwerk in ganz Europa aufgebaut und damit den so wichtigen Austausch befördert. Telemann – ein musikalischer Kosmopolit mit Strahlkraft weit über unsere Stadtgrenzen hinaus.

Um eben diesen modernen Europäer gebührend zu würdigen, gibt es in unserer Stadt verschiedene Erinnerungsstätten. Und diese sind ebenso verstreut und vielseitig, wie einst das Netzwerk seiner Kontakte. Hat sich in unserem letzten Beitrag noch alles um den jungen Georg Philipp Telemann gedreht, machen wir auf unserer heutigen Reise ein paar Sprünge durch die Zeit seines Erwachsenenlebens – die Zeit, in der sich seine Strahlkraft schon voll entfaltet hatte. In Gedenken an seinen Todestag besuchen wir heute drei Erinnerungsorte:

Wir befinden uns am Magdeburger Dom und laufen über den Platz wieder zurück auf der Regierungsstraße, doch diesmal nicht bis zum Ende. Denn vorher biegen wir in die Große Klosterstraße ein und sehen schon von Weitem unsere erste Station.

Telemann und die vier Temperamente

Telemann und die vier Temperamente von Eberhard Roßdeutscher
Telemann und die vier Temperamente von Eberhard Roßdeutscher

Auf großen schlanken Säulen, die an Orgelpfeifen erinnern, sind Telemann und vier Frauen zu sehen. Wir gehen näher heran und entdecken, dass der Komponist einen Dirigentenstab in der Hand hält und die Damen um ihn herum auf ganz unterschiedliche Weise zu dirigieren scheint.

Die Figurengruppe „Telemann und die vier Temperamente“ steht seit 1981 an diesem Platz, direkt gegenüber dem Kloster Unser Lieben Frauen. Der Bildhauer Eberhard Roßdeutscher hatte das Kunstwerk anlässlich des 300. Geburtstages Telemanns gestaltet.

Die Lehre von den vier Temperamenten stammt bereits aus der Antike und nicht nur Telemann hatte sich mit ihr beschäftigt, sondern auch andere Komponisten wie Johannes Brahms oder Carl Nielsen. Auch in der Literatur ist dies ein viel bearbeiteter Stoff und sogar die moderne Persönlichkeitspsychologie orientiert sich an ihr. Die antike Lehre teilt nämlich die Menschen nach ihrer Grundwesensart in vier Temperamente ein: die Sanguiniker, die Choleriker, die Melancholiker und die Phlegmatiker. Um es euch zu verdeutlichen, dient das Gleichnis mit dem Stein.

Stellt euch vor, ein großer Stein versperrt euch den Weg. Lasst ihr euch davon nicht beirren und springt oder klettert über ihn hinweg, gehört ihr zu der Gruppe der Sanguiniker. Geratet ihr jedoch in Rage und versucht womöglich, den Stein mit eigener Kraft aus dem Weg zu räumen, seid ihr wohl Choleriker. Die Phlegmatiker unter euch versuchen, dem Problem aus dem Weg zu gehen – wortwörtlich machen sie einen großen Bogen um den Stein herum. Die Melancholiker hingegen werden beim Anblick des Steins ihren Weg in Frage stellen und sich traurig auf den Stein setzen, um nachzudenken und ihr Vorhaben zu reflektieren.

Ebenso unterschiedlich wie die menschlichen Gemüter präsentieren sich auch die vier Frauen um Telemann herum. Zwei von ihnen stehen, die anderen beiden liegen und jede von ihnen nimmt eine andere Haltung ein. Geht doch mal vorbei und rätselt mit, welche der Damen welches Temperament verkörpert.

Telemann dirigiert umgeben von vier Frauenfiguren
Telemann dirigiert umgeben von vier Frauenfiguren
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Wir laufen weiter und nehmen die Abkürzung durch den kleinen Park am Prämonstratenserberg. Unser nächstes Ziel ist nämlich das Alte Rathaus. Wir überqueren die Ernst-Reuter-Allee und gehen auf der Hartstraße direkt darauf zu. Diesmal müssen wir jedoch etwas näher heran, um Telemann zu entdecken.

Telemann und die Muse

Auf der historischen Rathaustür, die heute nicht mehr als Eingang genutzt wird, hat der Künstler Heinrich Apel die Geschichte Magdeburgs auf insgesamt 14 verschiedenen Bronzeplatten verewigt. Und wer darf da natürlich nicht fehlen? Richtig, Georg Philipp Telemann. Wir stehen direkt vor der großen und eindrucksvollen Tür und finden den Komponisten auf eine der unteren Platten auf der linken Seite.

„Telemann und die Muse“ wird dieser Teil der Tür genannt. Zu sehen ist der Musiker vor einem Dirigentenpult und die Muse, die als Engel vom Himmel kommt, reicht ihm ein Instrument – wahrscheinlich eine Viola oder Violine. So von der Muse geküsst, komponierte Telemann viele seiner berühmten Stücke. Seit 1970 wird an dieser präsenten und wichtigen Stelle der Stadt an den Magdeburger Komponisten erinnert.

Bronzene Rathaustür gestaltet von Heinrich Apel
Telemann und die Muse
Die Rathaustür besteht aus 14 Bronzeplatten, die die Geschichte Magdeburgs zeigen.

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Vier Jahre später kam ein weiteres Kunstwerk hinzu. Dafür müssen wir nun zur Elbuferpromenade, am besten über die Johannisbergstraße und über das Schleinufer hinweg. Wir laufen links am Fahnenmonument vorbei und auf die Promenade.

Der Fährmann

Der Fährmann von Eberhard Roßdeutscher
Der Fährmann von Eberhard Roßdeutscher

Direkt vor uns liegt nun eine weitere Plastik von Eberhard Roßdeutscher: „Der Fährmann“ befindet sich auf einer hohen Steinsäule, bestimmt drei bis vier Meter über unseren Köpfen. Wir müssen das Kunstwerk, zu dem auch noch fünf kleinere Steinplastiken gehören, erst einmal von Weitem erfassen.

Dann gehen wir näher heran und entdecken auf den kleineren Steinsockeln verschiedene Motive. Das Kunstwerk zeigt nämlich Szenen aus dem Opernintermezzo „Pimpinone“. Das musikalische Lustspiel von Georg Philipp Telemann wurde 1725 am Theater des Hamburger Gänsemarktes uraufgeführt. Das Werk war Telemanns größter Bühnenerfolg und erzählt die Geschichte von einem alten reichen Mann, der von einer jungen Frau umgarnt und an der Nase herumgeführt wird.

Im 19. Jahrhundert verschwand das Werk von den Bühnen und geriet in Vergessenheit. Im Zuge der Telemann-Renaissance im 20. Jahrhundert wurde es wiederentdeckt und entsprechend gewürdigt. Gemunkelt wird, dass Telemann den Stoff aufgrund eigener schlechter Erfahrungen mit seiner zweiten Frau aufgriff. 1714 hatte der damals über 30-Jährige die gerade mal 16 Jahre alte Maria Catharina Textor geheiratet. Nach 20 Ehejahren und neun gemeinsamen Kindern, ließ sich das Paar scheiden. Als Gründe werden Ehebruch oder Glücksspiel vermutet – Maria Catharina soll dabei eine große Summe Geld verloren haben. Wer sehen möchte, wie Eberhard Roßdeutscher diese Betrugsthematik umgesetzt hat, sollte sich das Kunstwerk einmal anschauen.

Das junge raffinierte Mädchen und der alte reiche Mann
Das junge raffinierte Mädchen und der alte reiche Mann
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Und weil die Zahl drei sich heute durch unseren Beitrag zieht, möchten wir euch gern noch auf drei Highlights im Veranstaltungskalender der Telemania 2017 hinweisen, die ihr nicht verpassen solltet.
  • Morgen Abend könnt ihr nämlich Till Brönner & Orchestra erleben. Das Konzert beginnt um 20.00 Uhr im Stadtpark, sollte es regnen, wird es in die Stadthalle verlegt. Karten sind noch an der Abendkasse für 51,85 Euro erhältlich. Achtung!! Die Veranstaltung wurde aufgrund der enormen Unwetterschäden im Stadtpark abgesagt.
  • Am Samstag heißt es dann „Lange TelemannNacht“ im Klosterbergegarten. Ab 18.00 Uhr beginnt das Spektakel, das uns ins 18. Jahrhundert und mit allen Sinnen zurück in die Telemannzeit bringt. Ab 18.00 Uhr geht es los. Und auch dafür sind noch Karten für 10 Euro an der Abendkasse erhältlich. Der Eintritt für Kinder bis sechs Jahren ist frei. Achtung!! Die Veranstaltung wurde aufgrund der enormen Unwetterschäden im Klosterbergegarten abgesagt.
  • Zum Gedenken an seinen Todestag vor 250 Jahren werden die Magdeburger Blechbläser am Sonntag um 15.00 Uhr an der Telemann-Stele ein Ständchen bringen. Dazu sind alle Interessierten herzlich willkommen.
Till Brönner, Foto: Matthias Piekacz
Lange TelemannNacht Serkowitzer Volksoper, Foto: Robert Jentzsch
Ein Geburtstagsständchen am 14. März 2017
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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 1. Juni 2017

1. Juni 2017 – Unser vorheriger Beitrag hat uns mit der Telemann-Straßenbahn quer durch die Stadt geführt. Am Opernhaus sind wir wieder ausgestiegen und laufen nun in Richtung Süden den Breiten Weg entlang, vorbei am Allee-Center, an Telemanns Gedenkstele, durch die Fußgängerzone der Regierungsstraße und noch darüber hinaus. Denn unser heutiges Ziel ist die zweite Bildungsstätte des jungen Georg Philipp Telemanns.

Magdeburger Dom
Magdeburger Dom

Nach seiner Ausbildung am Altstädtischen Gymnasium besuchte er nämlich die Domschule, die sich im südlichen Teil des Kreuzganges im Magdeburger Dom befand. Als einst älteste Schule der Stadt bekam sie im 16. Jahrhundert im Zuge der Reformation starke Konkurrenz durch das Altstädtische Gymnasium. Wie wir euch bereits erzählt haben, war das Gymnasium eine der ersten evangelischen Stadtschulen Deutschlands. Da die Domschule katholisch blieb und sich der neuen Lehre verschloss, musste der Schulbetrieb 1530 sogar eingestellt werden.

1567 wurde dann im Magdeburger Dom die erste evangelische Predigt abgehalten. Jedoch waren die Überlegungen, dort eine evangelische Schule einzurichten, angesichts des gutlaufenden Altstädtischen Gymnasiums überflüssig. Erst 100 Jahre später wurden die Pläne zur Schulgründung wieder konkret. Am ersten Adventssonntag wurde von der Domkanzel verkündet, „daß nun mehr eine ganz freie Schule beim Dom angerichtet sei“. Gegründet als reine Elementarschule mit nur einer Klasse entwickelte sich die Schule schnell zu einer höheren Schule, die ihre Schüler in mehreren Klassen auf das Studium an einer Universität vorbereitete.

An eben dieser Domschule kam der junge Telemann erstmals in Berührung mit der deutschen Dichtung. Eine besondere Rolle spielte dabei der damalige Rektor Christian Müller, der ihm wie Telemann selbst in seiner Biografie schrieb „die erste Liebe zur Dichtkunst einpflanzte“. Schon in unserem letzten Beitrag haben wir euch von der poetischen Ader des Komponisten berichtet. Der Grundstein dafür wurde eben an dieser Schule gelegt.

Gedicht "Musik - der edelste Zeitvertreib"

Den schönsten Zeitvertreib in unserem ganzen Leben
weiß doch Musik allein zu geben.
Denn alles, was wir sonst nur von der Wollust wissen
- es sei ein guter Wein, ein leckerhafter Bissen,
die Schlittenfahrt,
das Spiel, die Jagd und was noch mehr von solcher Art -,
sind im Beschluß,
nach vorgebrauchtem Überfluß,
wo nicht mit Schaden, Schmerz, Verdruß,
doch wenigstens mit Ungemach gepaart.

Allein Musik kennt nichts als lauter Güte:
Der Anfang ist bequem,
das Mittel angenehm,
das Ende wirkt ein ruhiges Gemüte.

Allen Kummer, alles Leid
kann die Harmonie begraben.
Wie das Meer bei sanfter Stille
seine Flut als wiegend regt,
also wird des Menschen Wille
durch der Töne Kraft bewegt,
daß ihn, frei vom Sorgen-Streit,
sanfte Ruh und Stille laben.

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Angeregt von der Beschäftigung sowohl mit der Musik als auch der Literatur begann Telemann schon in Magdeburg zu komponieren. Eben diese ersten Anfänge seines künstlerischen Schaffens stellt das Stück „Das Glück des Gauklers“, das am 2. Juni im Gesellschaftshaus Premiere feiert, in den Fokus.

Denn als der gerade mal 12-jährige Telemann in Magdeburg seine erste Oper aufführte, in der er selbst die Titelpartie sang, wähnte ihn seine entsetzte Familie auf dem direkten Weg in sein persönliches Unglück und sah ihn als Spielmann oder Gaukler über die Jahrmärkte ziehen. Dass sie sich damit gewaltig täuschten, zeigt das Stück über das beeindruckende Leben des Komponisten. Neben der Premiere am 2. Juni um 19.00 Uhr im Schinkelsaal des Gesellschaftshauses könnt Ihr auch die Vorstellungen am 3., 23. oder 24. Juni besuchen.

Das Glück des Gauklers, Quelle: Kathrin Singer, Telemann-Zentrum
Das Glück des Gauklers, Quelle: Kathrin Singer, Telemann-Zentrum

Und noch ein heißer Tipp für die nächste Juniwoche: In „Telemann ist bigger than …“ könnt Ihr am 9. Juni im AMO-Kulturhaus die spannende Zusammensetzung aus alt und neu erleben. Das junge Künstlerkollektiv „Migges mit Attitude“ zeigt in Kooperation mit „Telemania2017“ die Kombination aus Barockmusik und Hip Hop. Dafür verschmelzen die Klänge des Jugendsinfonieorchesters des Georg-Philipp-Telemann-Konservatoriums mit Rap, DJ‘ing, Graffiti und Breakdance zu einer mitreißenden Bühnenshow.

Damit sind wir für heute schon wieder am Ende unserer Reise. Schaut doch vielleicht mal am oder im Magdeburger Dom vorbei und lasst die Geschichten dieses historischen Gebäudes auf euch wirken. Es gibt auch noch einiges zu entdecken – auch was Telemann betrifft. In der nordwestlichen Ecke des Kreuzgangs zum Beispiel befindet sich der Grabstein des Taufpaten und Namensgebers Telemanns, des damaligen Domherren Georg Philipp von Veltheim.

Grabstein Georg Philipp von Veltheims
Grabstein Georg Philipp von Veltheims
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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 18. April 2017

18. April 2017 –  Telemann bewegt! – Und damit meinen wir nicht nur uns und unsere virtuelle Reise durch Magdeburg entlang der wichtigsten Lebensstationen des Komponisten. Nein, denn bereits seit einem Jahr bewegt er etwa 100 Mädchen und Jungen, Jugendliche und junge Erwachsene verschiedener Schulen in unserer Stadt.

Telemann bewegt
"Telemann bewegt"

Unter dem Motto „Telemann bewegt“ sind sie ebenfalls auf der Spurensuche durch Magdeburg und erkunden Orte, die in Verbindung mit dem Komponisten stehen. Immer an ihrer Seite: Magdeburger Künstler und Theaterpädagogen. Sie unterstützen die Schüler im Alter von 12 bis 20 Jahren dabei, ihre Inspiration in szenische Aktionen umzusetzen. Mit Hilfe theaterpädagogischer Methoden drücken die jungen Menschen in verschiedenen Gruppen ihre Erlebnisse mit Telemann durch Gesang, Musik, Bewegung und szenische Gestaltung aus.

So lernten unter anderem Schüler der Gemeinschaftsschule Wilhelm Weitling aus Olventstedt, inspiriert von der Musik Telemanns und unter Anleitung des Ballettlehrers Alexander Semenchukov, barocke Tänze, wie sie im 17. Jahrhundert üblich waren. In zwei langen Reihen, dem Tanzpartner jeweils gegenüber angeordnet, zeigten die Jungen und Mädchen bereits in der Pressekonferenz am 23. März in den Gruson-Gewächshäusern, wie sich feine Damen und edle Herren zu Telemann’schen Kompositionen bewegten.

Dank des Theaters Magdeburg, das die Aktion im Rahmen des Telemann-Jahres 2017 ins Leben gerufen hat, wird für die Jugendlichen ein Zugang zu dem seit 250 Jahren verstorbenen Komponisten geschaffen. Telemann wird damit für sie erlebbar.

Wer nicht verpassen möchte, was die jungen Künstler bewegt und was sie gelernt haben, der sollte sich den 21. April dick im Kalender anstreichen. Dann nämlich präsentieren die Schüler an vier verschiedenen Stationen im Rahmen einer moderierten und inszenierten Stadtrundfahrt das Einstudierte. Dadurch wird Telemanns Wirken im öffentlichen Raum – also in den Gruson-Gewächshäusern, im Gesellschaftshaus, im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen und im Modehaus Papenbreer – sichtbar.

In welcher Verbindung diese vier Stationen mit dem Magdeburger Komponisten stehen, erfahrt ihr während der Stadtrundfahrten. Diese beginnen um 14.00, 16.00 und 18.00 Uhr – Treffpunkt sind die Gruson-Gewächshäuser. Die Karten gibt es für 5 Euro/3 Euro (ermäßigt) an der Theaterkasse im Opernhaus, telefonisch unter 0391 40 490 490 oder online unter www.theater-magdeburg.de.

Alle interessierten Magdeburgerinnen und Magdeburger sowie Gäste der Stadt sind herzlich eingeladen die Telemannstadt Magdeburg durch die Präsentation der Schülerinnen und Schüler auf völlig neue Weise zu erleben.

Schüler machen Telemann erlebbar
Dr. Ludwig Martin, wissenschaftlicher Leiter der Gruson-Gewächshäuser
Jugendprojekt
Barocke Tänze der Schüler
Theaterpädagoge Matthias Brandt und Tom Wolter, Vorstandsvorsitzender des Landeszentrums Spiel & Theater Sachsen-Anhalt
Schüler der Gemeinschaftsschule

Und apropos Schule – natürlich hat auch der junge Telemann eine Magdeburger Schule besucht. Unsere heutige Station führt uns etwas weiter in den Norden der Stadt. Von der Goldschmiedebrücke aus gehen wir entlang des Breiten Weges, vorbei am Alten Markt und biegen nach Westen in die Julius-Bremer-Straße ein. An der Ecke zur Max-Otten-Straße – dort, wo sich heute ein Zoofachgeschäft befindet – stand einst das Altstädtische Gymnasium, das Telemann ab dem Alter von ungefähr zehn Jahren besuchte. Auch dieses Gebäude ist leider im Zweiten Weltkrieg zu großen Teilen zerstört worden. Im Jahr 1959 wurde die geschichtsträchtige Ruine  dann endgültig abgetragen.


Altstädtisches Gymnasium, Quelle: Stadtarchiv Magdeburg
Altstädtisches Gymnasium, Quelle: Stadtarchiv Magdeburg

Bevor nämlich das Altstädtische Gymnasium ab 1524 in das Gebäude einzog, waren dort die Mönche des Franziskanerordens ansässig. Sie hatten im 13. Jahrhundert den Grundstein für das einstige Kloster gelegt. Als drei Jahrhunderte später die Reformation Magdeburg erreichte, versuchten die Ordensleute durch Predigten gegen die neuen Glaubenssätze anzukämpfen – wenig erfolgreich. Ab Mitte des 16. Jahrhunderts ging die Nutzung an die evangelische Stadtschule über. Das Altstädtische Gymnasium war im Zuge der Reformation als eine der ersten städtischen Lateinschulen Deutschlands eröffnet worden.

Nicht einmal zehn Minuten brauchte der junge Georg Philipp, um von seinem Elternhaus zur Schule zu gelangen. Dort, wo wichtige Kantoren und Musikdirektoren wirkten, konnte er sich in etwas vertiefen, wofür er sich schon vor dem Schulbesuch interessiert hatte – in die Musik. Autodidaktisch hatte er sich mit dem Violinen-, Flöten- und Citherspiel beschäftigt, und erfreute damit nicht nur seine Familie, sondern auch die Nachbarn.

Schon mit diesem Selbststudium wurde deutlich, dass Telemann außerhalb der gängigen Konventionen dachte. Den vermutlich einzigen Instrumentalunterricht bei einem unbekannten Magdeburger Organisten brach er mit der Begründung ab, dass dieser „mit der deutschen Tabulatur erschreckte, die er eben so steiff spielte, wie vieleicht sein Grosvater gethan, von dem er sie geerbet hatte" (Autobiographie 1740).

Überhaupt nicht steif und weit ab von üblichen Konventionen geht es auch im Programm des Telemann-Jahrs weiter. Nicht unweit der heutigen Station erwartet uns demnächst eine musikalische Überraschung. Geht doch mal vorbei an der Stelle, an der ehemals die Altstädtische Schule stand und dann lauscht, ob ihr vielleicht schon aus der Ferne ein paar Telemannklänge vernehmt, die immer näher und näher und näher kommen…

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 17. Mai 2017

17. Mai 2017 – Das Telemannjahr nimmt richtig Fahrt auf!
Wo immer wir stehen und gehen, begegnet uns Georg Philipp Telemann. In Gedanken sind wir noch am letzten Ort unserer virtuellen Reise – dort, wo Telemann einst lernte, am Altstädtischen Gymnasium. Wir setzen unseren Spaziergang entlang des Breiten Weges in Richtung Norden fort. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, die Menschen strahlen und genießen den Tag.

Telemann lädt zur Fahrt in Kulturstraßenbahn ein, Quelle: Georg Bandarau, Pro M
"Telemann" lädt zur Fahrt in Kulturstraßenbahn ein, Quelle: Georg Bandarau, Pro M

Doch was ist das? Wir werden von einer Männerstimme aus den Gedanken gerissen. „Heute werde ich mit Ihnen eine ganz besondere Fahrt unternehmen, eine Fahrt, bei der ich Ihnen viel über mein Leben in dieser schönen Stadt erzählen möchte.“ Ein Mann mit blond gelocktem Haar und einem barocken Gehrock in purpurrot spricht nur wenige Meter von uns entfernt in ein Mikrofon. Er erinnert uns stark an Telemann und siehe da: Es ist Michael Schenk, der die Rolle Telemanns nicht nur spielt, sondern regelrecht lebt. Wann immer es in diesem Jahr um den berühmten Komponisten geht, ist Michael Schenk nicht weit.

Telemann-Straßenbahn
Telemann-Straßenbahn

Doch von welcher Fahrt spricht er? Das wollen wir genauer wissen. Neugierig nähern wir uns der Menschengruppe, die ihm ebenso gespannt zuhört. Wir erfahren, dass uns in einer Kulturstraßenbahn in den kommenden 90 Minuten ein spannendes Programm erwartet. In einer Kulturstraßenbahn? Die Bahn fährt an der Haltestelle am Opernhaus vor und schon wieder sehen wir Telemann – sein Konterfei blickt uns von dieser entgegen. Die Türen öffnen sich. Wir sind gespannt und steigen ein, ebenso wie „Telemann“ und viele andere Interessierte.

Telemann in der Kulturstraßenbahn
"Telemann" in der Kulturstraßenbahn

Die Straßenbahn fährt los. „Telemann“ beginnt Geschichten aus seinem Leben zu erzählen. Und schon bald vernehmen wir schöne Töne. Musikalisch eingestimmt werden wir von dem Musiker Martin Müller, der ein Stück Telemanns auf dem Akkordeon spielt und die perfekte Harmonie zwischen der Barockkomposition und dem Jazz findet.

Ihm folgt der ehemalige Domprediger Giselher Quast. Und er offenbart uns ein weiteres Talent Telemanns. Denn dieser verstand es auch, mit Worten umzugehen. Telemann schrieb Gedichte. Unter denen, die Giselher Quast vorträgt, findet sich eines, indem Telemann in Worte fasste, was ihn nach dem Tod seiner ersten Frau, Amalie Luise Juliane, bewegte. Sie starb bei der Geburt ihrer ersten Tochter am Kindbettfieber. Die beiden waren zu dem Zeitpunkt nicht einmal zwei Jahre verheiratet. Der Verlust muss für den Komponisten sehr groß gewesen sein. Kennengelernt hatten sich die beiden vermutlich über den bekannten Komponisten Daniel Eberlin, den Vater der ersten Frau Telemanns …

Wer noch mehr über das Leben Georg Philipp Telemanns erfahren möchte, sollte die nächsten Fahrten der Kulturstraßenbahn nicht verpassen. Die Bahnen starten jeweils um 18.00 Uhr an der Haltestelle am Opernhaus und enden auch dort: am 24. Mai sowie am 7., 14. und 19. Juni.

Eine weitere schöne Möglichkeit, die Lebensgeschichte Telemanns zu entdecken, erwartet uns schon am kommenden Samstag. „Telemann in Pop“ heißt das Musical, mit dem die 19-jährige Karolina Grunwald vor allem junge Leute erreichen und begeistern will.

Die Premiere des Jugendprojektes ist am Samstag, den 20. Mai 2017, um 19.00 Uhr im Gesellschaftshaus. Die Karten gibt es für 5,00 Euro/ermäßigt 3,00 Euro zzgl. VVK-Gebühren unter der Telefonnummer 0391 540 6777.

Telemann in Pop, Quelle: Kathrin Singer, Telemannzentrum
Telemann in Pop, Quelle: Kathrin Singer, Telemannzentrum

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 20. März 2017

20. März 2017. Heute ist es ganz offiziell: Der Frühling beginnt – endlich. Ein angenehm lauwarmer Wind weht durch die Straßen und Gassen Magdeburgs. In der Innenstadt herrscht geschäftiges Treiben. Begonnen haben wir unsere Reise in der vergangenen Woche auf den Wogen des Ständchens zu Telemanns 336. Geburtstag an seiner Gedenkstele in der Goldschmiedebrücke. Nicht weit davon entfernt, etwas weiter östlich, und noch im Blickfeld Telemanns, findet sich ein Bronzemodell einer Kirche – der Heilig-Geist-Kirche.
Bronzemodell der Heilig-Geist-Kirche in der Goldschmiedebrücke
Bronzemodell der Heilig-Geist-Kirche in der Goldschmiedebrücke

Nur drei Tage nach seiner Geburt im Jahr 1681 wurde Georg Philipp Telemann in eben dieser Kirche getauft. Sein Vater, Heinrich Telemann, war dort seit 1676 zweiter Pfarrer. Das einst prächtige historische Gebäude ist, wie so viele andere Kirchen Magdeburgs, während des Zweiten Weltkriegs stark zerstört worden. Die Substanz blieb jedoch erhalten. Und noch 1948 begann man damit, sie wieder aufzubauen. Zwei Jahre später konnte der erste Gottesdienst abgehalten werden. Doch die Kirche passte nicht in das Konzept zum Aufbau einer sozialistischen Großstadt. 1959 wurde sie gesprengt. Heute erinnert nur noch ein Bronzemodell im Maßstab von 1:20 an die Kirche, in der Telemann und vermutlich auch seine Geschwister getauft wurden.

Modell der Taufkirche Georg Philipp Telemanns mit der Gedenkstele im Hintergrund
Modell der Taufkirche Georg Philipp Telemanns mit der Gedenkstele im Hintergrund

Was wir bereits aus dieser und auch aus der ersten Station unserer Reise auf den Spuren Georg Philipp Telemanns lernen, ist: Um die Verbindung zwischen Magdeburg und dem großen Komponisten zu verstehen, brauchen wir an vielen Stellen unsere Vorstellungskraft. Fantasie und Visionen sind sicher auch das, was Telemann belebte und seine Kunst voranbrachte.

Dass diese Kunst auch 250 Jahre nach seinem Tod noch lebendig ist, hat uns am Wochenende das spannende Finale des 9. Internationalen Telemann-Wettbewerbs eindrucksvoll bewiesen. In diesem Jahr war der Wettbewerb erstmals für Gesang ausgeschrieben. Sängerinnen und Sänger aller Nationen, die nach dem 10. März 1982 und vor dem 10. März 1999 geboren sind, waren dazu aufgerufen, Telemann mit ihrer Musik wieder aufleben zu lassen.

Das Leipziger Barockorchester übernahm mit Freude die musikalische Begleitung im Finale und im Abschlusskonzert. Insgesamt mussten die Sängerinnen und Sänger in drei Runden bestehen, bis am Samstag die Preisträger bekanntgegeben werden konnten. In diesem Jahr traten im vielversprechenden Finale das erste Mal nur Frauen gegeneinander an, die die Gäste und auch die Jury mit ihren Stimmen verzauberten und sie mit auf eine musikalische Reise nahmen. „In Magdeburg herrscht eine phantastische Atmosphäre. Die Seelen waren frei, die Ohren aufmerksam, die Laune gut“, beschreibt Jurymitglied Marek Rzepka die Stimmung im Gesellschaftshaus. Über den 1. Preis, den Preis der Mitteldeutschen Barockmusik, konnte sich Geneviève Tschumi freuen. Wer die 28 Jahre alte Mezzosopranistin aus der Schweiz verpasst hat, kann sich auf die nächsten Telemannfesttage im kommenden Jahr freuen, denn dann wird Geneviève Tschumi wieder eindrucksvoll beweisen, wie lebendig die Kunst Telemanns auch heute noch ist.

Geneviève Tschumi, Gewinnerin des 9. Internationalen Telemann-Wettbewerbs
Geneviève Tschumi, Gewinnerin des 9. Internationalen Telemann-Wettbewerbs. Foto:Viktoria Kühne

Neben der Musik hatte Telemann noch eine weitere Passion, von der bisher sicher nur die wahren Kenner des Komponisten wussten. Auch Blumen zogen ihn in ihren Bann. Ihre Kraft entfaltet sich ebenso wie die der Musik auf besondere Weise. Telemann suchte die Welt mit allen Sinnen zu entdecken. Deswegen unser Tipp für euch zum Frühlingsanfang: Ein Vortrag über diese „Blumenliebe“ des Komponisten am 22. März 2017. Berichten wird darüber der Telemannforscher Ralph-Jürgen Reipsch in der Stadtbibliothek. Dazu wird Telemanns Musik erklingen und euch eine andere Seite, nämlich seine Blumenliebe, näherbringen.

Telemanns Blumenliebe
Telemanns "Blumenliebe"

Für heute sind wir mit unserer Reise schon wieder am Ende. Seid gespannt und freut euch auf die nächsten Stationen. Und vielleicht habt ihr ja Lust und Zeit, und geht auf dem Weg zu einer unserer vielfältigen Veranstaltungen an den zwei bisherigen Berührungspunkten vorbei. Lauft dort, wo einst der junge Telemann lief. Lasst euch inspirieren, dort wo einst der junge Telemann inspiriert wurde und erlebt die Kultur Magdeburgs. Auf den Spuren Telemanns zu wandeln, macht ihn auch 250 Jahre nach seinem Tod in Magdeburg noch immer real.

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 14. März 2017

14. März 2017. Kalt und grau waren der Januar und der Februar. Endlich ist März und die ersten Sonnenstrahlen locken uns nach draußen. Wir haben gewartet auf die Märzsonne. Wir haben gewartet auf den Frühling und wir haben gewartet auf Telemann. Auf Telemann? Fragt sich jetzt sicher der ein oder andere.

Ja! Denn in diesem Jahr feiern wir den großen Magdeburger Komponisten. Damit ehren wir nicht nur ihn und sein Werk. Wir wollen Kulturhauptstadt werden. Und Telemann wird uns dabei unterstützen.

Um uns darauf einzustimmen und auch fragende Blicke in Interesse umzuwandeln, nehmen wir die Magdeburgerinnen und Magdeburger mit auf eine virtuelle Reise – eine Reise durch unsere Stadt, durch die Geschichte, vorbei an den Berührungspunkten mit Telemann und seinem wichtigen Erbe für uns.

Lasst euch anstecken von der Begeisterung, seid ein bisschen Telemania. Und vielleicht zieht euch nicht nur der Frühling nach draußen, sondern auch Telemann in seinen Bann und ihr habt Lust auf all die spannenden Veranstaltungen, die uns in diesem Jahr erwarten.

Der Startpunkt unserer Reise liegt zwischen dem Allee-Center und der Regierungsstraße. Läuft man nämlich südlich des Centers entlang der Goldschmiedebrücke in Richtung Westen, stößt man unweigerlich an der Querung zur Fußgängerzone der Regierungsstraße auf eine große dunkelgraue Granittafel. Darauf zu sehen ist Telemann – zumindest sein Kopf. Aus einer etwas erhöhten Position hat er einen guten Blick auf das Geschehen vor dem Allee-Center. Und womöglich blickte er vor über 300 Jahren, noch in den Anfängen seines Lebens, auf dieselbe Stelle – natürlich mit einer anderen Aussicht.

Denn sein Geburtshaus wird eben dort vermutet. Zerstört vom Krieg und überbaut von modernen Gebäuden ist davon heute nichts mehr zu sehen – nur Telemanns wachsamer Blick, der bleibt. Seit 2011 steht die Gedenkstele nun schon an diesem Ort. Und neben seinen Lebensdaten und einem Ausschnitt aus der Ouvertüre zu Telemanns berühmter Oper Der geduldige Socrates – die humorvolle Oper war Telemanns Einstieg in die Hamburger Musikszene – entdecken aufmerksame Magdeburger sowie Gäste unserer Stadt einen Ausspruch des berühmten Komponisten:

„Wer vielen nutzen kann, tut besser, als wer nur für wenige was schreibet.“

Eine wichtige Aussage, die einiges über die Persönlichkeit Telemanns verrät. Er dachte nicht in Kleinem, schrieb nicht für sich oder die Kunst, sondern für alle. Er war das, was man heute einen Kosmopoliten nennt. Kein anderer prägte die Barockmusik des 18. Jahrhunderts so sehr wie Telemann. Er vermochte es, Einflüsse aus ganz Europa in seine Musik zu bringen und aus dieser Vielfalt eine Einheit zu schaffen.

Doch noch nicht zu viel vorweg, wir stehen ja noch ganz am Anfang. Am 14. März 1681 – also auf den Tag genau vor 336 Jahren – wurde Georg Philipp Telemann in Magdeburg geboren. Vermutlich in einem Pfarrhaus in der heute überbauten Heilig-Geist-Straße, vermutlich an der besagten Stelle.

Um seinen Geburtstag gebührend zu feiern, haben sich heute Vormittag Telemannfreunde eben dort  – an seiner Gedenkstele – versammelt. Angezogen von den musikalischen Beiträgen des Magdeburger Blechbläser Ensembles sind auch einige Interessierte stehen geblieben und lauschten andachtsvoll. Und so stand eine Menschentraube in einem Halbkreis um Telemann herum – der hatte heute also noch mehr zu gucken als sonst – und erinnerte an die Geburt des großen Magdeburger Komponisten.

„Ich bin in Magdeburg geboren“ hieß das Ständchen, das um 10.00 Uhr die Fußgängerzone der Goldschmiedebrücke mit Wohlklängen erfüllte und auch so manchen Telemannneuling anlockte. Neben den Geburtstagsliedern und den vielen Gratulanten durfte sich Telemann übrigens auch über Blumen freuen.

Wer das Ständchen verpasst hat, kann sich von den Klängen in unserem Video mit auf unsere Reise nehmen lassen und sich auf den nächsten Blogbeitrag freuen, wenn es wieder heißt: „Magdeburg blogt über Telemann“.

Bilder vom Geburtstagsständchen

»Ich bin in Magdeburg geboren« vom Magdeburger Blechbläser Ensemble
Magdeburger Blechbläser Ensemble
Ein Geburtstagsständchen am 14. März 2017
Ein Geburtstagsständchen für Telemann an der Gedenkstele
Siegfried Pank, Wettbewerbspräsident Georg-Philipp-Telemann-Wettbewerb
Magdeburger Blechbläser Ensemble im Einsatz
Magdeburger Blechbläser Ensemble gemeinsam mit
Telemann-Gedenkstele
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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 16. August 2017

16. August 2017 – Telemann und die vier Temperamente, Telemann und die Muse und der Fährmann – diese Erinnerungsorte an den berühmten Kosmopoliten haben wir im Juni unserer virtuellen Reise besucht. Inspiriert vom Fährmann lassen wir unsere Gedanken wie das Wasser eines Flusses fließen. Wir gehen am Schleinufer an der Elbe entlang Richtung Süden und denken an Georg Philipp Telemann. Wir denken an seine Musik, sein Werk, sein Leben und fragen uns: Wie war wohl das Leben zu seiner Zeit?

Genau das könnt ihr bei der Langen TelemannNACHT herausfinden, denn diese verspricht jede Menge barockes Lebensgefühl. Wegen der Folgen eines Unwetters abgesagt, kann sie am 1. September 2017 nachgeholt werden.

Wir laufen am Schleinufer entlang und sind beinah auf Höhe des Doms. Kurzerhand lassen wir uns in die Richtung des ersten gotischen Dom auf deutschem Boden treiben und laufen über eine Brücke hinauf zum Fürstenwall. Genau hier werden in wenigen Tagen Gaukler, barocke Spiele und Metallskulpturen in eine andere, in eine telemannsche Welt entführen. Als Teil des Festes zu Ehren eines weiteren großen Sohnes unserer Stadt – Kaiser Otto – eröffnen sich hier zur Langen TelemannNACHT ab 17.00 Uhr neue Perspektiven. Entlang des Hauses der Romanik, des Remtergangs, der Bastion Cleve bis hin zur Schweizer Milchkuranstalt am Fürstenwall wird es musikalisch, spielerisch und auch kulinarisch erlebnisreich.

Lange TelemannNACHT

Lange TelemannNACHT

Magdeburg ist im Telemannfieber! Am 1. September 2017 lädt die Landeshauptstadt im Rahmen des Kaiser-Otto-Festes dazu ein, den Komponisten Georg Philipp Telemann mit allen Sinnen kennenzulernen. Die Lange TelemannNACHT vereint barockes Lebensgefühl, Spiellust und Lebensfreude rund um Telemann und entführt die Gäste von der Bastion Cleve, über den Remtergang und das Haus der Romanik bis hin zum Fürstenwall in eine neue Welt.

Programm Lange TelemannNACHT

Die ehemalige Intendantin des Magdeburger Puppentheaters, Elke Schneider, konnte für die TelemannNACHT 200 Mitwirkende begeistern. Mit dabei sind der Magdeburger Telemann-Chor, das Magdeburger Blechbläserensemble, das Rossini-Quartett, die Ballettschule Semenchukov, Schülerinnen und Schüler des Konservatoriums, das Ensemble des Telemann-Musicals „Telemann in Pop“ und viele mehr.

Gaukler zeigen ihre Künste, barocke Spiele, Tänze und Musik laden zum Mitmachen ein. Die Gäste können sich unter anderem von Musiktherapie, Papiertheater, Puppentheater, barocken Karussellpferden und Barockkutschen in die Welt Telemanns entführen lassen.

Sogar kulinarisch geht es in die Zeit des Barocks: Die Speisen nehmen Bezug auf die regionale Küche, die Georg Philipp Telemann an den unterschiedlichen Orten, an denen er lebte, kennenlernte, und stellen somit eine weitere Verbindung zum 18. Jahrhundert her. Das gesamte Programm Lange TelemannNACHT [PDF: 2,6 MB] finden Sie hier.

Die Lange TelemannNACHT sollte ursprünglich am 24. Juni 2017 stattfinden, musste aber wegen der Sturmschäden im Klosterbergegarten abgesagt werden. Karten, die für die ursprüngliche TelemannNACHT gekauft wurden, sind am 1. September für die Lange TelemannNACHT und das Kaiser-Otto-Fest gültig.

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Angetrieben von der Vorfreude auf die Lange TelemannNACHT haben wir heute noch eine Station zu dem berühmten Künstler vor uns. Vom Fürstenwall aus laufen wir weiter durch eine der schönsten Straßen Magdeburgs, durch die Hegelstraße. Die mit Fassadenschmuck verzierten Häuser entstanden lange nach Telemann in der Gründerzeit von 1880 bis 1920. Von dort aus gelangen wir über die Steubenallee zu den Gruson-Gewächshäusern. Auch diese Tropenhäuser entstanden während der Gründerzeit.

120 Jahre Gruson-Gewächshäuser - Eingang um 1900
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Apropros Tropen und exotische Pflanzen – die gefielen auch Georg Philipp Telemann. Über seine „Bluhmen-Liebe“ haben wir schon einmal berichtet, denn er hatte nicht nur eine Leidenschaft für Kunst und Musik, sondern ebenso für die Pflanzenwelt. So bekannte er in einem Brief an seinen Frankfurter Freund Johann Friedrich Armand von Uffenbach aus dem Jahre 1742:

Ob diese [die Musik] zwar mein Acker und Pflug ist, und mir zum Hauptergetzen dienet, so habe ich ihr doch seither ein Par Jahren eine Gefehrtinn zugesellet, nemlich die Bluhmen-Liebe, welche beyde wechselsweis mich ihrer Annehmlichkeiten theilhaft machen.“

In seinem eigenen Garten trug er damals in Hamburg zahlreiche botanische Raritäten zusammen und ging seiner „Bluhmen-Liebe“ nach. Er listete seinen „Garten-Vorraht“ sogar auf und erstellte damit ein Pflanzenverzeichnis. Tulpen, chinesische Astern, Aloen, Säulenkakteen, Hyazinthen, Narzissen, Pfingstrosen, Kornblumen und viele mehr zierten dieses Verzeichnis und seinen Garten. Doch damit nicht genug. Telemann begab sich auf die Suche nach weiteren exotischen Pflanzen für seine Sammlung.

Und woher nahm Telemann, der rund um die Uhr zu arbeiten schien, die Zeit für seinen exotischen Garten? Er war nämlich zu der Zeit städtischer Musikdirektor in Hamburg, leitete seinen eigenen Verlag und nebenbei noch die Oper am Gänsemarkt. Seine zweite Frau Maria Catharina, von der er zu diesem Zeitpunkt beinah 15 Jahre lang getrennt lebte, weil sie ihn betrogen hatte, ging zurück nach Frankfurt am Main. Das war für Telemann der Anlass, um seinen Verlag, den er nicht nur wegen künstlerischer Ambitionen, sondern auch aus finanzieller Not heraus gegründet hatte, aufzulösen und Gärtner zu werden.

Doch nicht nur die Zeit, sondern auch seine vielen Kontakte trugen dazu bei, dass Telemanns Garten immer größer und exotischer wurde. Besonders hilfreich waren dabei seine Kontakte aus der Musikwelt. So wendete er sich zum Beispiel an Albrecht von Haller, den Begründer des Botanischen Gartens in Göttingen. Von ihm erhielt er zahlreiche seltene Sämereien. Der Garten des großen Blumenliebhabers wurde über die Jahre so bekannt, dass Christlob Mylius, ein Vetter Lessings, berichtete, dass in Telemanns Garten „viel fremde und schöne Pflanzen“ seien. Noch 1843 wurde er zu den bedeutendsten Hamburger Gärten des vergangenen Jahrhunderts gezählt. 

Über 50 Jahre später wurden auch in Magdeburg Gärten oder vielmehr Häuser gegründet, die bis heute exotische Pflanzen beherbergen – die Gruson-Gewächshäuser. Dort lädt der Innenhof mit einem Telemann-Garten zum Verweilen ein. Viele Pflanzen aus Telemanns ehemaligem Garten wurden in seiner Geburtsstadt Magdeburg gepflanzt und laden hier zum Erkunden ein. Eröffnet wurde der Garten am 3. Juni 2012. In diesem Jahr könnt ihr ihn bis Mitte Oktober besuchen und Telemanns „Bluhmen-Liebe“ entdecken.

