Vorstellung der Publikation »Magdeburg und die Reformation«
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Vorstellung der Publikation „Magdeburg und die Reformation“ am 16. Mai 2017

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich begrüße Sie ganz herzlich hier im Kaiserin-Adelheid-Foyer im Alten Rathaus und freue mich, über Ihr Interesse an der neuen Publikation zum Thema „Magdeburg und die Reformation“.

In der Epoche der Reformation, deren 500. Jubiläum in diesem Jahr in Deutschland und in der ganzen Welt begangen wird, gehörte Magdeburg zu den wichtigen Schauplätzen des Ringens, um eine Erneuerung von Glauben, Kirche und Gesellschaft. Unsere Stadt wurde in ganz Europa als wehrhafte Hochburg des Luthertums bekannt und als Druckzentrum der evangelischen Theologen um Matthias Flacius.

Doch der Untergang der Elbmetropole im Dreißigjährigen Krieg, die erneute Zerstörung Magdeburgs im Zweiten Weltkrieg und der Abriss großer Stadtkirchen während des sozialistischen Wiederaufbaus haben unsere Stadt nachhaltig verändert und ließen die Erinnerung an jene Blütezeit verblassen.

Bereits zu Beginn der Lutherdekade hatte deshalb der Stadtrat der Landeshauptstadt beschlossen, eine neue Darstellung der Magdeburger Reformationsgeschichte erarbeiten zu lassen. Eine wissenschaftliche Arbeitsgruppe unter der Herausgeberschaft des Kulturhistorischen Museums, der Stadtbibliothek und des Stadtarchivs hat sich dieses Vorhabens angenommen.

Der erste Band erschien bereits 2016. Und ich freue mich sehr, dass im Jubiläumsjahr 2017 nun auch der abschließende zweite Band vorliegt. Magdeburg setzt damit einen eigenen Akzent für eine zeitgemäße Erforschung von Stadtgeschichte, der weit über die Stadtgrenzen hinaus Beachtung finden wird.

Wieso aber haben sich die Magdeburger vor 500 Jahren eigentlich so energisch in den Streit um den wahren christlichen Glauben eingemischt? Nun, zum einen ging es um das persönliche Leben jedes Einzelnen. In einer Zeit, wo jedermann mitten im Leben ständig vom Tod umgeben war, wollte man das eigene Seelenheil ungern aufs Spiel setzen. Zum anderen aber ging es ganz handfest um die politischen Grundlagen gesellschaftlichen Zusammenlebens. So wie wir heute den Wettbewerb um die besten Lösungen auf der Basis der freiheitlich-demokratischen Grundordnung führen, so bauten die Magdeburger des 16. Jahrhunderts ihre Stadtgesellschaft auf dem christlichen Glauben auf. Wo wir uns heute auf das Grundgesetz berufen, vertrauten unsere Vorfahren auf die Zehn Gebote und auf das einigende Band der christlichen Werte, wie sie die Kirche vermittelte.

Es ging also in der Reformation niemals nur um Religion, es ging immer auch um das Zusammenleben in einer Stadt! Dieses konnte man sich zu Luthers Zeiten nur in einer Gemeinschaft der Bürger vorstellen, die sonntäglich in den Pfarrkirchen der Stadt zusammenfand.

Wenn wir uns heute auf andere Grundsätze berufen, so teilen wir doch die Einsicht, dass friedliches Zusammenleben nur gedeihen kann, wenn gemeinsame Regeln, Rechte und Pflichten für alle Bürger und für alle Einwohner gleichermaßen gelten. So gesehen verbindet uns doch manches mit den Bürgerinnen und Bürgern vor 500 Jahren.

Die Erinnerung an Magdeburger Blütezeiten, Traditionsbrüche und Neuanfänge hat uns in den letzten Jahrzehnten viele Facetten der Stadtgeschichte und damit auch unserer Identität als Magdeburger wieder neu vor Augen geführt. Dies gilt etwa für unsere bedeutende Rolle als Lieblingsresidenz Ottos des Großen oder für die Epoche des Bürgermeisters und Gelehrten Otto von Guericke.