Telemanns Garten
Telemanngarten
Gruson-Gewächshäuser
Hermann August Jacques Gruson

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 22. Juni 2017

22. Juni 2017 – Zur Erinnerung an Georg Philipp Telemann
In genau drei Tagen, nämlich am 25. Juni, jährt sich der Todestag des berühmten Magdeburger Komponisten zum 250. Mal. Seit Beginn des Jahres zeigen ihm zu Ehren zahlreiche und in ihrer Form ganz unterschiedliche Veranstaltungen, wer Telemann war und was ihn auch heute noch so bedeutend macht. Doch wir feiern den berühmten Komponisten nicht nur bei uns in Magdeburg, sondern auch in anderen Orten, die wichtige Stationen in seinem Leben waren.

Das so entstandene Netzwerk aus insgesamt zehn Städten – neben Magdeburg gehören Clausthal-Zellerfeld, Hildesheim, Leipzig, Żary, Pszczyna, Eisenach, Frankfurt am Main sowie Hamburg und Paris dazu – wäre ganz im Sinne Telemanns gewesen. Er selbst hatte sich Zeit seines Lebens ein großes Beziehungsnetzwerk in ganz Europa aufgebaut und damit den so wichtigen Austausch befördert. Telemann – ein musikalischer Kosmopolit mit Strahlkraft weit über unsere Stadtgrenzen hinaus.

Um eben diesen modernen Europäer gebührend zu würdigen, gibt es in unserer Stadt verschiedene Erinnerungsstätten. Und diese sind ebenso verstreut und vielseitig, wie einst das Netzwerk seiner Kontakte. Hat sich in unserem letzten Beitrag noch alles um den jungen Georg Philipp Telemann gedreht, machen wir auf unserer heutigen Reise ein paar Sprünge durch die Zeit seines Erwachsenenlebens – die Zeit, in der sich seine Strahlkraft schon voll entfaltet hatte. In Gedenken an seinen Todestag besuchen wir heute drei Erinnerungsorte:

Wir befinden uns am Magdeburger Dom und laufen über den Platz wieder zurück auf der Regierungsstraße, doch diesmal nicht bis zum Ende. Denn vorher biegen wir in die Große Klosterstraße ein und sehen schon von Weitem unsere erste Station.

Telemann und die vier Temperamente

Telemann und die vier Temperamente von Eberhard Roßdeutscher
Telemann und die vier Temperamente von Eberhard Roßdeutscher

Auf großen schlanken Säulen, die an Orgelpfeifen erinnern, sind Telemann und vier Frauen zu sehen. Wir gehen näher heran und entdecken, dass der Komponist einen Dirigentenstab in der Hand hält und die Damen um ihn herum auf ganz unterschiedliche Weise zu dirigieren scheint.

Die Figurengruppe „Telemann und die vier Temperamente“ steht seit 1981 an diesem Platz, direkt gegenüber dem Kloster Unser Lieben Frauen. Der Bildhauer Eberhard Roßdeutscher hatte das Kunstwerk anlässlich des 300. Geburtstages Telemanns gestaltet.

Die Lehre von den vier Temperamenten stammt bereits aus der Antike und nicht nur Telemann hatte sich mit ihr beschäftigt, sondern auch andere Komponisten wie Johannes Brahms oder Carl Nielsen. Auch in der Literatur ist dies ein viel bearbeiteter Stoff und sogar die moderne Persönlichkeitspsychologie orientiert sich an ihr. Die antike Lehre teilt nämlich die Menschen nach ihrer Grundwesensart in vier Temperamente ein: die Sanguiniker, die Choleriker, die Melancholiker und die Phlegmatiker. Um es euch zu verdeutlichen, dient das Gleichnis mit dem Stein.

Stellt euch vor, ein großer Stein versperrt euch den Weg. Lasst ihr euch davon nicht beirren und springt oder klettert über ihn hinweg, gehört ihr zu der Gruppe der Sanguiniker. Geratet ihr jedoch in Rage und versucht womöglich, den Stein mit eigener Kraft aus dem Weg zu räumen, seid ihr wohl Choleriker. Die Phlegmatiker unter euch versuchen, dem Problem aus dem Weg zu gehen – wortwörtlich machen sie einen großen Bogen um den Stein herum. Die Melancholiker hingegen werden beim Anblick des Steins ihren Weg in Frage stellen und sich traurig auf den Stein setzen, um nachzudenken und ihr Vorhaben zu reflektieren.

Ebenso unterschiedlich wie die menschlichen Gemüter präsentieren sich auch die vier Frauen um Telemann herum. Zwei von ihnen stehen, die anderen beiden liegen und jede von ihnen nimmt eine andere Haltung ein. Geht doch mal vorbei und rätselt mit, welche der Damen welches Temperament verkörpert.

Telemann dirigiert umgeben von vier Frauenfiguren
Telemann dirigiert umgeben von vier Frauenfiguren
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Wir laufen weiter und nehmen die Abkürzung durch den kleinen Park am Prämonstratenserberg. Unser nächstes Ziel ist nämlich das Alte Rathaus. Wir überqueren die Ernst-Reuter-Allee und gehen auf der Hartstraße direkt darauf zu. Diesmal müssen wir jedoch etwas näher heran, um Telemann zu entdecken.

Telemann und die Muse

Auf der historischen Rathaustür, die heute nicht mehr als Eingang genutzt wird, hat der Künstler Heinrich Apel die Geschichte Magdeburgs auf insgesamt 14 verschiedenen Bronzeplatten verewigt. Und wer darf da natürlich nicht fehlen? Richtig, Georg Philipp Telemann. Wir stehen direkt vor der großen und eindrucksvollen Tür und finden den Komponisten auf eine der unteren Platten auf der linken Seite.

„Telemann und die Muse“ wird dieser Teil der Tür genannt. Zu sehen ist der Musiker vor einem Dirigentenpult und die Muse, die als Engel vom Himmel kommt, reicht ihm ein Instrument – wahrscheinlich eine Viola oder Violine. So von der Muse geküsst, komponierte Telemann viele seiner berühmten Stücke. Seit 1970 wird an dieser präsenten und wichtigen Stelle der Stadt an den Magdeburger Komponisten erinnert.

Bronzene Rathaustür gestaltet von Heinrich Apel
Telemann und die Muse
Die Rathaustür besteht aus 14 Bronzeplatten, die die Geschichte Magdeburgs zeigen.

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Vier Jahre später kam ein weiteres Kunstwerk hinzu. Dafür müssen wir nun zur Elbuferpromenade, am besten über die Johannisbergstraße und über das Schleinufer hinweg. Wir laufen links am Fahnenmonument vorbei und auf die Promenade.

Der Fährmann

Der Fährmann von Eberhard Roßdeutscher
Der Fährmann von Eberhard Roßdeutscher

Direkt vor uns liegt nun eine weitere Plastik von Eberhard Roßdeutscher: „Der Fährmann“ befindet sich auf einer hohen Steinsäule, bestimmt drei bis vier Meter über unseren Köpfen. Wir müssen das Kunstwerk, zu dem auch noch fünf kleinere Steinplastiken gehören, erst einmal von Weitem erfassen.

Dann gehen wir näher heran und entdecken auf den kleineren Steinsockeln verschiedene Motive. Das Kunstwerk zeigt nämlich Szenen aus dem Opernintermezzo „Pimpinone“. Das musikalische Lustspiel von Georg Philipp Telemann wurde 1725 am Theater des Hamburger Gänsemarktes uraufgeführt. Das Werk war Telemanns größter Bühnenerfolg und erzählt die Geschichte von einem alten reichen Mann, der von einer jungen Frau umgarnt und an der Nase herumgeführt wird.

Im 19. Jahrhundert verschwand das Werk von den Bühnen und geriet in Vergessenheit. Im Zuge der Telemann-Renaissance im 20. Jahrhundert wurde es wiederentdeckt und entsprechend gewürdigt. Gemunkelt wird, dass Telemann den Stoff aufgrund eigener schlechter Erfahrungen mit seiner zweiten Frau aufgriff. 1714 hatte der damals über 30-Jährige die gerade mal 16 Jahre alte Maria Catharina Textor geheiratet. Nach 20 Ehejahren und neun gemeinsamen Kindern, ließ sich das Paar scheiden. Als Gründe werden Ehebruch oder Glücksspiel vermutet – Maria Catharina soll dabei eine große Summe Geld verloren haben. Wer sehen möchte, wie Eberhard Roßdeutscher diese Betrugsthematik umgesetzt hat, sollte sich das Kunstwerk einmal anschauen.

Das junge raffinierte Mädchen und der alte reiche Mann
Das junge raffinierte Mädchen und der alte reiche Mann
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Und weil die Zahl drei sich heute durch unseren Beitrag zieht, möchten wir euch gern noch auf drei Highlights im Veranstaltungskalender der Telemania 2017 hinweisen, die ihr nicht verpassen solltet.
  • Morgen Abend könnt ihr nämlich Till Brönner & Orchestra erleben. Das Konzert beginnt um 20.00 Uhr im Stadtpark, sollte es regnen, wird es in die Stadthalle verlegt. Karten sind noch an der Abendkasse für 51,85 Euro erhältlich. Achtung!! Die Veranstaltung wurde aufgrund der enormen Unwetterschäden im Stadtpark abgesagt.
  • Am Samstag heißt es dann „Lange TelemannNacht“ im Klosterbergegarten. Ab 18.00 Uhr beginnt das Spektakel, das uns ins 18. Jahrhundert und mit allen Sinnen zurück in die Telemannzeit bringt. Ab 18.00 Uhr geht es los. Und auch dafür sind noch Karten für 10 Euro an der Abendkasse erhältlich. Der Eintritt für Kinder bis sechs Jahren ist frei. Achtung!! Die Veranstaltung wurde aufgrund der enormen Unwetterschäden im Klosterbergegarten abgesagt.
  • Zum Gedenken an seinen Todestag vor 250 Jahren werden die Magdeburger Blechbläser am Sonntag um 15.00 Uhr an der Telemann-Stele ein Ständchen bringen. Dazu sind alle Interessierten herzlich willkommen.
Till Brönner, Foto: Matthias Piekacz
Lange TelemannNacht Serkowitzer Volksoper, Foto: Robert Jentzsch
Ein Geburtstagsständchen am 14. März 2017
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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 1. Juni 2017

1. Juni 2017 – Unser vorheriger Beitrag hat uns mit der Telemann-Straßenbahn quer durch die Stadt geführt. Am Opernhaus sind wir wieder ausgestiegen und laufen nun in Richtung Süden den Breiten Weg entlang, vorbei am Allee-Center, an Telemanns Gedenkstele, durch die Fußgängerzone der Regierungsstraße und noch darüber hinaus. Denn unser heutiges Ziel ist die zweite Bildungsstätte des jungen Georg Philipp Telemanns.

Magdeburger Dom
Magdeburger Dom

Nach seiner Ausbildung am Altstädtischen Gymnasium besuchte er nämlich die Domschule, die sich im südlichen Teil des Kreuzganges im Magdeburger Dom befand. Als einst älteste Schule der Stadt bekam sie im 16. Jahrhundert im Zuge der Reformation starke Konkurrenz durch das Altstädtische Gymnasium. Wie wir euch bereits erzählt haben, war das Gymnasium eine der ersten evangelischen Stadtschulen Deutschlands. Da die Domschule katholisch blieb und sich der neuen Lehre verschloss, musste der Schulbetrieb 1530 sogar eingestellt werden.

1567 wurde dann im Magdeburger Dom die erste evangelische Predigt abgehalten. Jedoch waren die Überlegungen, dort eine evangelische Schule einzurichten, angesichts des gutlaufenden Altstädtischen Gymnasiums überflüssig. Erst 100 Jahre später wurden die Pläne zur Schulgründung wieder konkret. Am ersten Adventssonntag wurde von der Domkanzel verkündet, „daß nun mehr eine ganz freie Schule beim Dom angerichtet sei“. Gegründet als reine Elementarschule mit nur einer Klasse entwickelte sich die Schule schnell zu einer höheren Schule, die ihre Schüler in mehreren Klassen auf das Studium an einer Universität vorbereitete.

An eben dieser Domschule kam der junge Telemann erstmals in Berührung mit der deutschen Dichtung. Eine besondere Rolle spielte dabei der damalige Rektor Christian Müller, der ihm wie Telemann selbst in seiner Biografie schrieb „die erste Liebe zur Dichtkunst einpflanzte“. Schon in unserem letzten Beitrag haben wir euch von der poetischen Ader des Komponisten berichtet. Der Grundstein dafür wurde eben an dieser Schule gelegt.

Gedicht "Musik - der edelste Zeitvertreib"

Den schönsten Zeitvertreib in unserem ganzen Leben
weiß doch Musik allein zu geben.
Denn alles, was wir sonst nur von der Wollust wissen
- es sei ein guter Wein, ein leckerhafter Bissen,
die Schlittenfahrt,
das Spiel, die Jagd und was noch mehr von solcher Art -,
sind im Beschluß,
nach vorgebrauchtem Überfluß,
wo nicht mit Schaden, Schmerz, Verdruß,
doch wenigstens mit Ungemach gepaart.

Allein Musik kennt nichts als lauter Güte:
Der Anfang ist bequem,
das Mittel angenehm,
das Ende wirkt ein ruhiges Gemüte.

Allen Kummer, alles Leid
kann die Harmonie begraben.
Wie das Meer bei sanfter Stille
seine Flut als wiegend regt,
also wird des Menschen Wille
durch der Töne Kraft bewegt,
daß ihn, frei vom Sorgen-Streit,
sanfte Ruh und Stille laben.

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Angeregt von der Beschäftigung sowohl mit der Musik als auch der Literatur begann Telemann schon in Magdeburg zu komponieren. Eben diese ersten Anfänge seines künstlerischen Schaffens stellt das Stück „Das Glück des Gauklers“, das am 2. Juni im Gesellschaftshaus Premiere feiert, in den Fokus.

Denn als der gerade mal 12-jährige Telemann in Magdeburg seine erste Oper aufführte, in der er selbst die Titelpartie sang, wähnte ihn seine entsetzte Familie auf dem direkten Weg in sein persönliches Unglück und sah ihn als Spielmann oder Gaukler über die Jahrmärkte ziehen. Dass sie sich damit gewaltig täuschten, zeigt das Stück über das beeindruckende Leben des Komponisten. Neben der Premiere am 2. Juni um 19.00 Uhr im Schinkelsaal des Gesellschaftshauses könnt Ihr auch die Vorstellungen am 3., 23. oder 24. Juni besuchen.

Das Glück des Gauklers, Quelle: Kathrin Singer, Telemann-Zentrum
Das Glück des Gauklers, Quelle: Kathrin Singer, Telemann-Zentrum

Und noch ein heißer Tipp für die nächste Juniwoche: In „Telemann ist bigger than …“ könnt Ihr am 9. Juni im AMO-Kulturhaus die spannende Zusammensetzung aus alt und neu erleben. Das junge Künstlerkollektiv „Migges mit Attitude“ zeigt in Kooperation mit „Telemania2017“ die Kombination aus Barockmusik und Hip Hop. Dafür verschmelzen die Klänge des Jugendsinfonieorchesters des Georg-Philipp-Telemann-Konservatoriums mit Rap, DJ‘ing, Graffiti und Breakdance zu einer mitreißenden Bühnenshow.

Damit sind wir für heute schon wieder am Ende unserer Reise. Schaut doch vielleicht mal am oder im Magdeburger Dom vorbei und lasst die Geschichten dieses historischen Gebäudes auf euch wirken. Es gibt auch noch einiges zu entdecken – auch was Telemann betrifft. In der nordwestlichen Ecke des Kreuzgangs zum Beispiel befindet sich der Grabstein des Taufpaten und Namensgebers Telemanns, des damaligen Domherren Georg Philipp von Veltheim.

Grabstein Georg Philipp von Veltheims
Grabstein Georg Philipp von Veltheims
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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 18. April 2017

18. April 2017 –  Telemann bewegt! – Und damit meinen wir nicht nur uns und unsere virtuelle Reise durch Magdeburg entlang der wichtigsten Lebensstationen des Komponisten. Nein, denn bereits seit einem Jahr bewegt er etwa 100 Mädchen und Jungen, Jugendliche und junge Erwachsene verschiedener Schulen in unserer Stadt.

Telemann bewegt
"Telemann bewegt"

Unter dem Motto „Telemann bewegt“ sind sie ebenfalls auf der Spurensuche durch Magdeburg und erkunden Orte, die in Verbindung mit dem Komponisten stehen. Immer an ihrer Seite: Magdeburger Künstler und Theaterpädagogen. Sie unterstützen die Schüler im Alter von 12 bis 20 Jahren dabei, ihre Inspiration in szenische Aktionen umzusetzen. Mit Hilfe theaterpädagogischer Methoden drücken die jungen Menschen in verschiedenen Gruppen ihre Erlebnisse mit Telemann durch Gesang, Musik, Bewegung und szenische Gestaltung aus.

So lernten unter anderem Schüler der Gemeinschaftsschule Wilhelm Weitling aus Olventstedt, inspiriert von der Musik Telemanns und unter Anleitung des Ballettlehrers Alexander Semenchukov, barocke Tänze, wie sie im 17. Jahrhundert üblich waren. In zwei langen Reihen, dem Tanzpartner jeweils gegenüber angeordnet, zeigten die Jungen und Mädchen bereits in der Pressekonferenz am 23. März in den Gruson-Gewächshäusern, wie sich feine Damen und edle Herren zu Telemann’schen Kompositionen bewegten.

Dank des Theaters Magdeburg, das die Aktion im Rahmen des Telemann-Jahres 2017 ins Leben gerufen hat, wird für die Jugendlichen ein Zugang zu dem seit 250 Jahren verstorbenen Komponisten geschaffen. Telemann wird damit für sie erlebbar.

Wer nicht verpassen möchte, was die jungen Künstler bewegt und was sie gelernt haben, der sollte sich den 21. April dick im Kalender anstreichen. Dann nämlich präsentieren die Schüler an vier verschiedenen Stationen im Rahmen einer moderierten und inszenierten Stadtrundfahrt das Einstudierte. Dadurch wird Telemanns Wirken im öffentlichen Raum – also in den Gruson-Gewächshäusern, im Gesellschaftshaus, im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen und im Modehaus Papenbreer – sichtbar.

In welcher Verbindung diese vier Stationen mit dem Magdeburger Komponisten stehen, erfahrt ihr während der Stadtrundfahrten. Diese beginnen um 14.00, 16.00 und 18.00 Uhr – Treffpunkt sind die Gruson-Gewächshäuser. Die Karten gibt es für 5 Euro/3 Euro (ermäßigt) an der Theaterkasse im Opernhaus, telefonisch unter 0391 40 490 490 oder online unter www.theater-magdeburg.de.

Alle interessierten Magdeburgerinnen und Magdeburger sowie Gäste der Stadt sind herzlich eingeladen die Telemannstadt Magdeburg durch die Präsentation der Schülerinnen und Schüler auf völlig neue Weise zu erleben.

Schüler machen Telemann erlebbar
Dr. Ludwig Martin, wissenschaftlicher Leiter der Gruson-Gewächshäuser
Jugendprojekt
Barocke Tänze der Schüler
Theaterpädagoge Matthias Brandt und Tom Wolter, Vorstandsvorsitzender des Landeszentrums Spiel & Theater Sachsen-Anhalt
Schüler der Gemeinschaftsschule

Und apropos Schule – natürlich hat auch der junge Telemann eine Magdeburger Schule besucht. Unsere heutige Station führt uns etwas weiter in den Norden der Stadt. Von der Goldschmiedebrücke aus gehen wir entlang des Breiten Weges, vorbei am Alten Markt und biegen nach Westen in die Julius-Bremer-Straße ein. An der Ecke zur Max-Otten-Straße – dort, wo sich heute ein Zoofachgeschäft befindet – stand einst das Altstädtische Gymnasium, das Telemann ab dem Alter von ungefähr zehn Jahren besuchte. Auch dieses Gebäude ist leider im Zweiten Weltkrieg zu großen Teilen zerstört worden. Im Jahr 1959 wurde die geschichtsträchtige Ruine  dann endgültig abgetragen.


Altstädtisches Gymnasium, Quelle: Stadtarchiv Magdeburg
Altstädtisches Gymnasium, Quelle: Stadtarchiv Magdeburg

Bevor nämlich das Altstädtische Gymnasium ab 1524 in das Gebäude einzog, waren dort die Mönche des Franziskanerordens ansässig. Sie hatten im 13. Jahrhundert den Grundstein für das einstige Kloster gelegt. Als drei Jahrhunderte später die Reformation Magdeburg erreichte, versuchten die Ordensleute durch Predigten gegen die neuen Glaubenssätze anzukämpfen – wenig erfolgreich. Ab Mitte des 16. Jahrhunderts ging die Nutzung an die evangelische Stadtschule über. Das Altstädtische Gymnasium war im Zuge der Reformation als eine der ersten städtischen Lateinschulen Deutschlands eröffnet worden.

Nicht einmal zehn Minuten brauchte der junge Georg Philipp, um von seinem Elternhaus zur Schule zu gelangen. Dort, wo wichtige Kantoren und Musikdirektoren wirkten, konnte er sich in etwas vertiefen, wofür er sich schon vor dem Schulbesuch interessiert hatte – in die Musik. Autodidaktisch hatte er sich mit dem Violinen-, Flöten- und Citherspiel beschäftigt, und erfreute damit nicht nur seine Familie, sondern auch die Nachbarn.

Schon mit diesem Selbststudium wurde deutlich, dass Telemann außerhalb der gängigen Konventionen dachte. Den vermutlich einzigen Instrumentalunterricht bei einem unbekannten Magdeburger Organisten brach er mit der Begründung ab, dass dieser „mit der deutschen Tabulatur erschreckte, die er eben so steiff spielte, wie vieleicht sein Grosvater gethan, von dem er sie geerbet hatte" (Autobiographie 1740).

Überhaupt nicht steif und weit ab von üblichen Konventionen geht es auch im Programm des Telemann-Jahrs weiter. Nicht unweit der heutigen Station erwartet uns demnächst eine musikalische Überraschung. Geht doch mal vorbei an der Stelle, an der ehemals die Altstädtische Schule stand und dann lauscht, ob ihr vielleicht schon aus der Ferne ein paar Telemannklänge vernehmt, die immer näher und näher und näher kommen…

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 17. Mai 2017

17. Mai 2017 – Das Telemannjahr nimmt richtig Fahrt auf!
Wo immer wir stehen und gehen, begegnet uns Georg Philipp Telemann. In Gedanken sind wir noch am letzten Ort unserer virtuellen Reise – dort, wo Telemann einst lernte, am Altstädtischen Gymnasium. Wir setzen unseren Spaziergang entlang des Breiten Weges in Richtung Norden fort. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, die Menschen strahlen und genießen den Tag.

Telemann lädt zur Fahrt in Kulturstraßenbahn ein, Quelle: Georg Bandarau, Pro M
"Telemann" lädt zur Fahrt in Kulturstraßenbahn ein, Quelle: Georg Bandarau, Pro M

Doch was ist das? Wir werden von einer Männerstimme aus den Gedanken gerissen. „Heute werde ich mit Ihnen eine ganz besondere Fahrt unternehmen, eine Fahrt, bei der ich Ihnen viel über mein Leben in dieser schönen Stadt erzählen möchte.“ Ein Mann mit blond gelocktem Haar und einem barocken Gehrock in purpurrot spricht nur wenige Meter von uns entfernt in ein Mikrofon. Er erinnert uns stark an Telemann und siehe da: Es ist Michael Schenk, der die Rolle Telemanns nicht nur spielt, sondern regelrecht lebt. Wann immer es in diesem Jahr um den berühmten Komponisten geht, ist Michael Schenk nicht weit.

Telemann-Straßenbahn
Telemann-Straßenbahn

Doch von welcher Fahrt spricht er? Das wollen wir genauer wissen. Neugierig nähern wir uns der Menschengruppe, die ihm ebenso gespannt zuhört. Wir erfahren, dass uns in einer Kulturstraßenbahn in den kommenden 90 Minuten ein spannendes Programm erwartet. In einer Kulturstraßenbahn? Die Bahn fährt an der Haltestelle am Opernhaus vor und schon wieder sehen wir Telemann – sein Konterfei blickt uns von dieser entgegen. Die Türen öffnen sich. Wir sind gespannt und steigen ein, ebenso wie „Telemann“ und viele andere Interessierte.

Telemann in der Kulturstraßenbahn
"Telemann" in der Kulturstraßenbahn

Die Straßenbahn fährt los. „Telemann“ beginnt Geschichten aus seinem Leben zu erzählen. Und schon bald vernehmen wir schöne Töne. Musikalisch eingestimmt werden wir von dem Musiker Martin Müller, der ein Stück Telemanns auf dem Akkordeon spielt und die perfekte Harmonie zwischen der Barockkomposition und dem Jazz findet.

Ihm folgt der ehemalige Domprediger Giselher Quast. Und er offenbart uns ein weiteres Talent Telemanns. Denn dieser verstand es auch, mit Worten umzugehen. Telemann schrieb Gedichte. Unter denen, die Giselher Quast vorträgt, findet sich eines, indem Telemann in Worte fasste, was ihn nach dem Tod seiner ersten Frau, Amalie Luise Juliane, bewegte. Sie starb bei der Geburt ihrer ersten Tochter am Kindbettfieber. Die beiden waren zu dem Zeitpunkt nicht einmal zwei Jahre verheiratet. Der Verlust muss für den Komponisten sehr groß gewesen sein. Kennengelernt hatten sich die beiden vermutlich über den bekannten Komponisten Daniel Eberlin, den Vater der ersten Frau Telemanns …

Wer noch mehr über das Leben Georg Philipp Telemanns erfahren möchte, sollte die nächsten Fahrten der Kulturstraßenbahn nicht verpassen. Die Bahnen starten jeweils um 18.00 Uhr an der Haltestelle am Opernhaus und enden auch dort: am 24. Mai sowie am 7., 14. und 19. Juni.

Eine weitere schöne Möglichkeit, die Lebensgeschichte Telemanns zu entdecken, erwartet uns schon am kommenden Samstag. „Telemann in Pop“ heißt das Musical, mit dem die 19-jährige Karolina Grunwald vor allem junge Leute erreichen und begeistern will.

Die Premiere des Jugendprojektes ist am Samstag, den 20. Mai 2017, um 19.00 Uhr im Gesellschaftshaus. Die Karten gibt es für 5,00 Euro/ermäßigt 3,00 Euro zzgl. VVK-Gebühren unter der Telefonnummer 0391 540 6777.

Telemann in Pop, Quelle: Kathrin Singer, Telemannzentrum
Telemann in Pop, Quelle: Kathrin Singer, Telemannzentrum

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 20. März 2017

20. März 2017. Heute ist es ganz offiziell: Der Frühling beginnt – endlich. Ein angenehm lauwarmer Wind weht durch die Straßen und Gassen Magdeburgs. In der Innenstadt herrscht geschäftiges Treiben. Begonnen haben wir unsere Reise in der vergangenen Woche auf den Wogen des Ständchens zu Telemanns 336. Geburtstag an seiner Gedenkstele in der Goldschmiedebrücke. Nicht weit davon entfernt, etwas weiter östlich, und noch im Blickfeld Telemanns, findet sich ein Bronzemodell einer Kirche – der Heilig-Geist-Kirche.
Bronzemodell der Heilig-Geist-Kirche in der Goldschmiedebrücke
Bronzemodell der Heilig-Geist-Kirche in der Goldschmiedebrücke

Nur drei Tage nach seiner Geburt im Jahr 1681 wurde Georg Philipp Telemann in eben dieser Kirche getauft. Sein Vater, Heinrich Telemann, war dort seit 1676 zweiter Pfarrer. Das einst prächtige historische Gebäude ist, wie so viele andere Kirchen Magdeburgs, während des Zweiten Weltkriegs stark zerstört worden. Die Substanz blieb jedoch erhalten. Und noch 1948 begann man damit, sie wieder aufzubauen. Zwei Jahre später konnte der erste Gottesdienst abgehalten werden. Doch die Kirche passte nicht in das Konzept zum Aufbau einer sozialistischen Großstadt. 1959 wurde sie gesprengt. Heute erinnert nur noch ein Bronzemodell im Maßstab von 1:20 an die Kirche, in der Telemann und vermutlich auch seine Geschwister getauft wurden.

Modell der Taufkirche Georg Philipp Telemanns mit der Gedenkstele im Hintergrund
Modell der Taufkirche Georg Philipp Telemanns mit der Gedenkstele im Hintergrund

Was wir bereits aus dieser und auch aus der ersten Station unserer Reise auf den Spuren Georg Philipp Telemanns lernen, ist: Um die Verbindung zwischen Magdeburg und dem großen Komponisten zu verstehen, brauchen wir an vielen Stellen unsere Vorstellungskraft. Fantasie und Visionen sind sicher auch das, was Telemann belebte und seine Kunst voranbrachte.

Dass diese Kunst auch 250 Jahre nach seinem Tod noch lebendig ist, hat uns am Wochenende das spannende Finale des 9. Internationalen Telemann-Wettbewerbs eindrucksvoll bewiesen. In diesem Jahr war der Wettbewerb erstmals für Gesang ausgeschrieben. Sängerinnen und Sänger aller Nationen, die nach dem 10. März 1982 und vor dem 10. März 1999 geboren sind, waren dazu aufgerufen, Telemann mit ihrer Musik wieder aufleben zu lassen.

Das Leipziger Barockorchester übernahm mit Freude die musikalische Begleitung im Finale und im Abschlusskonzert. Insgesamt mussten die Sängerinnen und Sänger in drei Runden bestehen, bis am Samstag die Preisträger bekanntgegeben werden konnten. In diesem Jahr traten im vielversprechenden Finale das erste Mal nur Frauen gegeneinander an, die die Gäste und auch die Jury mit ihren Stimmen verzauberten und sie mit auf eine musikalische Reise nahmen. „In Magdeburg herrscht eine phantastische Atmosphäre. Die Seelen waren frei, die Ohren aufmerksam, die Laune gut“, beschreibt Jurymitglied Marek Rzepka die Stimmung im Gesellschaftshaus. Über den 1. Preis, den Preis der Mitteldeutschen Barockmusik, konnte sich Geneviève Tschumi freuen. Wer die 28 Jahre alte Mezzosopranistin aus der Schweiz verpasst hat, kann sich auf die nächsten Telemannfesttage im kommenden Jahr freuen, denn dann wird Geneviève Tschumi wieder eindrucksvoll beweisen, wie lebendig die Kunst Telemanns auch heute noch ist.

Geneviève Tschumi, Gewinnerin des 9. Internationalen Telemann-Wettbewerbs
Geneviève Tschumi, Gewinnerin des 9. Internationalen Telemann-Wettbewerbs. Foto:Viktoria Kühne

Neben der Musik hatte Telemann noch eine weitere Passion, von der bisher sicher nur die wahren Kenner des Komponisten wussten. Auch Blumen zogen ihn in ihren Bann. Ihre Kraft entfaltet sich ebenso wie die der Musik auf besondere Weise. Telemann suchte die Welt mit allen Sinnen zu entdecken. Deswegen unser Tipp für euch zum Frühlingsanfang: Ein Vortrag über diese „Blumenliebe“ des Komponisten am 22. März 2017. Berichten wird darüber der Telemannforscher Ralph-Jürgen Reipsch in der Stadtbibliothek. Dazu wird Telemanns Musik erklingen und euch eine andere Seite, nämlich seine Blumenliebe, näherbringen.

Telemanns Blumenliebe
Telemanns "Blumenliebe"

Für heute sind wir mit unserer Reise schon wieder am Ende. Seid gespannt und freut euch auf die nächsten Stationen. Und vielleicht habt ihr ja Lust und Zeit, und geht auf dem Weg zu einer unserer vielfältigen Veranstaltungen an den zwei bisherigen Berührungspunkten vorbei. Lauft dort, wo einst der junge Telemann lief. Lasst euch inspirieren, dort wo einst der junge Telemann inspiriert wurde und erlebt die Kultur Magdeburgs. Auf den Spuren Telemanns zu wandeln, macht ihn auch 250 Jahre nach seinem Tod in Magdeburg noch immer real.

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 14. März 2017

14. März 2017. Kalt und grau waren der Januar und der Februar. Endlich ist März und die ersten Sonnenstrahlen locken uns nach draußen. Wir haben gewartet auf die Märzsonne. Wir haben gewartet auf den Frühling und wir haben gewartet auf Telemann. Auf Telemann? Fragt sich jetzt sicher der ein oder andere.

Ja! Denn in diesem Jahr feiern wir den großen Magdeburger Komponisten. Damit ehren wir nicht nur ihn und sein Werk. Wir wollen Kulturhauptstadt werden. Und Telemann wird uns dabei unterstützen.

Um uns darauf einzustimmen und auch fragende Blicke in Interesse umzuwandeln, nehmen wir die Magdeburgerinnen und Magdeburger mit auf eine virtuelle Reise – eine Reise durch unsere Stadt, durch die Geschichte, vorbei an den Berührungspunkten mit Telemann und seinem wichtigen Erbe für uns.

Lasst euch anstecken von der Begeisterung, seid ein bisschen Telemania. Und vielleicht zieht euch nicht nur der Frühling nach draußen, sondern auch Telemann in seinen Bann und ihr habt Lust auf all die spannenden Veranstaltungen, die uns in diesem Jahr erwarten.

Der Startpunkt unserer Reise liegt zwischen dem Allee-Center und der Regierungsstraße. Läuft man nämlich südlich des Centers entlang der Goldschmiedebrücke in Richtung Westen, stößt man unweigerlich an der Querung zur Fußgängerzone der Regierungsstraße auf eine große dunkelgraue Granittafel. Darauf zu sehen ist Telemann – zumindest sein Kopf. Aus einer etwas erhöhten Position hat er einen guten Blick auf das Geschehen vor dem Allee-Center. Und womöglich blickte er vor über 300 Jahren, noch in den Anfängen seines Lebens, auf dieselbe Stelle – natürlich mit einer anderen Aussicht.

Denn sein Geburtshaus wird eben dort vermutet. Zerstört vom Krieg und überbaut von modernen Gebäuden ist davon heute nichts mehr zu sehen – nur Telemanns wachsamer Blick, der bleibt. Seit 2011 steht die Gedenkstele nun schon an diesem Ort. Und neben seinen Lebensdaten und einem Ausschnitt aus der Ouvertüre zu Telemanns berühmter Oper Der geduldige Socrates – die humorvolle Oper war Telemanns Einstieg in die Hamburger Musikszene – entdecken aufmerksame Magdeburger sowie Gäste unserer Stadt einen Ausspruch des berühmten Komponisten:

„Wer vielen nutzen kann, tut besser, als wer nur für wenige was schreibet.“

Eine wichtige Aussage, die einiges über die Persönlichkeit Telemanns verrät. Er dachte nicht in Kleinem, schrieb nicht für sich oder die Kunst, sondern für alle. Er war das, was man heute einen Kosmopoliten nennt. Kein anderer prägte die Barockmusik des 18. Jahrhunderts so sehr wie Telemann. Er vermochte es, Einflüsse aus ganz Europa in seine Musik zu bringen und aus dieser Vielfalt eine Einheit zu schaffen.

Doch noch nicht zu viel vorweg, wir stehen ja noch ganz am Anfang. Am 14. März 1681 – also auf den Tag genau vor 336 Jahren – wurde Georg Philipp Telemann in Magdeburg geboren. Vermutlich in einem Pfarrhaus in der heute überbauten Heilig-Geist-Straße, vermutlich an der besagten Stelle.

Um seinen Geburtstag gebührend zu feiern, haben sich heute Vormittag Telemannfreunde eben dort  – an seiner Gedenkstele – versammelt. Angezogen von den musikalischen Beiträgen des Magdeburger Blechbläser Ensembles sind auch einige Interessierte stehen geblieben und lauschten andachtsvoll. Und so stand eine Menschentraube in einem Halbkreis um Telemann herum – der hatte heute also noch mehr zu gucken als sonst – und erinnerte an die Geburt des großen Magdeburger Komponisten.

„Ich bin in Magdeburg geboren“ hieß das Ständchen, das um 10.00 Uhr die Fußgängerzone der Goldschmiedebrücke mit Wohlklängen erfüllte und auch so manchen Telemannneuling anlockte. Neben den Geburtstagsliedern und den vielen Gratulanten durfte sich Telemann übrigens auch über Blumen freuen.

Wer das Ständchen verpasst hat, kann sich von den Klängen in unserem Video mit auf unsere Reise nehmen lassen und sich auf den nächsten Blogbeitrag freuen, wenn es wieder heißt: „Magdeburg blogt über Telemann“.

Bilder vom Geburtstagsständchen

»Ich bin in Magdeburg geboren« vom Magdeburger Blechbläser Ensemble
Magdeburger Blechbläser Ensemble
Ein Geburtstagsständchen am 14. März 2017
Ein Geburtstagsständchen für Telemann an der Gedenkstele
Siegfried Pank, Wettbewerbspräsident Georg-Philipp-Telemann-Wettbewerb
Magdeburger Blechbläser Ensemble im Einsatz
Magdeburger Blechbläser Ensemble gemeinsam mit
Telemann-Gedenkstele
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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 16. August 2017

16. August 2017 – Telemann und die vier Temperamente, Telemann und die Muse und der Fährmann – diese Erinnerungsorte an den berühmten Kosmopoliten haben wir im Juni unserer virtuellen Reise besucht. Inspiriert vom Fährmann lassen wir unsere Gedanken wie das Wasser eines Flusses fließen. Wir gehen am Schleinufer an der Elbe entlang Richtung Süden und denken an Georg Philipp Telemann. Wir denken an seine Musik, sein Werk, sein Leben und fragen uns: Wie war wohl das Leben zu seiner Zeit?

Genau das könnt ihr bei der Langen TelemannNACHT herausfinden, denn diese verspricht jede Menge barockes Lebensgefühl. Wegen der Folgen eines Unwetters abgesagt, kann sie am 1. September 2017 nachgeholt werden.

Wir laufen am Schleinufer entlang und sind beinah auf Höhe des Doms. Kurzerhand lassen wir uns in die Richtung des ersten gotischen Dom auf deutschem Boden treiben und laufen über eine Brücke hinauf zum Fürstenwall. Genau hier werden in wenigen Tagen Gaukler, barocke Spiele und Metallskulpturen in eine andere, in eine telemannsche Welt entführen. Als Teil des Festes zu Ehren eines weiteren großen Sohnes unserer Stadt – Kaiser Otto – eröffnen sich hier zur Langen TelemannNACHT ab 17.00 Uhr neue Perspektiven. Entlang des Hauses der Romanik, des Remtergangs, der Bastion Cleve bis hin zur Schweizer Milchkuranstalt am Fürstenwall wird es musikalisch, spielerisch und auch kulinarisch erlebnisreich.

Lange TelemannNACHT

Lange TelemannNACHT

Magdeburg ist im Telemannfieber! Am 1. September 2017 lädt die Landeshauptstadt im Rahmen des Kaiser-Otto-Festes dazu ein, den Komponisten Georg Philipp Telemann mit allen Sinnen kennenzulernen. Die Lange TelemannNACHT vereint barockes Lebensgefühl, Spiellust und Lebensfreude rund um Telemann und entführt die Gäste von der Bastion Cleve, über den Remtergang und das Haus der Romanik bis hin zum Fürstenwall in eine neue Welt.

Programm Lange TelemannNACHT

Die ehemalige Intendantin des Magdeburger Puppentheaters, Elke Schneider, konnte für die TelemannNACHT 200 Mitwirkende begeistern. Mit dabei sind der Magdeburger Telemann-Chor, das Magdeburger Blechbläserensemble, das Rossini-Quartett, die Ballettschule Semenchukov, Schülerinnen und Schüler des Konservatoriums, das Ensemble des Telemann-Musicals „Telemann in Pop“ und viele mehr.

Gaukler zeigen ihre Künste, barocke Spiele, Tänze und Musik laden zum Mitmachen ein. Die Gäste können sich unter anderem von Musiktherapie, Papiertheater, Puppentheater, barocken Karussellpferden und Barockkutschen in die Welt Telemanns entführen lassen.

Sogar kulinarisch geht es in die Zeit des Barocks: Die Speisen nehmen Bezug auf die regionale Küche, die Georg Philipp Telemann an den unterschiedlichen Orten, an denen er lebte, kennenlernte, und stellen somit eine weitere Verbindung zum 18. Jahrhundert her. Das gesamte Programm Lange TelemannNACHT [PDF: 2,6 MB] finden Sie hier.

Die Lange TelemannNACHT sollte ursprünglich am 24. Juni 2017 stattfinden, musste aber wegen der Sturmschäden im Klosterbergegarten abgesagt werden. Karten, die für die ursprüngliche TelemannNACHT gekauft wurden, sind am 1. September für die Lange TelemannNACHT und das Kaiser-Otto-Fest gültig.

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Angetrieben von der Vorfreude auf die Lange TelemannNACHT haben wir heute noch eine Station zu dem berühmten Künstler vor uns. Vom Fürstenwall aus laufen wir weiter durch eine der schönsten Straßen Magdeburgs, durch die Hegelstraße. Die mit Fassadenschmuck verzierten Häuser entstanden lange nach Telemann in der Gründerzeit von 1880 bis 1920. Von dort aus gelangen wir über die Steubenallee zu den Gruson-Gewächshäusern. Auch diese Tropenhäuser entstanden während der Gründerzeit.

120 Jahre Gruson-Gewächshäuser - Eingang um 1900
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Apropros Tropen und exotische Pflanzen – die gefielen auch Georg Philipp Telemann. Über seine „Bluhmen-Liebe“ haben wir schon einmal berichtet, denn er hatte nicht nur eine Leidenschaft für Kunst und Musik, sondern ebenso für die Pflanzenwelt. So bekannte er in einem Brief an seinen Frankfurter Freund Johann Friedrich Armand von Uffenbach aus dem Jahre 1742:

Ob diese [die Musik] zwar mein Acker und Pflug ist, und mir zum Hauptergetzen dienet, so habe ich ihr doch seither ein Par Jahren eine Gefehrtinn zugesellet, nemlich die Bluhmen-Liebe, welche beyde wechselsweis mich ihrer Annehmlichkeiten theilhaft machen.“

In seinem eigenen Garten trug er damals in Hamburg zahlreiche botanische Raritäten zusammen und ging seiner „Bluhmen-Liebe“ nach. Er listete seinen „Garten-Vorraht“ sogar auf und erstellte damit ein Pflanzenverzeichnis. Tulpen, chinesische Astern, Aloen, Säulenkakteen, Hyazinthen, Narzissen, Pfingstrosen, Kornblumen und viele mehr zierten dieses Verzeichnis und seinen Garten. Doch damit nicht genug. Telemann begab sich auf die Suche nach weiteren exotischen Pflanzen für seine Sammlung.

Und woher nahm Telemann, der rund um die Uhr zu arbeiten schien, die Zeit für seinen exotischen Garten? Er war nämlich zu der Zeit städtischer Musikdirektor in Hamburg, leitete seinen eigenen Verlag und nebenbei noch die Oper am Gänsemarkt. Seine zweite Frau Maria Catharina, von der er zu diesem Zeitpunkt beinah 15 Jahre lang getrennt lebte, weil sie ihn betrogen hatte, ging zurück nach Frankfurt am Main. Das war für Telemann der Anlass, um seinen Verlag, den er nicht nur wegen künstlerischer Ambitionen, sondern auch aus finanzieller Not heraus gegründet hatte, aufzulösen und Gärtner zu werden.

Doch nicht nur die Zeit, sondern auch seine vielen Kontakte trugen dazu bei, dass Telemanns Garten immer größer und exotischer wurde. Besonders hilfreich waren dabei seine Kontakte aus der Musikwelt. So wendete er sich zum Beispiel an Albrecht von Haller, den Begründer des Botanischen Gartens in Göttingen. Von ihm erhielt er zahlreiche seltene Sämereien. Der Garten des großen Blumenliebhabers wurde über die Jahre so bekannt, dass Christlob Mylius, ein Vetter Lessings, berichtete, dass in Telemanns Garten „viel fremde und schöne Pflanzen“ seien. Noch 1843 wurde er zu den bedeutendsten Hamburger Gärten des vergangenen Jahrhunderts gezählt. 

Über 50 Jahre später wurden auch in Magdeburg Gärten oder vielmehr Häuser gegründet, die bis heute exotische Pflanzen beherbergen – die Gruson-Gewächshäuser. Dort lädt der Innenhof mit einem Telemann-Garten zum Verweilen ein. Viele Pflanzen aus Telemanns ehemaligem Garten wurden in seiner Geburtsstadt Magdeburg gepflanzt und laden hier zum Erkunden ein. Eröffnet wurde der Garten am 3. Juni 2012. In diesem Jahr könnt ihr ihn bis Mitte Oktober besuchen und Telemanns „Bluhmen-Liebe“ entdecken.

Telemanns Garten
Telemanngarten
Gruson-Gewächshäuser
Hermann August Jacques Gruson

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 22. Juni 2017

22. Juni 2017 – Zur Erinnerung an Georg Philipp Telemann
In genau drei Tagen, nämlich am 25. Juni, jährt sich der Todestag des berühmten Magdeburger Komponisten zum 250. Mal. Seit Beginn des Jahres zeigen ihm zu Ehren zahlreiche und in ihrer Form ganz unterschiedliche Veranstaltungen, wer Telemann war und was ihn auch heute noch so bedeutend macht. Doch wir feiern den berühmten Komponisten nicht nur bei uns in Magdeburg, sondern auch in anderen Orten, die wichtige Stationen in seinem Leben waren.

Das so entstandene Netzwerk aus insgesamt zehn Städten – neben Magdeburg gehören Clausthal-Zellerfeld, Hildesheim, Leipzig, Żary, Pszczyna, Eisenach, Frankfurt am Main sowie Hamburg und Paris dazu – wäre ganz im Sinne Telemanns gewesen. Er selbst hatte sich Zeit seines Lebens ein großes Beziehungsnetzwerk in ganz Europa aufgebaut und damit den so wichtigen Austausch befördert. Telemann – ein musikalischer Kosmopolit mit Strahlkraft weit über unsere Stadtgrenzen hinaus.

Um eben diesen modernen Europäer gebührend zu würdigen, gibt es in unserer Stadt verschiedene Erinnerungsstätten. Und diese sind ebenso verstreut und vielseitig, wie einst das Netzwerk seiner Kontakte. Hat sich in unserem letzten Beitrag noch alles um den jungen Georg Philipp Telemann gedreht, machen wir auf unserer heutigen Reise ein paar Sprünge durch die Zeit seines Erwachsenenlebens – die Zeit, in der sich seine Strahlkraft schon voll entfaltet hatte. In Gedenken an seinen Todestag besuchen wir heute drei Erinnerungsorte:

Wir befinden uns am Magdeburger Dom und laufen über den Platz wieder zurück auf der Regierungsstraße, doch diesmal nicht bis zum Ende. Denn vorher biegen wir in die Große Klosterstraße ein und sehen schon von Weitem unsere erste Station.

Telemann und die vier Temperamente

Telemann und die vier Temperamente von Eberhard Roßdeutscher
Telemann und die vier Temperamente von Eberhard Roßdeutscher

Auf großen schlanken Säulen, die an Orgelpfeifen erinnern, sind Telemann und vier Frauen zu sehen. Wir gehen näher heran und entdecken, dass der Komponist einen Dirigentenstab in der Hand hält und die Damen um ihn herum auf ganz unterschiedliche Weise zu dirigieren scheint.

Die Figurengruppe „Telemann und die vier Temperamente“ steht seit 1981 an diesem Platz, direkt gegenüber dem Kloster Unser Lieben Frauen. Der Bildhauer Eberhard Roßdeutscher hatte das Kunstwerk anlässlich des 300. Geburtstages Telemanns gestaltet.

Die Lehre von den vier Temperamenten stammt bereits aus der Antike und nicht nur Telemann hatte sich mit ihr beschäftigt, sondern auch andere Komponisten wie Johannes Brahms oder Carl Nielsen. Auch in der Literatur ist dies ein viel bearbeiteter Stoff und sogar die moderne Persönlichkeitspsychologie orientiert sich an ihr. Die antike Lehre teilt nämlich die Menschen nach ihrer Grundwesensart in vier Temperamente ein: die Sanguiniker, die Choleriker, die Melancholiker und die Phlegmatiker. Um es euch zu verdeutlichen, dient das Gleichnis mit dem Stein.

Stellt euch vor, ein großer Stein versperrt euch den Weg. Lasst ihr euch davon nicht beirren und springt oder klettert über ihn hinweg, gehört ihr zu der Gruppe der Sanguiniker. Geratet ihr jedoch in Rage und versucht womöglich, den Stein mit eigener Kraft aus dem Weg zu räumen, seid ihr wohl Choleriker. Die Phlegmatiker unter euch versuchen, dem Problem aus dem Weg zu gehen – wortwörtlich machen sie einen großen Bogen um den Stein herum. Die Melancholiker hingegen werden beim Anblick des Steins ihren Weg in Frage stellen und sich traurig auf den Stein setzen, um nachzudenken und ihr Vorhaben zu reflektieren.

Ebenso unterschiedlich wie die menschlichen Gemüter präsentieren sich auch die vier Frauen um Telemann herum. Zwei von ihnen stehen, die anderen beiden liegen und jede von ihnen nimmt eine andere Haltung ein. Geht doch mal vorbei und rätselt mit, welche der Damen welches Temperament verkörpert.

Telemann dirigiert umgeben von vier Frauenfiguren
Telemann dirigiert umgeben von vier Frauenfiguren
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Wir laufen weiter und nehmen die Abkürzung durch den kleinen Park am Prämonstratenserberg. Unser nächstes Ziel ist nämlich das Alte Rathaus. Wir überqueren die Ernst-Reuter-Allee und gehen auf der Hartstraße direkt darauf zu. Diesmal müssen wir jedoch etwas näher heran, um Telemann zu entdecken.

Telemann und die Muse

Auf der historischen Rathaustür, die heute nicht mehr als Eingang genutzt wird, hat der Künstler Heinrich Apel die Geschichte Magdeburgs auf insgesamt 14 verschiedenen Bronzeplatten verewigt. Und wer darf da natürlich nicht fehlen? Richtig, Georg Philipp Telemann. Wir stehen direkt vor der großen und eindrucksvollen Tür und finden den Komponisten auf eine der unteren Platten auf der linken Seite.

„Telemann und die Muse“ wird dieser Teil der Tür genannt. Zu sehen ist der Musiker vor einem Dirigentenpult und die Muse, die als Engel vom Himmel kommt, reicht ihm ein Instrument – wahrscheinlich eine Viola oder Violine. So von der Muse geküsst, komponierte Telemann viele seiner berühmten Stücke. Seit 1970 wird an dieser präsenten und wichtigen Stelle der Stadt an den Magdeburger Komponisten erinnert.

Bronzene Rathaustür gestaltet von Heinrich Apel
Telemann und die Muse
Die Rathaustür besteht aus 14 Bronzeplatten, die die Geschichte Magdeburgs zeigen.

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Vier Jahre später kam ein weiteres Kunstwerk hinzu. Dafür müssen wir nun zur Elbuferpromenade, am besten über die Johannisbergstraße und über das Schleinufer hinweg. Wir laufen links am Fahnenmonument vorbei und auf die Promenade.

Der Fährmann

Der Fährmann von Eberhard Roßdeutscher
Der Fährmann von Eberhard Roßdeutscher

Direkt vor uns liegt nun eine weitere Plastik von Eberhard Roßdeutscher: „Der Fährmann“ befindet sich auf einer hohen Steinsäule, bestimmt drei bis vier Meter über unseren Köpfen. Wir müssen das Kunstwerk, zu dem auch noch fünf kleinere Steinplastiken gehören, erst einmal von Weitem erfassen.

Dann gehen wir näher heran und entdecken auf den kleineren Steinsockeln verschiedene Motive. Das Kunstwerk zeigt nämlich Szenen aus dem Opernintermezzo „Pimpinone“. Das musikalische Lustspiel von Georg Philipp Telemann wurde 1725 am Theater des Hamburger Gänsemarktes uraufgeführt. Das Werk war Telemanns größter Bühnenerfolg und erzählt die Geschichte von einem alten reichen Mann, der von einer jungen Frau umgarnt und an der Nase herumgeführt wird.

Im 19. Jahrhundert verschwand das Werk von den Bühnen und geriet in Vergessenheit. Im Zuge der Telemann-Renaissance im 20. Jahrhundert wurde es wiederentdeckt und entsprechend gewürdigt. Gemunkelt wird, dass Telemann den Stoff aufgrund eigener schlechter Erfahrungen mit seiner zweiten Frau aufgriff. 1714 hatte der damals über 30-Jährige die gerade mal 16 Jahre alte Maria Catharina Textor geheiratet. Nach 20 Ehejahren und neun gemeinsamen Kindern, ließ sich das Paar scheiden. Als Gründe werden Ehebruch oder Glücksspiel vermutet – Maria Catharina soll dabei eine große Summe Geld verloren haben. Wer sehen möchte, wie Eberhard Roßdeutscher diese Betrugsthematik umgesetzt hat, sollte sich das Kunstwerk einmal anschauen.

Das junge raffinierte Mädchen und der alte reiche Mann
Das junge raffinierte Mädchen und der alte reiche Mann
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Und weil die Zahl drei sich heute durch unseren Beitrag zieht, möchten wir euch gern noch auf drei Highlights im Veranstaltungskalender der Telemania 2017 hinweisen, die ihr nicht verpassen solltet.
  • Morgen Abend könnt ihr nämlich Till Brönner & Orchestra erleben. Das Konzert beginnt um 20.00 Uhr im Stadtpark, sollte es regnen, wird es in die Stadthalle verlegt. Karten sind noch an der Abendkasse für 51,85 Euro erhältlich. Achtung!! Die Veranstaltung wurde aufgrund der enormen Unwetterschäden im Stadtpark abgesagt.
  • Am Samstag heißt es dann „Lange TelemannNacht“ im Klosterbergegarten. Ab 18.00 Uhr beginnt das Spektakel, das uns ins 18. Jahrhundert und mit allen Sinnen zurück in die Telemannzeit bringt. Ab 18.00 Uhr geht es los. Und auch dafür sind noch Karten für 10 Euro an der Abendkasse erhältlich. Der Eintritt für Kinder bis sechs Jahren ist frei. Achtung!! Die Veranstaltung wurde aufgrund der enormen Unwetterschäden im Klosterbergegarten abgesagt.
  • Zum Gedenken an seinen Todestag vor 250 Jahren werden die Magdeburger Blechbläser am Sonntag um 15.00 Uhr an der Telemann-Stele ein Ständchen bringen. Dazu sind alle Interessierten herzlich willkommen.
Till Brönner, Foto: Matthias Piekacz
Lange TelemannNacht Serkowitzer Volksoper, Foto: Robert Jentzsch
Ein Geburtstagsständchen am 14. März 2017
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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 1. Juni 2017

1. Juni 2017 – Unser vorheriger Beitrag hat uns mit der Telemann-Straßenbahn quer durch die Stadt geführt. Am Opernhaus sind wir wieder ausgestiegen und laufen nun in Richtung Süden den Breiten Weg entlang, vorbei am Allee-Center, an Telemanns Gedenkstele, durch die Fußgängerzone der Regierungsstraße und noch darüber hinaus. Denn unser heutiges Ziel ist die zweite Bildungsstätte des jungen Georg Philipp Telemanns.

Magdeburger Dom
Magdeburger Dom

Nach seiner Ausbildung am Altstädtischen Gymnasium besuchte er nämlich die Domschule, die sich im südlichen Teil des Kreuzganges im Magdeburger Dom befand. Als einst älteste Schule der Stadt bekam sie im 16. Jahrhundert im Zuge der Reformation starke Konkurrenz durch das Altstädtische Gymnasium. Wie wir euch bereits erzählt haben, war das Gymnasium eine der ersten evangelischen Stadtschulen Deutschlands. Da die Domschule katholisch blieb und sich der neuen Lehre verschloss, musste der Schulbetrieb 1530 sogar eingestellt werden.

1567 wurde dann im Magdeburger Dom die erste evangelische Predigt abgehalten. Jedoch waren die Überlegungen, dort eine evangelische Schule einzurichten, angesichts des gutlaufenden Altstädtischen Gymnasiums überflüssig. Erst 100 Jahre später wurden die Pläne zur Schulgründung wieder konkret. Am ersten Adventssonntag wurde von der Domkanzel verkündet, „daß nun mehr eine ganz freie Schule beim Dom angerichtet sei“. Gegründet als reine Elementarschule mit nur einer Klasse entwickelte sich die Schule schnell zu einer höheren Schule, die ihre Schüler in mehreren Klassen auf das Studium an einer Universität vorbereitete.

An eben dieser Domschule kam der junge Telemann erstmals in Berührung mit der deutschen Dichtung. Eine besondere Rolle spielte dabei der damalige Rektor Christian Müller, der ihm wie Telemann selbst in seiner Biografie schrieb „die erste Liebe zur Dichtkunst einpflanzte“. Schon in unserem letzten Beitrag haben wir euch von der poetischen Ader des Komponisten berichtet. Der Grundstein dafür wurde eben an dieser Schule gelegt.

Gedicht "Musik - der edelste Zeitvertreib"

Den schönsten Zeitvertreib in unserem ganzen Leben
weiß doch Musik allein zu geben.
Denn alles, was wir sonst nur von der Wollust wissen
- es sei ein guter Wein, ein leckerhafter Bissen,
die Schlittenfahrt,
das Spiel, die Jagd und was noch mehr von solcher Art -,
sind im Beschluß,
nach vorgebrauchtem Überfluß,
wo nicht mit Schaden, Schmerz, Verdruß,
doch wenigstens mit Ungemach gepaart.

Allein Musik kennt nichts als lauter Güte:
Der Anfang ist bequem,
das Mittel angenehm,
das Ende wirkt ein ruhiges Gemüte.

Allen Kummer, alles Leid
kann die Harmonie begraben.
Wie das Meer bei sanfter Stille
seine Flut als wiegend regt,
also wird des Menschen Wille
durch der Töne Kraft bewegt,
daß ihn, frei vom Sorgen-Streit,
sanfte Ruh und Stille laben.

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Angeregt von der Beschäftigung sowohl mit der Musik als auch der Literatur begann Telemann schon in Magdeburg zu komponieren. Eben diese ersten Anfänge seines künstlerischen Schaffens stellt das Stück „Das Glück des Gauklers“, das am 2. Juni im Gesellschaftshaus Premiere feiert, in den Fokus.

Denn als der gerade mal 12-jährige Telemann in Magdeburg seine erste Oper aufführte, in der er selbst die Titelpartie sang, wähnte ihn seine entsetzte Familie auf dem direkten Weg in sein persönliches Unglück und sah ihn als Spielmann oder Gaukler über die Jahrmärkte ziehen. Dass sie sich damit gewaltig täuschten, zeigt das Stück über das beeindruckende Leben des Komponisten. Neben der Premiere am 2. Juni um 19.00 Uhr im Schinkelsaal des Gesellschaftshauses könnt Ihr auch die Vorstellungen am 3., 23. oder 24. Juni besuchen.

Das Glück des Gauklers, Quelle: Kathrin Singer, Telemann-Zentrum
Das Glück des Gauklers, Quelle: Kathrin Singer, Telemann-Zentrum

Und noch ein heißer Tipp für die nächste Juniwoche: In „Telemann ist bigger than …“ könnt Ihr am 9. Juni im AMO-Kulturhaus die spannende Zusammensetzung aus alt und neu erleben. Das junge Künstlerkollektiv „Migges mit Attitude“ zeigt in Kooperation mit „Telemania2017“ die Kombination aus Barockmusik und Hip Hop. Dafür verschmelzen die Klänge des Jugendsinfonieorchesters des Georg-Philipp-Telemann-Konservatoriums mit Rap, DJ‘ing, Graffiti und Breakdance zu einer mitreißenden Bühnenshow.

Damit sind wir für heute schon wieder am Ende unserer Reise. Schaut doch vielleicht mal am oder im Magdeburger Dom vorbei und lasst die Geschichten dieses historischen Gebäudes auf euch wirken. Es gibt auch noch einiges zu entdecken – auch was Telemann betrifft. In der nordwestlichen Ecke des Kreuzgangs zum Beispiel befindet sich der Grabstein des Taufpaten und Namensgebers Telemanns, des damaligen Domherren Georg Philipp von Veltheim.

Grabstein Georg Philipp von Veltheims
Grabstein Georg Philipp von Veltheims
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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 18. April 2017

18. April 2017 –  Telemann bewegt! – Und damit meinen wir nicht nur uns und unsere virtuelle Reise durch Magdeburg entlang der wichtigsten Lebensstationen des Komponisten. Nein, denn bereits seit einem Jahr bewegt er etwa 100 Mädchen und Jungen, Jugendliche und junge Erwachsene verschiedener Schulen in unserer Stadt.

Telemann bewegt
"Telemann bewegt"

Unter dem Motto „Telemann bewegt“ sind sie ebenfalls auf der Spurensuche durch Magdeburg und erkunden Orte, die in Verbindung mit dem Komponisten stehen. Immer an ihrer Seite: Magdeburger Künstler und Theaterpädagogen. Sie unterstützen die Schüler im Alter von 12 bis 20 Jahren dabei, ihre Inspiration in szenische Aktionen umzusetzen. Mit Hilfe theaterpädagogischer Methoden drücken die jungen Menschen in verschiedenen Gruppen ihre Erlebnisse mit Telemann durch Gesang, Musik, Bewegung und szenische Gestaltung aus.

So lernten unter anderem Schüler der Gemeinschaftsschule Wilhelm Weitling aus Olventstedt, inspiriert von der Musik Telemanns und unter Anleitung des Ballettlehrers Alexander Semenchukov, barocke Tänze, wie sie im 17. Jahrhundert üblich waren. In zwei langen Reihen, dem Tanzpartner jeweils gegenüber angeordnet, zeigten die Jungen und Mädchen bereits in der Pressekonferenz am 23. März in den Gruson-Gewächshäusern, wie sich feine Damen und edle Herren zu Telemann’schen Kompositionen bewegten.

Dank des Theaters Magdeburg, das die Aktion im Rahmen des Telemann-Jahres 2017 ins Leben gerufen hat, wird für die Jugendlichen ein Zugang zu dem seit 250 Jahren verstorbenen Komponisten geschaffen. Telemann wird damit für sie erlebbar.

Wer nicht verpassen möchte, was die jungen Künstler bewegt und was sie gelernt haben, der sollte sich den 21. April dick im Kalender anstreichen. Dann nämlich präsentieren die Schüler an vier verschiedenen Stationen im Rahmen einer moderierten und inszenierten Stadtrundfahrt das Einstudierte. Dadurch wird Telemanns Wirken im öffentlichen Raum – also in den Gruson-Gewächshäusern, im Gesellschaftshaus, im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen und im Modehaus Papenbreer – sichtbar.

In welcher Verbindung diese vier Stationen mit dem Magdeburger Komponisten stehen, erfahrt ihr während der Stadtrundfahrten. Diese beginnen um 14.00, 16.00 und 18.00 Uhr – Treffpunkt sind die Gruson-Gewächshäuser. Die Karten gibt es für 5 Euro/3 Euro (ermäßigt) an der Theaterkasse im Opernhaus, telefonisch unter 0391 40 490 490 oder online unter www.theater-magdeburg.de.

Alle interessierten Magdeburgerinnen und Magdeburger sowie Gäste der Stadt sind herzlich eingeladen die Telemannstadt Magdeburg durch die Präsentation der Schülerinnen und Schüler auf völlig neue Weise zu erleben.

Schüler machen Telemann erlebbar
Dr. Ludwig Martin, wissenschaftlicher Leiter der Gruson-Gewächshäuser
Jugendprojekt
Barocke Tänze der Schüler
Theaterpädagoge Matthias Brandt und Tom Wolter, Vorstandsvorsitzender des Landeszentrums Spiel & Theater Sachsen-Anhalt
Schüler der Gemeinschaftsschule

Und apropos Schule – natürlich hat auch der junge Telemann eine Magdeburger Schule besucht. Unsere heutige Station führt uns etwas weiter in den Norden der Stadt. Von der Goldschmiedebrücke aus gehen wir entlang des Breiten Weges, vorbei am Alten Markt und biegen nach Westen in die Julius-Bremer-Straße ein. An der Ecke zur Max-Otten-Straße – dort, wo sich heute ein Zoofachgeschäft befindet – stand einst das Altstädtische Gymnasium, das Telemann ab dem Alter von ungefähr zehn Jahren besuchte. Auch dieses Gebäude ist leider im Zweiten Weltkrieg zu großen Teilen zerstört worden. Im Jahr 1959 wurde die geschichtsträchtige Ruine  dann endgültig abgetragen.


Altstädtisches Gymnasium, Quelle: Stadtarchiv Magdeburg
Altstädtisches Gymnasium, Quelle: Stadtarchiv Magdeburg

Bevor nämlich das Altstädtische Gymnasium ab 1524 in das Gebäude einzog, waren dort die Mönche des Franziskanerordens ansässig. Sie hatten im 13. Jahrhundert den Grundstein für das einstige Kloster gelegt. Als drei Jahrhunderte später die Reformation Magdeburg erreichte, versuchten die Ordensleute durch Predigten gegen die neuen Glaubenssätze anzukämpfen – wenig erfolgreich. Ab Mitte des 16. Jahrhunderts ging die Nutzung an die evangelische Stadtschule über. Das Altstädtische Gymnasium war im Zuge der Reformation als eine der ersten städtischen Lateinschulen Deutschlands eröffnet worden.

Nicht einmal zehn Minuten brauchte der junge Georg Philipp, um von seinem Elternhaus zur Schule zu gelangen. Dort, wo wichtige Kantoren und Musikdirektoren wirkten, konnte er sich in etwas vertiefen, wofür er sich schon vor dem Schulbesuch interessiert hatte – in die Musik. Autodidaktisch hatte er sich mit dem Violinen-, Flöten- und Citherspiel beschäftigt, und erfreute damit nicht nur seine Familie, sondern auch die Nachbarn.

Schon mit diesem Selbststudium wurde deutlich, dass Telemann außerhalb der gängigen Konventionen dachte. Den vermutlich einzigen Instrumentalunterricht bei einem unbekannten Magdeburger Organisten brach er mit der Begründung ab, dass dieser „mit der deutschen Tabulatur erschreckte, die er eben so steiff spielte, wie vieleicht sein Grosvater gethan, von dem er sie geerbet hatte" (Autobiographie 1740).

Überhaupt nicht steif und weit ab von üblichen Konventionen geht es auch im Programm des Telemann-Jahrs weiter. Nicht unweit der heutigen Station erwartet uns demnächst eine musikalische Überraschung. Geht doch mal vorbei an der Stelle, an der ehemals die Altstädtische Schule stand und dann lauscht, ob ihr vielleicht schon aus der Ferne ein paar Telemannklänge vernehmt, die immer näher und näher und näher kommen…

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 17. Mai 2017

17. Mai 2017 – Das Telemannjahr nimmt richtig Fahrt auf!
Wo immer wir stehen und gehen, begegnet uns Georg Philipp Telemann. In Gedanken sind wir noch am letzten Ort unserer virtuellen Reise – dort, wo Telemann einst lernte, am Altstädtischen Gymnasium. Wir setzen unseren Spaziergang entlang des Breiten Weges in Richtung Norden fort. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, die Menschen strahlen und genießen den Tag.

Telemann lädt zur Fahrt in Kulturstraßenbahn ein, Quelle: Georg Bandarau, Pro M
"Telemann" lädt zur Fahrt in Kulturstraßenbahn ein, Quelle: Georg Bandarau, Pro M

Doch was ist das? Wir werden von einer Männerstimme aus den Gedanken gerissen. „Heute werde ich mit Ihnen eine ganz besondere Fahrt unternehmen, eine Fahrt, bei der ich Ihnen viel über mein Leben in dieser schönen Stadt erzählen möchte.“ Ein Mann mit blond gelocktem Haar und einem barocken Gehrock in purpurrot spricht nur wenige Meter von uns entfernt in ein Mikrofon. Er erinnert uns stark an Telemann und siehe da: Es ist Michael Schenk, der die Rolle Telemanns nicht nur spielt, sondern regelrecht lebt. Wann immer es in diesem Jahr um den berühmten Komponisten geht, ist Michael Schenk nicht weit.

Telemann-Straßenbahn
Telemann-Straßenbahn

Doch von welcher Fahrt spricht er? Das wollen wir genauer wissen. Neugierig nähern wir uns der Menschengruppe, die ihm ebenso gespannt zuhört. Wir erfahren, dass uns in einer Kulturstraßenbahn in den kommenden 90 Minuten ein spannendes Programm erwartet. In einer Kulturstraßenbahn? Die Bahn fährt an der Haltestelle am Opernhaus vor und schon wieder sehen wir Telemann – sein Konterfei blickt uns von dieser entgegen. Die Türen öffnen sich. Wir sind gespannt und steigen ein, ebenso wie „Telemann“ und viele andere Interessierte.

Telemann in der Kulturstraßenbahn
"Telemann" in der Kulturstraßenbahn

Die Straßenbahn fährt los. „Telemann“ beginnt Geschichten aus seinem Leben zu erzählen. Und schon bald vernehmen wir schöne Töne. Musikalisch eingestimmt werden wir von dem Musiker Martin Müller, der ein Stück Telemanns auf dem Akkordeon spielt und die perfekte Harmonie zwischen der Barockkomposition und dem Jazz findet.

Ihm folgt der ehemalige Domprediger Giselher Quast. Und er offenbart uns ein weiteres Talent Telemanns. Denn dieser verstand es auch, mit Worten umzugehen. Telemann schrieb Gedichte. Unter denen, die Giselher Quast vorträgt, findet sich eines, indem Telemann in Worte fasste, was ihn nach dem Tod seiner ersten Frau, Amalie Luise Juliane, bewegte. Sie starb bei der Geburt ihrer ersten Tochter am Kindbettfieber. Die beiden waren zu dem Zeitpunkt nicht einmal zwei Jahre verheiratet. Der Verlust muss für den Komponisten sehr groß gewesen sein. Kennengelernt hatten sich die beiden vermutlich über den bekannten Komponisten Daniel Eberlin, den Vater der ersten Frau Telemanns …

Wer noch mehr über das Leben Georg Philipp Telemanns erfahren möchte, sollte die nächsten Fahrten der Kulturstraßenbahn nicht verpassen. Die Bahnen starten jeweils um 18.00 Uhr an der Haltestelle am Opernhaus und enden auch dort: am 24. Mai sowie am 7., 14. und 19. Juni.

Eine weitere schöne Möglichkeit, die Lebensgeschichte Telemanns zu entdecken, erwartet uns schon am kommenden Samstag. „Telemann in Pop“ heißt das Musical, mit dem die 19-jährige Karolina Grunwald vor allem junge Leute erreichen und begeistern will.

Die Premiere des Jugendprojektes ist am Samstag, den 20. Mai 2017, um 19.00 Uhr im Gesellschaftshaus. Die Karten gibt es für 5,00 Euro/ermäßigt 3,00 Euro zzgl. VVK-Gebühren unter der Telefonnummer 0391 540 6777.

Telemann in Pop, Quelle: Kathrin Singer, Telemannzentrum
Telemann in Pop, Quelle: Kathrin Singer, Telemannzentrum

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 20. März 2017

20. März 2017. Heute ist es ganz offiziell: Der Frühling beginnt – endlich. Ein angenehm lauwarmer Wind weht durch die Straßen und Gassen Magdeburgs. In der Innenstadt herrscht geschäftiges Treiben. Begonnen haben wir unsere Reise in der vergangenen Woche auf den Wogen des Ständchens zu Telemanns 336. Geburtstag an seiner Gedenkstele in der Goldschmiedebrücke. Nicht weit davon entfernt, etwas weiter östlich, und noch im Blickfeld Telemanns, findet sich ein Bronzemodell einer Kirche – der Heilig-Geist-Kirche.
Bronzemodell der Heilig-Geist-Kirche in der Goldschmiedebrücke
Bronzemodell der Heilig-Geist-Kirche in der Goldschmiedebrücke

Nur drei Tage nach seiner Geburt im Jahr 1681 wurde Georg Philipp Telemann in eben dieser Kirche getauft. Sein Vater, Heinrich Telemann, war dort seit 1676 zweiter Pfarrer. Das einst prächtige historische Gebäude ist, wie so viele andere Kirchen Magdeburgs, während des Zweiten Weltkriegs stark zerstört worden. Die Substanz blieb jedoch erhalten. Und noch 1948 begann man damit, sie wieder aufzubauen. Zwei Jahre später konnte der erste Gottesdienst abgehalten werden. Doch die Kirche passte nicht in das Konzept zum Aufbau einer sozialistischen Großstadt. 1959 wurde sie gesprengt. Heute erinnert nur noch ein Bronzemodell im Maßstab von 1:20 an die Kirche, in der Telemann und vermutlich auch seine Geschwister getauft wurden.

Modell der Taufkirche Georg Philipp Telemanns mit der Gedenkstele im Hintergrund
Modell der Taufkirche Georg Philipp Telemanns mit der Gedenkstele im Hintergrund

Was wir bereits aus dieser und auch aus der ersten Station unserer Reise auf den Spuren Georg Philipp Telemanns lernen, ist: Um die Verbindung zwischen Magdeburg und dem großen Komponisten zu verstehen, brauchen wir an vielen Stellen unsere Vorstellungskraft. Fantasie und Visionen sind sicher auch das, was Telemann belebte und seine Kunst voranbrachte.

Dass diese Kunst auch 250 Jahre nach seinem Tod noch lebendig ist, hat uns am Wochenende das spannende Finale des 9. Internationalen Telemann-Wettbewerbs eindrucksvoll bewiesen. In diesem Jahr war der Wettbewerb erstmals für Gesang ausgeschrieben. Sängerinnen und Sänger aller Nationen, die nach dem 10. März 1982 und vor dem 10. März 1999 geboren sind, waren dazu aufgerufen, Telemann mit ihrer Musik wieder aufleben zu lassen.

Das Leipziger Barockorchester übernahm mit Freude die musikalische Begleitung im Finale und im Abschlusskonzert. Insgesamt mussten die Sängerinnen und Sänger in drei Runden bestehen, bis am Samstag die Preisträger bekanntgegeben werden konnten. In diesem Jahr traten im vielversprechenden Finale das erste Mal nur Frauen gegeneinander an, die die Gäste und auch die Jury mit ihren Stimmen verzauberten und sie mit auf eine musikalische Reise nahmen. „In Magdeburg herrscht eine phantastische Atmosphäre. Die Seelen waren frei, die Ohren aufmerksam, die Laune gut“, beschreibt Jurymitglied Marek Rzepka die Stimmung im Gesellschaftshaus. Über den 1. Preis, den Preis der Mitteldeutschen Barockmusik, konnte sich Geneviève Tschumi freuen. Wer die 28 Jahre alte Mezzosopranistin aus der Schweiz verpasst hat, kann sich auf die nächsten Telemannfesttage im kommenden Jahr freuen, denn dann wird Geneviève Tschumi wieder eindrucksvoll beweisen, wie lebendig die Kunst Telemanns auch heute noch ist.

Geneviève Tschumi, Gewinnerin des 9. Internationalen Telemann-Wettbewerbs
Geneviève Tschumi, Gewinnerin des 9. Internationalen Telemann-Wettbewerbs. Foto:Viktoria Kühne

Neben der Musik hatte Telemann noch eine weitere Passion, von der bisher sicher nur die wahren Kenner des Komponisten wussten. Auch Blumen zogen ihn in ihren Bann. Ihre Kraft entfaltet sich ebenso wie die der Musik auf besondere Weise. Telemann suchte die Welt mit allen Sinnen zu entdecken. Deswegen unser Tipp für euch zum Frühlingsanfang: Ein Vortrag über diese „Blumenliebe“ des Komponisten am 22. März 2017. Berichten wird darüber der Telemannforscher Ralph-Jürgen Reipsch in der Stadtbibliothek. Dazu wird Telemanns Musik erklingen und euch eine andere Seite, nämlich seine Blumenliebe, näherbringen.

Telemanns Blumenliebe
Telemanns "Blumenliebe"

Für heute sind wir mit unserer Reise schon wieder am Ende. Seid gespannt und freut euch auf die nächsten Stationen. Und vielleicht habt ihr ja Lust und Zeit, und geht auf dem Weg zu einer unserer vielfältigen Veranstaltungen an den zwei bisherigen Berührungspunkten vorbei. Lauft dort, wo einst der junge Telemann lief. Lasst euch inspirieren, dort wo einst der junge Telemann inspiriert wurde und erlebt die Kultur Magdeburgs. Auf den Spuren Telemanns zu wandeln, macht ihn auch 250 Jahre nach seinem Tod in Magdeburg noch immer real.

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 14. März 2017

14. März 2017. Kalt und grau waren der Januar und der Februar. Endlich ist März und die ersten Sonnenstrahlen locken uns nach draußen. Wir haben gewartet auf die Märzsonne. Wir haben gewartet auf den Frühling und wir haben gewartet auf Telemann. Auf Telemann? Fragt sich jetzt sicher der ein oder andere.

Ja! Denn in diesem Jahr feiern wir den großen Magdeburger Komponisten. Damit ehren wir nicht nur ihn und sein Werk. Wir wollen Kulturhauptstadt werden. Und Telemann wird uns dabei unterstützen.

Um uns darauf einzustimmen und auch fragende Blicke in Interesse umzuwandeln, nehmen wir die Magdeburgerinnen und Magdeburger mit auf eine virtuelle Reise – eine Reise durch unsere Stadt, durch die Geschichte, vorbei an den Berührungspunkten mit Telemann und seinem wichtigen Erbe für uns.

Lasst euch anstecken von der Begeisterung, seid ein bisschen Telemania. Und vielleicht zieht euch nicht nur der Frühling nach draußen, sondern auch Telemann in seinen Bann und ihr habt Lust auf all die spannenden Veranstaltungen, die uns in diesem Jahr erwarten.

Der Startpunkt unserer Reise liegt zwischen dem Allee-Center und der Regierungsstraße. Läuft man nämlich südlich des Centers entlang der Goldschmiedebrücke in Richtung Westen, stößt man unweigerlich an der Querung zur Fußgängerzone der Regierungsstraße auf eine große dunkelgraue Granittafel. Darauf zu sehen ist Telemann – zumindest sein Kopf. Aus einer etwas erhöhten Position hat er einen guten Blick auf das Geschehen vor dem Allee-Center. Und womöglich blickte er vor über 300 Jahren, noch in den Anfängen seines Lebens, auf dieselbe Stelle – natürlich mit einer anderen Aussicht.

Denn sein Geburtshaus wird eben dort vermutet. Zerstört vom Krieg und überbaut von modernen Gebäuden ist davon heute nichts mehr zu sehen – nur Telemanns wachsamer Blick, der bleibt. Seit 2011 steht die Gedenkstele nun schon an diesem Ort. Und neben seinen Lebensdaten und einem Ausschnitt aus der Ouvertüre zu Telemanns berühmter Oper Der geduldige Socrates – die humorvolle Oper war Telemanns Einstieg in die Hamburger Musikszene – entdecken aufmerksame Magdeburger sowie Gäste unserer Stadt einen Ausspruch des berühmten Komponisten:

„Wer vielen nutzen kann, tut besser, als wer nur für wenige was schreibet.“

Eine wichtige Aussage, die einiges über die Persönlichkeit Telemanns verrät. Er dachte nicht in Kleinem, schrieb nicht für sich oder die Kunst, sondern für alle. Er war das, was man heute einen Kosmopoliten nennt. Kein anderer prägte die Barockmusik des 18. Jahrhunderts so sehr wie Telemann. Er vermochte es, Einflüsse aus ganz Europa in seine Musik zu bringen und aus dieser Vielfalt eine Einheit zu schaffen.

Doch noch nicht zu viel vorweg, wir stehen ja noch ganz am Anfang. Am 14. März 1681 – also auf den Tag genau vor 336 Jahren – wurde Georg Philipp Telemann in Magdeburg geboren. Vermutlich in einem Pfarrhaus in der heute überbauten Heilig-Geist-Straße, vermutlich an der besagten Stelle.

Um seinen Geburtstag gebührend zu feiern, haben sich heute Vormittag Telemannfreunde eben dort  – an seiner Gedenkstele – versammelt. Angezogen von den musikalischen Beiträgen des Magdeburger Blechbläser Ensembles sind auch einige Interessierte stehen geblieben und lauschten andachtsvoll. Und so stand eine Menschentraube in einem Halbkreis um Telemann herum – der hatte heute also noch mehr zu gucken als sonst – und erinnerte an die Geburt des großen Magdeburger Komponisten.

„Ich bin in Magdeburg geboren“ hieß das Ständchen, das um 10.00 Uhr die Fußgängerzone der Goldschmiedebrücke mit Wohlklängen erfüllte und auch so manchen Telemannneuling anlockte. Neben den Geburtstagsliedern und den vielen Gratulanten durfte sich Telemann übrigens auch über Blumen freuen.

Wer das Ständchen verpasst hat, kann sich von den Klängen in unserem Video mit auf unsere Reise nehmen lassen und sich auf den nächsten Blogbeitrag freuen, wenn es wieder heißt: „Magdeburg blogt über Telemann“.

Bilder vom Geburtstagsständchen

»Ich bin in Magdeburg geboren« vom Magdeburger Blechbläser Ensemble
Magdeburger Blechbläser Ensemble
Ein Geburtstagsständchen am 14. März 2017
Ein Geburtstagsständchen für Telemann an der Gedenkstele
Siegfried Pank, Wettbewerbspräsident Georg-Philipp-Telemann-Wettbewerb
Magdeburger Blechbläser Ensemble im Einsatz
Magdeburger Blechbläser Ensemble gemeinsam mit
Telemann-Gedenkstele
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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 16. August 2017

16. August 2017 – Telemann und die vier Temperamente, Telemann und die Muse und der Fährmann – diese Erinnerungsorte an den berühmten Kosmopoliten haben wir im Juni unserer virtuellen Reise besucht. Inspiriert vom Fährmann lassen wir unsere Gedanken wie das Wasser eines Flusses fließen. Wir gehen am Schleinufer an der Elbe entlang Richtung Süden und denken an Georg Philipp Telemann. Wir denken an seine Musik, sein Werk, sein Leben und fragen uns: Wie war wohl das Leben zu seiner Zeit?

Genau das könnt ihr bei der Langen TelemannNACHT herausfinden, denn diese verspricht jede Menge barockes Lebensgefühl. Wegen der Folgen eines Unwetters abgesagt, kann sie am 1. September 2017 nachgeholt werden.

Wir laufen am Schleinufer entlang und sind beinah auf Höhe des Doms. Kurzerhand lassen wir uns in die Richtung des ersten gotischen Dom auf deutschem Boden treiben und laufen über eine Brücke hinauf zum Fürstenwall. Genau hier werden in wenigen Tagen Gaukler, barocke Spiele und Metallskulpturen in eine andere, in eine telemannsche Welt entführen. Als Teil des Festes zu Ehren eines weiteren großen Sohnes unserer Stadt – Kaiser Otto – eröffnen sich hier zur Langen TelemannNACHT ab 17.00 Uhr neue Perspektiven. Entlang des Hauses der Romanik, des Remtergangs, der Bastion Cleve bis hin zur Schweizer Milchkuranstalt am Fürstenwall wird es musikalisch, spielerisch und auch kulinarisch erlebnisreich.

Lange TelemannNACHT

Lange TelemannNACHT

Magdeburg ist im Telemannfieber! Am 1. September 2017 lädt die Landeshauptstadt im Rahmen des Kaiser-Otto-Festes dazu ein, den Komponisten Georg Philipp Telemann mit allen Sinnen kennenzulernen. Die Lange TelemannNACHT vereint barockes Lebensgefühl, Spiellust und Lebensfreude rund um Telemann und entführt die Gäste von der Bastion Cleve, über den Remtergang und das Haus der Romanik bis hin zum Fürstenwall in eine neue Welt.

Programm Lange TelemannNACHT

Die ehemalige Intendantin des Magdeburger Puppentheaters, Elke Schneider, konnte für die TelemannNACHT 200 Mitwirkende begeistern. Mit dabei sind der Magdeburger Telemann-Chor, das Magdeburger Blechbläserensemble, das Rossini-Quartett, die Ballettschule Semenchukov, Schülerinnen und Schüler des Konservatoriums, das Ensemble des Telemann-Musicals „Telemann in Pop“ und viele mehr.

Gaukler zeigen ihre Künste, barocke Spiele, Tänze und Musik laden zum Mitmachen ein. Die Gäste können sich unter anderem von Musiktherapie, Papiertheater, Puppentheater, barocken Karussellpferden und Barockkutschen in die Welt Telemanns entführen lassen.

Sogar kulinarisch geht es in die Zeit des Barocks: Die Speisen nehmen Bezug auf die regionale Küche, die Georg Philipp Telemann an den unterschiedlichen Orten, an denen er lebte, kennenlernte, und stellen somit eine weitere Verbindung zum 18. Jahrhundert her. Das gesamte Programm Lange TelemannNACHT [PDF: 2,6 MB] finden Sie hier.

Die Lange TelemannNACHT sollte ursprünglich am 24. Juni 2017 stattfinden, musste aber wegen der Sturmschäden im Klosterbergegarten abgesagt werden. Karten, die für die ursprüngliche TelemannNACHT gekauft wurden, sind am 1. September für die Lange TelemannNACHT und das Kaiser-Otto-Fest gültig.

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Angetrieben von der Vorfreude auf die Lange TelemannNACHT haben wir heute noch eine Station zu dem berühmten Künstler vor uns. Vom Fürstenwall aus laufen wir weiter durch eine der schönsten Straßen Magdeburgs, durch die Hegelstraße. Die mit Fassadenschmuck verzierten Häuser entstanden lange nach Telemann in der Gründerzeit von 1880 bis 1920. Von dort aus gelangen wir über die Steubenallee zu den Gruson-Gewächshäusern. Auch diese Tropenhäuser entstanden während der Gründerzeit.

120 Jahre Gruson-Gewächshäuser - Eingang um 1900
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Apropros Tropen und exotische Pflanzen – die gefielen auch Georg Philipp Telemann. Über seine „Bluhmen-Liebe“ haben wir schon einmal berichtet, denn er hatte nicht nur eine Leidenschaft für Kunst und Musik, sondern ebenso für die Pflanzenwelt. So bekannte er in einem Brief an seinen Frankfurter Freund Johann Friedrich Armand von Uffenbach aus dem Jahre 1742:

Ob diese [die Musik] zwar mein Acker und Pflug ist, und mir zum Hauptergetzen dienet, so habe ich ihr doch seither ein Par Jahren eine Gefehrtinn zugesellet, nemlich die Bluhmen-Liebe, welche beyde wechselsweis mich ihrer Annehmlichkeiten theilhaft machen.“

In seinem eigenen Garten trug er damals in Hamburg zahlreiche botanische Raritäten zusammen und ging seiner „Bluhmen-Liebe“ nach. Er listete seinen „Garten-Vorraht“ sogar auf und erstellte damit ein Pflanzenverzeichnis. Tulpen, chinesische Astern, Aloen, Säulenkakteen, Hyazinthen, Narzissen, Pfingstrosen, Kornblumen und viele mehr zierten dieses Verzeichnis und seinen Garten. Doch damit nicht genug. Telemann begab sich auf die Suche nach weiteren exotischen Pflanzen für seine Sammlung.