In der Bewerbung um den Titel zur „Europäischen Kulturhauptstadt 2025“ gehen wir auf diesem Weg weiter: 2018 eröffnen wir das neue Dommuseum. Zum Bauhausjubiläum 2019 wird sich Magdeburg als „Stadt des neuen Bauens“ und als legendäre „Bunte Stadt“ präsentieren, die mit der weltweiten Architekturbewegung der Moderne im Austausch stand. Und wir können darauf verweisen, dass Magdeburg als Haupt der Magdeburger Stadtrechtsfamilie mit vielen Städten Mittel- und Osteuropas ein Stück gemeinsamer Geschichte teilt.

Auch das Reformationsjubiläum 2017 hat in Magdeburg eine europäische Dimension. So ist die Elbestadt in wenigen Tagen Gastgeber des Kirchentags auf dem Weg. Das Fest der Kirche möchte Gegensätze überbrücken und Menschen miteinander verbinden. Der Druckort zahlloser Flugschriften im 16. Jahrhundert – oder auch die „Medienzentrale der Reformation“, wie Magdeburg in diesem Zusammenhang oft genannt wird – bietet die historische Folie, um neue Formen der Kommunikation auszuprobieren, aber auch um ethische Fragen rund um das Internet, wie die Ausgrenzung und Stigmatisierung Andersdenkender, zu diskutieren.

Im Herbst 2017 werden wir in der Ausstellung „Gegen Kaiser und Papst. Magdeburg und die Reformation“ des Kulturhistorischen Museums, Magdeburg dann als Widerstandsort des Luthertums, aber auch als Zentrum des innerprotestantischen Streits sowie als Forum friedlichen Interessenausgleichs erleben. Darüber hinaus veranstalten Stadtbibliothek, Stadtarchiv und Kulturhistorisches Museum das ganze Jahr über eine gemeinsame Vortragsreihe, die namhafte Referenten in die Stadt bringt. Einen dieser Vorträge erleben wir heute Abend.

Diese Projekte können jedoch nur ausschnitthaft Einblicke in das Magdeburg der Reformationszeit geben. Die Aufsätze des vorliegenden zweiteiligen Sammelbandes entfalten dagegen das ganze Panorama von der großen geistlichen Stadt am Vorabend der Reformation über die Verbreitung der lutherischen Heilslehre von Magdeburg in die Welt bis hin zu den Erzählungen von den aufrechten Magdeburger Christen, denen der Dichter Wilhelm Raabe in seinem Roman „Unseres Herrgotts Kanzlei“ ein literarisches Denkmal setzte.

Mein Dank dafür gilt den herausgebenden Institutionen, dem Kulturhistorischen Museum, der Stadtbibliothek und dem Stadtarchiv, er gilt der wissenschaftlichen Arbeitsgruppe und ihrem am Museum angegliederten Organisationsbüro. Ebenso danke ich der Landeszentrale für politische Bildung und ihrem Direktor Maik Reichel, ohne deren finanzielle Hilfe die beiden Teilbände nicht in dieser Form vorliegen könnten, sowie dem Mitteldeutschen Verlag, der den Band mit größter Sorgfalt lektorierte. Und ich danke natürlich ganz besonders den mehr als dreißig Autoren, allesamt namhafte Wissenschaftler aus Magdeburg und vielen anderen Orten des In- und Auslandes.

Ich hoffe und wünsche mir, dass diese quellennahe und kritische Aufarbeitung der Magdeburger Reformationsgeschichte über das Jubiläumsjahr hinaus unseren Blick für die Rolle unserer Stadt in der deutschen und europäischen Geschichte öffnet und damit ein weiterer Schritt zur Kulturhauptstadt Europas ist. Für heute wünsche ich Ihnen einen interessanten Abend und viele spannende Gespräche. Herzlichen Dank!

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