Und woher nahm Telemann, der rund um die Uhr zu arbeiten schien, die Zeit für seinen exotischen Garten? Er war nämlich zu der Zeit städtischer Musikdirektor in Hamburg, leitete seinen eigenen Verlag und nebenbei noch die Oper am Gänsemarkt. Seine zweite Frau Maria Catharina, von der er zu diesem Zeitpunkt beinah 15 Jahre lang getrennt lebte, weil sie ihn betrogen hatte, ging zurück nach Frankfurt am Main. Das war für Telemann der Anlass, um seinen Verlag, den er nicht nur wegen künstlerischer Ambitionen, sondern auch aus finanzieller Not heraus gegründet hatte, aufzulösen und Gärtner zu werden.

Doch nicht nur die Zeit, sondern auch seine vielen Kontakte trugen dazu bei, dass Telemanns Garten immer größer und exotischer wurde. Besonders hilfreich waren dabei seine Kontakte aus der Musikwelt. So wendete er sich zum Beispiel an Albrecht von Haller, den Begründer des Botanischen Gartens in Göttingen. Von ihm erhielt er zahlreiche seltene Sämereien. Der Garten des großen Blumenliebhabers wurde über die Jahre so bekannt, dass Christlob Mylius, ein Vetter Lessings, berichtete, dass in Telemanns Garten „viel fremde und schöne Pflanzen“ seien. Noch 1843 wurde er zu den bedeutendsten Hamburger Gärten des vergangenen Jahrhunderts gezählt. 

Über 50 Jahre später wurden auch in Magdeburg Gärten oder vielmehr Häuser gegründet, die bis heute exotische Pflanzen beherbergen – die Gruson-Gewächshäuser. Dort lädt der Innenhof mit einem Telemann-Garten zum Verweilen ein. Viele Pflanzen aus Telemanns ehemaligem Garten wurden in seiner Geburtsstadt Magdeburg gepflanzt und laden hier zum Erkunden ein. Eröffnet wurde der Garten am 3. Juni 2012. In diesem Jahr könnt ihr ihn bis Mitte Oktober besuchen und Telemanns „Bluhmen-Liebe“ entdecken.

Telemanns Garten
Telemanngarten
Gruson-Gewächshäuser
Hermann August Jacques Gruson

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 22. Juni 2017

22. Juni 2017 – Zur Erinnerung an Georg Philipp Telemann
In genau drei Tagen, nämlich am 25. Juni, jährt sich der Todestag des berühmten Magdeburger Komponisten zum 250. Mal. Seit Beginn des Jahres zeigen ihm zu Ehren zahlreiche und in ihrer Form ganz unterschiedliche Veranstaltungen, wer Telemann war und was ihn auch heute noch so bedeutend macht. Doch wir feiern den berühmten Komponisten nicht nur bei uns in Magdeburg, sondern auch in anderen Orten, die wichtige Stationen in seinem Leben waren.

Das so entstandene Netzwerk aus insgesamt zehn Städten – neben Magdeburg gehören Clausthal-Zellerfeld, Hildesheim, Leipzig, Żary, Pszczyna, Eisenach, Frankfurt am Main sowie Hamburg und Paris dazu – wäre ganz im Sinne Telemanns gewesen. Er selbst hatte sich Zeit seines Lebens ein großes Beziehungsnetzwerk in ganz Europa aufgebaut und damit den so wichtigen Austausch befördert. Telemann – ein musikalischer Kosmopolit mit Strahlkraft weit über unsere Stadtgrenzen hinaus.

Um eben diesen modernen Europäer gebührend zu würdigen, gibt es in unserer Stadt verschiedene Erinnerungsstätten. Und diese sind ebenso verstreut und vielseitig, wie einst das Netzwerk seiner Kontakte. Hat sich in unserem letzten Beitrag noch alles um den jungen Georg Philipp Telemann gedreht, machen wir auf unserer heutigen Reise ein paar Sprünge durch die Zeit seines Erwachsenenlebens – die Zeit, in der sich seine Strahlkraft schon voll entfaltet hatte. In Gedenken an seinen Todestag besuchen wir heute drei Erinnerungsorte:

Wir befinden uns am Magdeburger Dom und laufen über den Platz wieder zurück auf der Regierungsstraße, doch diesmal nicht bis zum Ende. Denn vorher biegen wir in die Große Klosterstraße ein und sehen schon von Weitem unsere erste Station.

Telemann und die vier Temperamente

Telemann und die vier Temperamente von Eberhard Roßdeutscher
Telemann und die vier Temperamente von Eberhard Roßdeutscher

Auf großen schlanken Säulen, die an Orgelpfeifen erinnern, sind Telemann und vier Frauen zu sehen. Wir gehen näher heran und entdecken, dass der Komponist einen Dirigentenstab in der Hand hält und die Damen um ihn herum auf ganz unterschiedliche Weise zu dirigieren scheint.

Die Figurengruppe „Telemann und die vier Temperamente“ steht seit 1981 an diesem Platz, direkt gegenüber dem Kloster Unser Lieben Frauen. Der Bildhauer Eberhard Roßdeutscher hatte das Kunstwerk anlässlich des 300. Geburtstages Telemanns gestaltet.

Die Lehre von den vier Temperamenten stammt bereits aus der Antike und nicht nur Telemann hatte sich mit ihr beschäftigt, sondern auch andere Komponisten wie Johannes Brahms oder Carl Nielsen. Auch in der Literatur ist dies ein viel bearbeiteter Stoff und sogar die moderne Persönlichkeitspsychologie orientiert sich an ihr. Die antike Lehre teilt nämlich die Menschen nach ihrer Grundwesensart in vier Temperamente ein: die Sanguiniker, die Choleriker, die Melancholiker und die Phlegmatiker. Um es euch zu verdeutlichen, dient das Gleichnis mit dem Stein.

Stellt euch vor, ein großer Stein versperrt euch den Weg. Lasst ihr euch davon nicht beirren und springt oder klettert über ihn hinweg, gehört ihr zu der Gruppe der Sanguiniker. Geratet ihr jedoch in Rage und versucht womöglich, den Stein mit eigener Kraft aus dem Weg zu räumen, seid ihr wohl Choleriker. Die Phlegmatiker unter euch versuchen, dem Problem aus dem Weg zu gehen – wortwörtlich machen sie einen großen Bogen um den Stein herum. Die Melancholiker hingegen werden beim Anblick des Steins ihren Weg in Frage stellen und sich traurig auf den Stein setzen, um nachzudenken und ihr Vorhaben zu reflektieren.

Ebenso unterschiedlich wie die menschlichen Gemüter präsentieren sich auch die vier Frauen um Telemann herum. Zwei von ihnen stehen, die anderen beiden liegen und jede von ihnen nimmt eine andere Haltung ein. Geht doch mal vorbei und rätselt mit, welche der Damen welches Temperament verkörpert.

Telemann dirigiert umgeben von vier Frauenfiguren
Telemann dirigiert umgeben von vier Frauenfiguren
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Wir laufen weiter und nehmen die Abkürzung durch den kleinen Park am Prämonstratenserberg. Unser nächstes Ziel ist nämlich das Alte Rathaus. Wir überqueren die Ernst-Reuter-Allee und gehen auf der Hartstraße direkt darauf zu. Diesmal müssen wir jedoch etwas näher heran, um Telemann zu entdecken.

Telemann und die Muse

Auf der historischen Rathaustür, die heute nicht mehr als Eingang genutzt wird, hat der Künstler Heinrich Apel die Geschichte Magdeburgs auf insgesamt 14 verschiedenen Bronzeplatten verewigt. Und wer darf da natürlich nicht fehlen? Richtig, Georg Philipp Telemann. Wir stehen direkt vor der großen und eindrucksvollen Tür und finden den Komponisten auf eine der unteren Platten auf der linken Seite.

„Telemann und die Muse“ wird dieser Teil der Tür genannt. Zu sehen ist der Musiker vor einem Dirigentenpult und die Muse, die als Engel vom Himmel kommt, reicht ihm ein Instrument – wahrscheinlich eine Viola oder Violine. So von der Muse geküsst, komponierte Telemann viele seiner berühmten Stücke. Seit 1970 wird an dieser präsenten und wichtigen Stelle der Stadt an den Magdeburger Komponisten erinnert.

Bronzene Rathaustür gestaltet von Heinrich Apel
Telemann und die Muse
Die Rathaustür besteht aus 14 Bronzeplatten, die die Geschichte Magdeburgs zeigen.

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Vier Jahre später kam ein weiteres Kunstwerk hinzu. Dafür müssen wir nun zur Elbuferpromenade, am besten über die Johannisbergstraße und über das Schleinufer hinweg. Wir laufen links am Fahnenmonument vorbei und auf die Promenade.

Der Fährmann

Der Fährmann von Eberhard Roßdeutscher
Der Fährmann von Eberhard Roßdeutscher

Direkt vor uns liegt nun eine weitere Plastik von Eberhard Roßdeutscher: „Der Fährmann“ befindet sich auf einer hohen Steinsäule, bestimmt drei bis vier Meter über unseren Köpfen. Wir müssen das Kunstwerk, zu dem auch noch fünf kleinere Steinplastiken gehören, erst einmal von Weitem erfassen.

Dann gehen wir näher heran und entdecken auf den kleineren Steinsockeln verschiedene Motive. Das Kunstwerk zeigt nämlich Szenen aus dem Opernintermezzo „Pimpinone“. Das musikalische Lustspiel von Georg Philipp Telemann wurde 1725 am Theater des Hamburger Gänsemarktes uraufgeführt. Das Werk war Telemanns größter Bühnenerfolg und erzählt die Geschichte von einem alten reichen Mann, der von einer jungen Frau umgarnt und an der Nase herumgeführt wird.

Im 19. Jahrhundert verschwand das Werk von den Bühnen und geriet in Vergessenheit. Im Zuge der Telemann-Renaissance im 20. Jahrhundert wurde es wiederentdeckt und entsprechend gewürdigt. Gemunkelt wird, dass Telemann den Stoff aufgrund eigener schlechter Erfahrungen mit seiner zweiten Frau aufgriff. 1714 hatte der damals über 30-Jährige die gerade mal 16 Jahre alte Maria Catharina Textor geheiratet. Nach 20 Ehejahren und neun gemeinsamen Kindern, ließ sich das Paar scheiden. Als Gründe werden Ehebruch oder Glücksspiel vermutet – Maria Catharina soll dabei eine große Summe Geld verloren haben. Wer sehen möchte, wie Eberhard Roßdeutscher diese Betrugsthematik umgesetzt hat, sollte sich das Kunstwerk einmal anschauen.

Das junge raffinierte Mädchen und der alte reiche Mann
Das junge raffinierte Mädchen und der alte reiche Mann
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Und weil die Zahl drei sich heute durch unseren Beitrag zieht, möchten wir euch gern noch auf drei Highlights im Veranstaltungskalender der Telemania 2017 hinweisen, die ihr nicht verpassen solltet.
  • Morgen Abend könnt ihr nämlich Till Brönner & Orchestra erleben. Das Konzert beginnt um 20.00 Uhr im Stadtpark, sollte es regnen, wird es in die Stadthalle verlegt. Karten sind noch an der Abendkasse für 51,85 Euro erhältlich. Achtung!! Die Veranstaltung wurde aufgrund der enormen Unwetterschäden im Stadtpark abgesagt.
  • Am Samstag heißt es dann „Lange TelemannNacht“ im Klosterbergegarten. Ab 18.00 Uhr beginnt das Spektakel, das uns ins 18. Jahrhundert und mit allen Sinnen zurück in die Telemannzeit bringt. Ab 18.00 Uhr geht es los. Und auch dafür sind noch Karten für 10 Euro an der Abendkasse erhältlich. Der Eintritt für Kinder bis sechs Jahren ist frei. Achtung!! Die Veranstaltung wurde aufgrund der enormen Unwetterschäden im Klosterbergegarten abgesagt.
  • Zum Gedenken an seinen Todestag vor 250 Jahren werden die Magdeburger Blechbläser am Sonntag um 15.00 Uhr an der Telemann-Stele ein Ständchen bringen. Dazu sind alle Interessierten herzlich willkommen.
Till Brönner, Foto: Matthias Piekacz
Lange TelemannNacht Serkowitzer Volksoper, Foto: Robert Jentzsch
Ein Geburtstagsständchen am 14. März 2017
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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 1. Juni 2017

1. Juni 2017 – Unser vorheriger Beitrag hat uns mit der Telemann-Straßenbahn quer durch die Stadt geführt. Am Opernhaus sind wir wieder ausgestiegen und laufen nun in Richtung Süden den Breiten Weg entlang, vorbei am Allee-Center, an Telemanns Gedenkstele, durch die Fußgängerzone der Regierungsstraße und noch darüber hinaus. Denn unser heutiges Ziel ist die zweite Bildungsstätte des jungen Georg Philipp Telemanns.

Magdeburger Dom
Magdeburger Dom

Nach seiner Ausbildung am Altstädtischen Gymnasium besuchte er nämlich die Domschule, die sich im südlichen Teil des Kreuzganges im Magdeburger Dom befand. Als einst älteste Schule der Stadt bekam sie im 16. Jahrhundert im Zuge der Reformation starke Konkurrenz durch das Altstädtische Gymnasium. Wie wir euch bereits erzählt haben, war das Gymnasium eine der ersten evangelischen Stadtschulen Deutschlands. Da die Domschule katholisch blieb und sich der neuen Lehre verschloss, musste der Schulbetrieb 1530 sogar eingestellt werden.

1567 wurde dann im Magdeburger Dom die erste evangelische Predigt abgehalten. Jedoch waren die Überlegungen, dort eine evangelische Schule einzurichten, angesichts des gutlaufenden Altstädtischen Gymnasiums überflüssig. Erst 100 Jahre später wurden die Pläne zur Schulgründung wieder konkret. Am ersten Adventssonntag wurde von der Domkanzel verkündet, „daß nun mehr eine ganz freie Schule beim Dom angerichtet sei“. Gegründet als reine Elementarschule mit nur einer Klasse entwickelte sich die Schule schnell zu einer höheren Schule, die ihre Schüler in mehreren Klassen auf das Studium an einer Universität vorbereitete.

An eben dieser Domschule kam der junge Telemann erstmals in Berührung mit der deutschen Dichtung. Eine besondere Rolle spielte dabei der damalige Rektor Christian Müller, der ihm wie Telemann selbst in seiner Biografie schrieb „die erste Liebe zur Dichtkunst einpflanzte“. Schon in unserem letzten Beitrag haben wir euch von der poetischen Ader des Komponisten berichtet. Der Grundstein dafür wurde eben an dieser Schule gelegt.

Gedicht "Musik - der edelste Zeitvertreib"

Den schönsten Zeitvertreib in unserem ganzen Leben
weiß doch Musik allein zu geben.
Denn alles, was wir sonst nur von der Wollust wissen
- es sei ein guter Wein, ein leckerhafter Bissen,
die Schlittenfahrt,
das Spiel, die Jagd und was noch mehr von solcher Art -,
sind im Beschluß,
nach vorgebrauchtem Überfluß,
wo nicht mit Schaden, Schmerz, Verdruß,
doch wenigstens mit Ungemach gepaart.

Allein Musik kennt nichts als lauter Güte:
Der Anfang ist bequem,
das Mittel angenehm,
das Ende wirkt ein ruhiges Gemüte.

Allen Kummer, alles Leid
kann die Harmonie begraben.
Wie das Meer bei sanfter Stille
seine Flut als wiegend regt,
also wird des Menschen Wille
durch der Töne Kraft bewegt,
daß ihn, frei vom Sorgen-Streit,
sanfte Ruh und Stille laben.

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Angeregt von der Beschäftigung sowohl mit der Musik als auch der Literatur begann Telemann schon in Magdeburg zu komponieren. Eben diese ersten Anfänge seines künstlerischen Schaffens stellt das Stück „Das Glück des Gauklers“, das am 2. Juni im Gesellschaftshaus Premiere feiert, in den Fokus.

Denn als der gerade mal 12-jährige Telemann in Magdeburg seine erste Oper aufführte, in der er selbst die Titelpartie sang, wähnte ihn seine entsetzte Familie auf dem direkten Weg in sein persönliches Unglück und sah ihn als Spielmann oder Gaukler über die Jahrmärkte ziehen. Dass sie sich damit gewaltig täuschten, zeigt das Stück über das beeindruckende Leben des Komponisten. Neben der Premiere am 2. Juni um 19.00 Uhr im Schinkelsaal des Gesellschaftshauses könnt Ihr auch die Vorstellungen am 3., 23. oder 24. Juni besuchen.

Das Glück des Gauklers, Quelle: Kathrin Singer, Telemann-Zentrum
Das Glück des Gauklers, Quelle: Kathrin Singer, Telemann-Zentrum

Und noch ein heißer Tipp für die nächste Juniwoche: In „Telemann ist bigger than …“ könnt Ihr am 9. Juni im AMO-Kulturhaus die spannende Zusammensetzung aus alt und neu erleben. Das junge Künstlerkollektiv „Migges mit Attitude“ zeigt in Kooperation mit „Telemania2017“ die Kombination aus Barockmusik und Hip Hop. Dafür verschmelzen die Klänge des Jugendsinfonieorchesters des Georg-Philipp-Telemann-Konservatoriums mit Rap, DJ‘ing, Graffiti und Breakdance zu einer mitreißenden Bühnenshow.

Damit sind wir für heute schon wieder am Ende unserer Reise. Schaut doch vielleicht mal am oder im Magdeburger Dom vorbei und lasst die Geschichten dieses historischen Gebäudes auf euch wirken. Es gibt auch noch einiges zu entdecken – auch was Telemann betrifft. In der nordwestlichen Ecke des Kreuzgangs zum Beispiel befindet sich der Grabstein des Taufpaten und Namensgebers Telemanns, des damaligen Domherren Georg Philipp von Veltheim.

Grabstein Georg Philipp von Veltheims
Grabstein Georg Philipp von Veltheims
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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 18. April 2017

18. April 2017 –  Telemann bewegt! – Und damit meinen wir nicht nur uns und unsere virtuelle Reise durch Magdeburg entlang der wichtigsten Lebensstationen des Komponisten. Nein, denn bereits seit einem Jahr bewegt er etwa 100 Mädchen und Jungen, Jugendliche und junge Erwachsene verschiedener Schulen in unserer Stadt.

Telemann bewegt
"Telemann bewegt"

Unter dem Motto „Telemann bewegt“ sind sie ebenfalls auf der Spurensuche durch Magdeburg und erkunden Orte, die in Verbindung mit dem Komponisten stehen. Immer an ihrer Seite: Magdeburger Künstler und Theaterpädagogen. Sie unterstützen die Schüler im Alter von 12 bis 20 Jahren dabei, ihre Inspiration in szenische Aktionen umzusetzen. Mit Hilfe theaterpädagogischer Methoden drücken die jungen Menschen in verschiedenen Gruppen ihre Erlebnisse mit Telemann durch Gesang, Musik, Bewegung und szenische Gestaltung aus.

So lernten unter anderem Schüler der Gemeinschaftsschule Wilhelm Weitling aus Olventstedt, inspiriert von der Musik Telemanns und unter Anleitung des Ballettlehrers Alexander Semenchukov, barocke Tänze, wie sie im 17. Jahrhundert üblich waren. In zwei langen Reihen, dem Tanzpartner jeweils gegenüber angeordnet, zeigten die Jungen und Mädchen bereits in der Pressekonferenz am 23. März in den Gruson-Gewächshäusern, wie sich feine Damen und edle Herren zu Telemann’schen Kompositionen bewegten.

Dank des Theaters Magdeburg, das die Aktion im Rahmen des Telemann-Jahres 2017 ins Leben gerufen hat, wird für die Jugendlichen ein Zugang zu dem seit 250 Jahren verstorbenen Komponisten geschaffen. Telemann wird damit für sie erlebbar.

Wer nicht verpassen möchte, was die jungen Künstler bewegt und was sie gelernt haben, der sollte sich den 21. April dick im Kalender anstreichen. Dann nämlich präsentieren die Schüler an vier verschiedenen Stationen im Rahmen einer moderierten und inszenierten Stadtrundfahrt das Einstudierte. Dadurch wird Telemanns Wirken im öffentlichen Raum – also in den Gruson-Gewächshäusern, im Gesellschaftshaus, im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen und im Modehaus Papenbreer – sichtbar.

In welcher Verbindung diese vier Stationen mit dem Magdeburger Komponisten stehen, erfahrt ihr während der Stadtrundfahrten. Diese beginnen um 14.00, 16.00 und 18.00 Uhr – Treffpunkt sind die Gruson-Gewächshäuser. Die Karten gibt es für 5 Euro/3 Euro (ermäßigt) an der Theaterkasse im Opernhaus, telefonisch unter 0391 40 490 490 oder online unter www.theater-magdeburg.de.

Alle interessierten Magdeburgerinnen und Magdeburger sowie Gäste der Stadt sind herzlich eingeladen die Telemannstadt Magdeburg durch die Präsentation der Schülerinnen und Schüler auf völlig neue Weise zu erleben.

Schüler machen Telemann erlebbar
Dr. Ludwig Martin, wissenschaftlicher Leiter der Gruson-Gewächshäuser
Jugendprojekt
Barocke Tänze der Schüler
Theaterpädagoge Matthias Brandt und Tom Wolter, Vorstandsvorsitzender des Landeszentrums Spiel & Theater Sachsen-Anhalt
Schüler der Gemeinschaftsschule

Und apropos Schule – natürlich hat auch der junge Telemann eine Magdeburger Schule besucht. Unsere heutige Station führt uns etwas weiter in den Norden der Stadt. Von der Goldschmiedebrücke aus gehen wir entlang des Breiten Weges, vorbei am Alten Markt und biegen nach Westen in die Julius-Bremer-Straße ein. An der Ecke zur Max-Otten-Straße – dort, wo sich heute ein Zoofachgeschäft befindet – stand einst das Altstädtische Gymnasium, das Telemann ab dem Alter von ungefähr zehn Jahren besuchte. Auch dieses Gebäude ist leider im Zweiten Weltkrieg zu großen Teilen zerstört worden. Im Jahr 1959 wurde die geschichtsträchtige Ruine  dann endgültig abgetragen.


Altstädtisches Gymnasium, Quelle: Stadtarchiv Magdeburg
Altstädtisches Gymnasium, Quelle: Stadtarchiv Magdeburg

Bevor nämlich das Altstädtische Gymnasium ab 1524 in das Gebäude einzog, waren dort die Mönche des Franziskanerordens ansässig. Sie hatten im 13. Jahrhundert den Grundstein für das einstige Kloster gelegt. Als drei Jahrhunderte später die Reformation Magdeburg erreichte, versuchten die Ordensleute durch Predigten gegen die neuen Glaubenssätze anzukämpfen – wenig erfolgreich. Ab Mitte des 16. Jahrhunderts ging die Nutzung an die evangelische Stadtschule über. Das Altstädtische Gymnasium war im Zuge der Reformation als eine der ersten städtischen Lateinschulen Deutschlands eröffnet worden.

Nicht einmal zehn Minuten brauchte der junge Georg Philipp, um von seinem Elternhaus zur Schule zu gelangen. Dort, wo wichtige Kantoren und Musikdirektoren wirkten, konnte er sich in etwas vertiefen, wofür er sich schon vor dem Schulbesuch interessiert hatte – in die Musik. Autodidaktisch hatte er sich mit dem Violinen-, Flöten- und Citherspiel beschäftigt, und erfreute damit nicht nur seine Familie, sondern auch die Nachbarn.

Schon mit diesem Selbststudium wurde deutlich, dass Telemann außerhalb der gängigen Konventionen dachte. Den vermutlich einzigen Instrumentalunterricht bei einem unbekannten Magdeburger Organisten brach er mit der Begründung ab, dass dieser „mit der deutschen Tabulatur erschreckte, die er eben so steiff spielte, wie vieleicht sein Grosvater gethan, von dem er sie geerbet hatte" (Autobiographie 1740).

Überhaupt nicht steif und weit ab von üblichen Konventionen geht es auch im Programm des Telemann-Jahrs weiter. Nicht unweit der heutigen Station erwartet uns demnächst eine musikalische Überraschung. Geht doch mal vorbei an der Stelle, an der ehemals die Altstädtische Schule stand und dann lauscht, ob ihr vielleicht schon aus der Ferne ein paar Telemannklänge vernehmt, die immer näher und näher und näher kommen…

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 17. Mai 2017

17. Mai 2017 – Das Telemannjahr nimmt richtig Fahrt auf!
Wo immer wir stehen und gehen, begegnet uns Georg Philipp Telemann. In Gedanken sind wir noch am letzten Ort unserer virtuellen Reise – dort, wo Telemann einst lernte, am Altstädtischen Gymnasium. Wir setzen unseren Spaziergang entlang des Breiten Weges in Richtung Norden fort. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, die Menschen strahlen und genießen den Tag.

Telemann lädt zur Fahrt in Kulturstraßenbahn ein, Quelle: Georg Bandarau, Pro M
"Telemann" lädt zur Fahrt in Kulturstraßenbahn ein, Quelle: Georg Bandarau, Pro M

Doch was ist das? Wir werden von einer Männerstimme aus den Gedanken gerissen. „Heute werde ich mit Ihnen eine ganz besondere Fahrt unternehmen, eine Fahrt, bei der ich Ihnen viel über mein Leben in dieser schönen Stadt erzählen möchte.“ Ein Mann mit blond gelocktem Haar und einem barocken Gehrock in purpurrot spricht nur wenige Meter von uns entfernt in ein Mikrofon. Er erinnert uns stark an Telemann und siehe da: Es ist Michael Schenk, der die Rolle Telemanns nicht nur spielt, sondern regelrecht lebt. Wann immer es in diesem Jahr um den berühmten Komponisten geht, ist Michael Schenk nicht weit.

Telemann-Straßenbahn
Telemann-Straßenbahn

Doch von welcher Fahrt spricht er? Das wollen wir genauer wissen. Neugierig nähern wir uns der Menschengruppe, die ihm ebenso gespannt zuhört. Wir erfahren, dass uns in einer Kulturstraßenbahn in den kommenden 90 Minuten ein spannendes Programm erwartet. In einer Kulturstraßenbahn? Die Bahn fährt an der Haltestelle am Opernhaus vor und schon wieder sehen wir Telemann – sein Konterfei blickt uns von dieser entgegen. Die Türen öffnen sich. Wir sind gespannt und steigen ein, ebenso wie „Telemann“ und viele andere Interessierte.

Telemann in der Kulturstraßenbahn
"Telemann" in der Kulturstraßenbahn

Die Straßenbahn fährt los. „Telemann“ beginnt Geschichten aus seinem Leben zu erzählen. Und schon bald vernehmen wir schöne Töne. Musikalisch eingestimmt werden wir von dem Musiker Martin Müller, der ein Stück Telemanns auf dem Akkordeon spielt und die perfekte Harmonie zwischen der Barockkomposition und dem Jazz findet.

Ihm folgt der ehemalige Domprediger Giselher Quast. Und er offenbart uns ein weiteres Talent Telemanns. Denn dieser verstand es auch, mit Worten umzugehen. Telemann schrieb Gedichte. Unter denen, die Giselher Quast vorträgt, findet sich eines, indem Telemann in Worte fasste, was ihn nach dem Tod seiner ersten Frau, Amalie Luise Juliane, bewegte. Sie starb bei der Geburt ihrer ersten Tochter am Kindbettfieber. Die beiden waren zu dem Zeitpunkt nicht einmal zwei Jahre verheiratet. Der Verlust muss für den Komponisten sehr groß gewesen sein. Kennengelernt hatten sich die beiden vermutlich über den bekannten Komponisten Daniel Eberlin, den Vater der ersten Frau Telemanns …

Wer noch mehr über das Leben Georg Philipp Telemanns erfahren möchte, sollte die nächsten Fahrten der Kulturstraßenbahn nicht verpassen. Die Bahnen starten jeweils um 18.00 Uhr an der Haltestelle am Opernhaus und enden auch dort: am 24. Mai sowie am 7., 14. und 19. Juni.

Eine weitere schöne Möglichkeit, die Lebensgeschichte Telemanns zu entdecken, erwartet uns schon am kommenden Samstag. „Telemann in Pop“ heißt das Musical, mit dem die 19-jährige Karolina Grunwald vor allem junge Leute erreichen und begeistern will.

Die Premiere des Jugendprojektes ist am Samstag, den 20. Mai 2017, um 19.00 Uhr im Gesellschaftshaus. Die Karten gibt es für 5,00 Euro/ermäßigt 3,00 Euro zzgl. VVK-Gebühren unter der Telefonnummer 0391 540 6777.

Telemann in Pop, Quelle: Kathrin Singer, Telemannzentrum
Telemann in Pop, Quelle: Kathrin Singer, Telemannzentrum

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 20. März 2017

20. März 2017. Heute ist es ganz offiziell: Der Frühling beginnt – endlich. Ein angenehm lauwarmer Wind weht durch die Straßen und Gassen Magdeburgs. In der Innenstadt herrscht geschäftiges Treiben. Begonnen haben wir unsere Reise in der vergangenen Woche auf den Wogen des Ständchens zu Telemanns 336. Geburtstag an seiner Gedenkstele in der Goldschmiedebrücke. Nicht weit davon entfernt, etwas weiter östlich, und noch im Blickfeld Telemanns, findet sich ein Bronzemodell einer Kirche – der Heilig-Geist-Kirche.
Bronzemodell der Heilig-Geist-Kirche in der Goldschmiedebrücke
Bronzemodell der Heilig-Geist-Kirche in der Goldschmiedebrücke

Nur drei Tage nach seiner Geburt im Jahr 1681 wurde Georg Philipp Telemann in eben dieser Kirche getauft. Sein Vater, Heinrich Telemann, war dort seit 1676 zweiter Pfarrer. Das einst prächtige historische Gebäude ist, wie so viele andere Kirchen Magdeburgs, während des Zweiten Weltkriegs stark zerstört worden. Die Substanz blieb jedoch erhalten. Und noch 1948 begann man damit, sie wieder aufzubauen. Zwei Jahre später konnte der erste Gottesdienst abgehalten werden. Doch die Kirche passte nicht in das Konzept zum Aufbau einer sozialistischen Großstadt. 1959 wurde sie gesprengt. Heute erinnert nur noch ein Bronzemodell im Maßstab von 1:20 an die Kirche, in der Telemann und vermutlich auch seine Geschwister getauft wurden.

Modell der Taufkirche Georg Philipp Telemanns mit der Gedenkstele im Hintergrund
Modell der Taufkirche Georg Philipp Telemanns mit der Gedenkstele im Hintergrund

Was wir bereits aus dieser und auch aus der ersten Station unserer Reise auf den Spuren Georg Philipp Telemanns lernen, ist: Um die Verbindung zwischen Magdeburg und dem großen Komponisten zu verstehen, brauchen wir an vielen Stellen unsere Vorstellungskraft. Fantasie und Visionen sind sicher auch das, was Telemann belebte und seine Kunst voranbrachte.

Dass diese Kunst auch 250 Jahre nach seinem Tod noch lebendig ist, hat uns am Wochenende das spannende Finale des 9. Internationalen Telemann-Wettbewerbs eindrucksvoll bewiesen. In diesem Jahr war der Wettbewerb erstmals für Gesang ausgeschrieben. Sängerinnen und Sänger aller Nationen, die nach dem 10. März 1982 und vor dem 10. März 1999 geboren sind, waren dazu aufgerufen, Telemann mit ihrer Musik wieder aufleben zu lassen.

Das Leipziger Barockorchester übernahm mit Freude die musikalische Begleitung im Finale und im Abschlusskonzert. Insgesamt mussten die Sängerinnen und Sänger in drei Runden bestehen, bis am Samstag die Preisträger bekanntgegeben werden konnten. In diesem Jahr traten im vielversprechenden Finale das erste Mal nur Frauen gegeneinander an, die die Gäste und auch die Jury mit ihren Stimmen verzauberten und sie mit auf eine musikalische Reise nahmen. „In Magdeburg herrscht eine phantastische Atmosphäre. Die Seelen waren frei, die Ohren aufmerksam, die Laune gut“, beschreibt Jurymitglied Marek Rzepka die Stimmung im Gesellschaftshaus. Über den 1. Preis, den Preis der Mitteldeutschen Barockmusik, konnte sich Geneviève Tschumi freuen. Wer die 28 Jahre alte Mezzosopranistin aus der Schweiz verpasst hat, kann sich auf die nächsten Telemannfesttage im kommenden Jahr freuen, denn dann wird Geneviève Tschumi wieder eindrucksvoll beweisen, wie lebendig die Kunst Telemanns auch heute noch ist.

Geneviève Tschumi, Gewinnerin des 9. Internationalen Telemann-Wettbewerbs
Geneviève Tschumi, Gewinnerin des 9. Internationalen Telemann-Wettbewerbs. Foto:Viktoria Kühne

Neben der Musik hatte Telemann noch eine weitere Passion, von der bisher sicher nur die wahren Kenner des Komponisten wussten. Auch Blumen zogen ihn in ihren Bann. Ihre Kraft entfaltet sich ebenso wie die der Musik auf besondere Weise. Telemann suchte die Welt mit allen Sinnen zu entdecken. Deswegen unser Tipp für euch zum Frühlingsanfang: Ein Vortrag über diese „Blumenliebe“ des Komponisten am 22. März 2017. Berichten wird darüber der Telemannforscher Ralph-Jürgen Reipsch in der Stadtbibliothek. Dazu wird Telemanns Musik erklingen und euch eine andere Seite, nämlich seine Blumenliebe, näherbringen.

Telemanns Blumenliebe
Telemanns "Blumenliebe"

Für heute sind wir mit unserer Reise schon wieder am Ende. Seid gespannt und freut euch auf die nächsten Stationen. Und vielleicht habt ihr ja Lust und Zeit, und geht auf dem Weg zu einer unserer vielfältigen Veranstaltungen an den zwei bisherigen Berührungspunkten vorbei. Lauft dort, wo einst der junge Telemann lief. Lasst euch inspirieren, dort wo einst der junge Telemann inspiriert wurde und erlebt die Kultur Magdeburgs. Auf den Spuren Telemanns zu wandeln, macht ihn auch 250 Jahre nach seinem Tod in Magdeburg noch immer real.

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 14. März 2017

14. März 2017. Kalt und grau waren der Januar und der Februar. Endlich ist März und die ersten Sonnenstrahlen locken uns nach draußen. Wir haben gewartet auf die Märzsonne. Wir haben gewartet auf den Frühling und wir haben gewartet auf Telemann. Auf Telemann? Fragt sich jetzt sicher der ein oder andere.

Ja! Denn in diesem Jahr feiern wir den großen Magdeburger Komponisten. Damit ehren wir nicht nur ihn und sein Werk. Wir wollen Kulturhauptstadt werden. Und Telemann wird uns dabei unterstützen.

Um uns darauf einzustimmen und auch fragende Blicke in Interesse umzuwandeln, nehmen wir die Magdeburgerinnen und Magdeburger mit auf eine virtuelle Reise – eine Reise durch unsere Stadt, durch die Geschichte, vorbei an den Berührungspunkten mit Telemann und seinem wichtigen Erbe für uns.

Lasst euch anstecken von der Begeisterung, seid ein bisschen Telemania. Und vielleicht zieht euch nicht nur der Frühling nach draußen, sondern auch Telemann in seinen Bann und ihr habt Lust auf all die spannenden Veranstaltungen, die uns in diesem Jahr erwarten.

Der Startpunkt unserer Reise liegt zwischen dem Allee-Center und der Regierungsstraße. Läuft man nämlich südlich des Centers entlang der Goldschmiedebrücke in Richtung Westen, stößt man unweigerlich an der Querung zur Fußgängerzone der Regierungsstraße auf eine große dunkelgraue Granittafel. Darauf zu sehen ist Telemann – zumindest sein Kopf. Aus einer etwas erhöhten Position hat er einen guten Blick auf das Geschehen vor dem Allee-Center. Und womöglich blickte er vor über 300 Jahren, noch in den Anfängen seines Lebens, auf dieselbe Stelle – natürlich mit einer anderen Aussicht.

Denn sein Geburtshaus wird eben dort vermutet. Zerstört vom Krieg und überbaut von modernen Gebäuden ist davon heute nichts mehr zu sehen – nur Telemanns wachsamer Blick, der bleibt. Seit 2011 steht die Gedenkstele nun schon an diesem Ort. Und neben seinen Lebensdaten und einem Ausschnitt aus der Ouvertüre zu Telemanns berühmter Oper Der geduldige Socrates – die humorvolle Oper war Telemanns Einstieg in die Hamburger Musikszene – entdecken aufmerksame Magdeburger sowie Gäste unserer Stadt einen Ausspruch des berühmten Komponisten:

„Wer vielen nutzen kann, tut besser, als wer nur für wenige was schreibet.“

Eine wichtige Aussage, die einiges über die Persönlichkeit Telemanns verrät. Er dachte nicht in Kleinem, schrieb nicht für sich oder die Kunst, sondern für alle. Er war das, was man heute einen Kosmopoliten nennt. Kein anderer prägte die Barockmusik des 18. Jahrhunderts so sehr wie Telemann. Er vermochte es, Einflüsse aus ganz Europa in seine Musik zu bringen und aus dieser Vielfalt eine Einheit zu schaffen.

Doch noch nicht zu viel vorweg, wir stehen ja noch ganz am Anfang. Am 14. März 1681 – also auf den Tag genau vor 336 Jahren – wurde Georg Philipp Telemann in Magdeburg geboren. Vermutlich in einem Pfarrhaus in der heute überbauten Heilig-Geist-Straße, vermutlich an der besagten Stelle.

Um seinen Geburtstag gebührend zu feiern, haben sich heute Vormittag Telemannfreunde eben dort  – an seiner Gedenkstele – versammelt. Angezogen von den musikalischen Beiträgen des Magdeburger Blechbläser Ensembles sind auch einige Interessierte stehen geblieben und lauschten andachtsvoll. Und so stand eine Menschentraube in einem Halbkreis um Telemann herum – der hatte heute also noch mehr zu gucken als sonst – und erinnerte an die Geburt des großen Magdeburger Komponisten.

„Ich bin in Magdeburg geboren“ hieß das Ständchen, das um 10.00 Uhr die Fußgängerzone der Goldschmiedebrücke mit Wohlklängen erfüllte und auch so manchen Telemannneuling anlockte. Neben den Geburtstagsliedern und den vielen Gratulanten durfte sich Telemann übrigens auch über Blumen freuen.

Wer das Ständchen verpasst hat, kann sich von den Klängen in unserem Video mit auf unsere Reise nehmen lassen und sich auf den nächsten Blogbeitrag freuen, wenn es wieder heißt: „Magdeburg blogt über Telemann“.

Bilder vom Geburtstagsständchen

»Ich bin in Magdeburg geboren« vom Magdeburger Blechbläser Ensemble
Magdeburger Blechbläser Ensemble
Ein Geburtstagsständchen am 14. März 2017
Ein Geburtstagsständchen für Telemann an der Gedenkstele
Siegfried Pank, Wettbewerbspräsident Georg-Philipp-Telemann-Wettbewerb
Magdeburger Blechbläser Ensemble im Einsatz
Magdeburger Blechbläser Ensemble gemeinsam mit
Telemann-Gedenkstele
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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 16. August 2017

16. August 2017 – Telemann und die vier Temperamente, Telemann und die Muse und der Fährmann – diese Erinnerungsorte an den berühmten Kosmopoliten haben wir im Juni unserer virtuellen Reise besucht. Inspiriert vom Fährmann lassen wir unsere Gedanken wie das Wasser eines Flusses fließen. Wir gehen am Schleinufer an der Elbe entlang Richtung Süden und denken an Georg Philipp Telemann. Wir denken an seine Musik, sein Werk, sein Leben und fragen uns: Wie war wohl das Leben zu seiner Zeit?

Genau das könnt ihr bei der Langen TelemannNACHT herausfinden, denn diese verspricht jede Menge barockes Lebensgefühl. Wegen der Folgen eines Unwetters abgesagt, kann sie am 1. September 2017 nachgeholt werden.

Wir laufen am Schleinufer entlang und sind beinah auf Höhe des Doms. Kurzerhand lassen wir uns in die Richtung des ersten gotischen Dom auf deutschem Boden treiben und laufen über eine Brücke hinauf zum Fürstenwall. Genau hier werden in wenigen Tagen Gaukler, barocke Spiele und Metallskulpturen in eine andere, in eine telemannsche Welt entführen. Als Teil des Festes zu Ehren eines weiteren großen Sohnes unserer Stadt – Kaiser Otto – eröffnen sich hier zur Langen TelemannNACHT ab 17.00 Uhr neue Perspektiven. Entlang des Hauses der Romanik, des Remtergangs, der Bastion Cleve bis hin zur Schweizer Milchkuranstalt am Fürstenwall wird es musikalisch, spielerisch und auch kulinarisch erlebnisreich.

Lange TelemannNACHT

Lange TelemannNACHT

Magdeburg ist im Telemannfieber! Am 1. September 2017 lädt die Landeshauptstadt im Rahmen des Kaiser-Otto-Festes dazu ein, den Komponisten Georg Philipp Telemann mit allen Sinnen kennenzulernen. Die Lange TelemannNACHT vereint barockes Lebensgefühl, Spiellust und Lebensfreude rund um Telemann und entführt die Gäste von der Bastion Cleve, über den Remtergang und das Haus der Romanik bis hin zum Fürstenwall in eine neue Welt.

Programm Lange TelemannNACHT

Die ehemalige Intendantin des Magdeburger Puppentheaters, Elke Schneider, konnte für die TelemannNACHT 200 Mitwirkende begeistern. Mit dabei sind der Magdeburger Telemann-Chor, das Magdeburger Blechbläserensemble, das Rossini-Quartett, die Ballettschule Semenchukov, Schülerinnen und Schüler des Konservatoriums, das Ensemble des Telemann-Musicals „Telemann in Pop“ und viele mehr.

Gaukler zeigen ihre Künste, barocke Spiele, Tänze und Musik laden zum Mitmachen ein. Die Gäste können sich unter anderem von Musiktherapie, Papiertheater, Puppentheater, barocken Karussellpferden und Barockkutschen in die Welt Telemanns entführen lassen.

Sogar kulinarisch geht es in die Zeit des Barocks: Die Speisen nehmen Bezug auf die regionale Küche, die Georg Philipp Telemann an den unterschiedlichen Orten, an denen er lebte, kennenlernte, und stellen somit eine weitere Verbindung zum 18. Jahrhundert her. Das gesamte Programm Lange TelemannNACHT [PDF: 2,6 MB] finden Sie hier.

Die Lange TelemannNACHT sollte ursprünglich am 24. Juni 2017 stattfinden, musste aber wegen der Sturmschäden im Klosterbergegarten abgesagt werden. Karten, die für die ursprüngliche TelemannNACHT gekauft wurden, sind am 1. September für die Lange TelemannNACHT und das Kaiser-Otto-Fest gültig.

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Angetrieben von der Vorfreude auf die Lange TelemannNACHT haben wir heute noch eine Station zu dem berühmten Künstler vor uns. Vom Fürstenwall aus laufen wir weiter durch eine der schönsten Straßen Magdeburgs, durch die Hegelstraße. Die mit Fassadenschmuck verzierten Häuser entstanden lange nach Telemann in der Gründerzeit von 1880 bis 1920. Von dort aus gelangen wir über die Steubenallee zu den Gruson-Gewächshäusern. Auch diese Tropenhäuser entstanden während der Gründerzeit.

120 Jahre Gruson-Gewächshäuser - Eingang um 1900
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Apropros Tropen und exotische Pflanzen – die gefielen auch Georg Philipp Telemann. Über seine „Bluhmen-Liebe“ haben wir schon einmal berichtet, denn er hatte nicht nur eine Leidenschaft für Kunst und Musik, sondern ebenso für die Pflanzenwelt. So bekannte er in einem Brief an seinen Frankfurter Freund Johann Friedrich Armand von Uffenbach aus dem Jahre 1742:

Ob diese [die Musik] zwar mein Acker und Pflug ist, und mir zum Hauptergetzen dienet, so habe ich ihr doch seither ein Par Jahren eine Gefehrtinn zugesellet, nemlich die Bluhmen-Liebe, welche beyde wechselsweis mich ihrer Annehmlichkeiten theilhaft machen.“

In seinem eigenen Garten trug er damals in Hamburg zahlreiche botanische Raritäten zusammen und ging seiner „Bluhmen-Liebe“ nach. Er listete seinen „Garten-Vorraht“ sogar auf und erstellte damit ein Pflanzenverzeichnis. Tulpen, chinesische Astern, Aloen, Säulenkakteen, Hyazinthen, Narzissen, Pfingstrosen, Kornblumen und viele mehr zierten dieses Verzeichnis und seinen Garten. Doch damit nicht genug. Telemann begab sich auf die Suche nach weiteren exotischen Pflanzen für seine Sammlung.

Und woher nahm Telemann, der rund um die Uhr zu arbeiten schien, die Zeit für seinen exotischen Garten? Er war nämlich zu der Zeit städtischer Musikdirektor in Hamburg, leitete seinen eigenen Verlag und nebenbei noch die Oper am Gänsemarkt. Seine zweite Frau Maria Catharina, von der er zu diesem Zeitpunkt beinah 15 Jahre lang getrennt lebte, weil sie ihn betrogen hatte, ging zurück nach Frankfurt am Main. Das war für Telemann der Anlass, um seinen Verlag, den er nicht nur wegen künstlerischer Ambitionen, sondern auch aus finanzieller Not heraus gegründet hatte, aufzulösen und Gärtner zu werden.

Doch nicht nur die Zeit, sondern auch seine vielen Kontakte trugen dazu bei, dass Telemanns Garten immer größer und exotischer wurde. Besonders hilfreich waren dabei seine Kontakte aus der Musikwelt. So wendete er sich zum Beispiel an Albrecht von Haller, den Begründer des Botanischen Gartens in Göttingen. Von ihm erhielt er zahlreiche seltene Sämereien. Der Garten des großen Blumenliebhabers wurde über die Jahre so bekannt, dass Christlob Mylius, ein Vetter Lessings, berichtete, dass in Telemanns Garten „viel fremde und schöne Pflanzen“ seien. Noch 1843 wurde er zu den bedeutendsten Hamburger Gärten des vergangenen Jahrhunderts gezählt. 

Über 50 Jahre später wurden auch in Magdeburg Gärten oder vielmehr Häuser gegründet, die bis heute exotische Pflanzen beherbergen – die Gruson-Gewächshäuser. Dort lädt der Innenhof mit einem Telemann-Garten zum Verweilen ein. Viele Pflanzen aus Telemanns ehemaligem Garten wurden in seiner Geburtsstadt Magdeburg gepflanzt und laden hier zum Erkunden ein. Eröffnet wurde der Garten am 3. Juni 2012. In diesem Jahr könnt ihr ihn bis Mitte Oktober besuchen und Telemanns „Bluhmen-Liebe“ entdecken.

Telemanns Garten
Telemanngarten
Gruson-Gewächshäuser
Hermann August Jacques Gruson

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 22. Juni 2017

22. Juni 2017 – Zur Erinnerung an Georg Philipp Telemann
In genau drei Tagen, nämlich am 25. Juni, jährt sich der Todestag des berühmten Magdeburger Komponisten zum 250. Mal. Seit Beginn des Jahres zeigen ihm zu Ehren zahlreiche und in ihrer Form ganz unterschiedliche Veranstaltungen, wer Telemann war und was ihn auch heute noch so bedeutend macht. Doch wir feiern den berühmten Komponisten nicht nur bei uns in Magdeburg, sondern auch in anderen Orten, die wichtige Stationen in seinem Leben waren.

Das so entstandene Netzwerk aus insgesamt zehn Städten – neben Magdeburg gehören Clausthal-Zellerfeld, Hildesheim, Leipzig, Żary, Pszczyna, Eisenach, Frankfurt am Main sowie Hamburg und Paris dazu – wäre ganz im Sinne Telemanns gewesen. Er selbst hatte sich Zeit seines Lebens ein großes Beziehungsnetzwerk in ganz Europa aufgebaut und damit den so wichtigen Austausch befördert. Telemann – ein musikalischer Kosmopolit mit Strahlkraft weit über unsere Stadtgrenzen hinaus.

Um eben diesen modernen Europäer gebührend zu würdigen, gibt es in unserer Stadt verschiedene Erinnerungsstätten. Und diese sind ebenso verstreut und vielseitig, wie einst das Netzwerk seiner Kontakte. Hat sich in unserem letzten Beitrag noch alles um den jungen Georg Philipp Telemann gedreht, machen wir auf unserer heutigen Reise ein paar Sprünge durch die Zeit seines Erwachsenenlebens – die Zeit, in der sich seine Strahlkraft schon voll entfaltet hatte. In Gedenken an seinen Todestag besuchen wir heute drei Erinnerungsorte:

Wir befinden uns am Magdeburger Dom und laufen über den Platz wieder zurück auf der Regierungsstraße, doch diesmal nicht bis zum Ende. Denn vorher biegen wir in die Große Klosterstraße ein und sehen schon von Weitem unsere erste Station.

Telemann und die vier Temperamente

Telemann und die vier Temperamente von Eberhard Roßdeutscher
Telemann und die vier Temperamente von Eberhard Roßdeutscher

Auf großen schlanken Säulen, die an Orgelpfeifen erinnern, sind Telemann und vier Frauen zu sehen. Wir gehen näher heran und entdecken, dass der Komponist einen Dirigentenstab in der Hand hält und die Damen um ihn herum auf ganz unterschiedliche Weise zu dirigieren scheint.

Die Figurengruppe „Telemann und die vier Temperamente“ steht seit 1981 an diesem Platz, direkt gegenüber dem Kloster Unser Lieben Frauen. Der Bildhauer Eberhard Roßdeutscher hatte das Kunstwerk anlässlich des 300. Geburtstages Telemanns gestaltet.

Die Lehre von den vier Temperamenten stammt bereits aus der Antike und nicht nur Telemann hatte sich mit ihr beschäftigt, sondern auch andere Komponisten wie Johannes Brahms oder Carl Nielsen. Auch in der Literatur ist dies ein viel bearbeiteter Stoff und sogar die moderne Persönlichkeitspsychologie orientiert sich an ihr. Die antike Lehre teilt nämlich die Menschen nach ihrer Grundwesensart in vier Temperamente ein: die Sanguiniker, die Choleriker, die Melancholiker und die Phlegmatiker. Um es euch zu verdeutlichen, dient das Gleichnis mit dem Stein.

Stellt euch vor, ein großer Stein versperrt euch den Weg. Lasst ihr euch davon nicht beirren und springt oder klettert über ihn hinweg, gehört ihr zu der Gruppe der Sanguiniker. Geratet ihr jedoch in Rage und versucht womöglich, den Stein mit eigener Kraft aus dem Weg zu räumen, seid ihr wohl Choleriker. Die Phlegmatiker unter euch versuchen, dem Problem aus dem Weg zu gehen – wortwörtlich machen sie einen großen Bogen um den Stein herum. Die Melancholiker hingegen werden beim Anblick des Steins ihren Weg in Frage stellen und sich traurig auf den Stein setzen, um nachzudenken und ihr Vorhaben zu reflektieren.

Ebenso unterschiedlich wie die menschlichen Gemüter präsentieren sich auch die vier Frauen um Telemann herum. Zwei von ihnen stehen, die anderen beiden liegen und jede von ihnen nimmt eine andere Haltung ein. Geht doch mal vorbei und rätselt mit, welche der Damen welches Temperament verkörpert.

Telemann dirigiert umgeben von vier Frauenfiguren
Telemann dirigiert umgeben von vier Frauenfiguren
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Wir laufen weiter und nehmen die Abkürzung durch den kleinen Park am Prämonstratenserberg. Unser nächstes Ziel ist nämlich das Alte Rathaus. Wir überqueren die Ernst-Reuter-Allee und gehen auf der Hartstraße direkt darauf zu. Diesmal müssen wir jedoch etwas näher heran, um Telemann zu entdecken.

Telemann und die Muse

Auf der historischen Rathaustür, die heute nicht mehr als Eingang genutzt wird, hat der Künstler Heinrich Apel die Geschichte Magdeburgs auf insgesamt 14 verschiedenen Bronzeplatten verewigt. Und wer darf da natürlich nicht fehlen? Richtig, Georg Philipp Telemann. Wir stehen direkt vor der großen und eindrucksvollen Tür und finden den Komponisten auf eine der unteren Platten auf der linken Seite.

„Telemann und die Muse“ wird dieser Teil der Tür genannt. Zu sehen ist der Musiker vor einem Dirigentenpult und die Muse, die als Engel vom Himmel kommt, reicht ihm ein Instrument – wahrscheinlich eine Viola oder Violine. So von der Muse geküsst, komponierte Telemann viele seiner berühmten Stücke. Seit 1970 wird an dieser präsenten und wichtigen Stelle der Stadt an den Magdeburger Komponisten erinnert.

Bronzene Rathaustür gestaltet von Heinrich Apel
Telemann und die Muse
Die Rathaustür besteht aus 14 Bronzeplatten, die die Geschichte Magdeburgs zeigen.

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Vier Jahre später kam ein weiteres Kunstwerk hinzu. Dafür müssen wir nun zur Elbuferpromenade, am besten über die Johannisbergstraße und über das Schleinufer hinweg. Wir laufen links am Fahnenmonument vorbei und auf die Promenade.

Der Fährmann

Der Fährmann von Eberhard Roßdeutscher
Der Fährmann von Eberhard Roßdeutscher

Direkt vor uns liegt nun eine weitere Plastik von Eberhard Roßdeutscher: „Der Fährmann“ befindet sich auf einer hohen Steinsäule, bestimmt drei bis vier Meter über unseren Köpfen. Wir müssen das Kunstwerk, zu dem auch noch fünf kleinere Steinplastiken gehören, erst einmal von Weitem erfassen.

Dann gehen wir näher heran und entdecken auf den kleineren Steinsockeln verschiedene Motive. Das Kunstwerk zeigt nämlich Szenen aus dem Opernintermezzo „Pimpinone“. Das musikalische Lustspiel von Georg Philipp Telemann wurde 1725 am Theater des Hamburger Gänsemarktes uraufgeführt. Das Werk war Telemanns größter Bühnenerfolg und erzählt die Geschichte von einem alten reichen Mann, der von einer jungen Frau umgarnt und an der Nase herumgeführt wird.

Im 19. Jahrhundert verschwand das Werk von den Bühnen und geriet in Vergessenheit. Im Zuge der Telemann-Renaissance im 20. Jahrhundert wurde es wiederentdeckt und entsprechend gewürdigt. Gemunkelt wird, dass Telemann den Stoff aufgrund eigener schlechter Erfahrungen mit seiner zweiten Frau aufgriff. 1714 hatte der damals über 30-Jährige die gerade mal 16 Jahre alte Maria Catharina Textor geheiratet. Nach 20 Ehejahren und neun gemeinsamen Kindern, ließ sich das Paar scheiden. Als Gründe werden Ehebruch oder Glücksspiel vermutet – Maria Catharina soll dabei eine große Summe Geld verloren haben. Wer sehen möchte, wie Eberhard Roßdeutscher diese Betrugsthematik umgesetzt hat, sollte sich das Kunstwerk einmal anschauen.

Das junge raffinierte Mädchen und der alte reiche Mann
Das junge raffinierte Mädchen und der alte reiche Mann
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Und weil die Zahl drei sich heute durch unseren Beitrag zieht, möchten wir euch gern noch auf drei Highlights im Veranstaltungskalender der Telemania 2017 hinweisen, die ihr nicht verpassen solltet.
  • Morgen Abend könnt ihr nämlich Till Brönner & Orchestra erleben. Das Konzert beginnt um 20.00 Uhr im Stadtpark, sollte es regnen, wird es in die Stadthalle verlegt. Karten sind noch an der Abendkasse für 51,85 Euro erhältlich. Achtung!! Die Veranstaltung wurde aufgrund der enormen Unwetterschäden im Stadtpark abgesagt.
  • Am Samstag heißt es dann „Lange TelemannNacht“ im Klosterbergegarten. Ab 18.00 Uhr beginnt das Spektakel, das uns ins 18. Jahrhundert und mit allen Sinnen zurück in die Telemannzeit bringt. Ab 18.00 Uhr geht es los. Und auch dafür sind noch Karten für 10 Euro an der Abendkasse erhältlich. Der Eintritt für Kinder bis sechs Jahren ist frei. Achtung!! Die Veranstaltung wurde aufgrund der enormen Unwetterschäden im Klosterbergegarten abgesagt.
  • Zum Gedenken an seinen Todestag vor 250 Jahren werden die Magdeburger Blechbläser am Sonntag um 15.00 Uhr an der Telemann-Stele ein Ständchen bringen. Dazu sind alle Interessierten herzlich willkommen.
Till Brönner, Foto: Matthias Piekacz
Lange TelemannNacht Serkowitzer Volksoper, Foto: Robert Jentzsch
Ein Geburtstagsständchen am 14. März 2017
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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 1. Juni 2017

1. Juni 2017 – Unser vorheriger Beitrag hat uns mit der Telemann-Straßenbahn quer durch die Stadt geführt. Am Opernhaus sind wir wieder ausgestiegen und laufen nun in Richtung Süden den Breiten Weg entlang, vorbei am Allee-Center, an Telemanns Gedenkstele, durch die Fußgängerzone der Regierungsstraße und noch darüber hinaus. Denn unser heutiges Ziel ist die zweite Bildungsstätte des jungen Georg Philipp Telemanns.

Magdeburger Dom
Magdeburger Dom

Nach seiner Ausbildung am Altstädtischen Gymnasium besuchte er nämlich die Domschule, die sich im südlichen Teil des Kreuzganges im Magdeburger Dom befand. Als einst älteste Schule der Stadt bekam sie im 16. Jahrhundert im Zuge der Reformation starke Konkurrenz durch das Altstädtische Gymnasium. Wie wir euch bereits erzählt haben, war das Gymnasium eine der ersten evangelischen Stadtschulen Deutschlands. Da die Domschule katholisch blieb und sich der neuen Lehre verschloss, musste der Schulbetrieb 1530 sogar eingestellt werden.

1567 wurde dann im Magdeburger Dom die erste evangelische Predigt abgehalten. Jedoch waren die Überlegungen, dort eine evangelische Schule einzurichten, angesichts des gutlaufenden Altstädtischen Gymnasiums überflüssig. Erst 100 Jahre später wurden die Pläne zur Schulgründung wieder konkret. Am ersten Adventssonntag wurde von der Domkanzel verkündet, „daß nun mehr eine ganz freie Schule beim Dom angerichtet sei“. Gegründet als reine Elementarschule mit nur einer Klasse entwickelte sich die Schule schnell zu einer höheren Schule, die ihre Schüler in mehreren Klassen auf das Studium an einer Universität vorbereitete.

An eben dieser Domschule kam der junge Telemann erstmals in Berührung mit der deutschen Dichtung. Eine besondere Rolle spielte dabei der damalige Rektor Christian Müller, der ihm wie Telemann selbst in seiner Biografie schrieb „die erste Liebe zur Dichtkunst einpflanzte“. Schon in unserem letzten Beitrag haben wir euch von der poetischen Ader des Komponisten berichtet. Der Grundstein dafür wurde eben an dieser Schule gelegt.

Gedicht "Musik - der edelste Zeitvertreib"

Den schönsten Zeitvertreib in unserem ganzen Leben
weiß doch Musik allein zu geben.
Denn alles, was wir sonst nur von der Wollust wissen
- es sei ein guter Wein, ein leckerhafter Bissen,
die Schlittenfahrt,
das Spiel, die Jagd und was noch mehr von solcher Art -,
sind im Beschluß,
nach vorgebrauchtem Überfluß,
wo nicht mit Schaden, Schmerz, Verdruß,
doch wenigstens mit Ungemach gepaart.

Allein Musik kennt nichts als lauter Güte:
Der Anfang ist bequem,
das Mittel angenehm,
das Ende wirkt ein ruhiges Gemüte.

Allen Kummer, alles Leid
kann die Harmonie begraben.
Wie das Meer bei sanfter Stille
seine Flut als wiegend regt,
also wird des Menschen Wille
durch der Töne Kraft bewegt,
daß ihn, frei vom Sorgen-Streit,
sanfte Ruh und Stille laben.

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Angeregt von der Beschäftigung sowohl mit der Musik als auch der Literatur begann Telemann schon in Magdeburg zu komponieren. Eben diese ersten Anfänge seines künstlerischen Schaffens stellt das Stück „Das Glück des Gauklers“, das am 2. Juni im Gesellschaftshaus Premiere feiert, in den Fokus.

Denn als der gerade mal 12-jährige Telemann in Magdeburg seine erste Oper aufführte, in der er selbst die Titelpartie sang, wähnte ihn seine entsetzte Familie auf dem direkten Weg in sein persönliches Unglück und sah ihn als Spielmann oder Gaukler über die Jahrmärkte ziehen. Dass sie sich damit gewaltig täuschten, zeigt das Stück über das beeindruckende Leben des Komponisten. Neben der Premiere am 2. Juni um 19.00 Uhr im Schinkelsaal des Gesellschaftshauses könnt Ihr auch die Vorstellungen am 3., 23. oder 24. Juni besuchen.

Das Glück des Gauklers, Quelle: Kathrin Singer, Telemann-Zentrum
Das Glück des Gauklers, Quelle: Kathrin Singer, Telemann-Zentrum

Und noch ein heißer Tipp für die nächste Juniwoche: In „Telemann ist bigger than …“ könnt Ihr am 9. Juni im AMO-Kulturhaus die spannende Zusammensetzung aus alt und neu erleben. Das junge Künstlerkollektiv „Migges mit Attitude“ zeigt in Kooperation mit „Telemania2017“ die Kombination aus Barockmusik und Hip Hop. Dafür verschmelzen die Klänge des Jugendsinfonieorchesters des Georg-Philipp-Telemann-Konservatoriums mit Rap, DJ‘ing, Graffiti und Breakdance zu einer mitreißenden Bühnenshow.

Damit sind wir für heute schon wieder am Ende unserer Reise. Schaut doch vielleicht mal am oder im Magdeburger Dom vorbei und lasst die Geschichten dieses historischen Gebäudes auf euch wirken. Es gibt auch noch einiges zu entdecken – auch was Telemann betrifft. In der nordwestlichen Ecke des Kreuzgangs zum Beispiel befindet sich der Grabstein des Taufpaten und Namensgebers Telemanns, des damaligen Domherren Georg Philipp von Veltheim.

Grabstein Georg Philipp von Veltheims
Grabstein Georg Philipp von Veltheims
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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 18. April 2017

18. April 2017 –  Telemann bewegt! – Und damit meinen wir nicht nur uns und unsere virtuelle Reise durch Magdeburg entlang der wichtigsten Lebensstationen des Komponisten. Nein, denn bereits seit einem Jahr bewegt er etwa 100 Mädchen und Jungen, Jugendliche und junge Erwachsene verschiedener Schulen in unserer Stadt.

Telemann bewegt
"Telemann bewegt"

Unter dem Motto „Telemann bewegt“ sind sie ebenfalls auf der Spurensuche durch Magdeburg und erkunden Orte, die in Verbindung mit dem Komponisten stehen. Immer an ihrer Seite: Magdeburger Künstler und Theaterpädagogen. Sie unterstützen die Schüler im Alter von 12 bis 20 Jahren dabei, ihre Inspiration in szenische Aktionen umzusetzen. Mit Hilfe theaterpädagogischer Methoden drücken die jungen Menschen in verschiedenen Gruppen ihre Erlebnisse mit Telemann durch Gesang, Musik, Bewegung und szenische Gestaltung aus.

So lernten unter anderem Schüler der Gemeinschaftsschule Wilhelm Weitling aus Olventstedt, inspiriert von der Musik Telemanns und unter Anleitung des Ballettlehrers Alexander Semenchukov, barocke Tänze, wie sie im 17. Jahrhundert üblich waren. In zwei langen Reihen, dem Tanzpartner jeweils gegenüber angeordnet, zeigten die Jungen und Mädchen bereits in der Pressekonferenz am 23. März in den Gruson-Gewächshäusern, wie sich feine Damen und edle Herren zu Telemann’schen Kompositionen bewegten.

Dank des Theaters Magdeburg, das die Aktion im Rahmen des Telemann-Jahres 2017 ins Leben gerufen hat, wird für die Jugendlichen ein Zugang zu dem seit 250 Jahren verstorbenen Komponisten geschaffen. Telemann wird damit für sie erlebbar.

Wer nicht verpassen möchte, was die jungen Künstler bewegt und was sie gelernt haben, der sollte sich den 21. April dick im Kalender anstreichen. Dann nämlich präsentieren die Schüler an vier verschiedenen Stationen im Rahmen einer moderierten und inszenierten Stadtrundfahrt das Einstudierte. Dadurch wird Telemanns Wirken im öffentlichen Raum – also in den Gruson-Gewächshäusern, im Gesellschaftshaus, im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen und im Modehaus Papenbreer – sichtbar.

In welcher Verbindung diese vier Stationen mit dem Magdeburger Komponisten stehen, erfahrt ihr während der Stadtrundfahrten. Diese beginnen um 14.00, 16.00 und 18.00 Uhr – Treffpunkt sind die Gruson-Gewächshäuser. Die Karten gibt es für 5 Euro/3 Euro (ermäßigt) an der Theaterkasse im Opernhaus, telefonisch unter 0391 40 490 490 oder online unter www.theater-magdeburg.de.

Alle interessierten Magdeburgerinnen und Magdeburger sowie Gäste der Stadt sind herzlich eingeladen die Telemannstadt Magdeburg durch die Präsentation der Schülerinnen und Schüler auf völlig neue Weise zu erleben.

Schüler machen Telemann erlebbar
Dr. Ludwig Martin, wissenschaftlicher Leiter der Gruson-Gewächshäuser
Jugendprojekt
Barocke Tänze der Schüler
Theaterpädagoge Matthias Brandt und Tom Wolter, Vorstandsvorsitzender des Landeszentrums Spiel & Theater Sachsen-Anhalt
Schüler der Gemeinschaftsschule

Und apropos Schule – natürlich hat auch der junge Telemann eine Magdeburger Schule besucht. Unsere heutige Station führt uns etwas weiter in den Norden der Stadt. Von der Goldschmiedebrücke aus gehen wir entlang des Breiten Weges, vorbei am Alten Markt und biegen nach Westen in die Julius-Bremer-Straße ein. An der Ecke zur Max-Otten-Straße – dort, wo sich heute ein Zoofachgeschäft befindet – stand einst das Altstädtische Gymnasium, das Telemann ab dem Alter von ungefähr zehn Jahren besuchte. Auch dieses Gebäude ist leider im Zweiten Weltkrieg zu großen Teilen zerstört worden. Im Jahr 1959 wurde die geschichtsträchtige Ruine  dann endgültig abgetragen.


Altstädtisches Gymnasium, Quelle: Stadtarchiv Magdeburg
Altstädtisches Gymnasium, Quelle: Stadtarchiv Magdeburg

Bevor nämlich das Altstädtische Gymnasium ab 1524 in das Gebäude einzog, waren dort die Mönche des Franziskanerordens ansässig. Sie hatten im 13. Jahrhundert den Grundstein für das einstige Kloster gelegt. Als drei Jahrhunderte später die Reformation Magdeburg erreichte, versuchten die Ordensleute durch Predigten gegen die neuen Glaubenssätze anzukämpfen – wenig erfolgreich. Ab Mitte des 16. Jahrhunderts ging die Nutzung an die evangelische Stadtschule über. Das Altstädtische Gymnasium war im Zuge der Reformation als eine der ersten städtischen Lateinschulen Deutschlands eröffnet worden.

Nicht einmal zehn Minuten brauchte der junge Georg Philipp, um von seinem Elternhaus zur Schule zu gelangen. Dort, wo wichtige Kantoren und Musikdirektoren wirkten, konnte er sich in etwas vertiefen, wofür er sich schon vor dem Schulbesuch interessiert hatte – in die Musik. Autodidaktisch hatte er sich mit dem Violinen-, Flöten- und Citherspiel beschäftigt, und erfreute damit nicht nur seine Familie, sondern auch die Nachbarn.

Schon mit diesem Selbststudium wurde deutlich, dass Telemann außerhalb der gängigen Konventionen dachte. Den vermutlich einzigen Instrumentalunterricht bei einem unbekannten Magdeburger Organisten brach er mit der Begründung ab, dass dieser „mit der deutschen Tabulatur erschreckte, die er eben so steiff spielte, wie vieleicht sein Grosvater gethan, von dem er sie geerbet hatte" (Autobiographie 1740).

Überhaupt nicht steif und weit ab von üblichen Konventionen geht es auch im Programm des Telemann-Jahrs weiter. Nicht unweit der heutigen Station erwartet uns demnächst eine musikalische Überraschung. Geht doch mal vorbei an der Stelle, an der ehemals die Altstädtische Schule stand und dann lauscht, ob ihr vielleicht schon aus der Ferne ein paar Telemannklänge vernehmt, die immer näher und näher und näher kommen…

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 17. Mai 2017

17. Mai 2017 – Das Telemannjahr nimmt richtig Fahrt auf!
Wo immer wir stehen und gehen, begegnet uns Georg Philipp Telemann. In Gedanken sind wir noch am letzten Ort unserer virtuellen Reise – dort, wo Telemann einst lernte, am Altstädtischen Gymnasium. Wir setzen unseren Spaziergang entlang des Breiten Weges in Richtung Norden fort. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, die Menschen strahlen und genießen den Tag.

Telemann lädt zur Fahrt in Kulturstraßenbahn ein, Quelle: Georg Bandarau, Pro M
"Telemann" lädt zur Fahrt in Kulturstraßenbahn ein, Quelle: Georg Bandarau, Pro M

Doch was ist das? Wir werden von einer Männerstimme aus den Gedanken gerissen. „Heute werde ich mit Ihnen eine ganz besondere Fahrt unternehmen, eine Fahrt, bei der ich Ihnen viel über mein Leben in dieser schönen Stadt erzählen möchte.“ Ein Mann mit blond gelocktem Haar und einem barocken Gehrock in purpurrot spricht nur wenige Meter von uns entfernt in ein Mikrofon. Er erinnert uns stark an Telemann und siehe da: Es ist Michael Schenk, der die Rolle Telemanns nicht nur spielt, sondern regelrecht lebt. Wann immer es in diesem Jahr um den berühmten Komponisten geht, ist Michael Schenk nicht weit.

Telemann-Straßenbahn
Telemann-Straßenbahn

Doch von welcher Fahrt spricht er? Das wollen wir genauer wissen. Neugierig nähern wir uns der Menschengruppe, die ihm ebenso gespannt zuhört. Wir erfahren, dass uns in einer Kulturstraßenbahn in den kommenden 90 Minuten ein spannendes Programm erwartet. In einer Kulturstraßenbahn? Die Bahn fährt an der Haltestelle am Opernhaus vor und schon wieder sehen wir Telemann – sein Konterfei blickt uns von dieser entgegen. Die Türen öffnen sich. Wir sind gespannt und steigen ein, ebenso wie „Telemann“ und viele andere Interessierte.

Telemann in der Kulturstraßenbahn
"Telemann" in der Kulturstraßenbahn

Die Straßenbahn fährt los. „Telemann“ beginnt Geschichten aus seinem Leben zu erzählen. Und schon bald vernehmen wir schöne Töne. Musikalisch eingestimmt werden wir von dem Musiker Martin Müller, der ein Stück Telemanns auf dem Akkordeon spielt und die perfekte Harmonie zwischen der Barockkomposition und dem Jazz findet.

Ihm folgt der ehemalige Domprediger Giselher Quast. Und er offenbart uns ein weiteres Talent Telemanns. Denn dieser verstand es auch, mit Worten umzugehen. Telemann schrieb Gedichte. Unter denen, die Giselher Quast vorträgt, findet sich eines, indem Telemann in Worte fasste, was ihn nach dem Tod seiner ersten Frau, Amalie Luise Juliane, bewegte. Sie starb bei der Geburt ihrer ersten Tochter am Kindbettfieber. Die beiden waren zu dem Zeitpunkt nicht einmal zwei Jahre verheiratet. Der Verlust muss für den Komponisten sehr groß gewesen sein. Kennengelernt hatten sich die beiden vermutlich über den bekannten Komponisten Daniel Eberlin, den Vater der ersten Frau Telemanns …

Wer noch mehr über das Leben Georg Philipp Telemanns erfahren möchte, sollte die nächsten Fahrten der Kulturstraßenbahn nicht verpassen. Die Bahnen starten jeweils um 18.00 Uhr an der Haltestelle am Opernhaus und enden auch dort: am 24. Mai sowie am 7., 14. und 19. Juni.

Eine weitere schöne Möglichkeit, die Lebensgeschichte Telemanns zu entdecken, erwartet uns schon am kommenden Samstag. „Telemann in Pop“ heißt das Musical, mit dem die 19-jährige Karolina Grunwald vor allem junge Leute erreichen und begeistern will.

Die Premiere des Jugendprojektes ist am Samstag, den 20. Mai 2017, um 19.00 Uhr im Gesellschaftshaus. Die Karten gibt es für 5,00 Euro/ermäßigt 3,00 Euro zzgl. VVK-Gebühren unter der Telefonnummer 0391 540 6777.

Telemann in Pop, Quelle: Kathrin Singer, Telemannzentrum
Telemann in Pop, Quelle: Kathrin Singer, Telemannzentrum

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 20. März 2017

20. März 2017. Heute ist es ganz offiziell: Der Frühling beginnt – endlich. Ein angenehm lauwarmer Wind weht durch die Straßen und Gassen Magdeburgs. In der Innenstadt herrscht geschäftiges Treiben. Begonnen haben wir unsere Reise in der vergangenen Woche auf den Wogen des Ständchens zu Telemanns 336. Geburtstag an seiner Gedenkstele in der Goldschmiedebrücke. Nicht weit davon entfernt, etwas weiter östlich, und noch im Blickfeld Telemanns, findet sich ein Bronzemodell einer Kirche – der Heilig-Geist-Kirche.
Bronzemodell der Heilig-Geist-Kirche in der Goldschmiedebrücke
Bronzemodell der Heilig-Geist-Kirche in der Goldschmiedebrücke

Nur drei Tage nach seiner Geburt im Jahr 1681 wurde Georg Philipp Telemann in eben dieser Kirche getauft. Sein Vater, Heinrich Telemann, war dort seit 1676 zweiter Pfarrer. Das einst prächtige historische Gebäude ist, wie so viele andere Kirchen Magdeburgs, während des Zweiten Weltkriegs stark zerstört worden. Die Substanz blieb jedoch erhalten. Und noch 1948 begann man damit, sie wieder aufzubauen. Zwei Jahre später konnte der erste Gottesdienst abgehalten werden. Doch die Kirche passte nicht in das Konzept zum Aufbau einer sozialistischen Großstadt. 1959 wurde sie gesprengt. Heute erinnert nur noch ein Bronzemodell im Maßstab von 1:20 an die Kirche, in der Telemann und vermutlich auch seine Geschwister getauft wurden.

Modell der Taufkirche Georg Philipp Telemanns mit der Gedenkstele im Hintergrund
Modell der Taufkirche Georg Philipp Telemanns mit der Gedenkstele im Hintergrund

Was wir bereits aus dieser und auch aus der ersten Station unserer Reise auf den Spuren Georg Philipp Telemanns lernen, ist: Um die Verbindung zwischen Magdeburg und dem großen Komponisten zu verstehen, brauchen wir an vielen Stellen unsere Vorstellungskraft. Fantasie und Visionen sind sicher auch das, was Telemann belebte und seine Kunst voranbrachte.

Dass diese Kunst auch 250 Jahre nach seinem Tod noch lebendig ist, hat uns am Wochenende das spannende Finale des 9. Internationalen Telemann-Wettbewerbs eindrucksvoll bewiesen. In diesem Jahr war der Wettbewerb erstmals für Gesang ausgeschrieben. Sängerinnen und Sänger aller Nationen, die nach dem 10. März 1982 und vor dem 10. März 1999 geboren sind, waren dazu aufgerufen, Telemann mit ihrer Musik wieder aufleben zu lassen.

Das Leipziger Barockorchester übernahm mit Freude die musikalische Begleitung im Finale und im Abschlusskonzert. Insgesamt mussten die Sängerinnen und Sänger in drei Runden bestehen, bis am Samstag die Preisträger bekanntgegeben werden konnten. In diesem Jahr traten im vielversprechenden Finale das erste Mal nur Frauen gegeneinander an, die die Gäste und auch die Jury mit ihren Stimmen verzauberten und sie mit auf eine musikalische Reise nahmen. „In Magdeburg herrscht eine phantastische Atmosphäre. Die Seelen waren frei, die Ohren aufmerksam, die Laune gut“, beschreibt Jurymitglied Marek Rzepka die Stimmung im Gesellschaftshaus. Über den 1. Preis, den Preis der Mitteldeutschen Barockmusik, konnte sich Geneviève Tschumi freuen. Wer die 28 Jahre alte Mezzosopranistin aus der Schweiz verpasst hat, kann sich auf die nächsten Telemannfesttage im kommenden Jahr freuen, denn dann wird Geneviève Tschumi wieder eindrucksvoll beweisen, wie lebendig die Kunst Telemanns auch heute noch ist.

Geneviève Tschumi, Gewinnerin des 9. Internationalen Telemann-Wettbewerbs
Geneviève Tschumi, Gewinnerin des 9. Internationalen Telemann-Wettbewerbs. Foto:Viktoria Kühne

Neben der Musik hatte Telemann noch eine weitere Passion, von der bisher sicher nur die wahren Kenner des Komponisten wussten. Auch Blumen zogen ihn in ihren Bann. Ihre Kraft entfaltet sich ebenso wie die der Musik auf besondere Weise. Telemann suchte die Welt mit allen Sinnen zu entdecken. Deswegen unser Tipp für euch zum Frühlingsanfang: Ein Vortrag über diese „Blumenliebe“ des Komponisten am 22. März 2017. Berichten wird darüber der Telemannforscher Ralph-Jürgen Reipsch in der Stadtbibliothek. Dazu wird Telemanns Musik erklingen und euch eine andere Seite, nämlich seine Blumenliebe, näherbringen.

Telemanns Blumenliebe
Telemanns "Blumenliebe"

Für heute sind wir mit unserer Reise schon wieder am Ende. Seid gespannt und freut euch auf die nächsten Stationen. Und vielleicht habt ihr ja Lust und Zeit, und geht auf dem Weg zu einer unserer vielfältigen Veranstaltungen an den zwei bisherigen Berührungspunkten vorbei. Lauft dort, wo einst der junge Telemann lief. Lasst euch inspirieren, dort wo einst der junge Telemann inspiriert wurde und erlebt die Kultur Magdeburgs. Auf den Spuren Telemanns zu wandeln, macht ihn auch 250 Jahre nach seinem Tod in Magdeburg noch immer real.

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 14. März 2017

14. März 2017. Kalt und grau waren der Januar und der Februar. Endlich ist März und die ersten Sonnenstrahlen locken uns nach draußen. Wir haben gewartet auf die Märzsonne. Wir haben gewartet auf den Frühling und wir haben gewartet auf Telemann. Auf Telemann? Fragt sich jetzt sicher der ein oder andere.

Ja! Denn in diesem Jahr feiern wir den großen Magdeburger Komponisten. Damit ehren wir nicht nur ihn und sein Werk. Wir wollen Kulturhauptstadt werden. Und Telemann wird uns dabei unterstützen.

Um uns darauf einzustimmen und auch fragende Blicke in Interesse umzuwandeln, nehmen wir die Magdeburgerinnen und Magdeburger mit auf eine virtuelle Reise – eine Reise durch unsere Stadt, durch die Geschichte, vorbei an den Berührungspunkten mit Telemann und seinem wichtigen Erbe für uns.

Lasst euch anstecken von der Begeisterung, seid ein bisschen Telemania. Und vielleicht zieht euch nicht nur der Frühling nach draußen, sondern auch Telemann in seinen Bann und ihr habt Lust auf all die spannenden Veranstaltungen, die uns in diesem Jahr erwarten.

Der Startpunkt unserer Reise liegt zwischen dem Allee-Center und der Regierungsstraße. Läuft man nämlich südlich des Centers entlang der Goldschmiedebrücke in Richtung Westen, stößt man unweigerlich an der Querung zur Fußgängerzone der Regierungsstraße auf eine große dunkelgraue Granittafel. Darauf zu sehen ist Telemann – zumindest sein Kopf. Aus einer etwas erhöhten Position hat er einen guten Blick auf das Geschehen vor dem Allee-Center. Und womöglich blickte er vor über 300 Jahren, noch in den Anfängen seines Lebens, auf dieselbe Stelle – natürlich mit einer anderen Aussicht.

Denn sein Geburtshaus wird eben dort vermutet. Zerstört vom Krieg und überbaut von modernen Gebäuden ist davon heute nichts mehr zu sehen – nur Telemanns wachsamer Blick, der bleibt. Seit 2011 steht die Gedenkstele nun schon an diesem Ort. Und neben seinen Lebensdaten und einem Ausschnitt aus der Ouvertüre zu Telemanns berühmter Oper Der geduldige Socrates – die humorvolle Oper war Telemanns Einstieg in die Hamburger Musikszene – entdecken aufmerksame Magdeburger sowie Gäste unserer Stadt einen Ausspruch des berühmten Komponisten:

„Wer vielen nutzen kann, tut besser, als wer nur für wenige was schreibet.“

Eine wichtige Aussage, die einiges über die Persönlichkeit Telemanns verrät. Er dachte nicht in Kleinem, schrieb nicht für sich oder die Kunst, sondern für alle. Er war das, was man heute einen Kosmopoliten nennt. Kein anderer prägte die Barockmusik des 18. Jahrhunderts so sehr wie Telemann. Er vermochte es, Einflüsse aus ganz Europa in seine Musik zu bringen und aus dieser Vielfalt eine Einheit zu schaffen.

Doch noch nicht zu viel vorweg, wir stehen ja noch ganz am Anfang. Am 14. März 1681 – also auf den Tag genau vor 336 Jahren – wurde Georg Philipp Telemann in Magdeburg geboren. Vermutlich in einem Pfarrhaus in der heute überbauten Heilig-Geist-Straße, vermutlich an der besagten Stelle.

Um seinen Geburtstag gebührend zu feiern, haben sich heute Vormittag Telemannfreunde eben dort  – an seiner Gedenkstele – versammelt. Angezogen von den musikalischen Beiträgen des Magdeburger Blechbläser Ensembles sind auch einige Interessierte stehen geblieben und lauschten andachtsvoll. Und so stand eine Menschentraube in einem Halbkreis um Telemann herum – der hatte heute also noch mehr zu gucken als sonst – und erinnerte an die Geburt des großen Magdeburger Komponisten.

„Ich bin in Magdeburg geboren“ hieß das Ständchen, das um 10.00 Uhr die Fußgängerzone der Goldschmiedebrücke mit Wohlklängen erfüllte und auch so manchen Telemannneuling anlockte. Neben den Geburtstagsliedern und den vielen Gratulanten durfte sich Telemann übrigens auch über Blumen freuen.

Wer das Ständchen verpasst hat, kann sich von den Klängen in unserem Video mit auf unsere Reise nehmen lassen und sich auf den nächsten Blogbeitrag freuen, wenn es wieder heißt: „Magdeburg blogt über Telemann“.

Bilder vom Geburtstagsständchen

»Ich bin in Magdeburg geboren« vom Magdeburger Blechbläser Ensemble
Magdeburger Blechbläser Ensemble
Ein Geburtstagsständchen am 14. März 2017
Ein Geburtstagsständchen für Telemann an der Gedenkstele
Siegfried Pank, Wettbewerbspräsident Georg-Philipp-Telemann-Wettbewerb
Magdeburger Blechbläser Ensemble im Einsatz
Magdeburger Blechbläser Ensemble gemeinsam mit
Telemann-Gedenkstele
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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 16. August 2017

16. August 2017 – Telemann und die vier Temperamente, Telemann und die Muse und der Fährmann – diese Erinnerungsorte an den berühmten Kosmopoliten haben wir im Juni unserer virtuellen Reise besucht. Inspiriert vom Fährmann lassen wir unsere Gedanken wie das Wasser eines Flusses fließen. Wir gehen am Schleinufer an der Elbe entlang Richtung Süden und denken an Georg Philipp Telemann. Wir denken an seine Musik, sein Werk, sein Leben und fragen uns: Wie war wohl das Leben zu seiner Zeit?

Genau das könnt ihr bei der Langen TelemannNACHT herausfinden, denn diese verspricht jede Menge barockes Lebensgefühl. Wegen der Folgen eines Unwetters abgesagt, kann sie am 1. September 2017 nachgeholt werden.

Wir laufen am Schleinufer entlang und sind beinah auf Höhe des Doms. Kurzerhand lassen wir uns in die Richtung des ersten gotischen Dom auf deutschem Boden treiben und laufen über eine Brücke hinauf zum Fürstenwall. Genau hier werden in wenigen Tagen Gaukler, barocke Spiele und Metallskulpturen in eine andere, in eine telemannsche Welt entführen. Als Teil des Festes zu Ehren eines weiteren großen Sohnes unserer Stadt – Kaiser Otto – eröffnen sich hier zur Langen TelemannNACHT ab 17.00 Uhr neue Perspektiven. Entlang des Hauses der Romanik, des Remtergangs, der Bastion Cleve bis hin zur Schweizer Milchkuranstalt am Fürstenwall wird es musikalisch, spielerisch und auch kulinarisch erlebnisreich.

Lange TelemannNACHT

Lange TelemannNACHT

Magdeburg ist im Telemannfieber! Am 1. September 2017 lädt die Landeshauptstadt im Rahmen des Kaiser-Otto-Festes dazu ein, den Komponisten Georg Philipp Telemann mit allen Sinnen kennenzulernen. Die Lange TelemannNACHT vereint barockes Lebensgefühl, Spiellust und Lebensfreude rund um Telemann und entführt die Gäste von der Bastion Cleve, über den Remtergang und das Haus der Romanik bis hin zum Fürstenwall in eine neue Welt.

Programm Lange TelemannNACHT

Die ehemalige Intendantin des Magdeburger Puppentheaters, Elke Schneider, konnte für die TelemannNACHT 200 Mitwirkende begeistern. Mit dabei sind der Magdeburger Telemann-Chor, das Magdeburger Blechbläserensemble, das Rossini-Quartett, die Ballettschule Semenchukov, Schülerinnen und Schüler des Konservatoriums, das Ensemble des Telemann-Musicals „Telemann in Pop“ und viele mehr.

Gaukler zeigen ihre Künste, barocke Spiele, Tänze und Musik laden zum Mitmachen ein. Die Gäste können sich unter anderem von Musiktherapie, Papiertheater, Puppentheater, barocken Karussellpferden und Barockkutschen in die Welt Telemanns entführen lassen.

Sogar kulinarisch geht es in die Zeit des Barocks: Die Speisen nehmen Bezug auf die regionale Küche, die Georg Philipp Telemann an den unterschiedlichen Orten, an denen er lebte, kennenlernte, und stellen somit eine weitere Verbindung zum 18. Jahrhundert her. Das gesamte Programm Lange TelemannNACHT [PDF: 2,6 MB] finden Sie hier.

Die Lange TelemannNACHT sollte ursprünglich am 24. Juni 2017 stattfinden, musste aber wegen der Sturmschäden im Klosterbergegarten abgesagt werden. Karten, die für die ursprüngliche TelemannNACHT gekauft wurden, sind am 1. September für die Lange TelemannNACHT und das Kaiser-Otto-Fest gültig.

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Angetrieben von der Vorfreude auf die Lange TelemannNACHT haben wir heute noch eine Station zu dem berühmten Künstler vor uns. Vom Fürstenwall aus laufen wir weiter durch eine der schönsten Straßen Magdeburgs, durch die Hegelstraße. Die mit Fassadenschmuck verzierten Häuser entstanden lange nach Telemann in der Gründerzeit von 1880 bis 1920. Von dort aus gelangen wir über die Steubenallee zu den Gruson-Gewächshäusern. Auch diese Tropenhäuser entstanden während der Gründerzeit.

120 Jahre Gruson-Gewächshäuser - Eingang um 1900
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Apropros Tropen und exotische Pflanzen – die gefielen auch Georg Philipp Telemann. Über seine „Bluhmen-Liebe“ haben wir schon einmal berichtet, denn er hatte nicht nur eine Leidenschaft für Kunst und Musik, sondern ebenso für die Pflanzenwelt. So bekannte er in einem Brief an seinen Frankfurter Freund Johann Friedrich Armand von Uffenbach aus dem Jahre 1742:

Ob diese [die Musik] zwar mein Acker und Pflug ist, und mir zum Hauptergetzen dienet, so habe ich ihr doch seither ein Par Jahren eine Gefehrtinn zugesellet, nemlich die Bluhmen-Liebe, welche beyde wechselsweis mich ihrer Annehmlichkeiten theilhaft machen.“

In seinem eigenen Garten trug er damals in Hamburg zahlreiche botanische Raritäten zusammen und ging seiner „Bluhmen-Liebe“ nach. Er listete seinen „Garten-Vorraht“ sogar auf und erstellte damit ein Pflanzenverzeichnis. Tulpen, chinesische Astern, Aloen, Säulenkakteen, Hyazinthen, Narzissen, Pfingstrosen, Kornblumen und viele mehr zierten dieses Verzeichnis und seinen Garten. Doch damit nicht genug. Telemann begab sich auf die Suche nach weiteren exotischen Pflanzen für seine Sammlung.

Und woher nahm Telemann, der rund um die Uhr zu arbeiten schien, die Zeit für seinen exotischen Garten? Er war nämlich zu der Zeit städtischer Musikdirektor in Hamburg, leitete seinen eigenen Verlag und nebenbei noch die Oper am Gänsemarkt. Seine zweite Frau Maria Catharina, von der er zu diesem Zeitpunkt beinah 15 Jahre lang getrennt lebte, weil sie ihn betrogen hatte, ging zurück nach Frankfurt am Main. Das war für Telemann der Anlass, um seinen Verlag, den er nicht nur wegen künstlerischer Ambitionen, sondern auch aus finanzieller Not heraus gegründet hatte, aufzulösen und Gärtner zu werden.

Doch nicht nur die Zeit, sondern auch seine vielen Kontakte trugen dazu bei, dass Telemanns Garten immer größer und exotischer wurde. Besonders hilfreich waren dabei seine Kontakte aus der Musikwelt. So wendete er sich zum Beispiel an Albrecht von Haller, den Begründer des Botanischen Gartens in Göttingen. Von ihm erhielt er zahlreiche seltene Sämereien. Der Garten des großen Blumenliebhabers wurde über die Jahre so bekannt, dass Christlob Mylius, ein Vetter Lessings, berichtete, dass in Telemanns Garten „viel fremde und schöne Pflanzen“ seien. Noch 1843 wurde er zu den bedeutendsten Hamburger Gärten des vergangenen Jahrhunderts gezählt. 

Über 50 Jahre später wurden auch in Magdeburg Gärten oder vielmehr Häuser gegründet, die bis heute exotische Pflanzen beherbergen – die Gruson-Gewächshäuser. Dort lädt der Innenhof mit einem Telemann-Garten zum Verweilen ein. Viele Pflanzen aus Telemanns ehemaligem Garten wurden in seiner Geburtsstadt Magdeburg gepflanzt und laden hier zum Erkunden ein. Eröffnet wurde der Garten am 3. Juni 2012. In diesem Jahr könnt ihr ihn bis Mitte Oktober besuchen und Telemanns „Bluhmen-Liebe“ entdecken.

Telemanns Garten
Telemanngarten
Gruson-Gewächshäuser
Hermann August Jacques Gruson

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 22. Juni 2017

22. Juni 2017 – Zur Erinnerung an Georg Philipp Telemann
In genau drei Tagen, nämlich am 25. Juni, jährt sich der Todestag des berühmten Magdeburger Komponisten zum 250. Mal. Seit Beginn des Jahres zeigen ihm zu Ehren zahlreiche und in ihrer Form ganz unterschiedliche Veranstaltungen, wer Telemann war und was ihn auch heute noch so bedeutend macht. Doch wir feiern den berühmten Komponisten nicht nur bei uns in Magdeburg, sondern auch in anderen Orten, die wichtige Stationen in seinem Leben waren.

Das so entstandene Netzwerk aus insgesamt zehn Städten – neben Magdeburg gehören Clausthal-Zellerfeld, Hildesheim, Leipzig, Żary, Pszczyna, Eisenach, Frankfurt am Main sowie Hamburg und Paris dazu – wäre ganz im Sinne Telemanns gewesen. Er selbst hatte sich Zeit seines Lebens ein großes Beziehungsnetzwerk in ganz Europa aufgebaut und damit den so wichtigen Austausch befördert. Telemann – ein musikalischer Kosmopolit mit Strahlkraft weit über unsere Stadtgrenzen hinaus.

Um eben diesen modernen Europäer gebührend zu würdigen, gibt es in unserer Stadt verschiedene Erinnerungsstätten. Und diese sind ebenso verstreut und vielseitig, wie einst das Netzwerk seiner Kontakte. Hat sich in unserem letzten Beitrag noch alles um den jungen Georg Philipp Telemann gedreht, machen wir auf unserer heutigen Reise ein paar Sprünge durch die Zeit seines Erwachsenenlebens – die Zeit, in der sich seine Strahlkraft schon voll entfaltet hatte. In Gedenken an seinen Todestag besuchen wir heute drei Erinnerungsorte:

Wir befinden uns am Magdeburger Dom und laufen über den Platz wieder zurück auf der Regierungsstraße, doch diesmal nicht bis zum Ende. Denn vorher biegen wir in die Große Klosterstraße ein und sehen schon von Weitem unsere erste Station.

Telemann und die vier Temperamente

Telemann und die vier Temperamente von Eberhard Roßdeutscher
Telemann und die vier Temperamente von Eberhard Roßdeutscher

Auf großen schlanken Säulen, die an Orgelpfeifen erinnern, sind Telemann und vier Frauen zu sehen. Wir gehen näher heran und entdecken, dass der Komponist einen Dirigentenstab in der Hand hält und die Damen um ihn herum auf ganz unterschiedliche Weise zu dirigieren scheint.

Die Figurengruppe „Telemann und die vier Temperamente“ steht seit 1981 an diesem Platz, direkt gegenüber dem Kloster Unser Lieben Frauen. Der Bildhauer Eberhard Roßdeutscher hatte das Kunstwerk anlässlich des 300. Geburtstages Telemanns gestaltet.

Die Lehre von den vier Temperamenten stammt bereits aus der Antike und nicht nur Telemann hatte sich mit ihr beschäftigt, sondern auch andere Komponisten wie Johannes Brahms oder Carl Nielsen. Auch in der Literatur ist dies ein viel bearbeiteter Stoff und sogar die moderne Persönlichkeitspsychologie orientiert sich an ihr. Die antike Lehre teilt nämlich die Menschen nach ihrer Grundwesensart in vier Temperamente ein: die Sanguiniker, die Choleriker, die Melancholiker und die Phlegmatiker. Um es euch zu verdeutlichen, dient das Gleichnis mit dem Stein.

Stellt euch vor, ein großer Stein versperrt euch den Weg. Lasst ihr euch davon nicht beirren und springt oder klettert über ihn hinweg, gehört ihr zu der Gruppe der Sanguiniker. Geratet ihr jedoch in Rage und versucht womöglich, den Stein mit eigener Kraft aus dem Weg zu räumen, seid ihr wohl Choleriker. Die Phlegmatiker unter euch versuchen, dem Problem aus dem Weg zu gehen – wortwörtlich machen sie einen großen Bogen um den Stein herum. Die Melancholiker hingegen werden beim Anblick des Steins ihren Weg in Frage stellen und sich traurig auf den Stein setzen, um nachzudenken und ihr Vorhaben zu reflektieren.

Ebenso unterschiedlich wie die menschlichen Gemüter präsentieren sich auch die vier Frauen um Telemann herum. Zwei von ihnen stehen, die anderen beiden liegen und jede von ihnen nimmt eine andere Haltung ein. Geht doch mal vorbei und rätselt mit, welche der Damen welches Temperament verkörpert.

Telemann dirigiert umgeben von vier Frauenfiguren
Telemann dirigiert umgeben von vier Frauenfiguren
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Wir laufen weiter und nehmen die Abkürzung durch den kleinen Park am Prämonstratenserberg. Unser nächstes Ziel ist nämlich das Alte Rathaus. Wir überqueren die Ernst-Reuter-Allee und gehen auf der Hartstraße direkt darauf zu. Diesmal müssen wir jedoch etwas näher heran, um Telemann zu entdecken.

Telemann und die Muse

Auf der historischen Rathaustür, die heute nicht mehr als Eingang genutzt wird, hat der Künstler Heinrich Apel die Geschichte Magdeburgs auf insgesamt 14 verschiedenen Bronzeplatten verewigt. Und wer darf da natürlich nicht fehlen? Richtig, Georg Philipp Telemann. Wir stehen direkt vor der großen und eindrucksvollen Tür und finden den Komponisten auf eine der unteren Platten auf der linken Seite.

„Telemann und die Muse“ wird dieser Teil der Tür genannt. Zu sehen ist der Musiker vor einem Dirigentenpult und die Muse, die als Engel vom Himmel kommt, reicht ihm ein Instrument – wahrscheinlich eine Viola oder Violine. So von der Muse geküsst, komponierte Telemann viele seiner berühmten Stücke. Seit 1970 wird an dieser präsenten und wichtigen Stelle der Stadt an den Magdeburger Komponisten erinnert.

Bronzene Rathaustür gestaltet von Heinrich Apel
Telemann und die Muse
Die Rathaustür besteht aus 14 Bronzeplatten, die die Geschichte Magdeburgs zeigen.

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Vier Jahre später kam ein weiteres Kunstwerk hinzu. Dafür müssen wir nun zur Elbuferpromenade, am besten über die Johannisbergstraße und über das Schleinufer hinweg. Wir laufen links am Fahnenmonument vorbei und auf die Promenade.

Der Fährmann

Der Fährmann von Eberhard Roßdeutscher
Der Fährmann von Eberhard Roßdeutscher

Direkt vor uns liegt nun eine weitere Plastik von Eberhard Roßdeutscher: „Der Fährmann“ befindet sich auf einer hohen Steinsäule, bestimmt drei bis vier Meter über unseren Köpfen. Wir müssen das Kunstwerk, zu dem auch noch fünf kleinere Steinplastiken gehören, erst einmal von Weitem erfassen.

Dann gehen wir näher heran und entdecken auf den kleineren Steinsockeln verschiedene Motive. Das Kunstwerk zeigt nämlich Szenen aus dem Opernintermezzo „Pimpinone“. Das musikalische Lustspiel von Georg Philipp Telemann wurde 1725 am Theater des Hamburger Gänsemarktes uraufgeführt. Das Werk war Telemanns größter Bühnenerfolg und erzählt die Geschichte von einem alten reichen Mann, der von einer jungen Frau umgarnt und an der Nase herumgeführt wird.

Im 19. Jahrhundert verschwand das Werk von den Bühnen und geriet in Vergessenheit. Im Zuge der Telemann-Renaissance im 20. Jahrhundert wurde es wiederentdeckt und entsprechend gewürdigt. Gemunkelt wird, dass Telemann den Stoff aufgrund eigener schlechter Erfahrungen mit seiner zweiten Frau aufgriff. 1714 hatte der damals über 30-Jährige die gerade mal 16 Jahre alte Maria Catharina Textor geheiratet. Nach 20 Ehejahren und neun gemeinsamen Kindern, ließ sich das Paar scheiden. Als Gründe werden Ehebruch oder Glücksspiel vermutet – Maria Catharina soll dabei eine große Summe Geld verloren haben. Wer sehen möchte, wie Eberhard Roßdeutscher diese Betrugsthematik umgesetzt hat, sollte sich das Kunstwerk einmal anschauen.

Das junge raffinierte Mädchen und der alte reiche Mann
Das junge raffinierte Mädchen und der alte reiche Mann
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Und weil die Zahl drei sich heute durch unseren Beitrag zieht, möchten wir euch gern noch auf drei Highlights im Veranstaltungskalender der Telemania 2017 hinweisen, die ihr nicht verpassen solltet.
  • Morgen Abend könnt ihr nämlich Till Brönner & Orchestra erleben. Das Konzert beginnt um 20.00 Uhr im Stadtpark, sollte es regnen, wird es in die Stadthalle verlegt. Karten sind noch an der Abendkasse für 51,85 Euro erhältlich. Achtung!! Die Veranstaltung wurde aufgrund der enormen Unwetterschäden im Stadtpark abgesagt.
  • Am Samstag heißt es dann „Lange TelemannNacht“ im Klosterbergegarten. Ab 18.00 Uhr beginnt das Spektakel, das uns ins 18. Jahrhundert und mit allen Sinnen zurück in die Telemannzeit bringt. Ab 18.00 Uhr geht es los. Und auch dafür sind noch Karten für 10 Euro an der Abendkasse erhältlich. Der Eintritt für Kinder bis sechs Jahren ist frei. Achtung!! Die Veranstaltung wurde aufgrund der enormen Unwetterschäden im Klosterbergegarten abgesagt.
  • Zum Gedenken an seinen Todestag vor 250 Jahren werden die Magdeburger Blechbläser am Sonntag um 15.00 Uhr an der Telemann-Stele ein Ständchen bringen. Dazu sind alle Interessierten herzlich willkommen.
Till Brönner, Foto: Matthias Piekacz
Lange TelemannNacht Serkowitzer Volksoper, Foto: Robert Jentzsch
Ein Geburtstagsständchen am 14. März 2017
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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 1. Juni 2017

1. Juni 2017 – Unser vorheriger Beitrag hat uns mit der Telemann-Straßenbahn quer durch die Stadt geführt. Am Opernhaus sind wir wieder ausgestiegen und laufen nun in Richtung Süden den Breiten Weg entlang, vorbei am Allee-Center, an Telemanns Gedenkstele, durch die Fußgängerzone der Regierungsstraße und noch darüber hinaus. Denn unser heutiges Ziel ist die zweite Bildungsstätte des jungen Georg Philipp Telemanns.

Magdeburger Dom
Magdeburger Dom

Nach seiner Ausbildung am Altstädtischen Gymnasium besuchte er nämlich die Domschule, die sich im südlichen Teil des Kreuzganges im Magdeburger Dom befand. Als einst älteste Schule der Stadt bekam sie im 16. Jahrhundert im Zuge der Reformation starke Konkurrenz durch das Altstädtische Gymnasium. Wie wir euch bereits erzählt haben, war das Gymnasium eine der ersten evangelischen Stadtschulen Deutschlands. Da die Domschule katholisch blieb und sich der neuen Lehre verschloss, musste der Schulbetrieb 1530 sogar eingestellt werden.

1567 wurde dann im Magdeburger Dom die erste evangelische Predigt abgehalten. Jedoch waren die Überlegungen, dort eine evangelische Schule einzurichten, angesichts des gutlaufenden Altstädtischen Gymnasiums überflüssig. Erst 100 Jahre später wurden die Pläne zur Schulgründung wieder konkret. Am ersten Adventssonntag wurde von der Domkanzel verkündet, „daß nun mehr eine ganz freie Schule beim Dom angerichtet sei“. Gegründet als reine Elementarschule mit nur einer Klasse entwickelte sich die Schule schnell zu einer höheren Schule, die ihre Schüler in mehreren Klassen auf das Studium an einer Universität vorbereitete.

An eben dieser Domschule kam der junge Telemann erstmals in Berührung mit der deutschen Dichtung. Eine besondere Rolle spielte dabei der damalige Rektor Christian Müller, der ihm wie Telemann selbst in seiner Biografie schrieb „die erste Liebe zur Dichtkunst einpflanzte“. Schon in unserem letzten Beitrag haben wir euch von der poetischen Ader des Komponisten berichtet. Der Grundstein dafür wurde eben an dieser Schule gelegt.

Gedicht "Musik - der edelste Zeitvertreib"

Den schönsten Zeitvertreib in unserem ganzen Leben
weiß doch Musik allein zu geben.
Denn alles, was wir sonst nur von der Wollust wissen
- es sei ein guter Wein, ein leckerhafter Bissen,
die Schlittenfahrt,
das Spiel, die Jagd und was noch mehr von solcher Art -,
sind im Beschluß,
nach vorgebrauchtem Überfluß,
wo nicht mit Schaden, Schmerz, Verdruß,
doch wenigstens mit Ungemach gepaart.

Allein Musik kennt nichts als lauter Güte:
Der Anfang ist bequem,
das Mittel angenehm,
das Ende wirkt ein ruhiges Gemüte.

Allen Kummer, alles Leid
kann die Harmonie begraben.
Wie das Meer bei sanfter Stille
seine Flut als wiegend regt,
also wird des Menschen Wille
durch der Töne Kraft bewegt,
daß ihn, frei vom Sorgen-Streit,
sanfte Ruh und Stille laben.

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Angeregt von der Beschäftigung sowohl mit der Musik als auch der Literatur begann Telemann schon in Magdeburg zu komponieren. Eben diese ersten Anfänge seines künstlerischen Schaffens stellt das Stück „Das Glück des Gauklers“, das am 2. Juni im Gesellschaftshaus Premiere feiert, in den Fokus.

Denn als der gerade mal 12-jährige Telemann in Magdeburg seine erste Oper aufführte, in der er selbst die Titelpartie sang, wähnte ihn seine entsetzte Familie auf dem direkten Weg in sein persönliches Unglück und sah ihn als Spielmann oder Gaukler über die Jahrmärkte ziehen. Dass sie sich damit gewaltig täuschten, zeigt das Stück über das beeindruckende Leben des Komponisten. Neben der Premiere am 2. Juni um 19.00 Uhr im Schinkelsaal des Gesellschaftshauses könnt Ihr auch die Vorstellungen am 3., 23. oder 24. Juni besuchen.

Das Glück des Gauklers, Quelle: Kathrin Singer, Telemann-Zentrum
Das Glück des Gauklers, Quelle: Kathrin Singer, Telemann-Zentrum

Und noch ein heißer Tipp für die nächste Juniwoche: In „Telemann ist bigger than …“ könnt Ihr am 9. Juni im AMO-Kulturhaus die spannende Zusammensetzung aus alt und neu erleben. Das junge Künstlerkollektiv „Migges mit Attitude“ zeigt in Kooperation mit „Telemania2017“ die Kombination aus Barockmusik und Hip Hop. Dafür verschmelzen die Klänge des Jugendsinfonieorchesters des Georg-Philipp-Telemann-Konservatoriums mit Rap, DJ‘ing, Graffiti und Breakdance zu einer mitreißenden Bühnenshow.

Damit sind wir für heute schon wieder am Ende unserer Reise. Schaut doch vielleicht mal am oder im Magdeburger Dom vorbei und lasst die Geschichten dieses historischen Gebäudes auf euch wirken. Es gibt auch noch einiges zu entdecken – auch was Telemann betrifft. In der nordwestlichen Ecke des Kreuzgangs zum Beispiel befindet sich der Grabstein des Taufpaten und Namensgebers Telemanns, des damaligen Domherren Georg Philipp von Veltheim.

Grabstein Georg Philipp von Veltheims
Grabstein Georg Philipp von Veltheims
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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 18. April 2017

18. April 2017 –  Telemann bewegt! – Und damit meinen wir nicht nur uns und unsere virtuelle Reise durch Magdeburg entlang der wichtigsten Lebensstationen des Komponisten. Nein, denn bereits seit einem Jahr bewegt er etwa 100 Mädchen und Jungen, Jugendliche und junge Erwachsene verschiedener Schulen in unserer Stadt.

Telemann bewegt
"Telemann bewegt"

Unter dem Motto „Telemann bewegt“ sind sie ebenfalls auf der Spurensuche durch Magdeburg und erkunden Orte, die in Verbindung mit dem Komponisten stehen. Immer an ihrer Seite: Magdeburger Künstler und Theaterpädagogen. Sie unterstützen die Schüler im Alter von 12 bis 20 Jahren dabei, ihre Inspiration in szenische Aktionen umzusetzen. Mit Hilfe theaterpädagogischer Methoden drücken die jungen Menschen in verschiedenen Gruppen ihre Erlebnisse mit Telemann durch Gesang, Musik, Bewegung und szenische Gestaltung aus.

So lernten unter anderem Schüler der Gemeinschaftsschule Wilhelm Weitling aus Olventstedt, inspiriert von der Musik Telemanns und unter Anleitung des Ballettlehrers Alexander Semenchukov, barocke Tänze, wie sie im 17. Jahrhundert üblich waren. In zwei langen Reihen, dem Tanzpartner jeweils gegenüber angeordnet, zeigten die Jungen und Mädchen bereits in der Pressekonferenz am 23. März in den Gruson-Gewächshäusern, wie sich feine Damen und edle Herren zu Telemann’schen Kompositionen bewegten.

Dank des Theaters Magdeburg, das die Aktion im Rahmen des Telemann-Jahres 2017 ins Leben gerufen hat, wird für die Jugendlichen ein Zugang zu dem seit 250 Jahren verstorbenen Komponisten geschaffen. Telemann wird damit für sie erlebbar.

Wer nicht verpassen möchte, was die jungen Künstler bewegt und was sie gelernt haben, der sollte sich den 21. April dick im Kalender anstreichen. Dann nämlich präsentieren die Schüler an vier verschiedenen Stationen im Rahmen einer moderierten und inszenierten Stadtrundfahrt das Einstudierte. Dadurch wird Telemanns Wirken im öffentlichen Raum – also in den Gruson-Gewächshäusern, im Gesellschaftshaus, im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen und im Modehaus Papenbreer – sichtbar.

In welcher Verbindung diese vier Stationen mit dem Magdeburger Komponisten stehen, erfahrt ihr während der Stadtrundfahrten. Diese beginnen um 14.00, 16.00 und 18.00 Uhr – Treffpunkt sind die Gruson-Gewächshäuser. Die Karten gibt es für 5 Euro/3 Euro (ermäßigt) an der Theaterkasse im Opernhaus, telefonisch unter 0391 40 490 490 oder online unter www.theater-magdeburg.de.

Alle interessierten Magdeburgerinnen und Magdeburger sowie Gäste der Stadt sind herzlich eingeladen die Telemannstadt Magdeburg durch die Präsentation der Schülerinnen und Schüler auf völlig neue Weise zu erleben.

Schüler machen Telemann erlebbar
Dr. Ludwig Martin, wissenschaftlicher Leiter der Gruson-Gewächshäuser
Jugendprojekt
Barocke Tänze der Schüler
Theaterpädagoge Matthias Brandt und Tom Wolter, Vorstandsvorsitzender des Landeszentrums Spiel & Theater Sachsen-Anhalt
Schüler der Gemeinschaftsschule

Und apropos Schule – natürlich hat auch der junge Telemann eine Magdeburger Schule besucht. Unsere heutige Station führt uns etwas weiter in den Norden der Stadt. Von der Goldschmiedebrücke aus gehen wir entlang des Breiten Weges, vorbei am Alten Markt und biegen nach Westen in die Julius-Bremer-Straße ein. An der Ecke zur Max-Otten-Straße – dort, wo sich heute ein Zoofachgeschäft befindet – stand einst das Altstädtische Gymnasium, das Telemann ab dem Alter von ungefähr zehn Jahren besuchte. Auch dieses Gebäude ist leider im Zweiten Weltkrieg zu großen Teilen zerstört worden. Im Jahr 1959 wurde die geschichtsträchtige Ruine  dann endgültig abgetragen.


Altstädtisches Gymnasium, Quelle: Stadtarchiv Magdeburg
Altstädtisches Gymnasium, Quelle: Stadtarchiv Magdeburg

Bevor nämlich das Altstädtische Gymnasium ab 1524 in das Gebäude einzog, waren dort die Mönche des Franziskanerordens ansässig. Sie hatten im 13. Jahrhundert den Grundstein für das einstige Kloster gelegt. Als drei Jahrhunderte später die Reformation Magdeburg erreichte, versuchten die Ordensleute durch Predigten gegen die neuen Glaubenssätze anzukämpfen – wenig erfolgreich. Ab Mitte des 16. Jahrhunderts ging die Nutzung an die evangelische Stadtschule über. Das Altstädtische Gymnasium war im Zuge der Reformation als eine der ersten städtischen Lateinschulen Deutschlands eröffnet worden.

Nicht einmal zehn Minuten brauchte der junge Georg Philipp, um von seinem Elternhaus zur Schule zu gelangen. Dort, wo wichtige Kantoren und Musikdirektoren wirkten, konnte er sich in etwas vertiefen, wofür er sich schon vor dem Schulbesuch interessiert hatte – in die Musik. Autodidaktisch hatte er sich mit dem Violinen-, Flöten- und Citherspiel beschäftigt, und erfreute damit nicht nur seine Familie, sondern auch die Nachbarn.

Schon mit diesem Selbststudium wurde deutlich, dass Telemann außerhalb der gängigen Konventionen dachte. Den vermutlich einzigen Instrumentalunterricht bei einem unbekannten Magdeburger Organisten brach er mit der Begründung ab, dass dieser „mit der deutschen Tabulatur erschreckte, die er eben so steiff spielte, wie vieleicht sein Grosvater gethan, von dem er sie geerbet hatte" (Autobiographie 1740).

Überhaupt nicht steif und weit ab von üblichen Konventionen geht es auch im Programm des Telemann-Jahrs weiter. Nicht unweit der heutigen Station erwartet uns demnächst eine musikalische Überraschung. Geht doch mal vorbei an der Stelle, an der ehemals die Altstädtische Schule stand und dann lauscht, ob ihr vielleicht schon aus der Ferne ein paar Telemannklänge vernehmt, die immer näher und näher und näher kommen…

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 17. Mai 2017

17. Mai 2017 – Das Telemannjahr nimmt richtig Fahrt auf!
Wo immer wir stehen und gehen, begegnet uns Georg Philipp Telemann. In Gedanken sind wir noch am letzten Ort unserer virtuellen Reise – dort, wo Telemann einst lernte, am Altstädtischen Gymnasium. Wir setzen unseren Spaziergang entlang des Breiten Weges in Richtung Norden fort. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, die Menschen strahlen und genießen den Tag.

Telemann lädt zur Fahrt in Kulturstraßenbahn ein, Quelle: Georg Bandarau, Pro M
"Telemann" lädt zur Fahrt in Kulturstraßenbahn ein, Quelle: Georg Bandarau, Pro M

Doch was ist das? Wir werden von einer Männerstimme aus den Gedanken gerissen. „Heute werde ich mit Ihnen eine ganz besondere Fahrt unternehmen, eine Fahrt, bei der ich Ihnen viel über mein Leben in dieser schönen Stadt erzählen möchte.“ Ein Mann mit blond gelocktem Haar und einem barocken Gehrock in purpurrot spricht nur wenige Meter von uns entfernt in ein Mikrofon. Er erinnert uns stark an Telemann und siehe da: Es ist Michael Schenk, der die Rolle Telemanns nicht nur spielt, sondern regelrecht lebt. Wann immer es in diesem Jahr um den berühmten Komponisten geht, ist Michael Schenk nicht weit.

Telemann-Straßenbahn
Telemann-Straßenbahn

Doch von welcher Fahrt spricht er? Das wollen wir genauer wissen. Neugierig nähern wir uns der Menschengruppe, die ihm ebenso gespannt zuhört. Wir erfahren, dass uns in einer Kulturstraßenbahn in den kommenden 90 Minuten ein spannendes Programm erwartet. In einer Kulturstraßenbahn? Die Bahn fährt an der Haltestelle am Opernhaus vor und schon wieder sehen wir Telemann – sein Konterfei blickt uns von dieser entgegen. Die Türen öffnen sich. Wir sind gespannt und steigen ein, ebenso wie „Telemann“ und viele andere Interessierte.

Telemann in der Kulturstraßenbahn
"Telemann" in der Kulturstraßenbahn

Die Straßenbahn fährt los. „Telemann“ beginnt Geschichten aus seinem Leben zu erzählen. Und schon bald vernehmen wir schöne Töne. Musikalisch eingestimmt werden wir von dem Musiker Martin Müller, der ein Stück Telemanns auf dem Akkordeon spielt und die perfekte Harmonie zwischen der Barockkomposition und dem Jazz findet.

Ihm folgt der ehemalige Domprediger Giselher Quast. Und er offenbart uns ein weiteres Talent Telemanns. Denn dieser verstand es auch, mit Worten umzugehen. Telemann schrieb Gedichte. Unter denen, die Giselher Quast vorträgt, findet sich eines, indem Telemann in Worte fasste, was ihn nach dem Tod seiner ersten Frau, Amalie Luise Juliane, bewegte. Sie starb bei der Geburt ihrer ersten Tochter am Kindbettfieber. Die beiden waren zu dem Zeitpunkt nicht einmal zwei Jahre verheiratet. Der Verlust muss für den Komponisten sehr groß gewesen sein. Kennengelernt hatten sich die beiden vermutlich über den bekannten Komponisten Daniel Eberlin, den Vater der ersten Frau Telemanns …

Wer noch mehr über das Leben Georg Philipp Telemanns erfahren möchte, sollte die nächsten Fahrten der Kulturstraßenbahn nicht verpassen. Die Bahnen starten jeweils um 18.00 Uhr an der Haltestelle am Opernhaus und enden auch dort: am 24. Mai sowie am 7., 14. und 19. Juni.

Eine weitere schöne Möglichkeit, die Lebensgeschichte Telemanns zu entdecken, erwartet uns schon am kommenden Samstag. „Telemann in Pop“ heißt das Musical, mit dem die 19-jährige Karolina Grunwald vor allem junge Leute erreichen und begeistern will.

Die Premiere des Jugendprojektes ist am Samstag, den 20. Mai 2017, um 19.00 Uhr im Gesellschaftshaus. Die Karten gibt es für 5,00 Euro/ermäßigt 3,00 Euro zzgl. VVK-Gebühren unter der Telefonnummer 0391 540 6777.

Telemann in Pop, Quelle: Kathrin Singer, Telemannzentrum
Telemann in Pop, Quelle: Kathrin Singer, Telemannzentrum

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 20. März 2017

20. März 2017. Heute ist es ganz offiziell: Der Frühling beginnt – endlich. Ein angenehm lauwarmer Wind weht durch die Straßen und Gassen Magdeburgs. In der Innenstadt herrscht geschäftiges Treiben. Begonnen haben wir unsere Reise in der vergangenen Woche auf den Wogen des Ständchens zu Telemanns 336. Geburtstag an seiner Gedenkstele in der Goldschmiedebrücke. Nicht weit davon entfernt, etwas weiter östlich, und noch im Blickfeld Telemanns, findet sich ein Bronzemodell einer Kirche – der Heilig-Geist-Kirche.
Bronzemodell der Heilig-Geist-Kirche in der Goldschmiedebrücke
Bronzemodell der Heilig-Geist-Kirche in der Goldschmiedebrücke

Nur drei Tage nach seiner Geburt im Jahr 1681 wurde Georg Philipp Telemann in eben dieser Kirche getauft. Sein Vater, Heinrich Telemann, war dort seit 1676 zweiter Pfarrer. Das einst prächtige historische Gebäude ist, wie so viele andere Kirchen Magdeburgs, während des Zweiten Weltkriegs stark zerstört worden. Die Substanz blieb jedoch erhalten. Und noch 1948 begann man damit, sie wieder aufzubauen. Zwei Jahre später konnte der erste Gottesdienst abgehalten werden. Doch die Kirche passte nicht in das Konzept zum Aufbau einer sozialistischen Großstadt. 1959 wurde sie gesprengt. Heute erinnert nur noch ein Bronzemodell im Maßstab von 1:20 an die Kirche, in der Telemann und vermutlich auch seine Geschwister getauft wurden.

Modell der Taufkirche Georg Philipp Telemanns mit der Gedenkstele im Hintergrund
Modell der Taufkirche Georg Philipp Telemanns mit der Gedenkstele im Hintergrund

Was wir bereits aus dieser und auch aus der ersten Station unserer Reise auf den Spuren Georg Philipp Telemanns lernen, ist: Um die Verbindung zwischen Magdeburg und dem großen Komponisten zu verstehen, brauchen wir an vielen Stellen unsere Vorstellungskraft. Fantasie und Visionen sind sicher auch das, was Telemann belebte und seine Kunst voranbrachte.

Dass diese Kunst auch 250 Jahre nach seinem Tod noch lebendig ist, hat uns am Wochenende das spannende Finale des 9. Internationalen Telemann-Wettbewerbs eindrucksvoll bewiesen. In diesem Jahr war der Wettbewerb erstmals für Gesang ausgeschrieben. Sängerinnen und Sänger aller Nationen, die nach dem 10. März 1982 und vor dem 10. März 1999 geboren sind, waren dazu aufgerufen, Telemann mit ihrer Musik wieder aufleben zu lassen.

Das Leipziger Barockorchester übernahm mit Freude die musikalische Begleitung im Finale und im Abschlusskonzert. Insgesamt mussten die Sängerinnen und Sänger in drei Runden bestehen, bis am Samstag die Preisträger bekanntgegeben werden konnten. In diesem Jahr traten im vielversprechenden Finale das erste Mal nur Frauen gegeneinander an, die die Gäste und auch die Jury mit ihren Stimmen verzauberten und sie mit auf eine musikalische Reise nahmen. „In Magdeburg herrscht eine phantastische Atmosphäre. Die Seelen waren frei, die Ohren aufmerksam, die Laune gut“, beschreibt Jurymitglied Marek Rzepka die Stimmung im Gesellschaftshaus. Über den 1. Preis, den Preis der Mitteldeutschen Barockmusik, konnte sich Geneviève Tschumi freuen. Wer die 28 Jahre alte Mezzosopranistin aus der Schweiz verpasst hat, kann sich auf die nächsten Telemannfesttage im kommenden Jahr freuen, denn dann wird Geneviève Tschumi wieder eindrucksvoll beweisen, wie lebendig die Kunst Telemanns auch heute noch ist.

Geneviève Tschumi, Gewinnerin des 9. Internationalen Telemann-Wettbewerbs
Geneviève Tschumi, Gewinnerin des 9. Internationalen Telemann-Wettbewerbs. Foto:Viktoria Kühne

Neben der Musik hatte Telemann noch eine weitere Passion, von der bisher sicher nur die wahren Kenner des Komponisten wussten. Auch Blumen zogen ihn in ihren Bann. Ihre Kraft entfaltet sich ebenso wie die der Musik auf besondere Weise. Telemann suchte die Welt mit allen Sinnen zu entdecken. Deswegen unser Tipp für euch zum Frühlingsanfang: Ein Vortrag über diese „Blumenliebe“ des Komponisten am 22. März 2017. Berichten wird darüber der Telemannforscher Ralph-Jürgen Reipsch in der Stadtbibliothek. Dazu wird Telemanns Musik erklingen und euch eine andere Seite, nämlich seine Blumenliebe, näherbringen.

Telemanns Blumenliebe
Telemanns "Blumenliebe"

Für heute sind wir mit unserer Reise schon wieder am Ende. Seid gespannt und freut euch auf die nächsten Stationen. Und vielleicht habt ihr ja Lust und Zeit, und geht auf dem Weg zu einer unserer vielfältigen Veranstaltungen an den zwei bisherigen Berührungspunkten vorbei. Lauft dort, wo einst der junge Telemann lief. Lasst euch inspirieren, dort wo einst der junge Telemann inspiriert wurde und erlebt die Kultur Magdeburgs. Auf den Spuren Telemanns zu wandeln, macht ihn auch 250 Jahre nach seinem Tod in Magdeburg noch immer real.

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 14. März 2017

14. März 2017. Kalt und grau waren der Januar und der Februar. Endlich ist März und die ersten Sonnenstrahlen locken uns nach draußen. Wir haben gewartet auf die Märzsonne. Wir haben gewartet auf den Frühling und wir haben gewartet auf Telemann. Auf Telemann? Fragt sich jetzt sicher der ein oder andere.

Ja! Denn in diesem Jahr feiern wir den großen Magdeburger Komponisten. Damit ehren wir nicht nur ihn und sein Werk. Wir wollen Kulturhauptstadt werden. Und Telemann wird uns dabei unterstützen.

Um uns darauf einzustimmen und auch fragende Blicke in Interesse umzuwandeln, nehmen wir die Magdeburgerinnen und Magdeburger mit auf eine virtuelle Reise – eine Reise durch unsere Stadt, durch die Geschichte, vorbei an den Berührungspunkten mit Telemann und seinem wichtigen Erbe für uns.

Lasst euch anstecken von der Begeisterung, seid ein bisschen Telemania. Und vielleicht zieht euch nicht nur der Frühling nach draußen, sondern auch Telemann in seinen Bann und ihr habt Lust auf all die spannenden Veranstaltungen, die uns in diesem Jahr erwarten.

Der Startpunkt unserer Reise liegt zwischen dem Allee-Center und der Regierungsstraße. Läuft man nämlich südlich des Centers entlang der Goldschmiedebrücke in Richtung Westen, stößt man unweigerlich an der Querung zur Fußgängerzone der Regierungsstraße auf eine große dunkelgraue Granittafel. Darauf zu sehen ist Telemann – zumindest sein Kopf. Aus einer etwas erhöhten Position hat er einen guten Blick auf das Geschehen vor dem Allee-Center. Und womöglich blickte er vor über 300 Jahren, noch in den Anfängen seines Lebens, auf dieselbe Stelle – natürlich mit einer anderen Aussicht.

Denn sein Geburtshaus wird eben dort vermutet. Zerstört vom Krieg und überbaut von modernen Gebäuden ist davon heute nichts mehr zu sehen – nur Telemanns wachsamer Blick, der bleibt. Seit 2011 steht die Gedenkstele nun schon an diesem Ort. Und neben seinen Lebensdaten und einem Ausschnitt aus der Ouvertüre zu Telemanns berühmter Oper Der geduldige Socrates – die humorvolle Oper war Telemanns Einstieg in die Hamburger Musikszene – entdecken aufmerksame Magdeburger sowie Gäste unserer Stadt einen Ausspruch des berühmten Komponisten:

„Wer vielen nutzen kann, tut besser, als wer nur für wenige was schreibet.“

Eine wichtige Aussage, die einiges über die Persönlichkeit Telemanns verrät. Er dachte nicht in Kleinem, schrieb nicht für sich oder die Kunst, sondern für alle. Er war das, was man heute einen Kosmopoliten nennt. Kein anderer prägte die Barockmusik des 18. Jahrhunderts so sehr wie Telemann. Er vermochte es, Einflüsse aus ganz Europa in seine Musik zu bringen und aus dieser Vielfalt eine Einheit zu schaffen.

Doch noch nicht zu viel vorweg, wir stehen ja noch ganz am Anfang. Am 14. März 1681 – also auf den Tag genau vor 336 Jahren – wurde Georg Philipp Telemann in Magdeburg geboren. Vermutlich in einem Pfarrhaus in der heute überbauten Heilig-Geist-Straße, vermutlich an der besagten Stelle.

Um seinen Geburtstag gebührend zu feiern, haben sich heute Vormittag Telemannfreunde eben dort  – an seiner Gedenkstele – versammelt. Angezogen von den musikalischen Beiträgen des Magdeburger Blechbläser Ensembles sind auch einige Interessierte stehen geblieben und lauschten andachtsvoll. Und so stand eine Menschentraube in einem Halbkreis um Telemann herum – der hatte heute also noch mehr zu gucken als sonst – und erinnerte an die Geburt des großen Magdeburger Komponisten.

„Ich bin in Magdeburg geboren“ hieß das Ständchen, das um 10.00 Uhr die Fußgängerzone der Goldschmiedebrücke mit Wohlklängen erfüllte und auch so manchen Telemannneuling anlockte. Neben den Geburtstagsliedern und den vielen Gratulanten durfte sich Telemann übrigens auch über Blumen freuen.

Wer das Ständchen verpasst hat, kann sich von den Klängen in unserem Video mit auf unsere Reise nehmen lassen und sich auf den nächsten Blogbeitrag freuen, wenn es wieder heißt: „Magdeburg blogt über Telemann“.

Bilder vom Geburtstagsständchen

»Ich bin in Magdeburg geboren« vom Magdeburger Blechbläser Ensemble
Magdeburger Blechbläser Ensemble
Ein Geburtstagsständchen am 14. März 2017
Ein Geburtstagsständchen für Telemann an der Gedenkstele
Siegfried Pank, Wettbewerbspräsident Georg-Philipp-Telemann-Wettbewerb
Magdeburger Blechbläser Ensemble im Einsatz
Magdeburger Blechbläser Ensemble gemeinsam mit
Telemann-Gedenkstele
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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 16. August 2017

16. August 2017 – Telemann und die vier Temperamente, Telemann und die Muse und der Fährmann – diese Erinnerungsorte an den berühmten Kosmopoliten haben wir im Juni unserer virtuellen Reise besucht. Inspiriert vom Fährmann lassen wir unsere Gedanken wie das Wasser eines Flusses fließen. Wir gehen am Schleinufer an der Elbe entlang Richtung Süden und denken an Georg Philipp Telemann. Wir denken an seine Musik, sein Werk, sein Leben und fragen uns: Wie war wohl das Leben zu seiner Zeit?

Genau das könnt ihr bei der Langen TelemannNACHT herausfinden, denn diese verspricht jede Menge barockes Lebensgefühl. Wegen der Folgen eines Unwetters abgesagt, kann sie am 1. September 2017 nachgeholt werden.

Wir laufen am Schleinufer entlang und sind beinah auf Höhe des Doms. Kurzerhand lassen wir uns in die Richtung des ersten gotischen Dom auf deutschem Boden treiben und laufen über eine Brücke hinauf zum Fürstenwall. Genau hier werden in wenigen Tagen Gaukler, barocke Spiele und Metallskulpturen in eine andere, in eine telemannsche Welt entführen. Als Teil des Festes zu Ehren eines weiteren großen Sohnes unserer Stadt – Kaiser Otto – eröffnen sich hier zur Langen TelemannNACHT ab 17.00 Uhr neue Perspektiven. Entlang des Hauses der Romanik, des Remtergangs, der Bastion Cleve bis hin zur Schweizer Milchkuranstalt am Fürstenwall wird es musikalisch, spielerisch und auch kulinarisch erlebnisreich.

Lange TelemannNACHT

Lange TelemannNACHT

Magdeburg ist im Telemannfieber! Am 1. September 2017 lädt die Landeshauptstadt im Rahmen des Kaiser-Otto-Festes dazu ein, den Komponisten Georg Philipp Telemann mit allen Sinnen kennenzulernen. Die Lange TelemannNACHT vereint barockes Lebensgefühl, Spiellust und Lebensfreude rund um Telemann und entführt die Gäste von der Bastion Cleve, über den Remtergang und das Haus der Romanik bis hin zum Fürstenwall in eine neue Welt.

Programm Lange TelemannNACHT

Die ehemalige Intendantin des Magdeburger Puppentheaters, Elke Schneider, konnte für die TelemannNACHT 200 Mitwirkende begeistern. Mit dabei sind der Magdeburger Telemann-Chor, das Magdeburger Blechbläserensemble, das Rossini-Quartett, die Ballettschule Semenchukov, Schülerinnen und Schüler des Konservatoriums, das Ensemble des Telemann-Musicals „Telemann in Pop“ und viele mehr.

Gaukler zeigen ihre Künste, barocke Spiele, Tänze und Musik laden zum Mitmachen ein. Die Gäste können sich unter anderem von Musiktherapie, Papiertheater, Puppentheater, barocken Karussellpferden und Barockkutschen in die Welt Telemanns entführen lassen.

Sogar kulinarisch geht es in die Zeit des Barocks: Die Speisen nehmen Bezug auf die regionale Küche, die Georg Philipp Telemann an den unterschiedlichen Orten, an denen er lebte, kennenlernte, und stellen somit eine weitere Verbindung zum 18. Jahrhundert her. Das gesamte Programm Lange TelemannNACHT [PDF: 2,6 MB] finden Sie hier.

Die Lange TelemannNACHT sollte ursprünglich am 24. Juni 2017 stattfinden, musste aber wegen der Sturmschäden im Klosterbergegarten abgesagt werden. Karten, die für die ursprüngliche TelemannNACHT gekauft wurden, sind am 1. September für die Lange TelemannNACHT und das Kaiser-Otto-Fest gültig.

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Angetrieben von der Vorfreude auf die Lange TelemannNACHT haben wir heute noch eine Station zu dem berühmten Künstler vor uns. Vom Fürstenwall aus laufen wir weiter durch eine der schönsten Straßen Magdeburgs, durch die Hegelstraße. Die mit Fassadenschmuck verzierten Häuser entstanden lange nach Telemann in der Gründerzeit von 1880 bis 1920. Von dort aus gelangen wir über die Steubenallee zu den Gruson-Gewächshäusern. Auch diese Tropenhäuser entstanden während der Gründerzeit.

120 Jahre Gruson-Gewächshäuser - Eingang um 1900
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Apropros Tropen und exotische Pflanzen – die gefielen auch Georg Philipp Telemann. Über seine „Bluhmen-Liebe“ haben wir schon einmal berichtet, denn er hatte nicht nur eine Leidenschaft für Kunst und Musik, sondern ebenso für die Pflanzenwelt. So bekannte er in einem Brief an seinen Frankfurter Freund Johann Friedrich Armand von Uffenbach aus dem Jahre 1742:

Ob diese [die Musik] zwar mein Acker und Pflug ist, und mir zum Hauptergetzen dienet, so habe ich ihr doch seither ein Par Jahren eine Gefehrtinn zugesellet, nemlich die Bluhmen-Liebe, welche beyde wechselsweis mich ihrer Annehmlichkeiten theilhaft machen.“

In seinem eigenen Garten trug er damals in Hamburg zahlreiche botanische Raritäten zusammen und ging seiner „Bluhmen-Liebe“ nach. Er listete seinen „Garten-Vorraht“ sogar auf und erstellte damit ein Pflanzenverzeichnis. Tulpen, chinesische Astern, Aloen, Säulenkakteen, Hyazinthen, Narzissen, Pfingstrosen, Kornblumen und viele mehr zierten dieses Verzeichnis und seinen Garten. Doch damit nicht genug. Telemann begab sich auf die Suche nach weiteren exotischen Pflanzen für seine Sammlung.

Und woher nahm Telemann, der rund um die Uhr zu arbeiten schien, die Zeit für seinen exotischen Garten? Er war nämlich zu der Zeit städtischer Musikdirektor in Hamburg, leitete seinen eigenen Verlag und nebenbei noch die Oper am Gänsemarkt. Seine zweite Frau Maria Catharina, von der er zu diesem Zeitpunkt beinah 15 Jahre lang getrennt lebte, weil sie ihn betrogen hatte, ging zurück nach Frankfurt am Main. Das war für Telemann der Anlass, um seinen Verlag, den er nicht nur wegen künstlerischer Ambitionen, sondern auch aus finanzieller Not heraus gegründet hatte, aufzulösen und Gärtner zu werden.

Doch nicht nur die Zeit, sondern auch seine vielen Kontakte trugen dazu bei, dass Telemanns Garten immer größer und exotischer wurde. Besonders hilfreich waren dabei seine Kontakte aus der Musikwelt. So wendete er sich zum Beispiel an Albrecht von Haller, den Begründer des Botanischen Gartens in Göttingen. Von ihm erhielt er zahlreiche seltene Sämereien. Der Garten des großen Blumenliebhabers wurde über die Jahre so bekannt, dass Christlob Mylius, ein Vetter Lessings, berichtete, dass in Telemanns Garten „viel fremde und schöne Pflanzen“ seien. Noch 1843 wurde er zu den bedeutendsten Hamburger Gärten des vergangenen Jahrhunderts gezählt. 

Über 50 Jahre später wurden auch in Magdeburg Gärten oder vielmehr Häuser gegründet, die bis heute exotische Pflanzen beherbergen – die Gruson-Gewächshäuser. Dort lädt der Innenhof mit einem Telemann-Garten zum Verweilen ein. Viele Pflanzen aus Telemanns ehemaligem Garten wurden in seiner Geburtsstadt Magdeburg gepflanzt und laden hier zum Erkunden ein. Eröffnet wurde der Garten am 3. Juni 2012. In diesem Jahr könnt ihr ihn bis Mitte Oktober besuchen und Telemanns „Bluhmen-Liebe“ entdecken.

Telemanns Garten
Telemanngarten
Gruson-Gewächshäuser
Hermann August Jacques Gruson

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 22. Juni 2017

22. Juni 2017 – Zur Erinnerung an Georg Philipp Telemann
In genau drei Tagen, nämlich am 25. Juni, jährt sich der Todestag des berühmten Magdeburger Komponisten zum 250. Mal. Seit Beginn des Jahres zeigen ihm zu Ehren zahlreiche und in ihrer Form ganz unterschiedliche Veranstaltungen, wer Telemann war und was ihn auch heute noch so bedeutend macht. Doch wir feiern den berühmten Komponisten nicht nur bei uns in Magdeburg, sondern auch in anderen Orten, die wichtige Stationen in seinem Leben waren.

Das so entstandene Netzwerk aus insgesamt zehn Städten – neben Magdeburg gehören Clausthal-Zellerfeld, Hildesheim, Leipzig, Żary, Pszczyna, Eisenach, Frankfurt am Main sowie Hamburg und Paris dazu – wäre ganz im Sinne Telemanns gewesen. Er selbst hatte sich Zeit seines Lebens ein großes Beziehungsnetzwerk in ganz Europa aufgebaut und damit den so wichtigen Austausch befördert. Telemann – ein musikalischer Kosmopolit mit Strahlkraft weit über unsere Stadtgrenzen hinaus.

Um eben diesen modernen Europäer gebührend zu würdigen, gibt es in unserer Stadt verschiedene Erinnerungsstätten. Und diese sind ebenso verstreut und vielseitig, wie einst das Netzwerk seiner Kontakte. Hat sich in unserem letzten Beitrag noch alles um den jungen Georg Philipp Telemann gedreht, machen wir auf unserer heutigen Reise ein paar Sprünge durch die Zeit seines Erwachsenenlebens – die Zeit, in der sich seine Strahlkraft schon voll entfaltet hatte. In Gedenken an seinen Todestag besuchen wir heute drei Erinnerungsorte:

Wir befinden uns am Magdeburger Dom und laufen über den Platz wieder zurück auf der Regierungsstraße, doch diesmal nicht bis zum Ende. Denn vorher biegen wir in die Große Klosterstraße ein und sehen schon von Weitem unsere erste Station.

Telemann und die vier Temperamente

Telemann und die vier Temperamente von Eberhard Roßdeutscher
Telemann und die vier Temperamente von Eberhard Roßdeutscher

Auf großen schlanken Säulen, die an Orgelpfeifen erinnern, sind Telemann und vier Frauen zu sehen. Wir gehen näher heran und entdecken, dass der Komponist einen Dirigentenstab in der Hand hält und die Damen um ihn herum auf ganz unterschiedliche Weise zu dirigieren scheint.

Die Figurengruppe „Telemann und die vier Temperamente“ steht seit 1981 an diesem Platz, direkt gegenüber dem Kloster Unser Lieben Frauen. Der Bildhauer Eberhard Roßdeutscher hatte das Kunstwerk anlässlich des 300. Geburtstages Telemanns gestaltet.

Die Lehre von den vier Temperamenten stammt bereits aus der Antike und nicht nur Telemann hatte sich mit ihr beschäftigt, sondern auch andere Komponisten wie Johannes Brahms oder Carl Nielsen. Auch in der Literatur ist dies ein viel bearbeiteter Stoff und sogar die moderne Persönlichkeitspsychologie orientiert sich an ihr. Die antike Lehre teilt nämlich die Menschen nach ihrer Grundwesensart in vier Temperamente ein: die Sanguiniker, die Choleriker, die Melancholiker und die Phlegmatiker. Um es euch zu verdeutlichen, dient das Gleichnis mit dem Stein.

Stellt euch vor, ein großer Stein versperrt euch den Weg. Lasst ihr euch davon nicht beirren und springt oder klettert über ihn hinweg, gehört ihr zu der Gruppe der Sanguiniker. Geratet ihr jedoch in Rage und versucht womöglich, den Stein mit eigener Kraft aus dem Weg zu räumen, seid ihr wohl Choleriker. Die Phlegmatiker unter euch versuchen, dem Problem aus dem Weg zu gehen – wortwörtlich machen sie einen großen Bogen um den Stein herum. Die Melancholiker hingegen werden beim Anblick des Steins ihren Weg in Frage stellen und sich traurig auf den Stein setzen, um nachzudenken und ihr Vorhaben zu reflektieren.

Ebenso unterschiedlich wie die menschlichen Gemüter präsentieren sich auch die vier Frauen um Telemann herum. Zwei von ihnen stehen, die anderen beiden liegen und jede von ihnen nimmt eine andere Haltung ein. Geht doch mal vorbei und rätselt mit, welche der Damen welches Temperament verkörpert.

Telemann dirigiert umgeben von vier Frauenfiguren
Telemann dirigiert umgeben von vier Frauenfiguren
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Wir laufen weiter und nehmen die Abkürzung durch den kleinen Park am Prämonstratenserberg. Unser nächstes Ziel ist nämlich das Alte Rathaus. Wir überqueren die Ernst-Reuter-Allee und gehen auf der Hartstraße direkt darauf zu. Diesmal müssen wir jedoch etwas näher heran, um Telemann zu entdecken.

Telemann und die Muse

Auf der historischen Rathaustür, die heute nicht mehr als Eingang genutzt wird, hat der Künstler Heinrich Apel die Geschichte Magdeburgs auf insgesamt 14 verschiedenen Bronzeplatten verewigt. Und wer darf da natürlich nicht fehlen? Richtig, Georg Philipp Telemann. Wir stehen direkt vor der großen und eindrucksvollen Tür und finden den Komponisten auf eine der unteren Platten auf der linken Seite.

„Telemann und die Muse“ wird dieser Teil der Tür genannt. Zu sehen ist der Musiker vor einem Dirigentenpult und die Muse, die als Engel vom Himmel kommt, reicht ihm ein Instrument – wahrscheinlich eine Viola oder Violine. So von der Muse geküsst, komponierte Telemann viele seiner berühmten Stücke. Seit 1970 wird an dieser präsenten und wichtigen Stelle der Stadt an den Magdeburger Komponisten erinnert.

Bronzene Rathaustür gestaltet von Heinrich Apel
Telemann und die Muse
Die Rathaustür besteht aus 14 Bronzeplatten, die die Geschichte Magdeburgs zeigen.

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Vier Jahre später kam ein weiteres Kunstwerk hinzu. Dafür müssen wir nun zur Elbuferpromenade, am besten über die Johannisbergstraße und über das Schleinufer hinweg. Wir laufen links am Fahnenmonument vorbei und auf die Promenade.

Der Fährmann

Der Fährmann von Eberhard Roßdeutscher
Der Fährmann von Eberhard Roßdeutscher

Direkt vor uns liegt nun eine weitere Plastik von Eberhard Roßdeutscher: „Der Fährmann“ befindet sich auf einer hohen Steinsäule, bestimmt drei bis vier Meter über unseren Köpfen. Wir müssen das Kunstwerk, zu dem auch noch fünf kleinere Steinplastiken gehören, erst einmal von Weitem erfassen.

Dann gehen wir näher heran und entdecken auf den kleineren Steinsockeln verschiedene Motive. Das Kunstwerk zeigt nämlich Szenen aus dem Opernintermezzo „Pimpinone“. Das musikalische Lustspiel von Georg Philipp Telemann wurde 1725 am Theater des Hamburger Gänsemarktes uraufgeführt. Das Werk war Telemanns größter Bühnenerfolg und erzählt die Geschichte von einem alten reichen Mann, der von einer jungen Frau umgarnt und an der Nase herumgeführt wird.

Im 19. Jahrhundert verschwand das Werk von den Bühnen und geriet in Vergessenheit. Im Zuge der Telemann-Renaissance im 20. Jahrhundert wurde es wiederentdeckt und entsprechend gewürdigt. Gemunkelt wird, dass Telemann den Stoff aufgrund eigener schlechter Erfahrungen mit seiner zweiten Frau aufgriff. 1714 hatte der damals über 30-Jährige die gerade mal 16 Jahre alte Maria Catharina Textor geheiratet. Nach 20 Ehejahren und neun gemeinsamen Kindern, ließ sich das Paar scheiden. Als Gründe werden Ehebruch oder Glücksspiel vermutet – Maria Catharina soll dabei eine große Summe Geld verloren haben. Wer sehen möchte, wie Eberhard Roßdeutscher diese Betrugsthematik umgesetzt hat, sollte sich das Kunstwerk einmal anschauen.

Das junge raffinierte Mädchen und der alte reiche Mann
Das junge raffinierte Mädchen und der alte reiche Mann
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Und weil die Zahl drei sich heute durch unseren Beitrag zieht, möchten wir euch gern noch auf drei Highlights im Veranstaltungskalender der Telemania 2017 hinweisen, die ihr nicht verpassen solltet.
  • Morgen Abend könnt ihr nämlich Till Brönner & Orchestra erleben. Das Konzert beginnt um 20.00 Uhr im Stadtpark, sollte es regnen, wird es in die Stadthalle verlegt. Karten sind noch an der Abendkasse für 51,85 Euro erhältlich. Achtung!! Die Veranstaltung wurde aufgrund der enormen Unwetterschäden im Stadtpark abgesagt.
  • Am Samstag heißt es dann „Lange TelemannNacht“ im Klosterbergegarten. Ab 18.00 Uhr beginnt das Spektakel, das uns ins 18. Jahrhundert und mit allen Sinnen zurück in die Telemannzeit bringt. Ab 18.00 Uhr geht es los. Und auch dafür sind noch Karten für 10 Euro an der Abendkasse erhältlich. Der Eintritt für Kinder bis sechs Jahren ist frei. Achtung!! Die Veranstaltung wurde aufgrund der enormen Unwetterschäden im Klosterbergegarten abgesagt.
  • Zum Gedenken an seinen Todestag vor 250 Jahren werden die Magdeburger Blechbläser am Sonntag um 15.00 Uhr an der Telemann-Stele ein Ständchen bringen. Dazu sind alle Interessierten herzlich willkommen.
Till Brönner, Foto: Matthias Piekacz
Lange TelemannNacht Serkowitzer Volksoper, Foto: Robert Jentzsch
Ein Geburtstagsständchen am 14. März 2017
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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 1. Juni 2017

1. Juni 2017 – Unser vorheriger Beitrag hat uns mit der Telemann-Straßenbahn quer durch die Stadt geführt. Am Opernhaus sind wir wieder ausgestiegen und laufen nun in Richtung Süden den Breiten Weg entlang, vorbei am Allee-Center, an Telemanns Gedenkstele, durch die Fußgängerzone der Regierungsstraße und noch darüber hinaus. Denn unser heutiges Ziel ist die zweite Bildungsstätte des jungen Georg Philipp Telemanns.

Magdeburger Dom
Magdeburger Dom

Nach seiner Ausbildung am Altstädtischen Gymnasium besuchte er nämlich die Domschule, die sich im südlichen Teil des Kreuzganges im Magdeburger Dom befand. Als einst älteste Schule der Stadt bekam sie im 16. Jahrhundert im Zuge der Reformation starke Konkurrenz durch das Altstädtische Gymnasium. Wie wir euch bereits erzählt haben, war das Gymnasium eine der ersten evangelischen Stadtschulen Deutschlands. Da die Domschule katholisch blieb und sich der neuen Lehre verschloss, musste der Schulbetrieb 1530 sogar eingestellt werden.

1567 wurde dann im Magdeburger Dom die erste evangelische Predigt abgehalten. Jedoch waren die Überlegungen, dort eine evangelische Schule einzurichten, angesichts des gutlaufenden Altstädtischen Gymnasiums überflüssig. Erst 100 Jahre später wurden die Pläne zur Schulgründung wieder konkret. Am ersten Adventssonntag wurde von der Domkanzel verkündet, „daß nun mehr eine ganz freie Schule beim Dom angerichtet sei“. Gegründet als reine Elementarschule mit nur einer Klasse entwickelte sich die Schule schnell zu einer höheren Schule, die ihre Schüler in mehreren Klassen auf das Studium an einer Universität vorbereitete.

An eben dieser Domschule kam der junge Telemann erstmals in Berührung mit der deutschen Dichtung. Eine besondere Rolle spielte dabei der damalige Rektor Christian Müller, der ihm wie Telemann selbst in seiner Biografie schrieb „die erste Liebe zur Dichtkunst einpflanzte“. Schon in unserem letzten Beitrag haben wir euch von der poetischen Ader des Komponisten berichtet. Der Grundstein dafür wurde eben an dieser Schule gelegt.

Gedicht "Musik - der edelste Zeitvertreib"

Den schönsten Zeitvertreib in unserem ganzen Leben
weiß doch Musik allein zu geben.
Denn alles, was wir sonst nur von der Wollust wissen
- es sei ein guter Wein, ein leckerhafter Bissen,
die Schlittenfahrt,
das Spiel, die Jagd und was noch mehr von solcher Art -,
sind im Beschluß,
nach vorgebrauchtem Überfluß,
wo nicht mit Schaden, Schmerz, Verdruß,
doch wenigstens mit Ungemach gepaart.

Allein Musik kennt nichts als lauter Güte:
Der Anfang ist bequem,
das Mittel angenehm,
das Ende wirkt ein ruhiges Gemüte.

Allen Kummer, alles Leid
kann die Harmonie begraben.
Wie das Meer bei sanfter Stille
seine Flut als wiegend regt,
also wird des Menschen Wille
durch der Töne Kraft bewegt,
daß ihn, frei vom Sorgen-Streit,
sanfte Ruh und Stille laben.

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Angeregt von der Beschäftigung sowohl mit der Musik als auch der Literatur begann Telemann schon in Magdeburg zu komponieren. Eben diese ersten Anfänge seines künstlerischen Schaffens stellt das Stück „Das Glück des Gauklers“, das am 2. Juni im Gesellschaftshaus Premiere feiert, in den Fokus.

Denn als der gerade mal 12-jährige Telemann in Magdeburg seine erste Oper aufführte, in der er selbst die Titelpartie sang, wähnte ihn seine entsetzte Familie auf dem direkten Weg in sein persönliches Unglück und sah ihn als Spielmann oder Gaukler über die Jahrmärkte ziehen. Dass sie sich damit gewaltig täuschten, zeigt das Stück über das beeindruckende Leben des Komponisten. Neben der Premiere am 2. Juni um 19.00 Uhr im Schinkelsaal des Gesellschaftshauses könnt Ihr auch die Vorstellungen am 3., 23. oder 24. Juni besuchen.

Das Glück des Gauklers, Quelle: Kathrin Singer, Telemann-Zentrum
Das Glück des Gauklers, Quelle: Kathrin Singer, Telemann-Zentrum

Und noch ein heißer Tipp für die nächste Juniwoche: In „Telemann ist bigger than …“ könnt Ihr am 9. Juni im AMO-Kulturhaus die spannende Zusammensetzung aus alt und neu erleben. Das junge Künstlerkollektiv „Migges mit Attitude“ zeigt in Kooperation mit „Telemania2017“ die Kombination aus Barockmusik und Hip Hop. Dafür verschmelzen die Klänge des Jugendsinfonieorchesters des Georg-Philipp-Telemann-Konservatoriums mit Rap, DJ‘ing, Graffiti und Breakdance zu einer mitreißenden Bühnenshow.

Damit sind wir für heute schon wieder am Ende unserer Reise. Schaut doch vielleicht mal am oder im Magdeburger Dom vorbei und lasst die Geschichten dieses historischen Gebäudes auf euch wirken. Es gibt auch noch einiges zu entdecken – auch was Telemann betrifft. In der nordwestlichen Ecke des Kreuzgangs zum Beispiel befindet sich der Grabstein des Taufpaten und Namensgebers Telemanns, des damaligen Domherren Georg Philipp von Veltheim.

Grabstein Georg Philipp von Veltheims
Grabstein Georg Philipp von Veltheims
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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 18. April 2017

18. April 2017 –  Telemann bewegt! – Und damit meinen wir nicht nur uns und unsere virtuelle Reise durch Magdeburg entlang der wichtigsten Lebensstationen des Komponisten. Nein, denn bereits seit einem Jahr bewegt er etwa 100 Mädchen und Jungen, Jugendliche und junge Erwachsene verschiedener Schulen in unserer Stadt.

Telemann bewegt
"Telemann bewegt"

Unter dem Motto „Telemann bewegt“ sind sie ebenfalls auf der Spurensuche durch Magdeburg und erkunden Orte, die in Verbindung mit dem Komponisten stehen. Immer an ihrer Seite: Magdeburger Künstler und Theaterpädagogen. Sie unterstützen die Schüler im Alter von 12 bis 20 Jahren dabei, ihre Inspiration in szenische Aktionen umzusetzen. Mit Hilfe theaterpädagogischer Methoden drücken die jungen Menschen in verschiedenen Gruppen ihre Erlebnisse mit Telemann durch Gesang, Musik, Bewegung und szenische Gestaltung aus.

So lernten unter anderem Schüler der Gemeinschaftsschule Wilhelm Weitling aus Olventstedt, inspiriert von der Musik Telemanns und unter Anleitung des Ballettlehrers Alexander Semenchukov, barocke Tänze, wie sie im 17. Jahrhundert üblich waren. In zwei langen Reihen, dem Tanzpartner jeweils gegenüber angeordnet, zeigten die Jungen und Mädchen bereits in der Pressekonferenz am 23. März in den Gruson-Gewächshäusern, wie sich feine Damen und edle Herren zu Telemann’schen Kompositionen bewegten.

Dank des Theaters Magdeburg, das die Aktion im Rahmen des Telemann-Jahres 2017 ins Leben gerufen hat, wird für die Jugendlichen ein Zugang zu dem seit 250 Jahren verstorbenen Komponisten geschaffen. Telemann wird damit für sie erlebbar.

Wer nicht verpassen möchte, was die jungen Künstler bewegt und was sie gelernt haben, der sollte sich den 21. April dick im Kalender anstreichen. Dann nämlich präsentieren die Schüler an vier verschiedenen Stationen im Rahmen einer moderierten und inszenierten Stadtrundfahrt das Einstudierte. Dadurch wird Telemanns Wirken im öffentlichen Raum – also in den Gruson-Gewächshäusern, im Gesellschaftshaus, im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen und im Modehaus Papenbreer – sichtbar.

In welcher Verbindung diese vier Stationen mit dem Magdeburger Komponisten stehen, erfahrt ihr während der Stadtrundfahrten. Diese beginnen um 14.00, 16.00 und 18.00 Uhr – Treffpunkt sind die Gruson-Gewächshäuser. Die Karten gibt es für 5 Euro/3 Euro (ermäßigt) an der Theaterkasse im Opernhaus, telefonisch unter 0391 40 490 490 oder online unter www.theater-magdeburg.de.

Alle interessierten Magdeburgerinnen und Magdeburger sowie Gäste der Stadt sind herzlich eingeladen die Telemannstadt Magdeburg durch die Präsentation der Schülerinnen und Schüler auf völlig neue Weise zu erleben.

Schüler machen Telemann erlebbar
Dr. Ludwig Martin, wissenschaftlicher Leiter der Gruson-Gewächshäuser
Jugendprojekt
Barocke Tänze der Schüler
Theaterpädagoge Matthias Brandt und Tom Wolter, Vorstandsvorsitzender des Landeszentrums Spiel & Theater Sachsen-Anhalt
Schüler der Gemeinschaftsschule

Und apropos Schule – natürlich hat auch der junge Telemann eine Magdeburger Schule besucht. Unsere heutige Station führt uns etwas weiter in den Norden der Stadt. Von der Goldschmiedebrücke aus gehen wir entlang des Breiten Weges, vorbei am Alten Markt und biegen nach Westen in die Julius-Bremer-Straße ein. An der Ecke zur Max-Otten-Straße – dort, wo sich heute ein Zoofachgeschäft befindet – stand einst das Altstädtische Gymnasium, das Telemann ab dem Alter von ungefähr zehn Jahren besuchte. Auch dieses Gebäude ist leider im Zweiten Weltkrieg zu großen Teilen zerstört worden. Im Jahr 1959 wurde die geschichtsträchtige Ruine  dann endgültig abgetragen.


Altstädtisches Gymnasium, Quelle: Stadtarchiv Magdeburg
Altstädtisches Gymnasium, Quelle: Stadtarchiv Magdeburg

Bevor nämlich das Altstädtische Gymnasium ab 1524 in das Gebäude einzog, waren dort die Mönche des Franziskanerordens ansässig. Sie hatten im 13. Jahrhundert den Grundstein für das einstige Kloster gelegt. Als drei Jahrhunderte später die Reformation Magdeburg erreichte, versuchten die Ordensleute durch Predigten gegen die neuen Glaubenssätze anzukämpfen – wenig erfolgreich. Ab Mitte des 16. Jahrhunderts ging die Nutzung an die evangelische Stadtschule über. Das Altstädtische Gymnasium war im Zuge der Reformation als eine der ersten städtischen Lateinschulen Deutschlands eröffnet worden.

Nicht einmal zehn Minuten brauchte der junge Georg Philipp, um von seinem Elternhaus zur Schule zu gelangen. Dort, wo wichtige Kantoren und Musikdirektoren wirkten, konnte er sich in etwas vertiefen, wofür er sich schon vor dem Schulbesuch interessiert hatte – in die Musik. Autodidaktisch hatte er sich mit dem Violinen-, Flöten- und Citherspiel beschäftigt, und erfreute damit nicht nur seine Familie, sondern auch die Nachbarn.

Schon mit diesem Selbststudium wurde deutlich, dass Telemann außerhalb der gängigen Konventionen dachte. Den vermutlich einzigen Instrumentalunterricht bei einem unbekannten Magdeburger Organisten brach er mit der Begründung ab, dass dieser „mit der deutschen Tabulatur erschreckte, die er eben so steiff spielte, wie vieleicht sein Grosvater gethan, von dem er sie geerbet hatte" (Autobiographie 1740).

Überhaupt nicht steif und weit ab von üblichen Konventionen geht es auch im Programm des Telemann-Jahrs weiter. Nicht unweit der heutigen Station erwartet uns demnächst eine musikalische Überraschung. Geht doch mal vorbei an der Stelle, an der ehemals die Altstädtische Schule stand und dann lauscht, ob ihr vielleicht schon aus der Ferne ein paar Telemannklänge vernehmt, die immer näher und näher und näher kommen…

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 17. Mai 2017

17. Mai 2017 – Das Telemannjahr nimmt richtig Fahrt auf!
Wo immer wir stehen und gehen, begegnet uns Georg Philipp Telemann. In Gedanken sind wir noch am letzten Ort unserer virtuellen Reise – dort, wo Telemann einst lernte, am Altstädtischen Gymnasium. Wir setzen unseren Spaziergang entlang des Breiten Weges in Richtung Norden fort. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, die Menschen strahlen und genießen den Tag.

Telemann lädt zur Fahrt in Kulturstraßenbahn ein, Quelle: Georg Bandarau, Pro M
"Telemann" lädt zur Fahrt in Kulturstraßenbahn ein, Quelle: Georg Bandarau, Pro M

Doch was ist das? Wir werden von einer Männerstimme aus den Gedanken gerissen. „Heute werde ich mit Ihnen eine ganz besondere Fahrt unternehmen, eine Fahrt, bei der ich Ihnen viel über mein Leben in dieser schönen Stadt erzählen möchte.“ Ein Mann mit blond gelocktem Haar und einem barocken Gehrock in purpurrot spricht nur wenige Meter von uns entfernt in ein Mikrofon. Er erinnert uns stark an Telemann und siehe da: Es ist Michael Schenk, der die Rolle Telemanns nicht nur spielt, sondern regelrecht lebt. Wann immer es in diesem Jahr um den berühmten Komponisten geht, ist Michael Schenk nicht weit.

Telemann-Straßenbahn
Telemann-Straßenbahn

Doch von welcher Fahrt spricht er? Das wollen wir genauer wissen. Neugierig nähern wir uns der Menschengruppe, die ihm ebenso gespannt zuhört. Wir erfahren, dass uns in einer Kulturstraßenbahn in den kommenden 90 Minuten ein spannendes Programm erwartet. In einer Kulturstraßenbahn? Die Bahn fährt an der Haltestelle am Opernhaus vor und schon wieder sehen wir Telemann – sein Konterfei blickt uns von dieser entgegen. Die Türen öffnen sich. Wir sind gespannt und steigen ein, ebenso wie „Telemann“ und viele andere Interessierte.

Telemann in der Kulturstraßenbahn
"Telemann" in der Kulturstraßenbahn

Die Straßenbahn fährt los. „Telemann“ beginnt Geschichten aus seinem Leben zu erzählen. Und schon bald vernehmen wir schöne Töne. Musikalisch eingestimmt werden wir von dem Musiker Martin Müller, der ein Stück Telemanns auf dem Akkordeon spielt und die perfekte Harmonie zwischen der Barockkomposition und dem Jazz findet.

Ihm folgt der ehemalige Domprediger Giselher Quast. Und er offenbart uns ein weiteres Talent Telemanns. Denn dieser verstand es auch, mit Worten umzugehen. Telemann schrieb Gedichte. Unter denen, die Giselher Quast vorträgt, findet sich eines, indem Telemann in Worte fasste, was ihn nach dem Tod seiner ersten Frau, Amalie Luise Juliane, bewegte. Sie starb bei der Geburt ihrer ersten Tochter am Kindbettfieber. Die beiden waren zu dem Zeitpunkt nicht einmal zwei Jahre verheiratet. Der Verlust muss für den Komponisten sehr groß gewesen sein. Kennengelernt hatten sich die beiden vermutlich über den bekannten Komponisten Daniel Eberlin, den Vater der ersten Frau Telemanns …

Wer noch mehr über das Leben Georg Philipp Telemanns erfahren möchte, sollte die nächsten Fahrten der Kulturstraßenbahn nicht verpassen. Die Bahnen starten jeweils um 18.00 Uhr an der Haltestelle am Opernhaus und enden auch dort: am 24. Mai sowie am 7., 14. und 19. Juni.

Eine weitere schöne Möglichkeit, die Lebensgeschichte Telemanns zu entdecken, erwartet uns schon am kommenden Samstag. „Telemann in Pop“ heißt das Musical, mit dem die 19-jährige Karolina Grunwald vor allem junge Leute erreichen und begeistern will.

Die Premiere des Jugendprojektes ist am Samstag, den 20. Mai 2017, um 19.00 Uhr im Gesellschaftshaus. Die Karten gibt es für 5,00 Euro/ermäßigt 3,00 Euro zzgl. VVK-Gebühren unter der Telefonnummer 0391 540 6777.

Telemann in Pop, Quelle: Kathrin Singer, Telemannzentrum
Telemann in Pop, Quelle: Kathrin Singer, Telemannzentrum

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 20. März 2017

20. März 2017. Heute ist es ganz offiziell: Der Frühling beginnt – endlich. Ein angenehm lauwarmer Wind weht durch die Straßen und Gassen Magdeburgs. In der Innenstadt herrscht geschäftiges Treiben. Begonnen haben wir unsere Reise in der vergangenen Woche auf den Wogen des Ständchens zu Telemanns 336. Geburtstag an seiner Gedenkstele in der Goldschmiedebrücke. Nicht weit davon entfernt, etwas weiter östlich, und noch im Blickfeld Telemanns, findet sich ein Bronzemodell einer Kirche – der Heilig-Geist-Kirche.
Bronzemodell der Heilig-Geist-Kirche in der Goldschmiedebrücke
Bronzemodell der Heilig-Geist-Kirche in der Goldschmiedebrücke

Nur drei Tage nach seiner Geburt im Jahr 1681 wurde Georg Philipp Telemann in eben dieser Kirche getauft. Sein Vater, Heinrich Telemann, war dort seit 1676 zweiter Pfarrer. Das einst prächtige historische Gebäude ist, wie so viele andere Kirchen Magdeburgs, während des Zweiten Weltkriegs stark zerstört worden. Die Substanz blieb jedoch erhalten. Und noch 1948 begann man damit, sie wieder aufzubauen. Zwei Jahre später konnte der erste Gottesdienst abgehalten werden. Doch die Kirche passte nicht in das Konzept zum Aufbau einer sozialistischen Großstadt. 1959 wurde sie gesprengt. Heute erinnert nur noch ein Bronzemodell im Maßstab von 1:20 an die Kirche, in der Telemann und vermutlich auch seine Geschwister getauft wurden.

Modell der Taufkirche Georg Philipp Telemanns mit der Gedenkstele im Hintergrund
Modell der Taufkirche Georg Philipp Telemanns mit der Gedenkstele im Hintergrund

Was wir bereits aus dieser und auch aus der ersten Station unserer Reise auf den Spuren Georg Philipp Telemanns lernen, ist: Um die Verbindung zwischen Magdeburg und dem großen Komponisten zu verstehen, brauchen wir an vielen Stellen unsere Vorstellungskraft. Fantasie und Visionen sind sicher auch das, was Telemann belebte und seine Kunst voranbrachte.

Dass diese Kunst auch 250 Jahre nach seinem Tod noch lebendig ist, hat uns am Wochenende das spannende Finale des 9. Internationalen Telemann-Wettbewerbs eindrucksvoll bewiesen. In diesem Jahr war der Wettbewerb erstmals für Gesang ausgeschrieben. Sängerinnen und Sänger aller Nationen, die nach dem 10. März 1982 und vor dem 10. März 1999 geboren sind, waren dazu aufgerufen, Telemann mit ihrer Musik wieder aufleben zu lassen.

Das Leipziger Barockorchester übernahm mit Freude die musikalische Begleitung im Finale und im Abschlusskonzert. Insgesamt mussten die Sängerinnen und Sänger in drei Runden bestehen, bis am Samstag die Preisträger bekanntgegeben werden konnten. In diesem Jahr traten im vielversprechenden Finale das erste Mal nur Frauen gegeneinander an, die die Gäste und auch die Jury mit ihren Stimmen verzauberten und sie mit auf eine musikalische Reise nahmen. „In Magdeburg herrscht eine phantastische Atmosphäre. Die Seelen waren frei, die Ohren aufmerksam, die Laune gut“, beschreibt Jurymitglied Marek Rzepka die Stimmung im Gesellschaftshaus. Über den 1. Preis, den Preis der Mitteldeutschen Barockmusik, konnte sich Geneviève Tschumi freuen. Wer die 28 Jahre alte Mezzosopranistin aus der Schweiz verpasst hat, kann sich auf die nächsten Telemannfesttage im kommenden Jahr freuen, denn dann wird Geneviève Tschumi wieder eindrucksvoll beweisen, wie lebendig die Kunst Telemanns auch heute noch ist.

Geneviève Tschumi, Gewinnerin des 9. Internationalen Telemann-Wettbewerbs
Geneviève Tschumi, Gewinnerin des 9. Internationalen Telemann-Wettbewerbs. Foto:Viktoria Kühne

Neben der Musik hatte Telemann noch eine weitere Passion, von der bisher sicher nur die wahren Kenner des Komponisten wussten. Auch Blumen zogen ihn in ihren Bann. Ihre Kraft entfaltet sich ebenso wie die der Musik auf besondere Weise. Telemann suchte die Welt mit allen Sinnen zu entdecken. Deswegen unser Tipp für euch zum Frühlingsanfang: Ein Vortrag über diese „Blumenliebe“ des Komponisten am 22. März 2017. Berichten wird darüber der Telemannforscher Ralph-Jürgen Reipsch in der Stadtbibliothek. Dazu wird Telemanns Musik erklingen und euch eine andere Seite, nämlich seine Blumenliebe, näherbringen.

Telemanns Blumenliebe
Telemanns "Blumenliebe"

Für heute sind wir mit unserer Reise schon wieder am Ende. Seid gespannt und freut euch auf die nächsten Stationen. Und vielleicht habt ihr ja Lust und Zeit, und geht auf dem Weg zu einer unserer vielfältigen Veranstaltungen an den zwei bisherigen Berührungspunkten vorbei. Lauft dort, wo einst der junge Telemann lief. Lasst euch inspirieren, dort wo einst der junge Telemann inspiriert wurde und erlebt die Kultur Magdeburgs. Auf den Spuren Telemanns zu wandeln, macht ihn auch 250 Jahre nach seinem Tod in Magdeburg noch immer real.

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 14. März 2017

14. März 2017. Kalt und grau waren der Januar und der Februar. Endlich ist März und die ersten Sonnenstrahlen locken uns nach draußen. Wir haben gewartet auf die Märzsonne. Wir haben gewartet auf den Frühling und wir haben gewartet auf Telemann. Auf Telemann? Fragt sich jetzt sicher der ein oder andere.

Ja! Denn in diesem Jahr feiern wir den großen Magdeburger Komponisten. Damit ehren wir nicht nur ihn und sein Werk. Wir wollen Kulturhauptstadt werden. Und Telemann wird uns dabei unterstützen.

Um uns darauf einzustimmen und auch fragende Blicke in Interesse umzuwandeln, nehmen wir die Magdeburgerinnen und Magdeburger mit auf eine virtuelle Reise – eine Reise durch unsere Stadt, durch die Geschichte, vorbei an den Berührungspunkten mit Telemann und seinem wichtigen Erbe für uns.

Lasst euch anstecken von der Begeisterung, seid ein bisschen Telemania. Und vielleicht zieht euch nicht nur der Frühling nach draußen, sondern auch Telemann in seinen Bann und ihr habt Lust auf all die spannenden Veranstaltungen, die uns in diesem Jahr erwarten.

Der Startpunkt unserer Reise liegt zwischen dem Allee-Center und der Regierungsstraße. Läuft man nämlich südlich des Centers entlang der Goldschmiedebrücke in Richtung Westen, stößt man unweigerlich an der Querung zur Fußgängerzone der Regierungsstraße auf eine große dunkelgraue Granittafel. Darauf zu sehen ist Telemann – zumindest sein Kopf. Aus einer etwas erhöhten Position hat er einen guten Blick auf das Geschehen vor dem Allee-Center. Und womöglich blickte er vor über 300 Jahren, noch in den Anfängen seines Lebens, auf dieselbe Stelle – natürlich mit einer anderen Aussicht.

Denn sein Geburtshaus wird eben dort vermutet. Zerstört vom Krieg und überbaut von modernen Gebäuden ist davon heute nichts mehr zu sehen – nur Telemanns wachsamer Blick, der bleibt. Seit 2011 steht die Gedenkstele nun schon an diesem Ort. Und neben seinen Lebensdaten und einem Ausschnitt aus der Ouvertüre zu Telemanns berühmter Oper Der geduldige Socrates – die humorvolle Oper war Telemanns Einstieg in die Hamburger Musikszene – entdecken aufmerksame Magdeburger sowie Gäste unserer Stadt einen Ausspruch des berühmten Komponisten:

„Wer vielen nutzen kann, tut besser, als wer nur für wenige was schreibet.“

Eine wichtige Aussage, die einiges über die Persönlichkeit Telemanns verrät. Er dachte nicht in Kleinem, schrieb nicht für sich oder die Kunst, sondern für alle. Er war das, was man heute einen Kosmopoliten nennt. Kein anderer prägte die Barockmusik des 18. Jahrhunderts so sehr wie Telemann. Er vermochte es, Einflüsse aus ganz Europa in seine Musik zu bringen und aus dieser Vielfalt eine Einheit zu schaffen.

Doch noch nicht zu viel vorweg, wir stehen ja noch ganz am Anfang. Am 14. März 1681 – also auf den Tag genau vor 336 Jahren – wurde Georg Philipp Telemann in Magdeburg geboren. Vermutlich in einem Pfarrhaus in der heute überbauten Heilig-Geist-Straße, vermutlich an der besagten Stelle.

Um seinen Geburtstag gebührend zu feiern, haben sich heute Vormittag Telemannfreunde eben dort  – an seiner Gedenkstele – versammelt. Angezogen von den musikalischen Beiträgen des Magdeburger Blechbläser Ensembles sind auch einige Interessierte stehen geblieben und lauschten andachtsvoll. Und so stand eine Menschentraube in einem Halbkreis um Telemann herum – der hatte heute also noch mehr zu gucken als sonst – und erinnerte an die Geburt des großen Magdeburger Komponisten.

„Ich bin in Magdeburg geboren“ hieß das Ständchen, das um 10.00 Uhr die Fußgängerzone der Goldschmiedebrücke mit Wohlklängen erfüllte und auch so manchen Telemannneuling anlockte. Neben den Geburtstagsliedern und den vielen Gratulanten durfte sich Telemann übrigens auch über Blumen freuen.

Wer das Ständchen verpasst hat, kann sich von den Klängen in unserem Video mit auf unsere Reise nehmen lassen und sich auf den nächsten Blogbeitrag freuen, wenn es wieder heißt: „Magdeburg blogt über Telemann“.

Bilder vom Geburtstagsständchen

»Ich bin in Magdeburg geboren« vom Magdeburger Blechbläser Ensemble
Magdeburger Blechbläser Ensemble
Ein Geburtstagsständchen am 14. März 2017
Ein Geburtstagsständchen für Telemann an der Gedenkstele
Siegfried Pank, Wettbewerbspräsident Georg-Philipp-Telemann-Wettbewerb
Magdeburger Blechbläser Ensemble im Einsatz
Magdeburger Blechbläser Ensemble gemeinsam mit
Telemann-Gedenkstele
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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 16. August 2017

16. August 2017 – Telemann und die vier Temperamente, Telemann und die Muse und der Fährmann – diese Erinnerungsorte an den berühmten Kosmopoliten haben wir im Juni unserer virtuellen Reise besucht. Inspiriert vom Fährmann lassen wir unsere Gedanken wie das Wasser eines Flusses fließen. Wir gehen am Schleinufer an der Elbe entlang Richtung Süden und denken an Georg Philipp Telemann. Wir denken an seine Musik, sein Werk, sein Leben und fragen uns: Wie war wohl das Leben zu seiner Zeit?

Genau das könnt ihr bei der Langen TelemannNACHT herausfinden, denn diese verspricht jede Menge barockes Lebensgefühl. Wegen der Folgen eines Unwetters abgesagt, kann sie am 1. September 2017 nachgeholt werden.

Wir laufen am Schleinufer entlang und sind beinah auf Höhe des Doms. Kurzerhand lassen wir uns in die Richtung des ersten gotischen Dom auf deutschem Boden treiben und laufen über eine Brücke hinauf zum Fürstenwall. Genau hier werden in wenigen Tagen Gaukler, barocke Spiele und Metallskulpturen in eine andere, in eine telemannsche Welt entführen. Als Teil des Festes zu Ehren eines weiteren großen Sohnes unserer Stadt – Kaiser Otto – eröffnen sich hier zur Langen TelemannNACHT ab 17.00 Uhr neue Perspektiven. Entlang des Hauses der Romanik, des Remtergangs, der Bastion Cleve bis hin zur Schweizer Milchkuranstalt am Fürstenwall wird es musikalisch, spielerisch und auch kulinarisch erlebnisreich.

Lange TelemannNACHT

Lange TelemannNACHT

Magdeburg ist im Telemannfieber! Am 1. September 2017 lädt die Landeshauptstadt im Rahmen des Kaiser-Otto-Festes dazu ein, den Komponisten Georg Philipp Telemann mit allen Sinnen kennenzulernen. Die Lange TelemannNACHT vereint barockes Lebensgefühl, Spiellust und Lebensfreude rund um Telemann und entführt die Gäste von der Bastion Cleve, über den Remtergang und das Haus der Romanik bis hin zum Fürstenwall in eine neue Welt.

Programm Lange TelemannNACHT

Die ehemalige Intendantin des Magdeburger Puppentheaters, Elke Schneider, konnte für die TelemannNACHT 200 Mitwirkende begeistern. Mit dabei sind der Magdeburger Telemann-Chor, das Magdeburger Blechbläserensemble, das Rossini-Quartett, die Ballettschule Semenchukov, Schülerinnen und Schüler des Konservatoriums, das Ensemble des Telemann-Musicals „Telemann in Pop“ und viele mehr.

Gaukler zeigen ihre Künste, barocke Spiele, Tänze und Musik laden zum Mitmachen ein. Die Gäste können sich unter anderem von Musiktherapie, Papiertheater, Puppentheater, barocken Karussellpferden und Barockkutschen in die Welt Telemanns entführen lassen.

Sogar kulinarisch geht es in die Zeit des Barocks: Die Speisen nehmen Bezug auf die regionale Küche, die Georg Philipp Telemann an den unterschiedlichen Orten, an denen er lebte, kennenlernte, und stellen somit eine weitere Verbindung zum 18. Jahrhundert her. Das gesamte Programm Lange TelemannNACHT [PDF: 2,6 MB] finden Sie hier.

Die Lange TelemannNACHT sollte ursprünglich am 24. Juni 2017 stattfinden, musste aber wegen der Sturmschäden im Klosterbergegarten abgesagt werden. Karten, die für die ursprüngliche TelemannNACHT gekauft wurden, sind am 1. September für die Lange TelemannNACHT und das Kaiser-Otto-Fest gültig.

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Angetrieben von der Vorfreude auf die Lange TelemannNACHT haben wir heute noch eine Station zu dem berühmten Künstler vor uns. Vom Fürstenwall aus laufen wir weiter durch eine der schönsten Straßen Magdeburgs, durch die Hegelstraße. Die mit Fassadenschmuck verzierten Häuser entstanden lange nach Telemann in der Gründerzeit von 1880 bis 1920. Von dort aus gelangen wir über die Steubenallee zu den Gruson-Gewächshäusern. Auch diese Tropenhäuser entstanden während der Gründerzeit.

120 Jahre Gruson-Gewächshäuser - Eingang um 1900
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Apropros Tropen und exotische Pflanzen – die gefielen auch Georg Philipp Telemann. Über seine „Bluhmen-Liebe“ haben wir schon einmal berichtet, denn er hatte nicht nur eine Leidenschaft für Kunst und Musik, sondern ebenso für die Pflanzenwelt. So bekannte er in einem Brief an seinen Frankfurter Freund Johann Friedrich Armand von Uffenbach aus dem Jahre 1742:

Ob diese [die Musik] zwar mein Acker und Pflug ist, und mir zum Hauptergetzen dienet, so habe ich ihr doch seither ein Par Jahren eine Gefehrtinn zugesellet, nemlich die Bluhmen-Liebe, welche beyde wechselsweis mich ihrer Annehmlichkeiten theilhaft machen.“

In seinem eigenen Garten trug er damals in Hamburg zahlreiche botanische Raritäten zusammen und ging seiner „Bluhmen-Liebe“ nach. Er listete seinen „Garten-Vorraht“ sogar auf und erstellte damit ein Pflanzenverzeichnis. Tulpen, chinesische Astern, Aloen, Säulenkakteen, Hyazinthen, Narzissen, Pfingstrosen, Kornblumen und viele mehr zierten dieses Verzeichnis und seinen Garten. Doch damit nicht genug. Telemann begab sich auf die Suche nach weiteren exotischen Pflanzen für seine Sammlung.

Und woher nahm Telemann, der rund um die Uhr zu arbeiten schien, die Zeit für seinen exotischen Garten? Er war nämlich zu der Zeit städtischer Musikdirektor in Hamburg, leitete seinen eigenen Verlag und nebenbei noch die Oper am Gänsemarkt. Seine zweite Frau Maria Catharina, von der er zu diesem Zeitpunkt beinah 15 Jahre lang getrennt lebte, weil sie ihn betrogen hatte, ging zurück nach Frankfurt am Main. Das war für Telemann der Anlass, um seinen Verlag, den er nicht nur wegen künstlerischer Ambitionen, sondern auch aus finanzieller Not heraus gegründet hatte, aufzulösen und Gärtner zu werden.

Doch nicht nur die Zeit, sondern auch seine vielen Kontakte trugen dazu bei, dass Telemanns Garten immer größer und exotischer wurde. Besonders hilfreich waren dabei seine Kontakte aus der Musikwelt. So wendete er sich zum Beispiel an Albrecht von Haller, den Begründer des Botanischen Gartens in Göttingen. Von ihm erhielt er zahlreiche seltene Sämereien. Der Garten des großen Blumenliebhabers wurde über die Jahre so bekannt, dass Christlob Mylius, ein Vetter Lessings, berichtete, dass in Telemanns Garten „viel fremde und schöne Pflanzen“ seien. Noch 1843 wurde er zu den bedeutendsten Hamburger Gärten des vergangenen Jahrhunderts gezählt. 

Über 50 Jahre später wurden auch in Magdeburg Gärten oder vielmehr Häuser gegründet, die bis heute exotische Pflanzen beherbergen – die Gruson-Gewächshäuser. Dort lädt der Innenhof mit einem Telemann-Garten zum Verweilen ein. Viele Pflanzen aus Telemanns ehemaligem Garten wurden in seiner Geburtsstadt Magdeburg gepflanzt und laden hier zum Erkunden ein. Eröffnet wurde der Garten am 3. Juni 2012. In diesem Jahr könnt ihr ihn bis Mitte Oktober besuchen und Telemanns „Bluhmen-Liebe“ entdecken.

Telemanns Garten
Telemanngarten
Gruson-Gewächshäuser
Hermann August Jacques Gruson

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 22. Juni 2017

22. Juni 2017 – Zur Erinnerung an Georg Philipp Telemann
In genau drei Tagen, nämlich am 25. Juni, jährt sich der Todestag des berühmten Magdeburger Komponisten zum 250. Mal. Seit Beginn des Jahres zeigen ihm zu Ehren zahlreiche und in ihrer Form ganz unterschiedliche Veranstaltungen, wer Telemann war und was ihn auch heute noch so bedeutend macht. Doch wir feiern den berühmten Komponisten nicht nur bei uns in Magdeburg, sondern auch in anderen Orten, die wichtige Stationen in seinem Leben waren.

Das so entstandene Netzwerk aus insgesamt zehn Städten – neben Magdeburg gehören Clausthal-Zellerfeld, Hildesheim, Leipzig, Żary, Pszczyna, Eisenach, Frankfurt am Main sowie Hamburg und Paris dazu – wäre ganz im Sinne Telemanns gewesen. Er selbst hatte sich Zeit seines Lebens ein großes Beziehungsnetzwerk in ganz Europa aufgebaut und damit den so wichtigen Austausch befördert. Telemann – ein musikalischer Kosmopolit mit Strahlkraft weit über unsere Stadtgrenzen hinaus.

Um eben diesen modernen Europäer gebührend zu würdigen, gibt es in unserer Stadt verschiedene Erinnerungsstätten. Und diese sind ebenso verstreut und vielseitig, wie einst das Netzwerk seiner Kontakte. Hat sich in unserem letzten Beitrag noch alles um den jungen Georg Philipp Telemann gedreht, machen wir auf unserer heutigen Reise ein paar Sprünge durch die Zeit seines Erwachsenenlebens – die Zeit, in der sich seine Strahlkraft schon voll entfaltet hatte. In Gedenken an seinen Todestag besuchen wir heute drei Erinnerungsorte:

Wir befinden uns am Magdeburger Dom und laufen über den Platz wieder zurück auf der Regierungsstraße, doch diesmal nicht bis zum Ende. Denn vorher biegen wir in die Große Klosterstraße ein und sehen schon von Weitem unsere erste Station.

Telemann und die vier Temperamente

Telemann und die vier Temperamente von Eberhard Roßdeutscher
Telemann und die vier Temperamente von Eberhard Roßdeutscher

Auf großen schlanken Säulen, die an Orgelpfeifen erinnern, sind Telemann und vier Frauen zu sehen. Wir gehen näher heran und entdecken, dass der Komponist einen Dirigentenstab in der Hand hält und die Damen um ihn herum auf ganz unterschiedliche Weise zu dirigieren scheint.

Die Figurengruppe „Telemann und die vier Temperamente“ steht seit 1981 an diesem Platz, direkt gegenüber dem Kloster Unser Lieben Frauen. Der Bildhauer Eberhard Roßdeutscher hatte das Kunstwerk anlässlich des 300. Geburtstages Telemanns gestaltet.

Die Lehre von den vier Temperamenten stammt bereits aus der Antike und nicht nur Telemann hatte sich mit ihr beschäftigt, sondern auch andere Komponisten wie Johannes Brahms oder Carl Nielsen. Auch in der Literatur ist dies ein viel bearbeiteter Stoff und sogar die moderne Persönlichkeitspsychologie orientiert sich an ihr. Die antike Lehre teilt nämlich die Menschen nach ihrer Grundwesensart in vier Temperamente ein: die Sanguiniker, die Choleriker, die Melancholiker und die Phlegmatiker. Um es euch zu verdeutlichen, dient das Gleichnis mit dem Stein.

Stellt euch vor, ein großer Stein versperrt euch den Weg. Lasst ihr euch davon nicht beirren und springt oder klettert über ihn hinweg, gehört ihr zu der Gruppe der Sanguiniker. Geratet ihr jedoch in Rage und versucht womöglich, den Stein mit eigener Kraft aus dem Weg zu räumen, seid ihr wohl Choleriker. Die Phlegmatiker unter euch versuchen, dem Problem aus dem Weg zu gehen – wortwörtlich machen sie einen großen Bogen um den Stein herum. Die Melancholiker hingegen werden beim Anblick des Steins ihren Weg in Frage stellen und sich traurig auf den Stein setzen, um nachzudenken und ihr Vorhaben zu reflektieren.

Ebenso unterschiedlich wie die menschlichen Gemüter präsentieren sich auch die vier Frauen um Telemann herum. Zwei von ihnen stehen, die anderen beiden liegen und jede von ihnen nimmt eine andere Haltung ein. Geht doch mal vorbei und rätselt mit, welche der Damen welches Temperament verkörpert.

Telemann dirigiert umgeben von vier Frauenfiguren
Telemann dirigiert umgeben von vier Frauenfiguren
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Wir laufen weiter und nehmen die Abkürzung durch den kleinen Park am Prämonstratenserberg. Unser nächstes Ziel ist nämlich das Alte Rathaus. Wir überqueren die Ernst-Reuter-Allee und gehen auf der Hartstraße direkt darauf zu. Diesmal müssen wir jedoch etwas näher heran, um Telemann zu entdecken.

Telemann und die Muse

Auf der historischen Rathaustür, die heute nicht mehr als Eingang genutzt wird, hat der Künstler Heinrich Apel die Geschichte Magdeburgs auf insgesamt 14 verschiedenen Bronzeplatten verewigt. Und wer darf da natürlich nicht fehlen? Richtig, Georg Philipp Telemann. Wir stehen direkt vor der großen und eindrucksvollen Tür und finden den Komponisten auf eine der unteren Platten auf der linken Seite.

„Telemann und die Muse“ wird dieser Teil der Tür genannt. Zu sehen ist der Musiker vor einem Dirigentenpult und die Muse, die als Engel vom Himmel kommt, reicht ihm ein Instrument – wahrscheinlich eine Viola oder Violine. So von der Muse geküsst, komponierte Telemann viele seiner berühmten Stücke. Seit 1970 wird an dieser präsenten und wichtigen Stelle der Stadt an den Magdeburger Komponisten erinnert.

Bronzene Rathaustür gestaltet von Heinrich Apel
Telemann und die Muse
Die Rathaustür besteht aus 14 Bronzeplatten, die die Geschichte Magdeburgs zeigen.

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Vier Jahre später kam ein weiteres Kunstwerk hinzu. Dafür müssen wir nun zur Elbuferpromenade, am besten über die Johannisbergstraße und über das Schleinufer hinweg. Wir laufen links am Fahnenmonument vorbei und auf die Promenade.

Der Fährmann

Der Fährmann von Eberhard Roßdeutscher
Der Fährmann von Eberhard Roßdeutscher

Direkt vor uns liegt nun eine weitere Plastik von Eberhard Roßdeutscher: „Der Fährmann“ befindet sich auf einer hohen Steinsäule, bestimmt drei bis vier Meter über unseren Köpfen. Wir müssen das Kunstwerk, zu dem auch noch fünf kleinere Steinplastiken gehören, erst einmal von Weitem erfassen.

Dann gehen wir näher heran und entdecken auf den kleineren Steinsockeln verschiedene Motive. Das Kunstwerk zeigt nämlich Szenen aus dem Opernintermezzo „Pimpinone“. Das musikalische Lustspiel von Georg Philipp Telemann wurde 1725 am Theater des Hamburger Gänsemarktes uraufgeführt. Das Werk war Telemanns größter Bühnenerfolg und erzählt die Geschichte von einem alten reichen Mann, der von einer jungen Frau umgarnt und an der Nase herumgeführt wird.

Im 19. Jahrhundert verschwand das Werk von den Bühnen und geriet in Vergessenheit. Im Zuge der Telemann-Renaissance im 20. Jahrhundert wurde es wiederentdeckt und entsprechend gewürdigt. Gemunkelt wird, dass Telemann den Stoff aufgrund eigener schlechter Erfahrungen mit seiner zweiten Frau aufgriff. 1714 hatte der damals über 30-Jährige die gerade mal 16 Jahre alte Maria Catharina Textor geheiratet. Nach 20 Ehejahren und neun gemeinsamen Kindern, ließ sich das Paar scheiden. Als Gründe werden Ehebruch oder Glücksspiel vermutet – Maria Catharina soll dabei eine große Summe Geld verloren haben. Wer sehen möchte, wie Eberhard Roßdeutscher diese Betrugsthematik umgesetzt hat, sollte sich das Kunstwerk einmal anschauen.

Das junge raffinierte Mädchen und der alte reiche Mann
Das junge raffinierte Mädchen und der alte reiche Mann
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Und weil die Zahl drei sich heute durch unseren Beitrag zieht, möchten wir euch gern noch auf drei Highlights im Veranstaltungskalender der Telemania 2017 hinweisen, die ihr nicht verpassen solltet.
  • Morgen Abend könnt ihr nämlich Till Brönner & Orchestra erleben. Das Konzert beginnt um 20.00 Uhr im Stadtpark, sollte es regnen, wird es in die Stadthalle verlegt. Karten sind noch an der Abendkasse für 51,85 Euro erhältlich. Achtung!! Die Veranstaltung wurde aufgrund der enormen Unwetterschäden im Stadtpark abgesagt.
  • Am Samstag heißt es dann „Lange TelemannNacht“ im Klosterbergegarten. Ab 18.00 Uhr beginnt das Spektakel, das uns ins 18. Jahrhundert und mit allen Sinnen zurück in die Telemannzeit bringt. Ab 18.00 Uhr geht es los. Und auch dafür sind noch Karten für 10 Euro an der Abendkasse erhältlich. Der Eintritt für Kinder bis sechs Jahren ist frei. Achtung!! Die Veranstaltung wurde aufgrund der enormen Unwetterschäden im Klosterbergegarten abgesagt.
  • Zum Gedenken an seinen Todestag vor 250 Jahren werden die Magdeburger Blechbläser am Sonntag um 15.00 Uhr an der Telemann-Stele ein Ständchen bringen. Dazu sind alle Interessierten herzlich willkommen.
Till Brönner, Foto: Matthias Piekacz
Lange TelemannNacht Serkowitzer Volksoper, Foto: Robert Jentzsch
Ein Geburtstagsständchen am 14. März 2017
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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 1. Juni 2017

1. Juni 2017 – Unser vorheriger Beitrag hat uns mit der Telemann-Straßenbahn quer durch die Stadt geführt. Am Opernhaus sind wir wieder ausgestiegen und laufen nun in Richtung Süden den Breiten Weg entlang, vorbei am Allee-Center, an Telemanns Gedenkstele, durch die Fußgängerzone der Regierungsstraße und noch darüber hinaus. Denn unser heutiges Ziel ist die zweite Bildungsstätte des jungen Georg Philipp Telemanns.

Magdeburger Dom
Magdeburger Dom

Nach seiner Ausbildung am Altstädtischen Gymnasium besuchte er nämlich die Domschule, die sich im südlichen Teil des Kreuzganges im Magdeburger Dom befand. Als einst älteste Schule der Stadt bekam sie im 16. Jahrhundert im Zuge der Reformation starke Konkurrenz durch das Altstädtische Gymnasium. Wie wir euch bereits erzählt haben, war das Gymnasium eine der ersten evangelischen Stadtschulen Deutschlands. Da die Domschule katholisch blieb und sich der neuen Lehre verschloss, musste der Schulbetrieb 1530 sogar eingestellt werden.

1567 wurde dann im Magdeburger Dom die erste evangelische Predigt abgehalten. Jedoch waren die Überlegungen, dort eine evangelische Schule einzurichten, angesichts des gutlaufenden Altstädtischen Gymnasiums überflüssig. Erst 100 Jahre später wurden die Pläne zur Schulgründung wieder konkret. Am ersten Adventssonntag wurde von der Domkanzel verkündet, „daß nun mehr eine ganz freie Schule beim Dom angerichtet sei“. Gegründet als reine Elementarschule mit nur einer Klasse entwickelte sich die Schule schnell zu einer höheren Schule, die ihre Schüler in mehreren Klassen auf das Studium an einer Universität vorbereitete.

An eben dieser Domschule kam der junge Telemann erstmals in Berührung mit der deutschen Dichtung. Eine besondere Rolle spielte dabei der damalige Rektor Christian Müller, der ihm wie Telemann selbst in seiner Biografie schrieb „die erste Liebe zur Dichtkunst einpflanzte“. Schon in unserem letzten Beitrag haben wir euch von der poetischen Ader des Komponisten berichtet. Der Grundstein dafür wurde eben an dieser Schule gelegt.

Gedicht "Musik - der edelste Zeitvertreib"

Den schönsten Zeitvertreib in unserem ganzen Leben
weiß doch Musik allein zu geben.
Denn alles, was wir sonst nur von der Wollust wissen
- es sei ein guter Wein, ein leckerhafter Bissen,
die Schlittenfahrt,
das Spiel, die Jagd und was noch mehr von solcher Art -,
sind im Beschluß,
nach vorgebrauchtem Überfluß,
wo nicht mit Schaden, Schmerz, Verdruß,
doch wenigstens mit Ungemach gepaart.

Allein Musik kennt nichts als lauter Güte:
Der Anfang ist bequem,
das Mittel angenehm,
das Ende wirkt ein ruhiges Gemüte.

Allen Kummer, alles Leid
kann die Harmonie begraben.
Wie das Meer bei sanfter Stille
seine Flut als wiegend regt,
also wird des Menschen Wille
durch der Töne Kraft bewegt,
daß ihn, frei vom Sorgen-Streit,
sanfte Ruh und Stille laben.

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Angeregt von der Beschäftigung sowohl mit der Musik als auch der Literatur begann Telemann schon in Magdeburg zu komponieren. Eben diese ersten Anfänge seines künstlerischen Schaffens stellt das Stück „Das Glück des Gauklers“, das am 2. Juni im Gesellschaftshaus Premiere feiert, in den Fokus.

Denn als der gerade mal 12-jährige Telemann in Magdeburg seine erste Oper aufführte, in der er selbst die Titelpartie sang, wähnte ihn seine entsetzte Familie auf dem direkten Weg in sein persönliches Unglück und sah ihn als Spielmann oder Gaukler über die Jahrmärkte ziehen. Dass sie sich damit gewaltig täuschten, zeigt das Stück über das beeindruckende Leben des Komponisten. Neben der Premiere am 2. Juni um 19.00 Uhr im Schinkelsaal des Gesellschaftshauses könnt Ihr auch die Vorstellungen am 3., 23. oder 24. Juni besuchen.

Das Glück des Gauklers, Quelle: Kathrin Singer, Telemann-Zentrum
Das Glück des Gauklers, Quelle: Kathrin Singer, Telemann-Zentrum

Und noch ein heißer Tipp für die nächste Juniwoche: In „Telemann ist bigger than …“ könnt Ihr am 9. Juni im AMO-Kulturhaus die spannende Zusammensetzung aus alt und neu erleben. Das junge Künstlerkollektiv „Migges mit Attitude“ zeigt in Kooperation mit „Telemania2017“ die Kombination aus Barockmusik und Hip Hop. Dafür verschmelzen die Klänge des Jugendsinfonieorchesters des Georg-Philipp-Telemann-Konservatoriums mit Rap, DJ‘ing, Graffiti und Breakdance zu einer mitreißenden Bühnenshow.

Damit sind wir für heute schon wieder am Ende unserer Reise. Schaut doch vielleicht mal am oder im Magdeburger Dom vorbei und lasst die Geschichten dieses historischen Gebäudes auf euch wirken. Es gibt auch noch einiges zu entdecken – auch was Telemann betrifft. In der nordwestlichen Ecke des Kreuzgangs zum Beispiel befindet sich der Grabstein des Taufpaten und Namensgebers Telemanns, des damaligen Domherren Georg Philipp von Veltheim.

Grabstein Georg Philipp von Veltheims
Grabstein Georg Philipp von Veltheims
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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 18. April 2017

18. April 2017 –  Telemann bewegt! – Und damit meinen wir nicht nur uns und unsere virtuelle Reise durch Magdeburg entlang der wichtigsten Lebensstationen des Komponisten. Nein, denn bereits seit einem Jahr bewegt er etwa 100 Mädchen und Jungen, Jugendliche und junge Erwachsene verschiedener Schulen in unserer Stadt.

Telemann bewegt
"Telemann bewegt"

Unter dem Motto „Telemann bewegt“ sind sie ebenfalls auf der Spurensuche durch Magdeburg und erkunden Orte, die in Verbindung mit dem Komponisten stehen. Immer an ihrer Seite: Magdeburger Künstler und Theaterpädagogen. Sie unterstützen die Schüler im Alter von 12 bis 20 Jahren dabei, ihre Inspiration in szenische Aktionen umzusetzen. Mit Hilfe theaterpädagogischer Methoden drücken die jungen Menschen in verschiedenen Gruppen ihre Erlebnisse mit Telemann durch Gesang, Musik, Bewegung und szenische Gestaltung aus.

So lernten unter anderem Schüler der Gemeinschaftsschule Wilhelm Weitling aus Olventstedt, inspiriert von der Musik Telemanns und unter Anleitung des Ballettlehrers Alexander Semenchukov, barocke Tänze, wie sie im 17. Jahrhundert üblich waren. In zwei langen Reihen, dem Tanzpartner jeweils gegenüber angeordnet, zeigten die Jungen und Mädchen bereits in der Pressekonferenz am 23. März in den Gruson-Gewächshäusern, wie sich feine Damen und edle Herren zu Telemann’schen Kompositionen bewegten.

Dank des Theaters Magdeburg, das die Aktion im Rahmen des Telemann-Jahres 2017 ins Leben gerufen hat, wird für die Jugendlichen ein Zugang zu dem seit 250 Jahren verstorbenen Komponisten geschaffen. Telemann wird damit für sie erlebbar.

Wer nicht verpassen möchte, was die jungen Künstler bewegt und was sie gelernt haben, der sollte sich den 21. April dick im Kalender anstreichen. Dann nämlich präsentieren die Schüler an vier verschiedenen Stationen im Rahmen einer moderierten und inszenierten Stadtrundfahrt das Einstudierte. Dadurch wird Telemanns Wirken im öffentlichen Raum – also in den Gruson-Gewächshäusern, im Gesellschaftshaus, im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen und im Modehaus Papenbreer – sichtbar.

In welcher Verbindung diese vier Stationen mit dem Magdeburger Komponisten stehen, erfahrt ihr während der Stadtrundfahrten. Diese beginnen um 14.00, 16.00 und 18.00 Uhr – Treffpunkt sind die Gruson-Gewächshäuser. Die Karten gibt es für 5 Euro/3 Euro (ermäßigt) an der Theaterkasse im Opernhaus, telefonisch unter 0391 40 490 490 oder online unter www.theater-magdeburg.de.

Alle interessierten Magdeburgerinnen und Magdeburger sowie Gäste der Stadt sind herzlich eingeladen die Telemannstadt Magdeburg durch die Präsentation der Schülerinnen und Schüler auf völlig neue Weise zu erleben.

Schüler machen Telemann erlebbar
Dr. Ludwig Martin, wissenschaftlicher Leiter der Gruson-Gewächshäuser
Jugendprojekt
Barocke Tänze der Schüler
Theaterpädagoge Matthias Brandt und Tom Wolter, Vorstandsvorsitzender des Landeszentrums Spiel & Theater Sachsen-Anhalt
Schüler der Gemeinschaftsschule

Und apropos Schule – natürlich hat auch der junge Telemann eine Magdeburger Schule besucht. Unsere heutige Station führt uns etwas weiter in den Norden der Stadt. Von der Goldschmiedebrücke aus gehen wir entlang des Breiten Weges, vorbei am Alten Markt und biegen nach Westen in die Julius-Bremer-Straße ein. An der Ecke zur Max-Otten-Straße – dort, wo sich heute ein Zoofachgeschäft befindet – stand einst das Altstädtische Gymnasium, das Telemann ab dem Alter von ungefähr zehn Jahren besuchte. Auch dieses Gebäude ist leider im Zweiten Weltkrieg zu großen Teilen zerstört worden. Im Jahr 1959 wurde die geschichtsträchtige Ruine  dann endgültig abgetragen.


Altstädtisches Gymnasium, Quelle: Stadtarchiv Magdeburg
Altstädtisches Gymnasium, Quelle: Stadtarchiv Magdeburg

Bevor nämlich das Altstädtische Gymnasium ab 1524 in das Gebäude einzog, waren dort die Mönche des Franziskanerordens ansässig. Sie hatten im 13. Jahrhundert den Grundstein für das einstige Kloster gelegt. Als drei Jahrhunderte später die Reformation Magdeburg erreichte, versuchten die Ordensleute durch Predigten gegen die neuen Glaubenssätze anzukämpfen – wenig erfolgreich. Ab Mitte des 16. Jahrhunderts ging die Nutzung an die evangelische Stadtschule über. Das Altstädtische Gymnasium war im Zuge der Reformation als eine der ersten städtischen Lateinschulen Deutschlands eröffnet worden.

Nicht einmal zehn Minuten brauchte der junge Georg Philipp, um von seinem Elternhaus zur Schule zu gelangen. Dort, wo wichtige Kantoren und Musikdirektoren wirkten, konnte er sich in etwas vertiefen, wofür er sich schon vor dem Schulbesuch interessiert hatte – in die Musik. Autodidaktisch hatte er sich mit dem Violinen-, Flöten- und Citherspiel beschäftigt, und erfreute damit nicht nur seine Familie, sondern auch die Nachbarn.

Schon mit diesem Selbststudium wurde deutlich, dass Telemann außerhalb der gängigen Konventionen dachte. Den vermutlich einzigen Instrumentalunterricht bei einem unbekannten Magdeburger Organisten brach er mit der Begründung ab, dass dieser „mit der deutschen Tabulatur erschreckte, die er eben so steiff spielte, wie vieleicht sein Grosvater gethan, von dem er sie geerbet hatte" (Autobiographie 1740).

Überhaupt nicht steif und weit ab von üblichen Konventionen geht es auch im Programm des Telemann-Jahrs weiter. Nicht unweit der heutigen Station erwartet uns demnächst eine musikalische Überraschung. Geht doch mal vorbei an der Stelle, an der ehemals die Altstädtische Schule stand und dann lauscht, ob ihr vielleicht schon aus der Ferne ein paar Telemannklänge vernehmt, die immer näher und näher und näher kommen…

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 17. Mai 2017

17. Mai 2017 – Das Telemannjahr nimmt richtig Fahrt auf!
Wo immer wir stehen und gehen, begegnet uns Georg Philipp Telemann. In Gedanken sind wir noch am letzten Ort unserer virtuellen Reise – dort, wo Telemann einst lernte, am Altstädtischen Gymnasium. Wir setzen unseren Spaziergang entlang des Breiten Weges in Richtung Norden fort. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, die Menschen strahlen und genießen den Tag.

Telemann lädt zur Fahrt in Kulturstraßenbahn ein, Quelle: Georg Bandarau, Pro M
"Telemann" lädt zur Fahrt in Kulturstraßenbahn ein, Quelle: Georg Bandarau, Pro M

Doch was ist das? Wir werden von einer Männerstimme aus den Gedanken gerissen. „Heute werde ich mit Ihnen eine ganz besondere Fahrt unternehmen, eine Fahrt, bei der ich Ihnen viel über mein Leben in dieser schönen Stadt erzählen möchte.“ Ein Mann mit blond gelocktem Haar und einem barocken Gehrock in purpurrot spricht nur wenige Meter von uns entfernt in ein Mikrofon. Er erinnert uns stark an Telemann und siehe da: Es ist Michael Schenk, der die Rolle Telemanns nicht nur spielt, sondern regelrecht lebt. Wann immer es in diesem Jahr um den berühmten Komponisten geht, ist Michael Schenk nicht weit.

Telemann-Straßenbahn
Telemann-Straßenbahn

Doch von welcher Fahrt spricht er? Das wollen wir genauer wissen. Neugierig nähern wir uns der Menschengruppe, die ihm ebenso gespannt zuhört. Wir erfahren, dass uns in einer Kulturstraßenbahn in den kommenden 90 Minuten ein spannendes Programm erwartet. In einer Kulturstraßenbahn? Die Bahn fährt an der Haltestelle am Opernhaus vor und schon wieder sehen wir Telemann – sein Konterfei blickt uns von dieser entgegen. Die Türen öffnen sich. Wir sind gespannt und steigen ein, ebenso wie „Telemann“ und viele andere Interessierte.

Telemann in der Kulturstraßenbahn
"Telemann" in der Kulturstraßenbahn

Die Straßenbahn fährt los. „Telemann“ beginnt Geschichten aus seinem Leben zu erzählen. Und schon bald vernehmen wir schöne Töne. Musikalisch eingestimmt werden wir von dem Musiker Martin Müller, der ein Stück Telemanns auf dem Akkordeon spielt und die perfekte Harmonie zwischen der Barockkomposition und dem Jazz findet.

Ihm folgt der ehemalige Domprediger Giselher Quast. Und er offenbart uns ein weiteres Talent Telemanns. Denn dieser verstand es auch, mit Worten umzugehen. Telemann schrieb Gedichte. Unter denen, die Giselher Quast vorträgt, findet sich eines, indem Telemann in Worte fasste, was ihn nach dem Tod seiner ersten Frau, Amalie Luise Juliane, bewegte. Sie starb bei der Geburt ihrer ersten Tochter am Kindbettfieber. Die beiden waren zu dem Zeitpunkt nicht einmal zwei Jahre verheiratet. Der Verlust muss für den Komponisten sehr groß gewesen sein. Kennengelernt hatten sich die beiden vermutlich über den bekannten Komponisten Daniel Eberlin, den Vater der ersten Frau Telemanns …

Wer noch mehr über das Leben Georg Philipp Telemanns erfahren möchte, sollte die nächsten Fahrten der Kulturstraßenbahn nicht verpassen. Die Bahnen starten jeweils um 18.00 Uhr an der Haltestelle am Opernhaus und enden auch dort: am 24. Mai sowie am 7., 14. und 19. Juni.

Eine weitere schöne Möglichkeit, die Lebensgeschichte Telemanns zu entdecken, erwartet uns schon am kommenden Samstag. „Telemann in Pop“ heißt das Musical, mit dem die 19-jährige Karolina Grunwald vor allem junge Leute erreichen und begeistern will.

Die Premiere des Jugendprojektes ist am Samstag, den 20. Mai 2017, um 19.00 Uhr im Gesellschaftshaus. Die Karten gibt es für 5,00 Euro/ermäßigt 3,00 Euro zzgl. VVK-Gebühren unter der Telefonnummer 0391 540 6777.

Telemann in Pop, Quelle: Kathrin Singer, Telemannzentrum
Telemann in Pop, Quelle: Kathrin Singer, Telemannzentrum

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 20. März 2017

20. März 2017. Heute ist es ganz offiziell: Der Frühling beginnt – endlich. Ein angenehm lauwarmer Wind weht durch die Straßen und Gassen Magdeburgs. In der Innenstadt herrscht geschäftiges Treiben. Begonnen haben wir unsere Reise in der vergangenen Woche auf den Wogen des Ständchens zu Telemanns 336. Geburtstag an seiner Gedenkstele in der Goldschmiedebrücke. Nicht weit davon entfernt, etwas weiter östlich, und noch im Blickfeld Telemanns, findet sich ein Bronzemodell einer Kirche – der Heilig-Geist-Kirche.
Bronzemodell der Heilig-Geist-Kirche in der Goldschmiedebrücke
Bronzemodell der Heilig-Geist-Kirche in der Goldschmiedebrücke

Nur drei Tage nach seiner Geburt im Jahr 1681 wurde Georg Philipp Telemann in eben dieser Kirche getauft. Sein Vater, Heinrich Telemann, war dort seit 1676 zweiter Pfarrer. Das einst prächtige historische Gebäude ist, wie so viele andere Kirchen Magdeburgs, während des Zweiten Weltkriegs stark zerstört worden. Die Substanz blieb jedoch erhalten. Und noch 1948 begann man damit, sie wieder aufzubauen. Zwei Jahre später konnte der erste Gottesdienst abgehalten werden. Doch die Kirche passte nicht in das Konzept zum Aufbau einer sozialistischen Großstadt. 1959 wurde sie gesprengt. Heute erinnert nur noch ein Bronzemodell im Maßstab von 1:20 an die Kirche, in der Telemann und vermutlich auch seine Geschwister getauft wurden.

Modell der Taufkirche Georg Philipp Telemanns mit der Gedenkstele im Hintergrund
Modell der Taufkirche Georg Philipp Telemanns mit der Gedenkstele im Hintergrund

Was wir bereits aus dieser und auch aus der ersten Station unserer Reise auf den Spuren Georg Philipp Telemanns lernen, ist: Um die Verbindung zwischen Magdeburg und dem großen Komponisten zu verstehen, brauchen wir an vielen Stellen unsere Vorstellungskraft. Fantasie und Visionen sind sicher auch das, was Telemann belebte und seine Kunst voranbrachte.

Dass diese Kunst auch 250 Jahre nach seinem Tod noch lebendig ist, hat uns am Wochenende das spannende Finale des 9. Internationalen Telemann-Wettbewerbs eindrucksvoll bewiesen. In diesem Jahr war der Wettbewerb erstmals für Gesang ausgeschrieben. Sängerinnen und Sänger aller Nationen, die nach dem 10. März 1982 und vor dem 10. März 1999 geboren sind, waren dazu aufgerufen, Telemann mit ihrer Musik wieder aufleben zu lassen.

Das Leipziger Barockorchester übernahm mit Freude die musikalische Begleitung im Finale und im Abschlusskonzert. Insgesamt mussten die Sängerinnen und Sänger in drei Runden bestehen, bis am Samstag die Preisträger bekanntgegeben werden konnten. In diesem Jahr traten im vielversprechenden Finale das erste Mal nur Frauen gegeneinander an, die die Gäste und auch die Jury mit ihren Stimmen verzauberten und sie mit auf eine musikalische Reise nahmen. „In Magdeburg herrscht eine phantastische Atmosphäre. Die Seelen waren frei, die Ohren aufmerksam, die Laune gut“, beschreibt Jurymitglied Marek Rzepka die Stimmung im Gesellschaftshaus. Über den 1. Preis, den Preis der Mitteldeutschen Barockmusik, konnte sich Geneviève Tschumi freuen. Wer die 28 Jahre alte Mezzosopranistin aus der Schweiz verpasst hat, kann sich auf die nächsten Telemannfesttage im kommenden Jahr freuen, denn dann wird Geneviève Tschumi wieder eindrucksvoll beweisen, wie lebendig die Kunst Telemanns auch heute noch ist.

Geneviève Tschumi, Gewinnerin des 9. Internationalen Telemann-Wettbewerbs
Geneviève Tschumi, Gewinnerin des 9. Internationalen Telemann-Wettbewerbs. Foto:Viktoria Kühne

Neben der Musik hatte Telemann noch eine weitere Passion, von der bisher sicher nur die wahren Kenner des Komponisten wussten. Auch Blumen zogen ihn in ihren Bann. Ihre Kraft entfaltet sich ebenso wie die der Musik auf besondere Weise. Telemann suchte die Welt mit allen Sinnen zu entdecken. Deswegen unser Tipp für euch zum Frühlingsanfang: Ein Vortrag über diese „Blumenliebe“ des Komponisten am 22. März 2017. Berichten wird darüber der Telemannforscher Ralph-Jürgen Reipsch in der Stadtbibliothek. Dazu wird Telemanns Musik erklingen und euch eine andere Seite, nämlich seine Blumenliebe, näherbringen.

Telemanns Blumenliebe
Telemanns "Blumenliebe"

Für heute sind wir mit unserer Reise schon wieder am Ende. Seid gespannt und freut euch auf die nächsten Stationen. Und vielleicht habt ihr ja Lust und Zeit, und geht auf dem Weg zu einer unserer vielfältigen Veranstaltungen an den zwei bisherigen Berührungspunkten vorbei. Lauft dort, wo einst der junge Telemann lief. Lasst euch inspirieren, dort wo einst der junge Telemann inspiriert wurde und erlebt die Kultur Magdeburgs. Auf den Spuren Telemanns zu wandeln, macht ihn auch 250 Jahre nach seinem Tod in Magdeburg noch immer real.

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Magdeburg blogt über Telemann - Beitrag vom 14. März 2017

14. März 2017. Kalt und grau waren der Januar und der Februar. Endlich ist März und die ersten Sonnenstrahlen locken uns nach draußen. Wir haben gewartet auf die Märzsonne. Wir haben gewartet auf den Frühling und wir haben gewartet auf Telemann. Auf Telemann? Fragt sich jetzt sicher der ein oder andere.

Ja! Denn in diesem Jahr feiern wir den großen Magdeburger Komponisten. Damit ehren wir nicht nur ihn und sein Werk. Wir wollen Kulturhauptstadt werden. Und Telemann wird uns dabei unterstützen.

Um uns darauf einzustimmen und auch fragende Blicke in Interesse umzuwandeln, nehmen wir die Magdeburgerinnen und Magdeburger mit auf eine virtuelle Reise – eine Reise durch unsere Stadt, durch die Geschichte, vorbei an den Berührungspunkten mit Telemann und seinem wichtigen Erbe für uns.

Lasst euch anstecken von der Begeisterung, seid ein bisschen Telemania. Und vielleicht zieht euch nicht nur der Frühling nach draußen, sondern auch Telemann in seinen Bann und ihr habt Lust auf all die spannenden Veranstaltungen, die uns in diesem Jahr erwarten.

Der Startpunkt unserer Reise liegt zwischen dem Allee-Center und der Regierungsstraße. Läuft man nämlich südlich des Centers entlang der Goldschmiedebrücke in Richtung Westen, stößt man unweigerlich an der Querung zur Fußgängerzone der Regierungsstraße auf eine große dunkelgraue Granittafel. Darauf zu sehen ist Telemann – zumindest sein Kopf. Aus einer etwas erhöhten Position hat er einen guten Blick auf das Geschehen vor dem Allee-Center. Und womöglich blickte er vor über 300 Jahren, noch in den Anfängen seines Lebens, auf dieselbe Stelle – natürlich mit einer anderen Aussicht.

Denn sein Geburtshaus wird eben dort vermutet. Zerstört vom Krieg und überbaut von modernen Gebäuden ist davon heute nichts mehr zu sehen – nur Telemanns wachsamer Blick, der bleibt. Seit 2011 steht die Gedenkstele nun schon an diesem Ort. Und neben seinen Lebensdaten und einem Ausschnitt aus der Ouvertüre zu Telemanns berühmter Oper Der geduldige Socrates – die humorvolle Oper war Telemanns Einstieg in die Hamburger Musikszene – entdecken aufmerksame Magdeburger sowie Gäste unserer Stadt einen Ausspruch des berühmten Komponisten:

„Wer vielen nutzen kann, tut besser, als wer nur für wenige was schreibet.“

Eine wichtige Aussage, die einiges über die Persönlichkeit Telemanns verrät. Er dachte nicht in Kleinem, schrieb nicht für sich oder die Kunst, sondern für alle. Er war das, was man heute einen Kosmopoliten nennt. Kein anderer prägte die Barockmusik des 18. Jahrhunderts so sehr wie Telemann. Er vermochte es, Einflüsse aus ganz Europa in seine Musik zu bringen und aus dieser Vielfalt eine Einheit zu schaffen.

Doch noch nicht zu viel vorweg, wir stehen ja noch ganz am Anfang. Am 14. März 1681 – also auf den Tag genau vor 336 Jahren – wurde Georg Philipp Telemann in Magdeburg geboren. Vermutlich in einem Pfarrhaus in der heute überbauten Heilig-Geist-Straße, vermutlich an der besagten Stelle.

Um seinen Geburtstag gebührend zu feiern, haben sich heute Vormittag Telemannfreunde eben dort  – an seiner Gedenkstele – versammelt. Angezogen von den musikalischen Beiträgen des Magdeburger Blechbläser Ensembles sind auch einige Interessierte stehen geblieben und lauschten andachtsvoll. Und so stand eine Menschentraube in einem Halbkreis um Telemann herum – der hatte heute also noch mehr zu gucken als sonst – und erinnerte an die Geburt des großen Magdeburger Komponisten.

„Ich bin in Magdeburg geboren“ hieß das Ständchen, das um 10.00 Uhr die Fußgängerzone der Goldschmiedebrücke mit Wohlklängen erfüllte und auch so manchen Telemannneuling anlockte. Neben den Geburtstagsliedern und den vielen Gratulanten durfte sich Telemann übrigens auch über Blumen freuen.

Wer das Ständchen verpasst hat, kann sich von den Klängen in unserem Video mit auf unsere Reise nehmen lassen und sich auf den nächsten Blogbeitrag freuen, wenn es wieder heißt: „Magdeburg blogt über Telemann“.

Bilder vom Geburtstagsständchen

»Ich bin in Magdeburg geboren« vom Magdeburger Blechbläser Ensemble
Magdeburger Blechbläser Ensemble
Ein Geburtstagsständchen am 14. März 2017
Ein Geburtstagsständchen für Telemann an der Gedenkstele
Siegfried Pank, Wettbewerbspräsident Georg-Philipp-Telemann-Wettbewerb
Magdeburger Blechbläser Ensemble im Einsatz
Magdeburger Blechbläser Ensemble gemeinsam mit
Telemann-Gedenkstele
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